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Vegetarier – Wie weit sind wir das überhaupt?

Wer kein Fleisch isst, ist Vegetarier. Vegetarier, aus Liebe zu den Tieren, wollen mit dieser Lebensweise den Tieren helfen. Wie weit ziehen wir aber die Konsequenzen neben dem Essen, um Tierleid tunlichst zu vermeiden? Denn nicht nur im Essen finden wir Schlachtprodukte. Auch bei vielen Tätigkeiten und Gewohnheiten ausserhalb des Essens wird indirekt und oft unbewusst Tierleid verursacht.

Beginnen wir bei der sogenannten Hygiene. Die meisten Seifen, Wasch- und Reinigungsmittel bestehen zu einem grossen Teil aus Unschlitt (nicht essbare Schlachtfette), auch wenn sie sich z.B. Palmolive nennen. Beim Händewaschen mit Seife in einer öffentlichen Toilette konsumieren wir in der Regel Schlachtprodukte. Trocknen wir uns anschliessend die Hände am Handtuch ab, so wurde und wird dieses vermutlich auch mit Waschmittel aus Schlachtabfällen gewaschen. Auch die öffentlichen Toiletten werden mit gewöhnlichen Reinigungsmitteln gesäubert, die wir persönlich vielleicht nicht verwenden – vielleicht, oder am Ende doch?

«Stille Nacht – heilige Nacht», Weihnachten steht vor der Tür, undenkbar ohne Kerzenlicht. Und – was soll daran nicht in Ordnung sein? – Kerzen bestehen aus Kerzenwachs und dieser in aller Regel aus Stearin.
Ausgangsprodukte dafür sind üblicherweise Schlachtfette. Wer Weihnachten ohne Tierleid verbringen will, wählt Kerzen aus Paraffin. Hier handelt es sich um ein Produkt aus der Petrochemie. Wie steht es denn mit Bienenwachskerzen? Nur reine Bienenwachskerzen sind aus Bienenwachs. Daneben gibt es Mischungen von Stearin mit Bienenwachs. Und Bienenprodukte vom Honig über Wachs bis Gelée Royale sind aus ethisch vegetarischer Sicht ohnehin eine sehr zweifelhafte Produktepalette, wie wir noch sehen werden.

Stearin wird übrigens auch für Lippenstifte und andere Kosmetika verwendet: «Schönheit aus Leichen», «Kadaver-Recycling für Ihre Schönheit».

Kaum eine Vegetarierin würde sich einen Pelzmantel kaufen, bestenfalls einen Kunstpelz, aber bei Leder vergessen viele, insbesondere auch die Männer, dass dies nichts anderes als Pelz ist, dem einfach die Haare abrasiert wurden. Letztere finden dann im Filz von Filzhüten, aber auch in Nahrungsmitteln, die mit «Eiweiss» deklariert sind, Eingang. Es ist eigentlich erstaunlich, wie lange sich Leder behaupten kann, selbst bei Leuten, die sich ethische Vegetarier nennen. Von Schuhen über Gürtel, Geldbörsen und Mappen, Handtaschen und Kleidung – überall stösst man noch auf Leder. Dabei ist es doch gerade bei Leder so, dass alle wissen, was das ist. Wenn Sie Ihre alten Lederschuhe noch austragen, weil nun das Tier ohnehin tot ist, und es schade ist, ein Paar Schuhe einfach wegzuwerfen – wohlan. Aber warum diese Artikel nachkaufen, obschon Ihnen der Sachverhalt bekannt ist?

China produziert jährlich
35’000 Tonnen Seide.
Japan und Indien je rund
8’000 Tonnen.

