TierquälerEi
Das Ei wird mythologisch als Symbol des Lebens betrachtet – in Wirklichkeit täuscht die weisse Schale jedoch darüber hinweg, dass jedes Ei untrennbar mit Tierquälerei und Tod verknüpft ist. Skandale wie der um den «Hühnerbaron» Pohlmann, massenhaft erstickte Vögel, nikotinvergiftet, Arzneimittel- und Giftrückstände in den Eiern, Gesundheitsschäden der Arbeiter zeigen nur die Spitze des Eibergs.
Hühnerbatterien
Die Eier vieler Vogelarten – von Wachteln bis zu Straussen
– werden von Menschen gegessen, doch den Hauptanteil machen
Hühnereier aus.
Legehennen und Masthühner halten einen traurigen Rekord, was die
Konzentration vieler Tiere auf engstem Raum betrifft. 450
cm2 Lebensraum steht jedem zu, ein geneigtes Drahtgitter,
kleiner als die Fläche eines Blatts Schreibmaschinenpapier.
Allein in Deutschland müssen über 65 Millionen Legehennen
die Konsumenten mit über 18 Milliarden Eiern pro Jahr versorgen
(Quelle: Deutsches Bundesministerium für Landwirtschaft und
Forsten, 4.5.1998). 90% der auskunftspflichtigen Legehennenbetriebe
halten die Vögel in Batterien. In der Schweiz ist zwar diese
Käfighaltung der Hühner verboten, der Import solcher Eier
wird jedoch wegen des Preisunterschiedes im grossen Stil
durchgeführt. Doch auch die erlaubte Bodenhaltung der
Hühner ist weit von einem artgerechtem Leben, wie sie die
Werbung stets verbreitet, entfernt. Um die Produktivität zu
erhöhen, werden die Hühner in beiden Haltungssystemen oft
17 Stunden pro Tag mit Kunstlicht bestrahlt. Verhaltensstörungen
sind die Folge dieser Haltung. Um gegenseitiges Anpicken oder gar
Ausweiden zu verhindern, werden vielen Hennen im Kükenalter die
Oberschnäbel ohne Betäubung abgebrannt oder abgeschnitten.
Doch gerade der Hühnerschnabel ist durch zahlreiche Nervenbahnen
ebenso empfindlich wie unsere Fingerkuppen. Die Tiere haben noch
Monate nach dieser «Amputation» grosse Schmerzen.
Das tägliche Eierlegen ist keineswegs so amüsant, wie ein
bekanntes Lied glauben machen will. Während ihre Vorfahren etwa
zwölf bis zwanzig Eier pro Jahr legten, bringen es speziell
gezüchtete Legehennen auf rund dreihundert pro Jahr. Um die
Eierschalen aufbauen zu können, wird den Knochen Kalzium
entzogen. Dies ist neben der Bewegungseinschränkung und
fehlendem Sonnenlicht eine der Ursachen für teils tödliche
Technopathien wie Käfiglähme, Osteoporose,
Fettlebersyndrom. Ausserdem ist es ein grosser Stress für die
Hühner, sich nicht für die Eiablage zurückziehen zu
können; eine unbeschreibliche Tortur in der
Massenhühnerhaltung.
Dies alles trägt ebenso wie die sich durch die Massenhaltung
rapid vermehrenden Parasiten dazu bei, dass eine von 15 Hennen pro
Jahr vor der Massenschlachtung stirbt und so im Müllcontainer
der Batterie endet.
Freilandhaltung
Eier aus Freilandhaltung (also Stall und Weideauslauf im Freien) und Bodenhaltung (Stallgebäude mit Sitzstangen und Legenestern, aber ohne Freilauf) machen in Deutschland gerade 10%, in der Schweiz ca. 50% der konsumierten Eier aus. Phantasiebezeichnungen wie «Bauern-» oder «Landeier» sollen über die Herkunft aus Hühnerbatterien hinwegtäuschen. Ausserdem zeigen Abrollspuren vom Käfigboden, die unter UV-Licht sichtbar werden, dass Eier oft falsch deklariert werden. Es werden soviele Eier aus angeblicher Freilandhaltung verkauft, dass jedes Freilandhuhn täglich fünf davon legen müsste. Eiklar und Dotter in eihaltigen Produkten, ob Kuchen, Kekse, Brot oder Teigwaren, stammen, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, ebenfalls aus Käfighaltung. Hinzu kommen die Probleme der Schlachtung und der männlichen Küken.
