Kopf SVV-Mitgliedschaft Breite einstellen Hauptseite

Die SVV heisst jetzt: Swissveg
Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch


Die SVV heisst jetzt: Swissveg
Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch

Ökologische Folgen des Fleischkonsums

Die Folgen, die durch den Konsum von Fleisch entstehen sind weitreichend. Für alle die sich genauer damit auseinandersetzen wollen, hat die SVV die verschiedenen Aspekte zusammengetragen.

Ökologiebroschüre


Die Broschüre «Ökologischen Folgen des Fleischkonsums» kann gegen ein Rückporto von Fr. 0.50 pro Exemplar bei der SVV bestellt werden (für SVV-Mitglieder kostenlos). Bestellen!

Inhalt:

 

Weltweite Fleischproduktion steigt weiter an

Fleischproduktion weltweit:
1950:  44 Mio. Tonnen
1990: 170 Mio. Tonnen
1994: 194 Mio. Tonnen
1997: 210 Mio. Tonnen
1999: 217 Mio. Tonnen
2002: 242 Mio. Tonnen
2003: 253 Mio. Tonnen
2004: 258 Mio. Tonnen
2005: 267 Mio. Tonnen
2009: 284 Mio. Tonnen

Bei einer weltweiten Bevölkerung von 6,478 Milliarden Menschen macht das einen pro Kopf-Fleischkonsum von 39,8 kg im Jahr.

Stand: Dezember 2004

Obwohl der Fleischkonsum in den Industrienationen seit Jahren abnimmt, steigt der globale Konsum weiter an. 2005 wurden weltweit 267 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Seit 1970 hat sich die Fleischproduktion mehr als verdoppelt.2 Die globale Fleischproduktion könnte bis 2016 auf rund 300 Millionen Tonnen anwachsen, prognostiziert die Organisation für Wirtschafte Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).3
Allein in der Schweiz wurden 2007 465 000 000 kg Fleisch konsumiert (exkl. Blut, Knochen etc.).4 Dies hat weltweit enorme ökologische Folgen, die leider bisher viel zu wenig Beachtung fanden.

 

Im Jahr 2007 gab es in der Schweiz rund 1,6 Millionen Schweine und über 1,5 Millionen Rinder. 252 800 Kälber wurden in dem Jahr getötet.4

Landverbrauch

Auf der Fläche eines Grundstückes, die benötigt wird, um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, könnte man im selben Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten. In der Schweiz werden rund 67% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Tierhaltung und den Futtermittelanbau verwendet. Dies entspricht dem weltweiten Durchschnitt.5

In den USA werden 230000 km2 Land zur Produktion von Heu für Nutztiere beansprucht, aber nur 16'000 km2 (= 7%) zur Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel.6 Der enorme Landverbrauch für die Fleischproduktion beeinträchtigt auch den Regenwald: In Zentralamerika wurden innerhalb der vergangenen 40 Jahre 40% des gesamten Regenwaldes gerodet bzw. abgebrannt, hauptsächlich um Weideland zu erhalten oder Futtermittel anzubauen.7

Die Welternährungsorganisation FAO der UNO stellte in der 2006 von ihr veröffentlichten Studie fest, dass 70 % des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden verwendet wurden und der Futtermittelanbau ein Grossteil der restlichen 30 % belegt. In derselben Studie hielt die FAO fest, dass 70 % des weltweiten Landwirtschaftslandes für die Viehhaltung verwendet werden.9 2004 wurden 1,5 Millionen Tonnen Fleisch in die EU importiert. Über ein Drittel davon aus Brasilien.


Vergleich: Landverbrauch zur Produktion von 1 kg Nahrungsmittel

Wasserverbrauch

Künftige Kriege werden nicht mehr ums Erdöl geführt, sondern ums Wasser, heisst es. Ein durchschnittlicher Haushalt benötigt täglich nur rund 2 bis 5 Liter Wasser zum Trinken und 100 bis 500 Liter für alles andere im Haushalt (Duschen, Waschen usw.). Dies ist beinahe zu vernachlässigen gegenüber den 2000 bis 5000 Litern, welche für den Anbau der Nahrungsmittel einer Durchschnittsfamilie täglich benötigt werden.
Bei der Bekämpfung des weltweiten Hungers wird oft nur von der Nahrungsmittelversorgung gesprochen und das Wasser, welches notwendig ist, um überhaupt Nahrungsmittel produzieren zu können, vernachlässigt.

