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Wir Vegetarier haben mehr zu bieten als Verzicht
– wir geniessen und vermitteln ein neues Lebensgefühl

Es liegt weitgehend an uns, ob wir ein Dasein als belächelte Aussenseiter fristen, oder als interessante Persönlichkeiten unsere Mitmenschen im Gespräch zu fesseln vermögen. Das hängt davon ab, ob wir still vor uns hin «vegetieren», oder ob wir überzeugt zu unserer vegetarischen Lebensweise stehen und diese auch in der Öffentlichkeit vertreten. Zwei Szenenbilder sollen das veranschaulichen.
Eine Gruppe Wanderer kehrt im Bergrestaurant ein und möchte wenn möglich etwas essen: Szene 1 könnte sich gut vor 20 Jahren abgespielt haben, als die Vegetarier noch keine Lobby wie die SVV im Rücken hatten und im Vegi-Info praktische Lebenshilfe erhielten:
Der Vegetarier in der Gruppe zögert so lang wie möglich mit seiner Bestellung, um das Unangenehme so weit wie möglich hinauszuschieben um dann als letzter entschuldigend zu bekennen: «Ich esse kein Fleisch, haben Sie auch für mich etwas?» – wohl wissend, dass nun das Spiessrutenlaufen seinen Anfang nimmt.
«Ja ganz frische Forellen. Sie können sie blau oder gebraten haben ganz wie Sie wollen.» Ein «Gelegenheits-Vegetarier», wird nun kapitulieren, und entgegen seinem Willen dem unschuldigen Fisch das Todesurteil sprechen mit der stummen Entschuldigung: Ich ess’ ja sonst keine Fische. Wer seinen Prinzipien nicht untreu werden will, bemerkt entschuldigend: «Ich esse auch keine Fische», worauf die Wirtin vielleicht bereits etwas ungehalten reagiert, und fragt: «Was essen Sie denn überhaupt?»
Heute sind viele Vegetarier selbstsicherer geworden. Die Einkehr im Gasthaus kann sich beispielsweise auch so abspielen: Der vegetarische Gast meldet sich als erster zu Wort: «Ich möchte gern etwas essen. Was können Sie an Vegetarischem empfehlen?» – «Wir haben feine Forellen ...» – «Nein, nein, ich ess’ keine Tiere, aber Sie haben bestimmt auch etwas Pflanzliches im Angebot.» Die Wirtin kratzt sich hinterm Ohr, beginnt, Küchenvorrat und Möglichkeiten im Geiste durchzugehen und unterbreitet ihre Vorschläge.
Wir bestimmen nun selbst, wie weit wir in unsern Ansprüchen gehen wollen, ob vegetarisch oder vegan, letzteres braucht noch etwas mehr Frage- und Antwortspiel. Zum Beispiel: «Ist der Salat mit Fleisch oder Eiern garniert?»
– «Etwas Salami und Ei, aber wenn Sie lieber möchten, kann ich diese durch einen Schnitz Melone ersetzen.» – «Prima. – Und wie ist die Sauce?» – «Französische oder italienische Sauce, oder wenn Sie lieber möchten, gebe ich Ihnen Essig und Öl, dann können Sie selber mischen.» – Im Ferienland Schweiz weiss man mittlerweilen, dass Gäste aus dem Süden gerne die Salatsauce selbst am Tisch bereiten, vorzugsweise mit Olivenöl und Essig.
Wenn wir nun unsere Sache gut gemacht und unsere Bestellung zuerst aufgegeben haben, in unserer Wahl nicht zu ausgefallen waren, so kann es durchaus vorkommen, dass unsere Wandergenossen, die ebenfalls hungrig sind, sich in Gedanken bereits unser Menu zu Gemüte fügten und zur Wirtin sagen: «Das würde mir auch munden.» – «Also zweimal vegetarisch» – «Mir bitte auch» – «Mir auch».
Und schliesslich speist eine ganze Reihe Wandervögel vegetarisch, obschon beim Betreten des Lokals vielleicht kaum jemand an eine solche Option gedacht hatte, die Vegetarier am allerwenigsten.
So kommen wir zu Tafelfreuden, bei denen erstens weniger Fleisch konsumiert wird, wo wir nicht links und rechts und gegenüber nur in Fleischteller gucken müssen, und unsere Mitmenschen einmal den Beweis antreten können, dass sie wirklich nur ganz wenig Fleisch essen, wie sie immer wieder behaupten.
Die Zeit bis zum Essen vergeht mit Tischgesprächen: «Ja esst ihr denn überhaupt kein Fleisch, fragt uns jemand?» – «Nein.» – «Gar nie?» – «Gar nie.» – «Und fehlt Euch da nicht etwas, Vitamine und so?» – «Wir merken jedenfalls nichts davon.»
Jemand unterbricht mich in meinen Ausführungen und meint: «Bei uns war dieses Jahr die ganze Familie schon dreimal grippekrank, und auch sonst liegt immer mal wieder eins mit Krankheit im Bett, und zu meiner Frau und mir gewendet: Euch fehlt glaub ich nie etwas?» – «So ist’s tatsächlich, aber weisst Du, unsere Lebensweise hat auch ihre Kehrseite. Würden nämlich alle Leute drauf kommen, so zu leben wie wir, so hätten die Ärzte fast das ganze Jahr Ferien aber vielleicht kein Geld mehr, dazu, und unser Gesundheitswesen, ich nenne es auch «Krankheits-Unwesen» würde kranken oder anders ausgedrückt «gesundschrumpfen». Spitäler, müssten mangels Patienten schliessen. Das Personal würde arbeitslos. Die Börsenkurse der Pharmaaktien würden in den Keller fallen. Die Tiermäster müssten ihre Luxuskarossen verkaufen und aufs Fahrrad umsteigen.»
