Bemerkenswertes aus Politik und Wirtschaft
Herodesprämie
Bereits im Vegi-Info 97/4 konnten Sie lesen, dass die EU für
jedes Kalb, das innert der ersten Lebenstage getötet wird, eine
Prämie zahlt.
Die Menge der gezeugten Kälber hängt direkt mit der Menge
der Milchkühe zusammen. Deshalb wird mit dieser Massnahme
dafür gesorgt, dass nicht mehr alle Kälber gemästet
und somit der Fleischmarkt entlastet wird. Was zu Beginn noch als
vorübergehende Notmassnahme aussah, wird auch heute noch
praktiziert.
Wie überall sieht man auch hier: Eine Subvention
einzuführen ist viel leichter, als sie wieder abzuschaffen
(falls überhaupt jemand dies wollte).
Bisherige Bilanz:
Über 3 Millionen beseitigte Kälber. Zusätzliche
Kälbertransporte quer durch die EU (weil nicht jedes Land gleich
viele Subventionen für ein Kalb bezahlt).
...auch in der Schweiz
Die Genossenschaft für Schlachtvieh- und Fleischversorgung
(GSF), bot im Januar den Metzgern 80 Franken für jedes Kalb, das
sie im Alter von wenigen Wochen schlachteten – und
verwursteten. Mit der Kopfprämie der halbstaatlichen
Organisation sollte der Kalbfleischberg verkleinert und die Preise
hochgehalten werden. Vor 2 Jahren gab es bereits eine Aktion, damals
jedoch im Dezember, was das Weihnachtsgeschäft negativ
beeinflusste.
FACTS, 7.1.99
Tiertransportgesetz
Seit 1.1.1995 hat(te) Österreich ein Tiertransportgesetz, das
die schlimmsten Missstände bei den langen Lebend-Tiertransporten
unterbinden sollte.
Dass dieses Gesetz (natürlich) nie richtig kontrolliert wurde,
ist unter Tierschützern bekannt.
Nun hat jedoch der Europäische Gerichtshof am 11. Mai 1999
entschieden, dass das österreichische Tiertransportgesetz nicht
EU-konform ist, da es den freien Warenverkehr behindere.
Novartis verkauft Eden
Für viele Lebensreformer war es ein Schock, als bekannt
wurde, dass die bekannte Vegetariersiedlung Eden (bzw. der
Markenname) vom Pharmakonzern Novartis aufgekauft wurde. Novartis
fand nun offenbar selbst, dass die Reformhausmarke Eden nicht zu ihr
passt, und hat diese an die De-Vau-Ge Gesundkostwerk GmbH verkauft.
Gleichzeitig wurde auch der Knäckebrothersteller Wasa von
Novartis an den italienischen Nudelkonzern Barilla verkauft. Zu Eden
gehört übrigens auch die Reformhausmarke Granovita.
De-Vau-Ge zählt mit einem Umsatz von rund 210 Millionen Mark und
500 Mitarbeitern zu den grössten deutschen
Lebensmittelherstellern im Reformhausbereich (Hauptprodukte:
Müsli und Cerealien). Gesellschafter von De-Vau-Ge ist der
Hamburger Verein der Siebenten-Tags-Adventisten.
Pressemeldung: 27.4.99
Landwirtschaftsbudgets
Wussten Sie, dass die Europäische Union fast die Hälfte
ihres Budgets in die Landwirtschaft steckt – mehr als 40
Milliarden Euro, rund 65 Milliarden Franken? Der grösste Teil
geht auch hier, wie in der Schweiz, in die
«Tierproduktion».
In der Schweiz machen die Ausgaben für die Landwirtschaft nicht
ganz 10% des Gesamtbudgets aus (Tendenz: steigend). Rund die
Hälfte davon werden für Direktzahlungen an Bauern
aufgewendet.
Informationspolitik der EU
Unter: http://europe.eu.int veröffentlicht die EU über eine Million Dokumente. Wer aber glaubt, nun wesentliches der EUpolitik dort nachschlagen zu können, irrt: Zum Thema Landwirtschaftssubventionen findet man praktisch keine Informationen! Auch sonst ist dieses Thema anscheinend nichts für die Öffentlichkeit: Das EU-Parlament erkämpfte sich in den letzten Monaten diverse neue Rechte. Als einzige vom Volk gewählte Instanz der EU bleibt ihr jedoch die Mitbestimmung zum Thema Landwirtschaft verwehrt. An diese Subventionen wollen die Kommissionen offenbar niemanden heranlassen und beschliessen lieber weiterhin alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 9.12.2008