In Stockholm fand deshalb 2004 eine Wasserkonferenz10 statt, welche sich ausschliesslich mit der Wasserversorgung der Menschheit befasste. Dabei kamen interessante Ergebnisse zu Tage: Ob eine Familie eher 2000 oder 5000 Liter täglich für ihre Nahrungsmittel benötigt, hängt sehr von ihrer Ernährungsweise ab. Weltweit werden durchschnittlich rund 1200 m3 Wasser pro Jahr und Person zur Erzeugung der Nahrung benötigt. In den ärmsten Weltregionen, welche sich kaum tierische Produkte leisten können, liegt dieser Wert bei ca. 600 m3 pro Jahr. Im Gegensatz dazu werden in den Regionen, die am meisten Fleisch konsumieren (USA und EU), rund 1800 m3 pro Jahr und Person benötigt.

Ein direkter Vergleich macht den Einfluss des Fleischkonsums noch deutlicher:
Bei einer ausreichenden Ernährung mit 80% pflanzlicher Nahrung und 20% Fleischanteil (in den Industrienationen macht der tierische Anteil heute sogar 30–35% aus)11 beträgt der Wasserverbrauch pro Jahr 1300 m3, bei einer rein vegetarischen Ernährung nur rund die Hälfte.12
Durch den steigenden Konsum an tierischen Produkten wird weltweit immer mehr Wasser in der Landwirtschaft benötigt. In Indien muss in Tabelle Wasserbedarfmanchen Regionen das Wasser bereits aus über 1000 Meter Tiefe heraufgepumpt werden. Noch vor einer Generation reichten den Bauern handgegrabene Brunnen für ihre Bewässerungen. Heute sind bereits 95% der kleinen Pumpstellen ausgetrocknet.13 Auch in anderen asiatischen Ländern sieht die Entwicklung ähnlich aus.

Nahrungsmittelverschwendung

Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7–16 kg Getreide oder Sojabohnen. Dies kann ohne Übertreibung als die effektivste Form von Nahrungsmittelvernichtung bezeichnet werden.
Bei der «Umwandlung» von Getreide in Fleisch gehen durch diese künstliche Verlängerung der Nahrungskette unter anderem 90% Eiweiss, 99% Kohlenhydrate und 100% Faserstoffe verloren. Hinzu kommt, dass vom Körper der so genannten Schlachttiere nur ein kleiner Teil tatsächlich das gewünschte Fleisch ausmacht. Beim Rind ist der Gewichtsanteil an Fleisch (ohne Knochen) nur gerade 35%, beim Kalb 39%.14
Dennoch werden 66% des Getreides in der Schweiz an Tiere verfüttert (2004).15 In den USA fressen die rund 8 Milliarden Schlachttiere 80% der Getreideernte. Bei den Sojabohnen dienen weltweit sogar 90% als Futtermittel.16 Rund ein Drittel des weltweit produzierten Getreides wird an Tiere verfüttert, um deren Fleisch zu essen.
Würden z.B. die Amerikaner nur 10% weniger Fleisch essen, so könnte man mit dem dadurch eingesparten Getreide rund eine Milliarde Menschen vor dem Hungertod bewahren.
Allein in der Schweiz werden jährlich rund 1700000 Tonnen Kraftfutter an die Nutztiere verfüttert, der grösste Teil davon ist Futtergetreide.17 Die Schweiz kann sich diese Verschwendung leisten, bei den Entwicklungsländern sieht es jedoch kaum besser aus: Wie die FAO berichtet, dienten 1981 75% der Getreideeinfuhren in die Dritte Welt als Futter. Doch auch der inländische Nahrungsmittelanbau steht weltweit in direkter Konkurrenz zum Futtermittelanbau: In Ägypten zum Beispiel ist innerhalb 25 Jahren der Anbau von Mais als Viehfutter auf Äcker vorgedrungen, die früher Weizen, Reis und Hirse, alles Grundnahrungsmittel, hervorbrachten. Der Anteil des Futtergetreides ist dabei von 10% auf 36% angestiegen.18
Ähnlich erging es auch den anderen Ländern, die ihren Fleischkonsum erhöhten.
In Taiwan wurde 1950 die Bevölkerung noch mit 170 kg Getreide pro Kopf und Jahr satt. Bis 1990 versechsfachte sich der Fleisch- und Eierkonsum. Durch diese Verlängerung der Nahrungskette ist der Getreidebedarf pro Kopf auf 390 kg angestiegen. Trotz ständig wachsenden Ernten konnte Taiwan diesen steigenden Bedarf nur durch Einfuhren decken. Während Taiwan 1950 noch Getreide exportierte, musste es 1990 74% seines Bedarfs aus dem Ausland einführen, grösstenteils als Viehfutter.19
Ähnliche Zahlen ergeben sich für die ehem. Sowjetunion: seit 1950 Verdreifachung des Fleischkonsums, Vervierfachung des Futtermittelverbrauchs.
1990 verzehrte das Vieh dort bereits dreimal so viel Getreide wie die Menschen. Die Einfuhren an Futtergetreide widerspiegeln dies: Von fast null im Jahre 1970 stiegen sie auf 25 Millionen Tonnen im Jahr 1990. Damit wurde die ehem. Sowjetunion zum zweitgrössten Futtermittelimporteur der Welt.

