Kopf SVV-Mitgliedschaft Breite einstellen Hauptseite

Die SVV heisst jetzt: Swissveg
Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch


Die SVV heisst jetzt: Swissveg
Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch

Antibiotika für Nutztiere

«Mit dem leichtfertigen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast sollte man schleunigst aufhören. Er hat dazu geführt, dass Krankheitserreger im menschlichen Körper gegen Antibiotika immun geworden sind.»
WHO, 1977

«Es gibt direkte Verbindungen zwischen der Anwendung von Antibiotika in der Tierproduktion und dem Entstehen von resistenten Bakterien beim Menschen.»
WHO, 1997(1)

Über die möglichen Auswirkungen des Antibiotikaeinsatzes in der Massentierhaltung wusste man schon vor 20 Jahren Bescheid. Dennoch wurde dies von der Fleischindustrie immer wieder verharmlost oder ganz abgestritten. Vergleiche zur Tabakindustrie drängen sich auf.
Solange das Geschäft läuft, wird an der Tiermast nichts geändert.
Als nun (November 1997) sogar im Schweizer Käse antibiotikaresistente Bakterien entdeckt wurden und dies in den Medien publiziert wurde, überlegen sich endlich sogar Politiker, ob in der Tiermast nicht etwas zu verbessern wäre.

«Etwa die Hälfte der weltweiten Antibiotika-Produktion geht als Leistungsförderer und Tierarzneimittel in die Landwirtschaft»
Professor Michael Teuber vom Institut für Lebensmittelwissenschaften an der ETH Zürich (3)

Ob dies am immensen Antibiotikaeinsatz in Schweizer Ställen etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Noch immer werden 80 Tonnen davon jährlich den sogenannten Nutztieren verabreicht (dies ist viermal mehr als die Ärzte ihren menschlichen Patienten verschreiben!). Meist wird es ins Futter gemischt, manchmal sogar direkt ins Euter der Milchkühe gespritzt, da die Höchstleistungen in der Milchproduktion natürlich nicht ohne gesundheitliche Probleme bei den Tieren erreicht werden konnten.
Durch den hohen Einsatz in der Tierhaltung entwickelten sich Bakterienstämme, die gegen die Antibiotikas immun sind, dies führt dazu, dass bei wirklich ernsthaften Erkrankungen (auch bei Menschen) viele Antibiotikas gar nicht mehr wirken und die Ärzte immer wieder machtlos zusehen müssen, wie Patienten deshalb sterben.
Bemerkenswert ist, dass schon heute bei Milchkühen der Antibiotikaeinsatz nur bei Krankheitsfall erlaubt ist (dies wollen die Mäster für sich in Zukunft immer noch zulassen), dennoch wurden die resistenten Bakterien gerade in einem Milchprodukt entdeckt! Kaum eine Tierart entgeht dem Zwang der Profitmaximierung: Rinder (Kühe und Mastkälber), Hühner, Schweine, Fische und sogar Bienen(2) werden Antibiotika verabreicht! Hinzu kommt, dass die Analysemethoden, die zur Aufdeckung von Rückständen im Fleisch angewendet werden teilweise sogar unzuverlässig sind.
Doch selbst das Wirtschaftsargument ist kaum tragbar: Schweden hat bereits jegliche Antibiotika im Tierfutter vor 10 Jahren verboten, ohne dass die Bauern dadurch Schaden erlitten.
Was sollen wir tun? Viele Ärzte raten, nur noch gekochte tierische Produkte zu konsumieren (die Antibiotika wären dann zwar noch drinnen, die gefährlichen resistenten Bakterien würden dadurch aber getötet). Andere Ärzte warnen hingegen schon seit langem vor erhitztem tierischem Eiweiss und hatten empfohlen möglichst unerhitzte Produkte zu bevorzugen.
Offensichtlich bleibt der Konsum von tierischen Produkten immer ein gesundheitliches Risiko.
Wäre die Lösung also einfach auf alles tierische zu verzichten? Nur auf den ersten Blick. Denn selbst dies würde der neuen Gefahr nicht vollständig Einhalt gebieten: Auch Gemüse kann von resistenten Bakterien verseucht sein, wenn der Bauer das Feld mit tierischen Fäkalien (Mist, Gülle) düngt. Leider ist dies noch immer die Regel (auch auf Bio-Höfen). Wer auch dieses kleine Risiko ausschalten will, pflanzt sein Gemüse selbst an, oder kauft es bei einem rein pflanzlich wirtschaftendem Bauern.


Bericht der Neuen Zürcher Zeitung zum Thema:

« [...] Rund die Hälfte der weltweiten Produktion von Antibiotika wird heute für die Landwirtschaft aufgewendet, wo sie zur Leistungsförderung und als Therapeutika verwendet werden. Wo immer Antibiotika zum Einsatz kommen, treten aber auch Resistenzen auf. [...] Seit einiger Zeit steht fest, dass Bakterien sogenannte Resistenzgene untereinander auch austauschen können. Am Beispiel eines an sich harmlosen Milchsäurebakteriums haben die Zürcher Wissenschafter die ‘Evolution’ solcher resistenter Bakterien nun besonders deutlich veranschaulicht. Die Forscher isolierten Lactococcus lactis aus dem französischen Rohmilchkäse ‘Brie de Maux’. Das Bakterium kommt auf Pflanzen, im Maul, sowie auf dem Euter von Kühen vor und ist gegenüber Antibiotika normalerweise empfindlich. Wie molekularbiologische Untersuchungen aber zeigten, wies das Bakterium gleich drei verschiedene Resistenzgene auf, nämlich solche gegen Tetrazyklin, Chloramphenikol und Streptomyzin. Die Wissenschaftler konnten zudem nachweisen, dass die Resistenzgene aus verschiedenen krankmachenden Bakterien, unter anderem Staphylococcus aureus, stammen. Es lässt sich nicht ausschliessen, dass die Milchsäurebakterien im menschlichen Darm die Resistenzgene an weitere Bakterien weiterreichen.»
NZZ 24.10.97

Fussnoten:

  1. Puls-Tip, 11.11.1997; Nature, 23.10.97; Ärzte-Zeitung, 20.10.97: WHO warnt vor zu viel Antibiotika in der Tierhaltung.
  2. K-Tipp, 19. Nov. 97, Seite 13
  3. Blick, 24. Okt. 97

Weitere Informationen zum Thema Antibiotika:



[nach oben


   
© Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV) | www.vegetarismus.ch | Impressum