Deklarationspflicht für Fleisch und Eier aus in der Schweiz verbotener Produktion?
Ab 1. Januar gilt eine Deklarationspflicht für importiertes Frischfleisch und Konsum-Eier, die mit in der Schweiz verbotenen Methoden produziert wurden. Dabei wurde vor allem an Fleisch von Tieren, die mit Antibiotika oder bestimmten Hormonen behandelt wurden, und an Eier aus Hühnerbatterien gedacht.
Im Markt der tierischen Produkte läuft noch viel zuviel ohne
Wissen der Konsumenten ab, so dass auch dieser Schritt in die
richtige Richtung geht. Allerdings muss davor gewarnt werden zu
euphorisch zu sein: Die neue Verordnung bedeutet nicht, dass alle
Nahrungsmittel, die aus solchen Produkten hergestellt werden,
entsprechend deklariert werden müssen!
| Verbrauch an Importeiern in der Schweiz 1997:
Ca. 650’000’000 Stück Der grösste Teil davon wird auch weiterhin nicht deklariert. |
Sobald ein Ei (oder Fleisch) nur Bestandteil in einem
verarbeiteten Produkt ist, fällt die Deklarationspflicht bereits
weg. Die Konsumenten werden also z.B. bei Mayonnaise, Tiramisù
(bzw. Speck, Würste, Ravioli) und vielen anderen Produkten
weiterhin nicht besser informiert. Die neue Verordnung könnte
die wenig informierten Konsumenten sogar zu der falschen Annahme
verleiten, alle Produkte, die nicht speziell gekennzeichnet sind,
seien aus einheimischer Produktion und tiergerecht produziert (was
beides nicht die Regel ist).
Interessant ist auch der Zeitpunkt der Einführung dieser
Verordnung: Nachdem Migros und Coop keine ganzen Käfigeier mehr
verkaufen, kommt ihnen diese Deklarationspflicht gerade recht. Ganze
Käfigeier haben sie nicht mehr und bei den verarbeiteten
Produkten müssen sie es nicht deklarieren. Selbst die
Deklaration des Hormonfleisches ist eher eine Alibiübung: Nur
ein sehr geringer Teil des in der Schweiz konsumierten Fleisches
erfüllt die Bedingungen für die Deklarationspflicht. Die
Folge ist: Der Konsument wird kaum etwas von dieser neuen Verordnung
merken, da genau in den Bereichen, wo sie sinnvoll wäre, die
Verordnung nicht angewendet wird.
Ein generelles Importverbot von Käfigeiern und Hormonfleisch,
wie es Tierschutzorganisationen und Konsumentenschützer seit
Jahren fordern, würde eine sichtbare Änderung bringen, aber
dies wird offenbar weder von der Nahrungsmittelindustrie (aus
finanziellen Gründen) noch von den Politikern (wegen des
Freihandels) gewünscht.
Das sicherste Mittel keine Produkte zu konsumieren, die mit
tierverachtenden Methoden hergestellt wurden bleibt jedoch weiterhin:
Verzichten Sie auf alle Produkte, die tierische Inhaltsstoffe
enthalten. Falls Sie eine Ausnahme machen, denken Sie immer daran:
Keine spezielle Deklaration heisst praktisch immer, dass die
billigste Produktionsmethode gewählt wurde. Meist bezahlen dies
die Hühner bzw. Schlachttiere mit einem erbärmlichen
Dasein.
Der Verkauf von Käfigeiern ging in der Schweiz so stark
zurück, dass sich die beiden grössten Verteiler
entschlossen ganz auf deren Verkauf zu verzichten. Dies zeigt
deutlich, was die Konsumenten wünschen. Die
Nahrungsmittelindustrie bringt es dennoch fertig, dass in der Schweiz
fast jedes zweite konsumierte Ei aus Käfigbatterien stammt. Umso
wichtiger wäre eine klare Deklaration auch auf verarbeiteten
Produkten.
Immerhin muss man es dem Bundesrat zugute halten, dass er die
Gastronomie von der Deklarationspflicht nicht ausgenommen hat. Doch
wer isst heute noch ein Spiegelei oder Frühstücksei in
einem Restaurant? Höchstens das US-Beef-Steak könnte etwas
darunter leiden, wenn es tatsächlich aus den USA stammt. Auch
hier gilt aber: Ein Wirt kann problemlos das Frühstücksei
aus europäischer Bodenhaltung importiert haben und alle anderen
Produkte mit den noch billigeren Käfigeiern herstellen, ohne
dass er irgendwo etwas entsprechend deklarieren müsste.
Nur wenn diese Verordnung tatsächlich ein erster Schritt ist,
wie es vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) behauptet wird,
kann man ihn noch als halbwegs akzeptabel beurteilen. Damit er aber
nicht zu einem Rückschritt wird, müsste der nächste
(hoffentlich wirkungsvollere) Schritt schon bald folgen. Die
bisherigen Erfahrungen mit dem BLW und dem Bundesrat geben aber
leider überhaupt keinen Grund zur Zuversicht, dass endlich etwas
zugunsten der Tiere getan wird. Ein Warten auf die politische
Lösung wäre deshalb völlig fehl am Platz: Die
Konsumenten müssten dort selbst aktiv werden, wo sie die Macht
in der Hand haben: Bei ihrem eigenen Konsumverhalten.
Renato Pichler
Quelle auf dem Internet:
Pressemitteilung Bern, 3.11.1999: Deklarationspflicht für Fleisch und Eier
