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Eisen

«Eisen ist dauerhaft, doch eines Tages wird es verrosten. Einige verbreitete Ansichten über die Vorteile des Eisens in der Ernährung werden in naher Zukunft dasselbe Schicksal erleiden. Auch sie werden bald einmal zum alten Eisen gehören.»
Felix Kieffer, Spurenelement-Fachmann aus Bern

Brennesseln enthalten besonders viel Eisen

Leiden Vegetarier häufiger an Eisenmangel?

Vielen Vegetariern wird immer wieder gesagt, sie sollten Fleisch essen oder wenigstens Eisenpräparate einnehmen, damit sie ihren Eisenbedarf decken könnten. Einige Menschen lassen sich dadurch sogar von der gesünderen, vegetarischen Ernährungsweise abbringen. Wie steht die Wissenschaft zu dieser weit verbreiteten Meinung?

Bei der Vegetarier-Studie des Bundesgesundheitsamtes Berlin stellte man Folgendes fest: «Unsere Untersuchungen ergaben niedrigere Eisen- und Hämoglobinwerte bei weiblichen Vegetariern. Klinisch verwertbare Folgerungen konnten daraus jedoch nicht gezogen werden. Zudem tritt in letzter Zeit eine andere Bewertung des sogenannten Eisenmangels in den Vordergrund. Es gibt sogar Wissenschaftler, die niedrigeres Serumeisen für gesundheitlich vorteilhaft halten.»1 Die Empfehlung von Eisenpräparaten wird damit sehr fraglich.

Meinungen der Wissenschaftler

Die Berliner Studie ist nicht die einzige, die über dieses Thema gemacht wurde. Alle seriös durchgeführten Studien kommen zu einem ähnlichen Ergebnis (die Studien, die von der Fleisch- oder Milchindustrie bezahlt wurden, kommen selbstverständlich zu einem anderen Resultat als die unabhängigen Studien!).

Aus der Arbeit des Instituts für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Giessen kann man entnehmen: «Eisenwerte von Vegetariern liegen durchschnittlich im unteren Normbereich. Da die Standardwerte auf Messungen mit fleischessenden Personen beruhen, wird derzeit diskutiert, ob diese für alle Menschen verbindlich sind. Die Diskussion wird durch die Feststellung belebt, dass Eisenwerte im unteren Normbereich einen gewissen Schutz gegen Infektionskrankheiten und Herzinfarkt bieten.»2 Einige Studien gehen sogar noch weiter und sehen einen Zusammenhang zwischen vielen Zivilisationskrankheiten und zuviel Eisen. Dies gilt insbesondere für die Alzheimerkrankheit, da dabei ein abnorm hoher Eisengehalt im Gehirn feststellbar ist. 3

Die Informations- und Dokumentationsstelle am Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Giessen meint zu den Eisenwerten von Vegetariern:
«Untersuchungen mit Vegetariern und Vegetarierinnen ergaben allerdings, dass bei Männern keine und nur bei 17% der Frauen geringe Abweichungen der Serum-Eisenwerte nach unten zu verzeichnen waren. Als mögliche Erklärung wird eine Erhöhung der Resorptionsrate unter Eisenmangelbedingungen genannt. Auch konnten keine Anhaltspunkte gefunden werden, dass der um etwa 10% niedrigere Serum-Eisenspiegel mit irgendwelchen Krankheiten verbunden war. Im Gegenteil: Es steht sogar ein geringeres Infektionsrisiko und eine Verringerung des Herzinfarktrisikos bei Frauen zur Diskussion.
Bei Schwangeren wird neueren Untersuchungen zufolge ein erhöhter Eisenbedarf durch eine während der Schwangerschaft deutlich erhöhte Resorptionsrate kompensiert. Eine Supplementation ist demnach nicht nötig, wenn zu Schwangerschaftsbeginn kein Eisenmangel herrscht.»

Worauf bei der Ernährung geachtet werden sollte

Bei einer einseitigen Ernährung (egal ob mit oder ohne Fleisch) wird man immer einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel erleiden. Die beste Vorsorge bietet eine ausgewogene (vegetarische) Vollwerternährung mit einem hohen Anteil an frischer (biologischer) Rohkost. Sehr wichtig ist auch, das Kleinkind lange zu stillen und auf keinen Fall die Muttermilch durch Kuhmilch zu ersetzen, da sie die Eisenabsorption (=Eisenaufnahme) des Kindes verringert (dies kann auch durch eine Anreicherung der Kuhmilch mit Eisen nicht ausgeglichen werden). 4

Eine sich durchschnittlich ernährende Person nimmt ca. 25–30 % ihres Eisens über tierische Nahrungsmittel auf (Fleisch, Fisch, Eier, Milch...). 5 Das heisst, dass auch Fleischesser den grössten Teil ihres Eisens aus pflanzlichen Nahrungsmitteln beziehen. Dass Fleisch das einzige Nahrungsmittel mit Eisen ist, muss deshalb als «Mythos» der Fleischindustrie angesehen werden. Hingegen trifft es zu, dass Fleisch Eisen in so hoher Konzentration enthält, dass der menschliche Körper mangels effizienter Ausscheidungsmöglichkeiten (wie dies bei den anderen Spurenelementen z.B. durch den Urin der Fall ist) dadurch stark belastet wird. 6 Die einzigen Nahrungsmittel, die praktisch kein Eisen enthalten, sind Milch(-produkte), Zucker, Fette und industriell verarbeitete Nahrungsmittel! 7

Nebst all diesen theoretischen Begründungen sollte man jedoch auch in Erwägung ziehen, dass Vegetarier/-innen, die sich ihr ganzes Leben lang ausgewogen vegetarisch ernährt haben, kaum je Symptome einer Eisenunterversorgung bekommen. Ihr Körper scheint sogar das Eisen aus der Nahrung besser aufnehmen zu können als derjenige von Fleischessern.