Jauche verursacht Waldsterben

Die wissenschaftlichen Untersuchungen weisen eindeutig darauf hin, dass die heutige Massentierhaltung ein Hauptverursacher des Waldsterbens ist.
Biologe Dr. Hans Mohr20 im «Spektrum der Wissenschaft» vom Januar 1994:
«Eine wesentliche Erkenntnis aus zehn Jahren Waldschadensforschung ist, dass die atmosphärischen Einträge an Stickstoff und insbesondere an Ammonium21-Stickstoff, der in erster Linie aus der Landwirtschaft stammt, vermindert werden müssen. […] Das Kardinalproblem bleibt die Entsorgung der unaufhörlich wachsenden Menge tierischer Exkremente und menschlicher Fäkalien.»
Die menschlichen Fäkalien werden heute zum Grossteil über Kläranlagen entsorgt, die tierischen Exkremente werden jedoch immer noch auf die Felder geschüttet bzw. gespritzt. Dies hat zur Folge, dass der Stickstoff (N) in Form von Ammoniak (NH3), der heute als hauptverantwortlich für das Waldsterben gilt, zu rund 85% durch die Emissionen der Tierhaltungen verursacht wird.23
Stickstoff, eigentlich ein unverzichtbares Nährmittel für Wiesen, Wälder und Wasserlebewesen, kann bei einem Übermass zur folgenschweren Überdüngung derselben führen. Dies wurde aber sehr spät bemerkt, da bei hoher Stickstoffzufuhr die Wälder anfangs schneller wachsen und erst wenn die Böden mit Stickstoff übersättigt sind, mit den ersten Schäden reagieren.

Die Emmissionen von Ammoniak aus der Landwirtschaft stammen zu 90% aus Jauche und Mist.22

Die Untersuchungskommission des Deutschen Bundestages zum Thema «Schutz der Erdatmosphäre» kam 1992 zum selben Ergebnis. Zum Thema Ammoniak (NH3) veröffentlichte sie in «Klimaänderung gefährdet nationale Entwicklung»:
«National (BRD), kontinental (Westeuropa) und global sind die NH3-Emissionen zu 90% der Landwirtschaft und hier zu 80% der Tierhaltung zuzuordnen. In der Bundesrepublik Deutschland werden jährlich 528000 t NH3 emittiert. Ammoniak entsteht im Stallbereich, in der Weidewirtschaft sowie bei der Lagerung und Ausbringung von organischem Dünger. […] Durch Minderung der Viehbestände, Fütterungsumstellungen und Reduzierung der Güllewirtschaft würden die Ammoniak- und Stickoxid-Freisetzungen vermindert. […] Das wäre nicht nur in ökologischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht wünschenswert.»25

«Das Ökosystem Wald ist nicht mehr im Gleichgewicht und verschiebt sich in den Bereich, wo es zu Schäden kommen kann. Seine Stabilität ist gefährdet.»24
Richard Volz vom Bereich Walderhaltung beim BUWAL im Magazin UMWELT 2/2004: «Stickstoffbelastung: Nährstoffe aus der Luft machen Waldböden sauer.»

Feinstaubbelastung durch Tierhaltung

Ammoniak aus tierischen Fäkalien spielt nicht nur beim sauren Regen eine verhängnisvolle Rolle. Aus Ammoniak entstehen in der Atmosphäre auch sekundäre Aerosole, welche als Feinstaub (PM10) zur Gefährdung der menschlichen Gesundheit beitragen. Der Direktor des Schweizer Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Philippe Roche, rechnet mit jährlich 3700 Toten als Folge des Feinstaubes in der Schweiz. Die zusätzlichen Gesundheitskosten beziffert er auf rund 4,2 Milliarden Franken pro Jahr.26 Trotz ihrem grossen Beitrag zu diesem Problem wird die Tierhaltung im Kampf gegen den gefährlichen Feinstaub kaum je erwähnt. Wie schwer es gerade Politikern fällt, dieses Thema anzusprechen, zeigt die Reaktion des Schweizer Bundespräsidenten und Umweltministers Moritz Leuenberger an der Pressekonferenz zum Thema Feinstaub vom 2.2.2006. Auf den Beitrag der Landwirtschaft zur Feinstaubbelastung angesprochen, antwortete er nur: «Ein heikles Thema.»

