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Biol. Eiweisswertigkeit – Das Ei als Referenz

Immer wieder trifft man in Werbeschriften für tierische Produkte (und leider auch in anderen Texten) auf eine Tabelle über die sogenannte biologische Wertigkeit des Eiweisses. Darin steht an erster Stelle jeweils das Ei-Eiweiss, dicht gefolgt von den anderen tierischen Eiweissarten. Was für einen Wert hat diese Wertigkeitseinteilung für die menschliche Gesundheit?

Um diese Frage zu beantworten, muss man den Ursprung der Tabelle ansehen: Im Jahre 1914 machten die beiden Wissenschaftler Osborn und Mendel Fütterungsversuche an Ratten.(1) Dabei stellten sie fest, dass die Ratten mit Ei-Eiweiss am schnellsten an Gewicht zulegten. Wie es in der damaligen Zeit üblich war, bewerteten sie dies als sehr positiv. So kam es, dass man das Ei-Eiweiss als das Beste festlegte. Obwohl ein solcher Versuch natürlich keinerlei Aussagekraft auf die gesundheitlichen Auswirkungen des Eiweisses auf Ratten (und schon gar nicht auf den Menschen) hat, bildete er die Grundlage für alle künftigen Wertigkeitstabellen. Übrigens: Der Versuch wurde später wiederholt und weitergeführt. Das Ergebnis war, dass die Lebenserwartung der Ratten mit pflanzlichem Eiweiss viel höher war.(2) Die Wertigkeitseinteilung entspricht also kaum dem Gesundheitswert des Eiweisses. Im besten Fall sagt es aus, dass man von einem bestimmten Nahrungsmittel weniger konsumieren muss als von einem anderen, um gleichviel Körpermasse aufzubauen.(3)
Natürlich nahmen die Werbeabteilungen der Eierindustrie (aber auch der Milch- und Fleischindustrie) die «Ergebnisse» der ersten Untersuchung sofort in ihre riesigen Kampagnen auf. Sie zementierten dadurch im Bewusstsein der Bevölkerung den Mythos von der biologischen Überlegenheit des tierischen gegenüber dem pflanzlichen Eiweiss.
Dennoch ist natürlich auch festzuhalten, dass das tierische Eiweiss alle acht essentiellen (=solche die der Körper nicht selbst herstellen kann) Eiweissbausteine enthält. Mittlerweile ist jedoch längst bekannt, dass bei einer einigermassen abwechslungsreichen, rein pflanzlichen Ernährung auch problemlos alle essentiellen Eiweissbausteine aufgenommen werden. Viele rein pflanzliche Nahrungsmittelkombinationen werden sogar offiziell als mindestens gleichwertig zum reinen Eieiweiss betrachtet. Ganz abgesehen von den obigen Einschränkungen würden also die Wertigkeitstabellen nur anwendbar sein, wenn man sich über längere Zeit ausschliesslich von einer einzigen Speise ernähren würde.
Wegen des Eiweisses braucht also niemand Eier oder andere tierische Produkte zu konsumieren.


Mehr zu diesem Thema:
John Robbins: Ernährung für ein neues Jahrtausend, Nietsch-Verlag, Seite 166ff.


Renato Pichler

Fussnoten:


  • (1) Osborn, T.: Amino Acids in Nutrition and Growth, in Journal of Biological Chemistry, 17:325, 1914.
  • (2) Dr. Clive Mc. Cay: Life Span of Rats, Arch.Biochem., Vol. 2, 1943.
  • (3) Dies entspricht auch der Definition der biologischen Wertigkeit. Sie gibt an, wieviel Gramm Körpereiweiss durch 100g Eiweiss des entsprechenden Nahrungsmittels aufgebaut werden können.

  • Um den Wert eines Eiweisses festzulegen wird heute jedoch von Fachleuten eher die Nettoproteinverwertung (NPU: net protein untilization) verwendet, dabei ist auch die Verdaulichkeit des Eiweisses berücksichtigt.

    Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 6.10.2009

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