KAPITEL 2: Hamburg das Tor zur Welt
Mein Chef wollte mich dann immer umstimmen, doch auch wenn er mir
mehr Geld bot, wollte ich nicht mehr und beschloß einen
radikalen Schnitt zu machen. Ich kannte damals einen Maurer, der mir
immer von seinen Abenteuern in Hamburg erzählt hatte. Damit war
meine Abenteuerlust geweckt und ich beschloß, mir meine
nächste Stelle in Hamburg zu suchen. Nachdem ich meine
Kündigungszeit abgearbeitet hatte, setzte ich mich in den Zug
nach Hamburg.
Mein Reisegepäck bestand aus meinen Messern, ein paar Klamotten
und 200.- DM. Nach 8 Stunden Bahnfahrt kam ich in Hamburg an, kannte
keinen Menschen, was mir aber nichts ausmachte. Ich nahm mir ein
Hotelzimmer - das kostete 20.- DM.
Abends machte ich einen Reeperbahnbummel und schaute mir diese
große Stadt an. Ich war beeindruckt, die großen
Häuser, der Hafen, die Ozeanriesen. Jawohl, das wollte ich
kennenlernen.
Am nächsten Morgen kaufte ich mir eine Zeitung, las die
Inserate, und um 10 Uhr arbeitete ich schon in einer Schlachterei in
Hamburg. Das war ein kleiner Betrieb, ich hatte ein Zimmer und konnte
nun ausgiebig Hamburg erkunden. Die Hamburger Vororte schlachteten
selbst, und da ich tüchtig war, war mein Meister sehr zufrieden.
Er hatte nur eine Eigenart, er bestand immer darauf, dass wir die
Schweine mit einer Axt erschlagen. Mir war das egal. Wir trieben
immer 4 Schweine in das Schlachthaus und töteten eines nach dem
anderen. Dabei konnte man gut beobachten, wie die Tiere Angst
empfanden, zitterten und Urin und Kot absetzten. Der Meister hatte in
der Hinsicht aber keine Empfindungen - und wenn er es so haben wollte
. . .
In Ländern wie Bulgarien, Rumänien usw. werden die Schweine
heute noch ohne Betäubung abgestochen, da finde ich den
Kopfschlag schon humaner. Sogar in Dänemark wurden bis Ende der
50er-Jahre die Schweine lebend abgestochen. Doch davon mehr im
Kapitel "Die Geschichte des Schlachtens".
Ich bekam dann ein besseres Angebot von einer Hamburger Schlachterei
und ging zu der. Dort schlachteten wir im Hamburger Schlachthof, und
so kam ich erstmals mit Kopfschlächtern in Kontakt.
Kopfschlächter sind spezialisierte Schlächter, die in
Lohnarbeit schlachten und per Stück - also Kopf - bezahlt
werden. Das war für mich eine neue aufregende Welt, die mich
faszinierte und die nichts mehr mit der Kleinstadt zu tun hatte in
der ich meinen Beruf erlernte.
Das Leben war nun bunt und täglich stürmten neue
Eindrücke auf mich herab. Doch da mich immer das Schlachten mehr
interessierte als das Wurstmachen, sollte sich bald eine
Änderung ergeben. In Hamburg gibt es Grützwurst, eine
Blutwurst mit Zucker und Rosinen, und die Arbeit in der
Wurstküche war sowieso nicht mein Ding. Als mich dann der Chef
einer Kopfschlächtergruppe fragte ob ich nicht bei ihm arbeiten
möchte, ergriff ich die Gelegenheit und fing bei ihm an.
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Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 9.12.2008
