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«Humanes» Schlachten

Es ist moralisch unverantwortbar, den Fleischkonsum mit der Möglichkeit des humanen Schlachtens zu legitimieren, obwohl eindeutig feststeht, dass eine humane Schlachtung auch in Zukunft im grossen Stil nie möglich sein wird. Es gibt noch zu viele Fleischesser/-innen, die sich an das Märchen einer humanen Schlachtung klammern, um ihre Ernährungsgewohnheiten nicht verändern zu müssen. Die Argumentation verläuft dann meist in der Art: «Es wäre ja theoretisch möglich, Tiere schonend zu töten, dass dies nicht gemacht wird, ist nicht meine Schuld, also kann ich auch Fleisch von ‹normal› geschlachteten Tieren ohne schlechtes Gewissen essen.» Deshalb will dieser Text über die Unmöglichkeit einer humanen Schlachtung im grossen Stil aufklären:

Schweineschlachtung

Gehört der Tod zum Leben?

Versuchen Sie einmal eine Woche in einem grösseren Schlachthof zu arbeiten und die Idee von der humanen Schlachtung in die Tat umzusetzen. Entweder werden Sie schon nach kurzer Zeit einsehen, dass bei dieser Arbeit ein Mitgefühl mit den zum Töten bestimmten Tieren (d.h. sich einfühlen in die Panik und Todesangst der Tiere) unmöglich ist, wenn man weiterhin diese Arbeit tun muss, oder Sie werden wegen der psychischen Belastung zusammenbrechen. Mit der Forderung, dass die Schlächter mehr Mitgefühl gegenüber den ihnen ausgelieferten Tieren zeigen sollten, verlangt man jedoch genau das Unmögliche. Könnten Sie täglich über längere Zeit dem Schlachtbetrieb aus nächster Nähe zusehen? Ich vermute nicht. Weshalb? Weil Sie sich in die zum Tode «verurteilten» Geschöpfe einfühlen können und ihre Todesangst spüren (ausser Sie hätten bereits jegliches Mitgefühl verloren). Ihre Gefühle hindern Sie also daran, in einem Schlachthof zu arbeiten, gleichzeitig wird gefordert, dass die Schlächter dieselben Gefühle, die Sie an dieser Arbeit hindern, entwickeln sollten! Dies ist aus Selbstschutz der Arbeiter schlicht nicht möglich.

Die Forderung zu einem «humanen» Schlachten wird meist von den Menschen aufgestellt, die zwar mit der heutigen Schlachtung nicht einverstanden sind, aber keine Alternative dazu sehen. Dabei wäre die Alternative sehr einfach: die Anzahl Schlachtungen drastisch reduzieren oder ganz abschaffen. Mit der drastischen Reduzierung bestünde auch eine grössere Möglichkeit, sich mit jedem Tier, das dennoch getötet wird, einzeln zu befassen und ihm den Tod wenigstens zu erleichtern. Der Grund, weshalb diese Alternative von vornherein abgelehnt wird, ist auch klar: Sie erfordert eine Änderung der Lebensweise von uns allen. Man müsste zumindest seine Ernährungsgewohnheiten umstellen und könnte nicht mit verschränkten Armen darauf warten, bis irgendjemand für eine humanere Schlachtung sorgt. Wer echtes Mitleid mit den gequälten Tieren im Schlachthof hat, hat nur eine einzige Möglichkeit, um persönlich und ganz konkret helfen zu können: Auf den Konsum von Fleisch verzichten. Die Nachfrage bestimmt die «Produktion», auch beim Fleisch.

Möglichst effizient

Man könnte hier einwenden, dass die Tiere nicht nur ihres Fleisches wegen geschlachtet werden, doch sind alle anderen tierischen Produkte nur Schlachtnebenprodukte bzw. Schlachtabfälle und somit wirtschaftlich von untergeordnetem Interesse (jährlich werden in der Schweiz über 600'000 Tonnen Fleisch konsumiert). Ein Verzicht auf Fleisch hätte also einen sofortigen Rückgang an Schlachtungen zur Folge. Dennoch sollen auch die anderen tierischen Produkte hier kurz behandelt werden:

Es sei hier noch erwähnt, dass die Kritik nicht an den Schlächtern ansetzt, da diese (meist Ausländer) sich ihre Arbeit oft nicht ganz freiwillig ausgesucht haben, sondern im Glauben, das Schlachten humanisieren zu können.

Wir Vegetarier glauben, dass wir die Aufgabe haben, den Menschen eine neue Beziehung zwischen Mensch und Tier aufzuzeigen, in der das Töten unserer Mitgeschöpfe zur Befriedigung des Gaumens keinen Platz mehr hat (egal ob das Tier «human» geschlachtet wurde oder nicht). Selbst wenn man dieses Ziel nicht von einem Tag auf den anderen erreichen kann, sollte man sich stets auf das Ziel konzentrieren, die einzelnen Zwischenetappen ergeben sich dann von selbst.

Helmut F. Kaplan

 

Fussnoten:

  1. Siehe dazu das SVV-Infoblatt Nr. 18: Die Deckung des Eiweissbedarfs von Dr. med. M. O. Bruker.
  2. Siehe dazu das SVV-Infoblatt Nr. 11: Leder.

 

Buchempfehlung:

H. Kaplan: Leichenschmaus – Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung, Insbesondere das Kapitel: «Märchen vom humanen Schlachten» (Seite 122ff) ist in diesem Zusammenhang sehr lesenswert. Der Autor hat Psychologie, Philosophie und Pädagogik studiert und behandelt seine Themen dementsprechend gründlich und konsistent, aber dennoch einfach nachvollziehbar.

Weitere Informationen :



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