SonntagsZeitung, 8. April 2007
Schlachtung
Auch die wenigen nicht in Käfigen eingepferchten Tiere werden ebenso wie die Batteriehühner, sofern sie die «Haltung» überleben, weit vor dem natürlichen Ende ihres Lebens getötet. Nach einer Aufzucht von wenigen Monaten verbringen sie etwa ein Jahr damit, Eier zu legen. Mit der Zeit lässt die Legeleistung nach, und sie werden im Alter von zwölf bis fünfzehn Monaten geschlachtet und als Suppenhühner vermarktet oder zu Pasteten verarbeitet. Ihre natürliche Lebenserwartung betrüge über dreissig, im Mittel zwanzig Jahre. Zur Schlachtung werden die Hühner an den Füssen aufgehängt und durch Elektroschock im Wasserbad betäubt – bei zu kleinen Hühnern oder denen, die sich wehren, misslingt dies oft, weil sie den Kopf über Wasser halten. Dann wird ihre Kehle durchgeschnitten, und sie verbluten. Bei einem Verkaufserlös von weniger als einem Franken pro Tier wird hier nicht lange Federlesen gemacht.
Küken
Da ein Hahn keine Eier legen kann, stirbt für jede Legehenne ein Küken. Die männlichen Tiere – also jedes zweite Küken – aus Legehennenzuchtlinien sind für die Fleischmast unrentabel. Die Küken werden kurz nach dem Schlüpfen "gesext" – Sekunden entscheiden über Leben in Gefangenschaft oder Tod. Die weiblichen Tiere kommen in die Aufzucht, die männlichen werden lebendig in Fleischwölfen vermust, ertränkt, erstickt oder vergast, um als Tiermehl für Futter oder Dünger zu enden. So werden allein in Deutschland jährlich 44 Millionen Küken bereits in den ersten Lebenstagen getötet.
Umweltschäden
Ursache vieler Umweltschäden ist die Jauche aus der
Tierzucht. Davon produziert jedes einzelne Huhn täglich 180 g.
Ammoniak aus Jauche hat sich beispielsweise als eine der
Hauptursachen für das Waldsterben erwiesen, Nitrat im
Trinkwasser stammt u.a. aus Jauche-Überdüngung.
Hinzu kommt, dass der Kalorienumsatz von Getreide beim Umweg
über Tierfutter mit enormen Verlusten behaftet ist. Bei
Hühnerfleisch beträgt die Menge, die aufgewendet werden
muss, das zwölffache, bei Eiern das vierfache des Getreides (zum
Vergleich: Rindfleisch das zehn-, Milch das fünffache). 80% des
Weltsojaanbaus und etwa die Hälfte des Getreides wird an Tiere
verfüttert. Diese Nahrungsmittel – die oft in
Ländern, in denen Menschen hungern, angebaut und dann exportiert
werden – werden somit zum grossen Teil in Jauche verwandelt.
Getreide, das zum Beispiel als Brot gegessen wird, kommt
vollständig der menschlichen Ernährung zugute. Wird das
Getreide jedoch zuerst an Hühner verfüttert, muss
zwölfmal soviel aufgewendet werden, um Fleisch zu erzeugen, das
dem entspricht, und viermal soviel für Eier. Das bedeutet
Verschwendung von Nahrungsmitteln, Anbauflächen und Energie,
sowie Schäden durch «Pflanzenschutzmittel» zur
Ertragssteigerung beim Futtermittelanbau.
Folgekosten
Die sozialen und volkswirtschaftlichen Folgekosten sind enorm: Neben den durch Umweltschäden entstehenden Kosten, fallen zum Beispiel Kosten für Tierseuchenbekämpfung (Massentierhaltung erhöht das Seuchenrisiko), Tierkörperbeseitigung und Schlachtabwasserentsorgung sowie die durch ernährungsbedingte Krankheiten an, um nur einige Beispiele zu nennen.
