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Mythos Milch – wie (un)gesund ist sie wirklich?

Im folgenden geht es um die Kuhmilch. Einfachheitshalber und der Ussanz entsprechend wird sie auch nachstehend nur mit Milch bezeichnet. Allein schon die Tatsache, dass sie für sich den Namen Milch in Anspruch nimmt und alle wissen, welche gemeint ist, zeigt, wie populär sie ist.

Dass sie so bekannt und auch beliebt unter den Menschen ist, wenigstens in den Industrieländern, dafür sorgt unermüdlich die Milchwirtschaft mit ihren unzähligen Produkten und den massiven Werbekampagnen. Durch den vom Bundesamt für Gesundheit verordneten Stop der letzten Aktion mit der Karate-Kuh wurde sie zwar ein wenig in ihre Schranken verwiesen, doch am «guten» Image wird sie deswegen nicht leiden.
Dafür leiden immer mehr Menschen an den sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Immunschwäche, Verdauungsbeschwerden, Allergien, Diabetes, Herz-/Kreislauferkrankungen, Krebs, Rheuma und Osteoporose. Im Gegensatz zu früher essen die Menschen in den zivilisierten Ländern zuviel tierisches Eiweiss und Fett. Diese Fehlernährung steht in einem direkten Zusammenhang mit obigen Krankheiten.
Nachdem Krebs, Aids und Allergien ihre Höhepunkte hinsichtlich der Medienaufmerksamkeit hinter sich haben, steht nun ein weiterer Bösewicht im Rampenlicht: die Osteoporose, früher als Knochenschwund bezeichnet. Heute in aller Munde und das Schreckgespenst für Frauen in der Menopause.

Was genau ist Osteoporose?

Die Definition ist etwas irreführend: ein poröser Knochen. Durchlässig werden aber alle Knochen mit dem Alter. Der biologische Abbau der Knochensubstanz beginnt bereits mit 30 Jahren. Und bei Frauen in der Menopause wird durch das Wegfallen der Oestrogene der Knochen noch mehr ausgedünnt. Dies ist ein ganz normaler Alterungsprozess und hat mit Krankheit nichts zu tun. Als osteoporotisch im medizinischen Sinn, also krankhaft porös, wird ein Knochen dann bezeichnet, wenn seine Substanz mehr vermindert ist als beim alters- resp. geschlechtsspezifischen Durchschnitt, d.h. unterhalb der Norm liegt. Zur Osteoporose kann es kommen, wenn die Knochendichte schon vor dem altersbedingten Abbau gering war.

Wie kommt es zum Knochenschwund?

Die Milchindustrie hat es uns gelehrt: Knochen brauchen Kalzium. Das ist richtig. Und die meisten nehmen genug davon mit der täglichen Nahrung auf – auch ohne Milch und ihre Produkte. Das Problem liegt also anderswo, nämlich bei der Resorption. Die Frage lautet: kann es der Körper auch verwerten? Und hier haben schon einige Mühe, denn die heutige Kost enthält viele Stoffe, die die Aufnahme von Kalzium im Körper hemmen, d.h. sie binden es an sich und scheiden es aus. Dazu zählen Koffein, Phosphor (phosphathaltige Speisen und Getränke), Industriezucker und weisses Mehl, viel Salz, viel Fett und vor allem viel Eiweiss.
Dies sind alles säurebildende Nahrungsmittel. Daneben werden oft zuwenig Früchte und Gemüse verzehrt, die basisch wirken. So ist eine Uebersäuerung des Organismus vorprogrammiert. Um die überschüssigen Säuren zu neutralisieren, werden basenreiche Mineralstoffe, vor allem das am meisten vertretene Kalzium aus dem Körper mobilisiert, d.h. es wird aus den Knochen abgetragen.
Verschiedene Studien haben ergeben, dass je mehr tierisches Eiweiss zugeführt wird, desto negativer die Kalziumbilanz ist. D.h. es wird mehr Kalzium ausgeschieden, als mit der Nahrung aufgenommen wird.
Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass in Ländern, in denen wenig bis keine Milch getrunken wird, Osteoporose ein Fremdwort ist. Dies trifft u.a. für Indien, Japan, Thailand und die Philippinen zu.

