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Der Weg zum Vegetarier ist ein Weg der Übung

Regi Brugger

Die moderne Psychologie will uns auf verschiedenen Wegen weismachen, dass wir nur durch Gespräche und Einsichten unsere Probleme lösen können, und dass dann unser Leben blitzartig glücklicher und einfacher wird. Von geduldiger, gewissenhafter und fleissiger Übung wurde schon lange nichts mehr geredet, weil zu mühsam und langweilig. Fast-Food auch in der Psychologie!


Auch das Wort Askese oder Asketik findet man nur noch in der hintersten Schublade. Unter Askese verstand man ursprünglich die Übung zur Erlangung der Meisterschaft in einer Sache. Asketik betrachtet die Askese aus philosophischer Sicht und ist sozusagen die moralische Gymnastik. Sie richtet sich jedoch nicht wie die Moral nach Sittengesetzen, sondern nach der Zweckmässigkeit und Wirksamkeit für eine vollkommene Realisierung. Es geht darum, unsere Sinne fürs Gute zu beleben und zu stärken durch Übungen.
Ein zeitgenössischer deutscher Philosoph, Wilhelm Schmid, meint zum Thema Lebenskunst, dass man sich immer wieder fragen muss: Ist das richtig, was ich mache? Wichtig ist die bewusste Wahl. Unser Leben besteht aus einem Überangebot an verlockenden Möglichkeiten, die wir gar nicht alle realisieren können. Oft ist es schmerzlich, von zehn Möglichkeiten eine zu wählen und neun fallen zu lassen. Ich muss mich also im Verzicht üben, bis ich gewohnheitsmässig verzichten kann.
Eine der Übungen auf dem Weg zu mehr Lebenskunst ist zum Beispiel, sich frei zu entscheiden fürs Fasten und zu Wandern. Wir verzichten dabei erstens auf das Essen und zweitens auf Transportmittel.
Die Erfahrung, die wir beim Fasten-Wandern machen, ist, dass wir nach einer Woche, während der wir nur trinken, unser Essen wieder viel mehr schätzen und geniessen und es in der Folge besser und sorgfältiger auswählen.
Welcher Tierfreund hätte nicht schon im stillen Kämmerlein ernsthaft gedacht: Eigentlich sollte ich kein Fleisch mehr anrühren, ich dürfte auch keine Milch trinken und keine Eier essen, wenn ich es ganz genau nehme mit meinem Gewissen, und wenn ich in Einklang mit meinen Gefühlen sein möchte. Die Einsicht steht klar da, doch der Wille dazu...
Es gäbe viel mehr Vegetarier auf der Welt, wenn sie wüssten, wie sie den Anfang in fleischloser Ernährung schaffen könnten.