Was tun bei Eisenmangel?

Falls jemand dennoch unter Eisenmangel (Anämie) leiden sollte (z.B. durch hohen Blutverlust bei einem Unfall), ist dies noch lange kein Grund, tierische Produkte zu konsumieren. Statt dessen sollten lieber folgende Produkte vermieden werden, da sie die Eisenaufnahme des Körpers hemmen: Rotwein, Schwarztee, Kaffee, Kakao (egal ob als Getränk oder in der Schokolade), Knoblauch, Zwiebeln und Joghurt/Sauermilch. Lebensmittel mit einem hohen Vitamin-C-Gehalt sollten hingegen öfters konsumiert werden, da das Vitamin C die Eisenaufnahme verbessert.
Könnte es sein, dass der (unvollständigen) Liste auch zu entnehmen ist, weshalb Fleischesser meist ein grösseres Verlangen nach koffeinhaltigen Getränken (Kaffee, Schwarztee, Kakao, Cola) haben, da der Konsum dieser Getränke den überhöhten Eisenwert in ihrem Blut senkt?

Vorsicht bei Milchprodukten

Ein weiterer Fehler, der bei einer Umstellung auf die vegetarische Ernährung oft begangen wird, ist, dass man das Fleisch durch sehr viele Milchprodukte ersetzt (im falschen Glauben, dass tierisches Eiweiss nötig sei). Da Milch und deren Produkte allerdings nicht nur kaum Eisen enthalten, sondern auch die Eisenaufnahme von den pflanzlichen Produkten hemmt, kann dies auch zu einem Eisenmangel führen.

Renato Pichler

Eisengehalt von:
(mg/100g)
Bierhefe, getrocknet 18,0
Schweinsleber 18,0
Weizenkleie 16,0
Kürbiskerne 12,5
Sojabohne, getr. 9,7
Hirse 9,0
Linsen, getrocknet 8,0
Sesamsamen 7,8
Pistazienkerne 7,3
Eierschwämmli 6,5
Sonnenblumenkerne 6,4
Kichererbsen, getr. 6,1
Bohnen, gedörrt 5,9
Tofu 5,4
Aprikose, getrocknet 5,2
Knäckebrot mit Sesam 4,3
Haferflocken 4,2
Mandeln 4,2
Leberwurst 3,3
Grahambrot 2,7
Spinat 2,7
Kalbsschnitzel 2,3
Hühnerei, ganz 1,8
Schweinsschnitzel 1,7
Reis, parboiled 1,4
Broccoli 1,4
Bachforelle 1,0
Cervelaswurst 0,9
Poulet, ganz 0,7
Zuckermais 0,4
Banane 0,4
Käse (Appenzeller) 0,3
Milch, alle Arten 0
   

Um die Eisenaufnahme zusätzlich zu verbessern, hilft die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C (z.B. Orangen- oder Zitronensaft).

 

 

 

 

Fussnoten:

  1. Von Prof. Dr. H. Rottka, Berlin.
    Beispiel einer Studie die vor zuviel Eisen warnt: Association Between Body Iron Stores and the Risk of Acute Myocardial Infarction in Men (Circulation. 1998;97:1461-1466). (zurück)
  2. C. Leitzmann und P. Michel: Alternative Kostformen aus ernährungsphysiologischer Sicht, Akt. Ernährungsmedizin 18 (1993) S. 6 (zurück)
  3. Kieffer, Felix: Wie Eisen und andere Spurenelemente die menschliche Gesundheit beeinflussen: Eine Neubeurteilung alter Erfahrungen, 1993; nach einem Vortrag, gehalten zur 104. Jahresversammlung der Schweiz. Gesellschaft für Lebensmittel- und Umweltchemie vom 11. September 1992 in Les Diablerets. (zurück)

  4. John Robbins: Diet for a new America, Stillpoint Publishing, ISBN 0-913299-54-5, Seite 164. (zurück)
  5. H. Rottka und W. Thefeld: Gesundheit und vegetarische Ernährungsweise, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie des Bundesgesundheitsamtes Berlin, Akt. Ernährungsmedizin 9 (1984), S. 210 f. (zurück)
    Und: Berliner Vegetarier-Studie: Zweite Mitteilung. Antropometrische und biochemische Messdaten im Vergleich zu Nichtvegetariern. Aktuelle Ernährungsmedizin 14 (1989), S. 32–39.

  6. Kieffer, Felix, 1993. (zurück)
  7. John Robbins, Seite 299. (zurück)

 

Weitere Infos:

 



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