In den USA ist die Umweltbelastung aus den Tierfabriken 130-mal so hoch wie die Verunreinigungen durch die Menschen.27

Zerstörung der Gewässer

Ammoniak hat jedoch nicht nur verheerende Auswirkungen auf den Wald und die Luft, sondern auch auf die Gewässer. Die Überdüngung bewirkt unter anderem ein unnatürlich starkes Wachstum der Algen, die dadurch dem Gewässer den Sauerstoff entziehen.
Die heutigen bodenunabhängigen Tierfabriken produzieren eine solche Menge an Jauche, dass dadurch das Grundwasser ernsthaft gefährdet wird.22 Ein Beispiel: Um das Schweinefleisch für die Schweizer Bevölkerung zu «produzieren», werden 890000 Tonnen Futter benötigt und 2,5 Mio.m3 Jauche produziert.28 In der Schweiz müssen z.B. der Sempachersee und der Baldeggersee wegen Überdüngung bereits mit riesigen Sauerstoffgebläsen künstlich «beatmet» werden und in vielen Ackerbaugebieten in der Schweiz kann der Bevölkerung das Grundwasser wegen der hohen Nitratbelastung nicht mehr als Trinkwasser zugemutet werden.29

Über 50% der Wasserverschmutzung in Europa sind auf die Massentierhaltung zurückzuführen. Das Nitrat aus der Landwirtschaft ist heute schon so weit ins Grundwasser vorgedrungen, dass deshalb bereits einige Mineralwassermarken nicht mehr Trinkwasserrichtwerte erfüllen.30 In den USA ist der Anteil der Landwirtschaft an der Wasserverschmutzung grösser als der aller Städte und Industrien zusammen!31

Übersäuerung des Bodens

Ammoniak und Stickoxide (NOX) tragen auch wesentlich zur Übersäuerung des Bodens bei. In den Niederlanden hatte dies bereits 1989 ein solches Ausmass angenommen, dass sich ein Ministerium mit diesem Problem befassen musste. Das Resultat des niederländischen Instituts für Gesundheit und Umweltschutz:32
«Das Nitrat aus der Gülle entweicht als Ammoniakgas auch in die Luft; es ist ein Umweltgift, das den so genannten sauren Regen und andere säurehaltige Ablagerungen hervorruft. In Holland stammt der grösste Teil der Niederschläge von den Ammoniakgasen aus den Kuhställen – sie schaden dem Land mehr als alle Automobile und Fabriken.»
Sogar die Wälder, die nicht direkt gedüngt werden, enthalten durch die Verunreinigung des Grundwassers 3 mal mehr Stickstoff in den Böden als noch vor 50 Jahren. Das Bundesamt für Landwirtschaft geht davon aus, dass in der Schweiz 90% aller Waldböden einen kritischen Wert an Stickstoffoxiden aufweisen.

Rajendra PachauriRajendra Pachauri, Vorsitzender des UNO-Weltklimarates: «Bitte essen Sie weniger Fleisch – Fleisch ist ein sehr CO2-intensives Produkt.»

Treibhauseffekt

Für den Treibhauseffekt wurden bisher fast ausschliesslich der Verkehr und die Industrie verantwortlich gemacht. Auch hier vernachlässigte man lange fast gänzlich den Einfluss der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Der Leiter des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie, Ernst U. v. Weizsäcker, dazu: «Die Beiträge der Rinderhaltung zum Treibhauseffekt sind ähnlich gross wie die des gesamten Autoverkehrs, wenn wir die Waldrodung fürs Rind und für Futtermittel einbeziehen. […] Und die Verwandlung von Savannen in Wüsten, die Erosion in Berggebieten, der übermässige Wasserbedarf der Rinder, der gigantische Energiebedarf der Mastviehhaltung sind einige weitere Gründe dafür, dass wir mit jedem Pfund Rindfleisch der Umwelt schwer zusetzen.»33
Der Treibhauseffekt wird unter anderem durch die drei Gase Methan, Kohlendioxid und Stickstoffoxide verursacht. Alle drei entstehen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung in grossen Mengen. Allein die weltweit gehaltenen 1,3 Milliarden Rinder (bzw. die Konsumenten ihrer Körper) sind für 12% der weltweiten Methangasemission verantwortlich.
Bei der Viehzucht entstehen jährlich insgesamt 115 Millionen Tonnen (= 115`000`000`000 kg) Methangas. Noch gravierender ist dies, wenn man bedenkt, dass ein Methanmolekül 25-mal mehr zum Treibhauseffekt beiträgt als ein Kohlendioxidmolekül.35

