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Rückblick: 7. Europäischer Vegetarier-Kongress
Vom 18. bis 23. Juli 1999 trafen sich im St. Galler Rheintal Interessenten und Referenten aus fast 30 verschiedenen Nationen um sich am Vegetarier-Kongress weiter zu bilden und Gleichgesinnte zu treffen.
Nebst Workshops, einem Ausflugstag, einem täglichen
Esperantokurs und dem Internet-Café standen 35 Vorträge
auf dem Programm.
Sie behandelten ein weitreichendes Spektrum und waren sehr
informativ.
Der Kongress stand unter zwei Schwerpunkten: Leistungssport mit
vegetarischer Ernährung und Rohkosternährung.
Ein Höhepunkt des Themas Rohkosternährung war der Workshop
von Franz Konz und Barbara Simonsohn vom Donnerstagnachmittag. Zum
Workshop-Thema «Heilpflanzen und Wildkräuter» wurde
nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern auch gleich
gezeigt, welche essbaren Wildpflanzen in der näheren Umgebung
des Kongresszentrums vorhanden sind. Unmittelbar nach dieser
Vorstellung der «urzeitlichen Ernährung» wurden die
Teilnehmer durch den bekannten Rohkost-Seminarleiter Urs Hochstrasser
in die Kunst der festlichen Rohkost-Zubereitung praxisnah
eingeführt. Seine Vorführungen zum Thema «Rohkost
für Gourmets» gaben viele neue Impulse zu einer
schmackhaften Form der Rohkosternährung.
Der neu gewählte Präsident der EVU: Igor Bukovsky. |
Leider ist das Vorurteil «Fleisch gibt Kraft» noch
immer weit verbreitet, auch wenn es nicht mehr so direkt
ausgesprochen wird. Deshalb waren die vielen Argumente, welche
Sportmediziner, Ernährungswissenschaftler und andere Ärzte
dagegen vorbrachten, sehr aufschlussreich. Der Dienstag war
ausschliesslich dem Leistungssport gewidmet.
Prof. Dr. Marcel Hebbelinck von der Universität in Brüssel
betonte zum Beispiel, dass die Muskeln zu 75 % aus Wasser bestehen.
Möchte man also Muskeln aufbauen, so ist eine erhöhte
Eiweiss- und Energiezufuhr nicht so entscheidend, wie immer
angenommen wird. Das wenige Eiweiss, das für den Muskelaufbau
zusätzlich benötigt wird, kann völlig problemlos auch
aus pflanzlicher Kost stammen. Dabei hat man sogar noch den Vorteil,
keine negativen Inhaltsstoffe des Fleisches (z.B. Purine)
aufzunehmen. Die Frage im Titel seines Vortrages «Brauchen Athleten Fleisch?» konnte der
Referent somit mit einem klaren Nein beantworten. Dies nicht nur aus
theoretischen Überlegungen, sondern auch, da er selbst seit
Geburt vegetarisch lebt und erfolgreich Leistungssport betrieben hat
(siehe dazu den Artikel in diesem Heft).
Die Referentin Vasanti Niemz, welche als erste deutsche Frau den
Ärmelkanal durchschwommen hat, berichtete von ihren
Vorbereitungen dazu und ihren Erfahrungen. Anschliessend stellte sie
das Peace-Run-Project vor. Bei diesem Welt-Friedenslauf, wird eine
Fackel durch über 120 Länder getragen. Der europäische
Teil des Laufes geht durch alle 44 europäischen Staaten (ca.
22’000 km). Vom 4. bis 13. Dezember wird der Lauf die Schweiz
durchqueren.
Vasanti Niemz gehört zu den Koordinatoren dieses Laufes, der
übrigens ausschliesslich von Vegetariern organisiert wird. Um es
nicht nur bei der Theorie zu belassen, wurde im Anschluss an die
Vorträge ein kleiner Fackellauf über 5 km gleich vor Ort
gemacht. Motiviert durch die verschiedenen Vorträge über
die Vorteile der körperlichen Betätigung, beteiligten sich
viele der Kongressteilnehmer an diesem symbolischen Lauf.
Weitere Informationen zum Weltfriedenslauf auf dem Internet:
www.EuroPeaceRun.com oder unter Telefon 01 / 730 77 00.
Auf ganz andere Weise, aber bestimmt nicht minder wirksam, setzt sich
Sergeant Sherry Schlueter aus Florida für einen umfassenden
Frieden in dieser Welt ein: Sie leitet eine Fahndungsabteilung der
Polizei in Florida, welche zum Ziel hat, Verbrechen gegenüber
Kindern, Behinderten, alten Menschen und Tieren nachzugehen.
Genaueres dazu können Sie dem separaten Artikel zu Frau
Schlueters Arbeit ab Seite 6 entnehmen.
Natürlich war auch an diesem Kongress einiges über den
Zusammenhang zwischen der Ernährung und der körperlichen
Gesundheit zu hören.
Beim Vortrag von Dr. Hans Diehl von der Loma-Linda Universität
in Kalifornien erkannte man schnell, dass in Europa der Einfluss der
Ernährung auf die Gesundheit noch nicht so ernst genommen wird,
wie es eigentlich nötig wäre. In seinem Vortrag
«Diabetes mit Messer und Gabel verhindern und heilen»
meinte er, dass dieses Thema (die Ursache von Diabetes) eigentlich
schon seit langem medizinisch geklärt sei. Da die Medizin heute
zu einem Milliardengeschäft angewachsen ist, sei die
Verkündung der Wahrheit jedoch zu einem Problem ganz anderer Art
geworden. Noch immer wird deshalb auch der Diabetes-Typ II
fälschlicherweise als unheilbar betrachtet. Dasselbe gilt
natürlich auch für das Thema seines zweiten Vortrages
über Herzkrankheiten.
Natürlich wäre es wünschbar gewesen, dass auch mehr
nichtvegetarische Mediziner aus der Schweiz sich an solchen
Kongressen weiterbilden. Leider zeigen jedoch die Mediziner, wie
übrigens auch die meisten anderen Fleischesser, kaum Interesse
an einer Information, die ihren eigenen Lebensstil in Frage stellen
könnte.
In dieser und in künftigen Vegi-Infos werden die
interessantesten Vorträge abgedruckt.
Die meisten Vorträge wurden aufgezeichnet. Es ist geplant eine
Dokumentation zum Kongress zu erstellen, damit man zuhause in Ruhe
alles nochmals anhören und nachlesen kann. Im nächsten
Vegi-Info wird das erstellte Infomaterial vorgestellt.
Renato Pichler
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