«Seide – ein Stück Natur, das Ihnen Anmut verleiht.» Quatsch. Seide ist ein Tierquälerprodukt der schlimmsten Sorte. Seit Tausenden von Generationen werden Seidenraupen in Gefangenschaft gehalten und mit den Blättern des Maulbeerbaumes gefüttert, bis sie sich verpuppen. Diese Puppen (Cocons) entstehen, indem die Raupe einen Faden spinnt und sich darin einwickelt (verpuppt), um nach der Metamorphose als Schmetterling zu auferstehen.
Doch dieses Stadium erreichen nur wenige, und wenn, dann schlüpfen verkümmerte, flugunfähige Tiere, die nie Gelegenheit zum Fliegen hatten. Die meisten verpuppten Raupen werden in heisses Wasser geworfen und verbrühen jämmerlich. Die Cocons werden abgewickelt und bilden die Rohseide für Ihr Kleidungsstück. Für ein Kilo Rohseide sterben Tausende von Seidenraupen den Tod des Verbrühens. Da mag Seide noch so angenehm zu tragen sein. Seide ist und bleibt ein Tierquälerprodukt der schlimmsten Sorte.

In diesem Zusammenhang wollen wir auch die Perlen und Perlmutter erwähnen. Dringt ein Fremdstoff in eine Perlmuschel ein, so kratzt oder sticht das die Muschel oder ist ihr sonstwie lästig. Sie sondert ein Sekret ab, das diesen Fremdkörper einwickelt und so den Schmerz dämmt. In seltenen Fällen ist nun diese Perle so rund und regelmässig, dass es sich lohnt, diese zu einem Schmuckstück zu verarbeiten. In neuerer Zeit werden den Muscheln die geeigneten Fremdkörper künstlich eingepflanzt. Die Wahrscheinlichkeit von brauchbaren Perlen wird dadurch verbessert, aber an der Tatsache ändert das nichts, dass für jede Perle auch für Zuchtperlen viele Muscheln leiden und sterben mussten. Perlmutter ist ein Nebenprodukt aus der Perlengewinnung. Es ist der schillernde Innenteil der Perlmuschel und wird unter anderem zu Knöpfen, Schmuck und Zierat verarbeitet.

Vielleicht habe ich Sie aufgerüttelt, vielleicht bereite ich Ihnen mit diesen Gedanken eine schlaflose Nacht. Übrigens schlafen Sie noch mit Daunenkissen und Federduvet? Daunen sind Enten- oder Gänseflaum, die den Tieren lebend oder nach dem Schlachten gezupft (gerupft!) werden, wodurch jene frieren und wir schön warm haben. Haben Sie Ihr Feder-Bettzeug noch vor der Erkenntnis gekauft, dass es sich hier um ein Tierquälerprodukt handelt, so mag das noch angehen, aber lassen Sie Duvet und Kissen nur nicht «reinigen», denn im Klartext heisst das: Kisseninhalt mit Kunstwind aufwirbeln und alles, was verklumpt bleibt, durch neue Daunen/Federn ersetzen. Ihre Decken werden auf diese Weise nie ausgemustert, sondern immer wieder erneuert, und das Tierleid nimmt kein Ende. Alternative: Alten Kissen- und Deckeninhalt kompostieren und ersetzen durch synthetische aus Hohlfasern oder Kapok (Rohbaumwolle, waschbar).
Vielleicht hört dann auch plötzlich Ihre Stauballergie auf.
Auf dem Kompost verrotten Federn mühelos zu Gartenerde. Aber glauben Sie ja nicht, wenn Sie einmal keine alten Bettinhalte mehr haben, den Kompost oder Garten mit Hornspänen, Blutmehl (beides Schlachthofprodukte) oder mit Geflügelmist (aus Geflügel-Intensivhaltungen) «anreichern» zu müssen, um hochwertige Gemüse für Ihre vegetarische Ernährung heranzuziehen. Dazu verwenden Sie besser Ihren eigenen Mist in kompostierter Form. Für den ist es nämlich viel zu schade, um im Kanalisationssystem mit Industrieabwässern vermischt zu werden und in der Kläranlage zu landen.
Je mehr Zusammenhänge wir erkennen, umso besser haben wir es in der Hand, unser Konsumverhalten zu hinterfragen und zu ändern. Der vorliegende Text ist ein Beitrag in diese Richtung. Ich wünsche Ihnen frohe Festtage und ein schönes neues Jahr. Mögen Ihre guten Vorsätze Wirklichkeit werden, am besten nicht erst im neuen Jahr sondern gleich, wenn die Eindrücke noch frisch und gegenwärtig sind. Wieviel oder wie wenig Tierleid auf Ihr Konto geht, liegt nämlich in Ihrer Hand.

Fredy Forster

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