Die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch belastet das Klima so stark wie 250 Kilometer Autofahren.34

2006 hat sich erstmals eine UN-Organisation mit den ökologischen Folgen der Fleischproduktion befasst. Das über 400-seitiges Dokument, zeigt die verheerenden globalen Auswirkungen der Fleischproduktion auf die Umwelt auf:36

Um die Auswirkungen unserer Ernährung auf das Klima zu reduzieren, empfehlen Umweltverbände oft auf regionale und biologische Nahrungsmittel zurückzugreifen. Doch bio allein ist keine Lösung für das Klimaproblem. Deutsche Wissenschaftler haben in Untersuchungen festgestellt, dass es für den Ausstoss von Klimagasen weniger relevant ist, ob Verbraucher sich ökologisch oder
konventionell ernähren, viel wichtiger ist die Menge an Rindfleisch und Milchprodukten, die sie konsumieren.
Dies lässt sich noch besser verdeutlichen, wenn man es mit dem CO2Ausstoss beim Autofahren vergleicht: Eine biologische, konventionelle Ernährung die Fleisch, Milch und Eier beinhaltet verursacht pro Jahr und pro Person gleichviel Treibhausgase wie eine Autofahrt von 4377 Kilometern. Bevorzugt man dagegen eine vegane Ernährung mit biologischen Produkten kommt man gerade mal 281 Kilometer weit.
Die Schlussfolgerung ist klar: Je weniger tierische Produkte konsumiert werden, desto mehr schützt man das Klima.

Um den Treibhausgas-Ausstoss langfristig um insgesamt 60 bis 80 Prozent zu senken, müsste die Produktion von Fleisch und Milch gesenkt werden, denn vor allem die Rinderhaltung ist sehr klimaschädlich.37
UN-Organisation FAO

Antibiotika und Hormone

Bei allen oben aufgeführten ökologischen Auswirkungen der Fleischproduktion wurde ein Aspekt noch vernachlässigt: Durch die auf Leistung gezüchteten heutigen Nutztierrassen und die unnatürlichen Haltungsbedingungen und artfremde Fütterung werden immer mehr Tiere krank. In vielen Ländern ist heute der vorsorgliche Antibiotikaeinsatz bei gesunden Tieren verboten. Dieses Verbot wurde nötig, da Antibiotika (nebst einigen Hormonen) von den Mästern häufig als Leistungsförderer missbraucht wurden. Allerdings ist nach wie vor der Einsatz von Antibiotika bei kranken Tieren erlaubt. Der heutige Umgang mit den so genannten Nutztieren führt dazu, dass fast jedes Tier mit Antibiotika behandelt werden muss.
Obwohl der vorsorgliche Einsatz von Antibiotika bei gesunden Tieren in der Schweiz seit 1999 verboten ist, zeigte eine Studie von 2004 auf, dass 90% der Schweizer Kälber mit Antibiotika behandelt werden.38 Bei Milchkühen ist der Antibiotikaeinsatz auch sehr häufig, da die stark beanspruchten Zitzen der Hochleistungsmilchkühe sehr empfindlich sind und sich deshalb oft entzünden (Mastitis).39
Bei den tierischen Produkten, welche der menschlichen Ernährung dienen, gibt es deshalb schon lange Grenzwerte für Antibiotikarückstände. Im April 2005 wurde eine vom NRW-Verbraucherschutzministerium in Auftrag gegebene Studie40 publiziert, welche erstmals Antibiotika auch in Nutzpflanzen (Getreide) nachwies. Durch die tierischen Fäkalien der mit Antibiotika behandelten Tiere gelangten diese Arzneimittel auf die Felder und verbreiteten sich somit im Ökosystem. Obwohl die gemessenen Werte unterhalb der Toleranzgrenze für menschliche Nahrung lagen, führt eine ständige Aufnahme von kleinen Mengen an Antibiotika dazu, dass diejenigen Bakterien, die man damit abtöten möchte, dagegen Resistenzen bilden können. Die entsprechenden Antibiotika verlieren dadurch mit der Zeit ihre Wirkung. Deshalb müssen immer stärkere Medikamente entwickelt werden, die immer mehr in das ökologische Gleichgewicht eingreifen.
Alle Medikamente und Hormone (z.B. in den USA weit verbreitet, um die Milch- und Fleischleistung zu steigern), welche den Tieren verabreicht werden, landen früher oder später über Fleisch, Milch, Eier und Fäkalien wieder in der Umwelt. Die Langzeitfolgen davon sind bis heute noch kaum absehbar.