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir locker unsere Ideen unter die Leute bringen können. Die Zustände in der Nutztierhaltung schildern, über den Unsinn, dass erwachsene Menschen den Kälbern die Milch wegtrinken und die Kälber entweder Ersatzmilch kriegen und als Mastkälber enden, wenn Sie das Pech (oder das Glück) haben, männlichen Geschlechts zu sein.
Doch nun wird das Vegi-Essen serviert. Ein Fleischesser, der vor einer riesigen Blutwurst sitzt, bemerkt: «Mhhh, lecker sieht Euer Essen aus. Ich hätte wohl auch klüger Dein Menu genommen.» – Lachend können Sie nun entgegnen: «Würde Dir so passen, mein feines Essen zu verzehren. Was soll ich dann essen, etwa Deine Blutwurst? Ich bin doch kein Leichenfledderer. Schmeckt dir denn Deine Wurst nicht?» – «Doch schon, aber eigentlich essen wir ja ohnehin zu viel Fleisch. Der Arzt fand auch, mein Cholesterinspiegel sei zu hoch...» – «Du brauchst Dich gar nicht bei uns zu entschuldigen, wenn schon, so musst Du das arme Tier um Verzeihung bitten, das sein Blut für Deine Wurst hergab.» – «Meinst Du nicht, dass es dafür zu spät ist?» – «Doch, da hast Du wahrscheinlich recht. Aber vielleicht stammt ja Dein Würstchen auch von einem armen kranken mit Medikamenten vollgepumpten Tier aus einer industriellen Mästerei und Du hast ein gutes Werk getan, indem Du es von seinen Leiden erlöst hast. Schade ist nur, dass sein enger Platz im Stall wohl bereits mit einem neuen Tier, belegt ist, und das Rad sich endlos weiterdreht, bis eben die Leute drauf kommen, wie sie dieses Unrecht an den Tieren vermeiden können.»
«So hat’s geschmeckt?» fragt die Wirtin, welche die leeren Teller abräumt und fügt hinzu: «Mochten Sie den Kabis (Weisskraut) nicht?» «Doch, an sich schon, er gehört sogar zu meinen Lieblingsgemüsen, aber der Küchenchef hat wohl nicht gewusst, dass wir Vegetarier sind und ein wenig Schinken drunter gemischt, drum haben wir’s stehenlassen. Aber wenn wir das nächstemal zu Ihnen kommen, werden wir das wohl auch noch hinkriegen. Ansonsten war’s wirklich prima.» – «Danke.» Und nun hat die Wirtsfrau vollends Vertrauen in die Vegetarier gesetzt und fragt: «Ich hatte neulich Vegetarier als Gäste, die wollten ...» – und wir helfen der Frau, die Probleme zu lösen, die sie mit jenen Gästen hatte, damit sie beim nächsten Vegetarierbesuch Ihre Rolle als Gastgeberin noch besser wahrnehmen kann. Als das Gespräch mit der Wirtin zu Ende ist, fragt ein Kollege: «Aber sag mal, lebst Du eigentlich schon lange ohne Fleisch?» - «Seit 1960», erwidere ich, «und ich fühle mich ausgesprochen gesund dabei. Seit ich auch danach trachte, möglichst alle tierischen Produkte aus meinem Konsum zu eliminieren, bin ich auch ausgesprochen wach und lebendig. Unser Konsumverhalten empfinden wir denn auch nicht als Verzicht, sondern als eine Befreiung aus vermeintlichen Sachzwängen oder, anders ausgedrückt, als ein Abwerfen von Ballast. Aber jeder ist schliesslich seines Glückes Schmied.»
Ob es wohl soviel Elend auf der Erde gibt, weil viele Leute durch ihre Arbeit und Lebensgewohnheiten vielleicht unbedacht Elend verursachen?
Sind Sie liebe Leserin, lieber Leser, mit Ihrer, eigenen Lebens-Situation nicht rundum glücklich, so lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken. Vielleicht im stillen Kämmerlein, wo Sie zu Block und Bleistift greifen und eine lebenswertere Vision für Ihr Leben entwerfen, ausarbeiten und schliesslich in die Wege leiten. Oder sie holen sich neue Impulse an einem Anlass mit Gleichgesinnten, z.B. auf einer Fastenwanderung mit Regi Brugger, (siehe letztes Heft) oder während einer Ferienwoche in Meraggia, dem Ferienparadies im Tessin für unkomplizierte Leute, worüber im letzten Vegi-Info zu lesen war, oder wenn Sie sich in den Ferien nicht auch noch Ihre Mahlzeiten selbst bereiten möchten ein Geheimtip: Sonnenhof Preda in der grandiosen Bündner Bergwelt, wo Sie sowohl als Vegetarier, Veganer, oder Rohkostliebhaber auf die Rechnung kommen, und sich auch quer durch ein herrliches Frühstücks- und Abend-Buffet essen können. Hier lernen Sie auch Leute kennen, die an sich arbeiten und auch Sie gerne an ihrem Wissen und ihren Erfahrungen teilhaben lassen.
Also viel Spass, und wenn Sie unter Noch-nicht-Vegetariern weilen, zeigen Sie ruhig, dass Sie im Leben auf der Gewinnerseite stehen. Werden Sie sich bewusst, dass wir keine kleine Minderheit sind, die um Anerkennung kämpft.
Wir sind die Wegbereiter für eine neue, glücklichere Gesellschaft. Machen Sie’s gut zu Ihrem eigenen Wohl, dem Ihrer Mitmenschen und zum Wohl der Tiere.

Fredy Forster