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Knochenmark als BSE-Überträger

Langsam könnte man sich schon fast daran gewöhnen:
Die Fleischindustrie (und die Behörden) sorgt sich mehr um die Umsatzzahlen, als um die Gesundheit der Bevölkerung. So lange nicht eindeutig bewiesen ist, dass ein Produkt der Fleischindustrie die Konsumenten unmittelbar töten kann, wird es weiterverkauft.

Neustes Beispiel dieser Taktik: Am Abend des 3. Dezember 1997 gab die britische Regierung (via Premierminister Blair) bekannt, dass der Verkauf von Rindfleisch am Knochen verboten sei. Dies heisst, dass in ganz Grossbritannien keine T-Bone-Steaks, Rippenbraten, Koteletts, Ochsenschwanz und andere Produkte mit Knochen mehr verkauft werden dürfen! Die britische Regierung hat anscheinend etwas dazugelernt: Diesmal hat sie sofort nach bekanntwerden neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse reagiert.
Zuvor haben natürlich alle Politiker (und fast alle Wissenschaftler) einhellig versichert, dass alle möglichen Risiken durch die bereits getroffenen Massnahmen ausgeschlossen wurden.
Ähnlich erging es auch bei der Gelatine (siehe Vegi-Info 3/97): Auch hier hörte man immer wieder, sie sei unbedenklich, bis Wissenschaftler das Gegenteil beweisen konnten.

Die Folgen in der Schweiz:

Bern (dpa, 4.12.97) – Nach Großbritannien will auch die Schweiz den Verkauf von Fleischprodukten mit Knochen verbieten.
Die Schweiz ist nach Großbritannien das am stärksten von BSE betroffene Land Europas. Seit 1990 erkrankten 261 Rinder. Die Bonner Regierung will erst die britischen Erkenntnisse überprüfen. Britisches Rindfleisch darf nicht nach Deutschland importiert werden.

In der Schweiz überlegte das Bundesamt für Veterinärwesen bereits am 4. Dezember, ob auch hier ein Verbot für solche Produkte sinnvoll seien. Doch gleichzeitig beschwichtigt das BVET, es gebe keinen Grund zur Panik.
Insbesondere ist vorgesehen, dass die Wirbelsäule von Rindern die älter als sechs Monate sind, als Risikomaterial behandelt werden soll (und somit vom menschlichen Konsum ausgeschlossen würden).
Das beim Auseinandersägen der Rinder in zwei Hälften, im Schlachthof, mögliche Erreger aus dem Rückenmark über das ganze Rind verteilt werden, scheint dabei niemanden zu stören. Vielleicht wird dies Gegenstand einer nächsten wissenschaftlichen Untersuchung?
Die Grossverteiler reagierten gelassen, da sie nach eigenen Angaben ihre Steaks sowieso aus den USA und Argentinien haben und die Rohstoffe für die Fleischbouillon stammen aus Australien, Argentinien oder Brasilien. Wie war das noch mit dem Abholzen der Regenwälder für die Viehherden?
Dadurch trat wieder ein anderes Problem hervor: Die USA ist bekannt dafür, dass dort bei der Fleischproduktion mit Hormonen sehr grosszügig umgegangen wird. Nun gaben die Grossverteiler sogar «freiwillig» zu, dass sie Fleisch aus den USA verkaufen. Ich bin mir sicher, dass das Thema Hormone im Fleisch bald wieder in die Schlagzeilen kommen wird.
So wird der Spielraum der Fleischindustrie zusehends enger.
Jeder Skandal zieht neue Enthüllungen nach sich, die für denkende Fleischkonsumenten eigentlich genügend Gründe geben müssten, um künftig auf Fleisch zu verzichten.
Es bleibt abzuwarten mit welchen Überraschungen man noch rechnen kann. Zum Beispiel wurde wissenschaftlich noch immer nicht eindeutig geklärt, ob Milch tatsächlich keine BSE-Gefahr birgt.
Siehe auch: Ärzte Zeitung, 5.12.97