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Ein persönliches Plädoyer für die vegane Lebensweise

Von Frank L., er lebt seit 14 Jahren vegetarisch und seit 7 Jahren vegan.

Vegetarisch leben

VegetarierInnen unterlassen aus diversen Gründen das Essen von Fleisch. In vielen Teilen der Welt ist das seit langem etwas ganz gewöhnliches, in der westlichen Welt ist es ein recht neues Phänomen. In Europa wird seit einigen Jahren der sogenannte gemässigte Vegetarismus populär, vor allem als Reaktion auf die Exzesse der Massentierhaltung.
Ich finde das schon mal erfreulich. Wenn weniger Fleisch konsumiert wird, wird (mindestens theoretisch) auch weniger produziert, es müssen weniger Tiere leiden und sterben und die Umwelt wird weniger belastet.

Noch weiter gehen? Vegan leben? Die persönlichen Grenzen ziehen!

Genügt mir vegetarisch leben? Genügt es den Tieren? Einige Menschen stellen sich diese Fragen. Sie unterlassen nebst Fleisch auch das Konsumieren von Eiern und Milch (verzichten wäre je nach Person das falsche Wort). Nach der gängigen Definition sind das VeganerInnen. Die meisten VeganerInnen lehnen auch Leder und Pelz ab und manche versuchen, nicht nur beim Essen auf Tierprodukte zu verzichten, sondern auch bei Kleidung, Kosmetik-, Pflege- und Reinigungsprodukten.

Das Konzept des Nutztiers in Frage stellen
Im Gegensatz zu früher ist heute allgemein anerkannt, dass alle Menschen gleiche Rechte haben. Bei den Tieren ist das anders. Haustiere werden gestreichelt, gepflegt und manchmal mehr geliebt als Menschen. Nutztiere werden produziert, getötet und konsumiert. Wilde Tiere werden verehrt, aber auch gejagt und verdrängt. Warum? Ich finde, dass alle Tiere die gleichen Rechte haben. Insbesondere das Recht, sich frei zu bewegen, soweit es die heutigen Lebensräume überhaupt zulassen. Persönlich lehne ich die Unterteilung in Nutz-, Haus- und Wildtiere ab. Ich finde auch, dass wir in unseren Breiten praktisch ohne Nutztiere auskommen könnten. In anderen Gebieten der Welt mag das anders sein.

Warum das alles?
Fragen über Fragen...

Sind wir Menschen denn überhaupt zum vegetarisch oder gar vegan leben bestimmt? Sind die Tiere nicht für uns zum Gebrauch da? Ist der Mensch nicht eigentlich ein Allesesser? Sind VeganerInnen extrem? Sind Tiere überhaupt leidensfähig? Sind nicht Pflanzen auch leidensfähig? Und all die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft? etc., etc.
Dies sind die Fragen, die endlose Diskussionen auslösen und am Schluss gibt es doch keine Einigkeit. Es werden ganze Bücher und Fernsehsendungen darauf verschwendet.