Eiweissmythos
Die Nahrungsmittelindustrie bemüht sich nach Kräften, den Eindruck zu erwecken, dass tierische "Nahrungsmittel" für die Ernährung notwendig seien. Stellvertretend sei der Eiweissmythos genannt. Abgesehen davon, dass hierzulande jeder im Schnitt doppelt so viel Eiweiss (Protein) wie nötig zu sich nimmt, sollte klar sein, dass natürlich auch Pflanzen aus Proteinen bestehen, nicht etwa nur Fleisch, Milch oder Eier. Von den etwa zwanzig Proteinbausteinen, den Aminosäuren, sind acht essentiell, das heisst, sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Nun enthalten Tierprodukte zwar alle acht, aber Sojabohnen ebenso. Auch Nüsse, Getreide und Hülsenfrüchte sind sehr proteinreich. Dass beispielsweise Getreide die Aminosäure Lysin, Hülsenfrüchten Methionin fehlt, wäre nur dann ein Problem, wenn lediglich eines dieser Nahrungsmittel zur Verfügung stünde. Um also einen Mangel an einer Aminosäure zu erleiden, wären grosse Anstrengungen erforderlich, da die eine Gruppe die jeweils der anderen fehlende enthält.
Gesundheitsschäden
Ein durchschnittliches Ei enthält mehr als 200 mg Cholesterin. Eier können Nahrungsmittelvergiftungen, insbesondere Salmonellose, verursachen. Die Symptome ähneln Erkältungssymptomen, so dass die Vergiftung häufig unentdeckt bleibt. Eier tragen zu Übergewicht, Herzkrankheiten und anderen ernsten Gesundheitsschäden bei.
Alternativen
Vermeiden von Eiern bedeutet aber keineswegs, nie mehr Kuchen oder Pasta zu essen. Teigwaren aus Hartweizengriess und Wasser sind überall erhältlich, und viele Kuchen kommen sehr gut ohne Ei aus. Selbst wenn ein Rezept Eier vorsieht, so gibt es zahlreiche Alternativen: Je nachdem, welche Funktion das Ei erfüllt – binden oder treiben – kann stattdessen Tomatenmark oder Öl und Essig verwendet werden, Tofu mit etwas Wasser püriert, Apfelmus, pürierte Bananen, Leinsamen, Nussmus, Soja- oder Pfeilwurzmehl oder tierproduktfreier "Eiersatz" (aus dem Reformhaus). Zum Beispiel kann ein Ei in Backwaren durch einen Esslöffel Sojamehl oder Maisstärke und 2 Esslöffel Wasser ersetzt werden. Sehen Sie hierzu auch die Rezepte in diesem Heft.
Fazit
Angesichts dieser Tatsachen sollte klar sein, dass Eier mehr sind als nur Hühnermenstruationsprodukte: Jedes einzelne Ei bedeutet Verschwendung, Gesundheitsschäden und vor allem Tierquälerei und Tod. Dies können wir vermeiden, indem wir keine Eier oder eihaltigen Produkte verwenden. Die Menschen bezahlen nur wenige Rappen für ein Hühnerei, ein paar Franken für ein Suppenhuhn – die Hühner aber kostet dies die Freiheit, die Gesundheit und schliesslich ihr Leben.
Autor: Achim Stößer
Weitere Informationen zum Thema Eier:
- Ach du dickes Ei!: Hauptseite zum Thema Eier
- Der Freilandmythos
- Biol. Eiweisswertigkeit
- Eifrei? Kein Problem!
- Mogelpackung "Ökoei"
- Video zum Küken sexen und töten
- Eier wachsen nicht auf Bäumen, Vegi-Info 2007/2 : Zum "Entsorgungsproblem" der ausgedienten Legehennen.
- Wie Hühner ins Stromnetz kommen, Tages-Anzeiger, 30.3.2010
- Kassensturz: Verpönte Käfigeier. Versteckt in vielen Lebensmitteln
- srf Konsum: Legehennen als Wegwerfware
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