Meeresfrüchte als Ausweg?

Die Zeiten, als noch kleine Fischerboote im Meer fischten, sind längst vorbei. Von 1950 bis 2005 hat sich die Ausbeutung der Meere um das achtfache gesteigert, so wurden im Jahr 2005 mehr als 141 Mio. Tonnen Meerestiere gefangen. Weltweit wird heute viermal mehr Fisch konsumiert als noch um 1950.41 Um diese enorme Nachfrage befriedigen zu können, wird heute mit kilometerlangen Netzen gefangen. Da der Fischbestand durch starke Überfischung zunehmend kleiner wird, ging man in den letzten Jahren zu Zuchtfarmen über. Dabei entstanden dieselben ökologischen Probleme wie oben bezüglich der anderen Tierarten bereits beschrieben.
Ein Beispiel: Ein etwa 4 Kilogramm schwerer Zuchtlachs muss bis zur Schlachtreife rund 400 Gramm Antibiotika fressen. Dennoch muss er zusätzlich gegen Krankheiten geimpft werden, weil er sonst die Enge und die vielen Artgenossen nicht aushalten würde. Da die Antibiotika und anderen Medikamente/Chemikalien mit dem Futter direkt ins Wasser gegeben werden, ist deren rasche Verbreitung im Ökosystem vorprogrammiert.
Wildlachse legen normalerweise tausende Kilometer zurück. Die Haltung in den Käfigen der Zuchtfarmen ist so unnatürlich, dass auch ihr Fleisch dadurch nicht mehr rosa erscheinen würde (wie es die Konsumenten gewohnt sind), deshalb werden dem Futter meist künstliche Farbstoffe zugefügt.
Ausserdem breiten sich die Krankheiten der Zuchtfische auch auf ihre frei lebenden Artgenossen aus und dezimieren so den Wildbestand.
In ihrer natürlichen Umgebung ernähren sich Wildlachse von Krebsen und Garnelen, wodurch ihr Fleisch die typische hellrote Farbe erhält. Die Haltung in den Käfigen der Zuchtfarmen ist aber so unnatürlich, dass ihr Fleisch nicht mehr rosa erscheint (wie es sich die Konsumenten gewohnt sind), deshalb werden dem Futter meist künstliche Farbstoffe zugefügt.
Das Futter für die Zuchtfische stammt selbst wiederum aus dem Meer. Um ein Kilogramm Zuchtfisch zu erzeugen, werden dem Meer rund zwei Kilogramm Fische als Futter entnommen.42 Ähnliches gilt auch für die anderen «Meeresfrüchte» wie Krabben, Garnelen etc.
Nebst dieser Verschwendung leidet der Fischbestand der Meere auch noch darunter, dass ein Drittel des weltweiten Fischfangs zu Fischmehl verarbeitet wird und zwei Drittel davon in den Futtertrögen der Schlachttiere auf dem Land landen.43
In den letzten Jahren wurden in Europa immer mehr Garnelen (im Handel bezeichnet als Shrimps, Crevetten und Prawns) und Krabben konsumiert. Dies führte zu grossen Zuchtbetrieben an Meeresstränden, wo zuvor Mangrovenwälder standen. Die Mangrovenwälder haben eine wichtige ökologische Funktion: Sie dämpfen Flutwellen. Der ostasiatische Tsunami im Jahre 2004 brachte die enorme Verwüstung auch deshalb zustande, weil dort zuvor der Grossteil der Mangrovenschutzwälder für die Zuchtbetriebe gerodet wurde.
Ein Beispiel: Ursprünglich gab es auf den Philippinen über 500000 Hektar Mangrovenwälder. Heute gibt es nur noch 36000 Hektar. Der Rest (rund 93%) wurde für den Weltmarkt in Krabbenzuchtbetriebe umgewandelt.44
Durch die Überfischung der Meere werden auch die Fischtechniken immer radikaler: Um auch noch die letzten Fische fangen zu können, wird teilweise mit Sprengladungen «gefischt». Diese zerstören die Korallenriffe ebenso wie die enormen Schleppnetze, welche über den Meeresgrund gezogen werden. Nebst vielen anderen ökologischen Auswirkungen bewirkt das Fehlen der Korallenriffe auch, dass ihre verlangsamende Wirkung auf anrollende Riesenwellen wegfällt.45

