Kopf SVV-Mitgliedschaft Breite einstellen

Die SVV heisst seit 2014: Swissveg

Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch


Seite veraltet!
Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert! Unsere aktuellen Infos finden Sie auf unserer neuen Homepage: Swissveg.


KAPITEL 2: Hamburg das Tor zur Welt

Mein Chef wollte mich dann immer umstimmen, doch auch wenn er mir mehr Geld bot, wollte ich nicht mehr und beschloß einen radikalen Schnitt zu machen. Ich kannte damals einen Maurer, der mir immer von seinen Abenteuern in Hamburg erzählt hatte. Damit war meine Abenteuerlust geweckt und ich beschloß, mir meine nächste Stelle in Hamburg zu suchen. Nachdem ich meine Kündigungszeit abgearbeitet hatte, setzte ich mich in den Zug nach Hamburg.
Mein Reisegepäck bestand aus meinen Messern, ein paar Klamotten und 200.- DM. Nach 8 Stunden Bahnfahrt kam ich in Hamburg an, kannte keinen Menschen, was mir aber nichts ausmachte. Ich nahm mir ein Hotelzimmer - das kostete 20.- DM.
Abends machte ich einen Reeperbahnbummel und schaute mir diese große Stadt an. Ich war beeindruckt, die großen Häuser, der Hafen, die Ozeanriesen. Jawohl, das wollte ich kennenlernen.
Am nächsten Morgen kaufte ich mir eine Zeitung, las die Inserate, und um 10 Uhr arbeitete ich schon in einer Schlachterei in Hamburg. Das war ein kleiner Betrieb, ich hatte ein Zimmer und konnte nun ausgiebig Hamburg erkunden. Die Hamburger Vororte schlachteten selbst, und da ich tüchtig war, war mein Meister sehr zufrieden. Er hatte nur eine Eigenart, er bestand immer darauf, dass wir die Schweine mit einer Axt erschlagen. Mir war das egal. Wir trieben immer 4 Schweine in das Schlachthaus und töteten eines nach dem anderen. Dabei konnte man gut beobachten, wie die Tiere Angst empfanden, zitterten und Urin und Kot absetzten. Der Meister hatte in der Hinsicht aber keine Empfindungen - und wenn er es so haben wollte . . .
In Ländern wie Bulgarien, Rumänien usw. werden die Schweine heute noch ohne Betäubung abgestochen, da finde ich den Kopfschlag schon humaner. Sogar in Dänemark wurden bis Ende der 50er-Jahre die Schweine lebend abgestochen. Doch davon mehr im Kapitel "Die Geschichte des Schlachtens".
Ich bekam dann ein besseres Angebot von einer Hamburger Schlachterei und ging zu der. Dort schlachteten wir im Hamburger Schlachthof, und so kam ich erstmals mit Kopfschlächtern in Kontakt. Kopfschlächter sind spezialisierte Schlächter, die in Lohnarbeit schlachten und per Stück - also Kopf - bezahlt werden. Das war für mich eine neue aufregende Welt, die mich faszinierte und die nichts mehr mit der Kleinstadt zu tun hatte in der ich meinen Beruf erlernte.
Das Leben war nun bunt und täglich stürmten neue Eindrücke auf mich herab. Doch da mich immer das Schlachten mehr interessierte als das Wurstmachen, sollte sich bald eine Änderung ergeben. In Hamburg gibt es Grützwurst, eine Blutwurst mit Zucker und Rosinen, und die Arbeit in der Wurstküche war sowieso nicht mein Ding. Als mich dann der Chef einer Kopfschlächtergruppe fragte ob ich nicht bei ihm arbeiten möchte, ergriff ich die Gelegenheit und fing bei ihm an.

zurück zum Kapitel 1 - weiter zum Kapitel 3