Fragenkatalog zum Nachdenken.
Statt der pauschalen Fragen stellen wir doch besser persönliche Fragen. Die können wir nämlich auch beantworten! Ich bin mir bewusst, dass sehr viele Fragen folgen, aber die Antworten bestimmen letztlich unser Verhalten den Nutztieren gegenüber.
Generell:
Finde ich das Konzept des Nutztiers richtig? Welche Tiere dürfen frei leben, welche nicht? Welche Tiere liebe ich? Liebe ich die Nutztiere auch? Wieweit will ich selber Nutztiere nutzen? Sind meine Essgewohnheiten das Nutzen der Tiere wert? Haben Tiere ein Recht auf Freiheit so wie Menschen?
Wenn ich Fleisch konsumiere:
Will ich Nutztiere essen? Will ich unmittelbar für deren Leiden und Tod verantwortlich sein? Bin ich mir der Umweltbelastung bewusst?
Wenn ich Fisch konsumiere:
Wie sterben die Fische? Sind sie tot, wenn sie zerlegt werden? Wieviel Schwermetalle will ich essen? Nehme ich in Kauf, dass Vögel und Meeressäuger wie Delfine in den Schleppnetzen landen? Nehme ich Überfischung in Kauf?
Wenn ich Eier oder Fertigprodukte mit Eiern konsumiere:
Was passiert mit den männlichen Küken? Wie und wann werden sie getötet? Werden sie an Legehennen oder Schweine verfüttert? Wann und wie sterben die Legehennen? An Altersschwäche? Stammen meine Fertigprodukte mit Eiern von glücklichen Hennen?
Wenn ich Milch oder Fertigprodukte mit Milch konsumiere:
Ist mir bewusst, dass Milch- und Fleischwirtschaft eng verwoben sind? Will ich, dass die Kälber schon in ihren ersten Lebenstagen ihrer Mutter entrissen werden? Will ich, dass die Milchkuh nach 6-7 Jahren geschlachtet wird, im ersten Drittel ihrer natürlichen Lebenserwartung? Will ich der Milchkuh verabreichte Hormone und (präventiv) verabreichte Antibiotika konsumieren? Will ich, dass die männlichen Kälber der Milchkühe als Kalbfleisch verzehrt werden? Warum ist der Mensch das einzige Säugetier, das artfremde Milch trinkt, und das bis ins hohe Alter?
Wenn ich Bio-Milch oder Bio-Fleisch konsumiere:
Sterben die glücklichen Kühe an Altersschwäche? Will ich, dass sie auf denselben Fliessbändern wie die Massenkühe geschlachtet werden? Wieviel tierisches Protein brauche ich? Wieviel tierisches Fett? Weiss ich, dass normale Kuhmilch dreimal mehr Protein enthält als Muttermilch?
Wenn ich Kleider & Schuhe kaufe:
Weiss ich, dass Wildleder von neugeborenen Kälbern stammen kann, weil deren Haut am zartesten ist? Finde ich, dass Leder ein Nebenprodukt von Fleisch ist oder umgekehrt? Weiss ich, dass Leder mit aggressiven Chemikalien gegerbt und gefärbt wird? Weiss ich, wie Seide entsteht? Habe ich Daunen lieber von tot oder lebendig gerupften Vögeln? Weiss ich, woher die Wolle kommt? Werden die Schafe schonungsvoll geschoren? Frieren oder erfrieren ein Teil der Schafe nach dem Scheren?
Wenn ich Kosmetik-, Pflege- und Waschprodukte konsumiere:
Will ich ein Produkt, welches Schlachtabfälle enthält? Will ich ein an Tieren getestetes Produkt? Was ist den Tieren dabei zugestossen?
Wenn ich Zigaretten rauche:
Will ich, dass Versuchskaninchen bis zu ihrem Tod Rauch einatmen müssen?

All diese Fragen können wir selber beantworten, und niemand redet uns drein. Und dann können wir unsere ganz persönlichen Konsequenzen ziehen und dabei so weit gehen, wie wir wollen.
Entscheidungsfreiheit eben.
Entscheidungsfreiheit auch für Tiere?

Ist eine vegane Ernährung gesund?

Brauchen wir nicht Tierprodukte, um gesund zu leben? Die Wissenschaft gibt auf diese Frage keine schlüssige Antwort, denn Ernährungswissenschaften sind nicht exakt und die Expertenmeinungen widerspiegeln oft Weltanschauungen. Einige WissenschaftlerInnen schätzen die vegane Ernährung als stark mangelhaft ein. Andere finden sie gesund, unter dem Vorbehalt, dass Veganer sich mehr als andere um die Ernährung kümmern und auf Vielfalt achten sollen. Allerdings gilt das eben bei jeder Ernährungsweise, wenn man gesund sein will. Es werden oft Protein, Calcium und Vitamin B12 erwähnt. Ich beschäftige mich auf eine pragmatische Art mit dem Thema durch Artikellesen und mit einer einfachen Nährwerttabelle. An mir selbst habe ich weder bei der Umstellung von Fleisch auf vegetarisch noch bei der Umstellung auf vegan viel bemerkt. Ich habe weder merkbare Mangelerscheinungen, noch wundersame Ausdauer- oder Immunsystemfähigkeiten.

Was brauche ich, um VeganerIn zu sein?

Eine Portion Individualismus. Jemand, der mir hilft. Den Willen, konsequent zu sein und einen Schritt weiter zu gehen. Einige vegane Kochbücher. Den Willen, beim Einkaufen die Inhaltslisten der Fertigprodukte zu beachten. Den Willen, beim auswärts Essen etwas extra zu bestellen.

Trotzdem: vegan Leben ist keine Hexerei und es lohnt sich

Nach einiger Zeit wurde für mich das vegan sein so normal wie früher das vegetarisch sein. Man gewöhnt sich halt an die Lebensweise und an die Reaktionen der Mitmenschen, die von bewundernd bis ablehnend ausfallen. Und Lust, «zurückzukrebsen» habe ich überhaupt keine.

Frank L.