| Sie sind hier: Startseite > Vegi-info > 99-4 > Mythos Milch: Vegi-Info 4/99 ... |
Mythos Milch – wie (un)gesund ist sie wirklich?
Im folgenden geht es um die Kuhmilch. Einfachheitshalber und der Ussanz entsprechend wird sie auch nachstehend nur mit Milch bezeichnet. Allein schon die Tatsache, dass sie für sich den Namen Milch in Anspruch nimmt und alle wissen, welche gemeint ist, zeigt, wie populär sie ist.
Dass sie so bekannt und auch beliebt unter den Menschen ist,
wenigstens in den Industrieländern, dafür sorgt
unermüdlich die Milchwirtschaft mit ihren unzähligen
Produkten und den massiven Werbekampagnen. Durch den vom Bundesamt
für Gesundheit verordneten Stop der letzten Aktion mit der
Karate-Kuh wurde sie zwar ein wenig in ihre Schranken verwiesen, doch
am «guten» Image wird sie deswegen nicht leiden.
Dafür leiden immer mehr Menschen an den sogenannten
Zivilisationskrankheiten wie Immunschwäche,
Verdauungsbeschwerden, Allergien, Diabetes,
Herz-/Kreislauferkrankungen, Krebs, Rheuma und Osteoporose. Im
Gegensatz zu früher essen die Menschen in den zivilisierten
Ländern zuviel tierisches Eiweiss und Fett. Diese
Fehlernährung steht in einem direkten Zusammenhang mit obigen
Krankheiten.
Nachdem Krebs, Aids und Allergien ihre Höhepunkte hinsichtlich
der Medienaufmerksamkeit hinter sich haben, steht nun ein weiterer
Bösewicht im Rampenlicht: die Osteoporose, früher als
Knochenschwund bezeichnet. Heute in aller Munde und das
Schreckgespenst für Frauen in der Menopause.
Was genau ist Osteoporose?
Die Definition ist etwas irreführend: ein poröser Knochen. Durchlässig werden aber alle Knochen mit dem Alter. Der biologische Abbau der Knochensubstanz beginnt bereits mit 30 Jahren. Und bei Frauen in der Menopause wird durch das Wegfallen der Oestrogene der Knochen noch mehr ausgedünnt. Dies ist ein ganz normaler Alterungsprozess und hat mit Krankheit nichts zu tun. Als osteoporotisch im medizinischen Sinn, also krankhaft porös, wird ein Knochen dann bezeichnet, wenn seine Substanz mehr vermindert ist als beim alters- resp. geschlechtsspezifischen Durchschnitt, d.h. unterhalb der Norm liegt. Zur Osteoporose kann es kommen, wenn die Knochendichte schon vor dem altersbedingten Abbau gering war.
Wie kommt es zum Knochenschwund?
Die Milchindustrie hat es uns gelehrt: Knochen brauchen Kalzium. Das
ist richtig. Und die meisten nehmen genug davon mit der
täglichen Nahrung auf – auch ohne Milch und ihre Produkte.
Das Problem liegt also anderswo, nämlich bei der Resorption. Die
Frage lautet: kann es der Körper auch verwerten? Und hier haben
schon einige Mühe, denn die heutige Kost enthält viele
Stoffe, die die Aufnahme von Kalzium im Körper hemmen, d.h. sie
binden es an sich und scheiden es aus. Dazu zählen Koffein,
Phosphor (phosphathaltige Speisen und Getränke), Industriezucker
und weisses Mehl, viel Salz, viel Fett und vor allem viel Eiweiss.
Dies sind alles säurebildende Nahrungsmittel. Daneben werden oft
zuwenig Früchte und Gemüse verzehrt, die basisch wirken. So
ist eine Uebersäuerung des Organismus vorprogrammiert. Um die
überschüssigen Säuren zu neutralisieren, werden
basenreiche Mineralstoffe, vor allem das am meisten vertretene
Kalzium aus dem Körper mobilisiert, d.h. es wird aus den Knochen
abgetragen.
Verschiedene Studien haben ergeben, dass je mehr tierisches Eiweiss
zugeführt wird, desto negativer die Kalziumbilanz ist. D.h. es
wird mehr Kalzium ausgeschieden, als mit der Nahrung aufgenommen
wird.
Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass in
Ländern, in denen wenig bis keine Milch getrunken wird,
Osteoporose ein Fremdwort ist. Dies trifft u.a. für Indien,
Japan, Thailand und die Philippinen zu.
Die ethische Seite der Milch
Es kann keine gesunde Lebensweise sein, wenn für die
tägliche Nahrung anderen Lebewesen Leid zugefügt werden
muss. Denn Gesundheit ist nicht bloss eine Sache des Körpers,
sondern auch des Geistes. Deshalb sei auch noch der ethische Aspekt
der Milch beleuchtet.
Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie zunächst ein Kalb
gebären. Dieses wird unmittelbar nach der Geburt von der Mutter
getrennt, damit es nicht säugen kann. Denn das Euter der Kuh
würde vom Kalb derart «strapaziert», dass
später das Ansetzen der Melkmaschine nicht möglich
wäre. Diese barbarische Trennung ist vor allem für die Kuh
leidvoll. Sie sucht ihr Kind oft noch tagelang, was sie durch lautes
Rufen kundtut.
Alle männlichen und die meisten weiblichen Kälber werden
– meist in Einzelhaltung – für die Fleischproduktion
gemästet. Zwischen dem 10. und 30. Lebenstag werden ihnen vom
Bauern (nicht vom Tierarzt) die eben vorgestossenen Hörner
ausgebrannt. Und zwar so tief, dass ein Nachwachsen nicht mehr
möglich ist. Dies nur ein kleiner Abstecher zum Kalb, das als
Auslöser für die Milchproduktion dient.
Zurück zur Kuh, der eigentlichen Milchlieferantin: Die Meinung,
eine Kuh produziere genügend Milch für Kalb und Mensch, ist
nur teilweise richtig. Eigentlich würde die Kuh – wie
jedes andere Säugetier – nur soviel Milch produzieren, wie
das Kalb braucht. Das Kalb würde kontinuierlich mit dem
Milchtrinken aufhören und auf feste Nahrung übergehen. So
würde sich die Milch – wie bei der Frau –
allmählich zurückbilden, und die Produktion würde sich
gänzlich einstellen, sobald das Kalb nicht mehr säugte.
Eigentlich, würde, wenn ... Ja, wenn der Mensch nicht eingreifen
würde. Denn heute handelt es sich ausschliesslich um
Hochleistungskühe, die als Milchlieferanten für den
Menschen (künstlich) gezüchtet, genmanipuliert und
ausgebeutet werden. So produzieren sie Unmengen von diesem weissen
Saft. Jährlich über 3 Mio Tonnen in der Schweiz, die
– nebenbei bemerkt – mit Hilfe von Steuergeldern
subventioniert werden.
Die Durchschnittsleistung einer Kuh beträgt pro Tag ca. 25
Liter. Spitzenkühe bringen es auf bis zu 40 Liter. Pro Liter
Milch ist ein Durchlauf von 400 Litern Blut im Euter notwendig. Diese
körperliche Leistung ist nur über eine kurze Zeitspanne von
etwa 2–3 Jahren möglich. Dann landet die ausgediente Kuh als
Suppenfleisch auf dem Teller, wo schon ihre Kinder die menschliche
Gier nach Fleisch als Schnitzel & Co. befriedigen mussten.
Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen noch auf weitere
Aspekte der Ethik einzugehen, wie etwa die Haltung, der Transport und
die Schlachtung. Alles nötige Abläufe, damit der Mensch
täglich zu seinem Glas Milch kommen kann. Schon im
Primarunterricht wird den kleinen Konsumenten mit Hilfe von
Unterrichtsmaterial der Schweizerischen Milchwirtschaft gelehrt, dass
sich der Mensch täglich 3 Portionen Milch resp. Milchprodukte
einverleiben müsse, um gesund zu bleiben. Und die Ärzte
wissen es leider oft auch nicht besser als die Lehrer. Sie empfehlen
auch heute noch, nachdem die Milch in Fachkreisen doch des
öftern angekreidet wird, gerade bei Osteoporose viel Milch und
Milchprodukte zu konsumieren.
Da bleibt nur das kritische Hinterfragen dieser alten Dogmen.
Hilfreich dabei ist Fachliteratur zum Thema Milch.
Doris Balsiger, Gesundheitsberaterin AAMI
Literaturempfehlungen:
– Milch besser nicht,Maria Rollinger, JOU-Verlag
– Ernährung
für ein neues Jahrtausend, John Robbins, Hans-Nietsch-Verlag
– Vegane
Ernährung, Dr. Gill Langley, Echo-Verlag.
– Der Murks mit der Milch, Dr. med. M. O. Bruker/Dr. phil.
Mathias Jung, emu-Velag
– Macht Kuhmilch krank? Wolfgang Spiller,
Waldthausen-Verlag
Die Autorin bietet auch vegane Kochkurse an. Zum Beispiel in der Migros-Klubschule Basel und Zürich-Örlikon.
Weitere Informationen mit vielen Links zum Thema Milch finden Sie im Infoblatt Nr. 21 der SVV.
Danke für Ihr Interesse an den Informationen der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus (SVV). Damit wir diese Homepage (mit rund 2000 Seiten) weiterhin kostenlos anbieten und erweitern können, benötigen wir auch Ihre Unterstützung!
Werden Sie Mitglied der SVV oder abonnieren Sie unsere Zeitschrift Vegi-Info.
Oder spenden Sie ganz einfach online: Paypal/Kreditkarte. Damit ermöglichen Sie den Weiterbestand dieser Homepage. Danke!