Die ethische Seite der Milch

Es kann keine gesunde Lebensweise sein, wenn für die tägliche Nahrung anderen Lebewesen Leid zugefügt werden muss. Denn Gesundheit ist nicht bloss eine Sache des Körpers, sondern auch des Geistes. Deshalb sei auch noch der ethische Aspekt der Milch beleuchtet.
Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie zunächst ein Kalb gebären. Dieses wird unmittelbar nach der Geburt von der Mutter getrennt, damit es nicht säugen kann. Denn das Euter der Kuh würde vom Kalb derart «strapaziert», dass später das Ansetzen der Melkmaschine nicht möglich wäre. Diese barbarische Trennung ist vor allem für die Kuh leidvoll. Sie sucht ihr Kind oft noch tagelang, was sie durch lautes Rufen kundtut.
Alle männlichen und die meisten weiblichen Kälber werden – meist in Einzelhaltung – für die Fleischproduktion gemästet. Zwischen dem 10. und 30. Lebenstag werden ihnen vom Bauern (nicht vom Tierarzt) die eben vorgestossenen Hörner ausgebrannt. Und zwar so tief, dass ein Nachwachsen nicht mehr möglich ist. Dies nur ein kleiner Abstecher zum Kalb, das als Auslöser für die Milchproduktion dient.
Zurück zur Kuh, der eigentlichen Milchlieferantin: Die Meinung, eine Kuh produziere genügend Milch für Kalb und Mensch, ist nur teilweise richtig. Eigentlich würde die Kuh – wie jedes andere Säugetier – nur soviel Milch produzieren, wie das Kalb braucht. Das Kalb würde kontinuierlich mit dem Milchtrinken aufhören und auf feste Nahrung übergehen. So würde sich die Milch – wie bei der Frau – allmählich zurückbilden, und die Produktion würde sich gänzlich einstellen, sobald das Kalb nicht mehr säugte. Eigentlich, würde, wenn ... Ja, wenn der Mensch nicht eingreifen würde. Denn heute handelt es sich ausschliesslich um Hochleistungskühe, die als Milchlieferanten für den Menschen (künstlich) gezüchtet, genmanipuliert und ausgebeutet werden. So produzieren sie Unmengen von diesem weissen Saft. Jährlich über 3 Mio Tonnen in der Schweiz, die – nebenbei bemerkt – mit Hilfe von Steuergeldern subventioniert werden.
Die Durchschnittsleistung einer Kuh beträgt pro Tag ca. 25 Liter. Spitzenkühe bringen es auf bis zu 40 Liter. Pro Liter Milch ist ein Durchlauf von 400 Litern Blut im Euter notwendig. Diese körperliche Leistung ist nur über eine kurze Zeitspanne von etwa 2–3 Jahren möglich. Dann landet die ausgediente Kuh als Suppenfleisch auf dem Teller, wo schon ihre Kinder die menschliche Gier nach Fleisch als Schnitzel & Co. befriedigen mussten.
Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen noch auf weitere Aspekte der Ethik einzugehen, wie etwa die Haltung, der Transport und die Schlachtung. Alles nötige Abläufe, damit der Mensch täglich zu seinem Glas Milch kommen kann. Schon im Primarunterricht wird den kleinen Konsumenten mit Hilfe von Unterrichtsmaterial der Schweizerischen Milchwirtschaft gelehrt, dass sich der Mensch täglich 3 Portionen Milch resp. Milchprodukte einverleiben müsse, um gesund zu bleiben. Und die Ärzte wissen es leider oft auch nicht besser als die Lehrer. Sie empfehlen auch heute noch, nachdem die Milch in Fachkreisen doch des öftern angekreidet wird, gerade bei Osteoporose viel Milch und Milchprodukte zu konsumieren.
Da bleibt nur das kritische Hinterfragen dieser alten Dogmen. Hilfreich dabei ist Fachliteratur zum Thema Milch.

Doris Balsiger, Gesundheitsberaterin AAMI

Literaturempfehlungen:
Milch besser nicht,Maria Rollinger, JOU-Verlag
Ernährung für ein neues Jahrtausend, John Robbins, Hans-Nietsch-Verlag
Vegane Ernährung, Dr. Gill Langley, Echo-Verlag.
– Der Murks mit der Milch, Dr. med. M. O. Bruker/Dr. phil. Mathias Jung, emu-Velag
– Macht Kuhmilch krank? Wolfgang Spiller, Waldthausen-Verlag

Die Autorin bietet auch vegane Kochkurse an. Zum Beispiel in der Migros-Klubschule Basel und Zürich-Örlikon.

Weitere Informationen mit vielen Links zum Thema Milch finden Sie im Infoblatt Nr. 21 der SVV.



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