Eine grosse Hilfe auf dem Weg zum Vegetarismus ist das Fasten

Bereits nach einer Woche ohne feste Nahrung erleben wir eine geistige und körperliche Verwandlung. Wir werden entschlussfreudiger und unsere Sinne werden geschärft. Das heisst, was früher normalerweise als salzig oder süss empfunden wurde, wirkt nach dem Fasten viel zu süss oder viel zu scharf. Wir sind also sozusagen beim Nullpunkt unserer Geschmacks-Einstellungen und Gewohnheiten angelangt. Dies ist die beste Gelegenheit, neue Wege zu gehen: Kaffee-Trinker schaffen es sogar, morgens in Schwung zu kommen mit einem Glas Kräuter-Tee. Eingefleischte Alles-Esser sind zufrieden mit köstlichem Gemüse, Salaten, Getreide, Kartoffeln und entdecken, dass das Fruchtfleisch das beste Fleisch ist.
Wanderung In den Fasten-Wander-Gruppen hat es schätzungsweise fünfzig Prozent Vegetarier. Doch wenn wir ihre Lebensgeschichte betrachten, so sehen wir, dass sie nicht über Nacht Vegetarier geworden sind. Einige wenige waren von Geburt an und familiär bedingt reine Pflanzenköstler. Die meisten anderen Vegetarier haben eine lange Geschichte der Entwicklung hinter sich. Oft sind es Krankheiten und Allergien, die zum Verzicht auf Fleisch zwingen. Doch was geschieht, wenn man jemandem etwas gegen seinen Willen wegnimmt? Es entsteht ein Manko, das auf dem schnellsten Weg wieder wettgemacht werden will. Oft treffen wir auf diesem erzwungenen Wege die sogenannten Pudding-Vegetarier. Sie essen zwar kein Fleisch, haben aber nach der Mahlzeit, die für sie tatsächlich unvollständig ist, noch Gluscht oder gar Hunger. Sie greifen zu Süssigkeiten. Die Folge davon ist, dass sie eine neue Mangelkrankheit schaffen. Denn Zucker ist ein Vitamin- und Mineralstoff-Räuber. Diese Vegetarier sind für uns keine Vorbilder, denn sie fühlen sich benachteiligt und werden es auch bleiben. Die echten Vegetarier haben viele Stufen der Entwicklung und Übung hinter sich. Aus einer Biografie kann ich erzählen:
Rohkost-Abschluss-Buffet Als Mädchen, das gutbürgerlich mit viel Fleisch aufgewachsen ist, hatte sie eine Begegnung mit der Schweine- und Kälbermast in den sechziger Jahren. Die Bilder vom Leid der Tiere haben der sensiblen Frau den Schlaf geraubt. Sie ass nie mehr Schweine- und Kalbfleisch. Das war der erste Schritt. Weitere folgten: Schliesslich sind Fische auch Tiere, und auch sie haben ein Empfinden – also auch keinen Fisch mehr! Dann kam die Beschäftigung mit der Ernährungslehre. Man kann nicht nur wegnehmen, man soll ja auch wieder etwas Geeignetes finden als Ergänzung. Es folgte die Erkenntnis, dass uns auch die Pflanzen sehr bekömmliches Eiweiss liefern. Eine Neuorientierung im Bereich Kochen war ein weiterer Schritt. Mit dem Essen ist Geselligkeit verbunden. Ein neuer Freundeskreis tat sich auf. Sie lernte weiter... Sie kam fasten-wandern und erzählte mir ihre Geschichte. Übrigens: die Frau sieht mit ihren über fünfzig Jahren kerngesund aus und sie ist (isst) es auch. Auf dem Weg zum Vegetarismus sind viele Stufen eingebaut. Wir nehmen sie – nur zur Übung – und kommen weiter. Fasten und Wandern kann eine erste Stufe sein. In den Fasten-Wander-Wochen mit Regi gibt es auch Anleitung für eine vegetarische Kost mit viel rohem Gemüse und Obst. Um im Heimreisegepäck nicht nur Theorie und gute Vorsätze mitzunehmen, gibt es am letzten Abend vor der Abreise ein Rohgemüse-Buffet mit rein vegetarischen (veganen) Saucen, die herrlich schmecken. Die Rezepte werden jeweils eifrig mitgeschrieben. Viele Gäste erleben das erste Mal, dass man Spargel roh essen kann und dass man für eine schmackhafte Sauce weder Butter, Quark noch Eier braucht. Unvergesslich für viele Teilnehmer wird auch die frische Farben- und Formenpracht des Gemüsebuffets bleiben. Was bleibt im Leben, sind immer die eigenen Erlebnisse. Auf die kann man aufbauen. Und was geübt und durchgestanden ist, macht uns stärker und bringt uns weiter. Wen wunderts, dass etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Teilnehmer in Regis Fasten-Wander-Gruppen Wiederholungstäter sind?



Auskunft und Unterlagen erhalten Sie über Tel. 071-245 52 02 oder direkt bei Regi Brugger in Ausserberg/Wallis, 027-945 11 33.

Regi Brugger