Ökonomie

Wie ist es möglich, dass trotz den oben beschriebenen immensen Nachteilen einer fleischorientierten Gesellschaft der Fleischkonsum weltweit weiterhin ansteigt?46 Nebst einigen psychologischen und sozialen Gründen, die meist durch die Werbung hervorgerufen werden (Fleisch gibt Kraft usw.), ist ein Aspekt kaum zu unterschätzen: das Geld.
Auf den ersten Blick scheint dies ein Widerspruch, denn unter normalen Umständen müsste ein Wirtschaftszweig, der auf die Vernichtung von Nahrungsmitteln und Ressourcen programmiert ist, längst von selbst zusammenbrechen. Die Kosten, welche die heutige Fleischproduktion weltweit verursacht, stehen längst in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu ihrem angeblichen Nutzen.

Kosten auf die Steuerzahler abgewälzt

Ein Grund, weshalb die Fleischindustrie immer noch existiert, ist der, dass die Einnahmen aus dem Geschäft privatisiert werden, die Kosten jedoch auf die Allgemeinheit (und somit auf alle Steuerzahler) abgewälzt werden. Nach Schätzung des renommierten Worldwatch-Instituts in Washington müsste sich der Fleischpreis verdoppeln oder verdreifachen, wenn man die vollen ökologischen Kosten einschliesslich der Verbrennung fossiler Brennstoffe, der Absenkungen des Grundwassers, der chemischen Verseuchung des Bodens und der Erzeugung von Ammoniak und Methangas auch auf die Rechnung setzen würde.47 Ganz zu schweigen von den Folgekosten im Gesundheitswesen.

Subventionierter Wahnsinn

Obwohl der Grossteil der Kosten der Fleischproduktion auf die Allgemeinheit (= Steuerzahler) abgewälzt wird, reicht dies noch nicht, um die Fleischproduktion wirtschaftlich rentabel zu machen. Deshalb wird der Markt durch weitere finanzielle Interventionen (Subventionen) so stark verfälscht, dass es überhaupt attraktiv ist, Fleisch zu produzieren.
16% aller produzierten Güter und Dienstleistungen (=Produktionswert) in den USA sind auf Suvbentionen zurückzuführen. In der EU sind es 32% und in der Schweiz sind 68% aller Einnahmen der Landwirtschaft auf direkte oder indirekte Subventionen zurückzuführen. Dies ist der höchste Anteil weltweit! Nur aufgrund dieser Zuzahlungen «lohnt» sich die Tierhaltung überhaupt.48
Auch international wird die Viehwirtschaft stark unterstützt und damit am Leben erhalten: Allein in Lateinamerika hat die Weltbank von 1963 bis 1985 1,5 Milliarden Dollar in die Viehwirtschaft hineingepumpt, zumeist in grosse Rinderfarmen.49

Fussnoten:

1. Inklusive Landflächen für den Futtermittelanbau. Quelle: EarthSave Foundation. Je nach Anbau- bzw. Aufzuchtmethode können die Werte stark variieren.
2. Worldwatch Paper 171: Danielle Nierenberg: «Happier Meals – Rethinking the global meat industry», 2005, ISBN 1-878071-77-7, Seite 9.
3. Landwirtschaftlicher Informationsdienst, www.lid.ch, 26.9.2007
4. Proviande Jahresbericht 2007
5. Worldwatch Paper 171, Seite 7.
6. «MEAT – Now, It’s Not Personal! But like it or not, meat-eating is becoming a problem for everyone on the planet», aus dem World-Watch-Magazin Juli/August 2004, www.worldwatch.org
7. Ebenda.
8. «MEAT – Now, It’s Not Personal!»
9. FAO, «Livestock’s long shadow», 2006
10. Stockholm International Water Institute (SIWI): «Water – More Nutrition per Drop; Towards Sustainable Food Production and Consumption Patterns in a Rapidly Changing World», 2004. www.siwi.org
11. Rockström, J.: «Water for food and nature in drought-prone tropics: vapour shift in rain-fed agriculture».Philosophical Transactions: Biological Sciences, 29 December 2003, vol. 358, iss. 1440, pp. 1997-2009(13) Royal Society.
12. «Water – More Nutrition per Drop» und: Rockström, J., Gordon, L., Folke, C., Falkenmark, M., and Engwall, M.: «Linkages among water vapor flows, food production, and terrestrial ecosystem services», 1999, Conservation Ecology 3(2):5.
13. Spiegel online: «Grundwasserspiegel sinken dramatisch», 26.8.2004.
14. Nach Zahlen der Schweizerischen Genossenschaft für Schlachtvieh und Fleischversorgung (GSF).
15. Situationsbericht des Schweizerischen Bauernverbandes 2007.
16. Nach: EarthSave Foundation.
17. Bundesamt für Statistik, Futtermittelbilanz 2004 (Excel-Datei).
18. Aus Worldwatch Paper «Zeitbombe Viehwirtschaft» von Alan B. Durning, Seite 36.
19. «Zeitbombe Viehwirtschaft», Seite 33
20. H. Mohr gehört der Deutschen Akademie der Naturforscher an und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, deren Forschungsstelle «Nitratassimilation» er seit 1986 leitet. Ehrendoktor der Universitäten Strassburg und Limburg.
21. Ammonium (NH4+) entsteht in der Luft aus Ammoniak (NH3).
22. Hans Mohr in «Spektrum der Wissenschaft», Januar 1994, Seite 50, und «Mitteilungen zur Luftreinhalte-Verordnung LRV Nr. 13» des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landwirtschaft (BUWAL), 2002.
23. Aus «Umwelt», 2/04, «Nährstoffe aus der Luft machen Waldböden sauer» (PDF) , Bundesamt für Umwelt, Wald und Landwirtschaft (BUWAL).
24. Ebenda.
25. Gemeinsame Erklärung der 27 Mitglieder der Enquete-Kommission, worin alle Regierungsparteien und 14 Wissenschaftler vertreten sind.
26. «Feinstaub macht krank», BUWAL, 2005, www.buwalshop.ch
27. «MEAT – Now, It’s Not Personal!»
28. Berechnet von Konsum & Umwelt des WWF Schweiz im Heft 1/94.
29. Siehe Fussnote 23.
30. Nach TV-Sendung «Fleisch frisst Menschen» des WDR vom 17.12.1987.
31. Cross, Russell H., Byers, Floyd M., u.a.: «Current Issues in Food Production A Perspective on Beef as a Component in Diets for Americans», April 1990, Seite 5.26.
32. Aus Worldwatch Paper «Zeitbombe Viehwirtschaft», S. 22.
33. Aus seinem Vorwort in: Jeremy Rifkin: «Das Imperium der Rinder», Campus Verlag, 1992, Seite 12.
34. Das folgt aus einer japanischen Studie zur Umweltbilanz von Rindern.(www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/280720.html), gemäss einer japanischen Studie im Animal Science Journal
35. Jeremy Rifkin: «Das Imperium der Rinder», Campus Verlag, 2001, S. 195, und «Zeitbombe Viehwirtschaft», S. 30.
36. FAO, «Livestock’s long shadow», 2006
37. foodwatch-Report «Klimaretter Bio?»
38. «90% der Schweizer Kälber erhalten Antibiotika», Vegi-Info 2004/2, Seite 4.
39. «Antibiotisches Trockenstellen»
40. «Deutschland: Erstmals Antibiotika aus Tierhaltung in Pflanzen und Lebensmitteln nachgewiesen», 25.5.2005, EVANA
41. The Worldwatch Institute, State of the World 2008.
42. Rosamund Naylor u.a.: «Effect of Aquaculture on Global Fish Supplies», Nature, 29. Juni 2000, Seiten 1017-1024.
43. Worldwatch Paper 171, Seite 25.
44. John Robbins: «Food Revolution», Nietsch-Verlag, ISBN 3-934647-50-2, Seite 314.
45. «Tsunami-Leid: Nur eine Laune der Natur?», Vegi-Info 2005/1, Seite 20 und im Internet: www.evana.org
46. Obwohl in einigen Industrieländern in letzter Zeit (aus gesundheitlichen Gründen) eine Kehrtwende feststellbar ist, wird weltweit nicht weniger Fleisch produziert. Stattdessen werden die ständig steigenden Überschüsse der Fleischproduzenten in Entwicklungsländer zu Spottpreisen exportiert und treiben dort den Fleischkonsum voran. Gleichzeitig werden lokale Märkte durch das Billigfleisch zerstört.
47. «Zeitbombe Viehwirtschaft», Seite 48.
48. Bundesamt für Statistik, «Subventionen in der Landwirtschaft».
49. «Zeitbombe Viehwirtschaft», Seite 45.

 

Weitere Informationen auf der SVV-Homepage:

Externe Internetseiten:

Weiterführende Literatur:



[nach oben

[Zum Inhaltsverzeichnis Umwelt]  [Zurück zur Infoübersicht]


   
© Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV) | www.vegetarismus.ch | Impressum