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1410 km Radtour

durch Schweden ausschliesslich mit Rohkost

Die von Arne Wingquist in Zusammenarbeit mit den Vereinen der schwedischen Vegetarier und Veganer weltweit ausgeschriebene Rohkost-Radtour von Kiruna im Norden Schwedens nach Stockholm hatte mich gereizt. Schliesslich entschloss ich mich, daran teilzunehmen. Ich war neugierig zu erfahren, wie man bei nur pflanzlicher Frischkost eine derart lange und anstrengende sportliche Leistung bewältigen würde.

Rohkostrunde

Arne Blomquist
Der 78jährige Organisator und Mitfahrer Arne Wingquist

Ausserdem wollte ich Schweden kennenlernen, und wie ging das besser als vom Velosattel aus? Um es gleich vorweg zu nehmen: Es war einmalig und eindrücklich!
‘Du bist ja verrückt’, hatte ein Kollege zu mir gesagt, ‘zum Radfahren muss man in ein warmes Land fahren und nicht in ein kaltes wie Schweden!’

Am 15. Juli begann unsere Reise. Das schöne und warme Wetter begleitete uns, (mit Ausnahme von einem Gewitter- und zwei Regentagen) 19 Tage lang von Kiruna bis nach Stockholm.
150 Leute aus aller Welt interessierten sich für die Tour. Sechs Personen nahmen schliesslich teil: der 78jährige Arne Wingquist, Initiant und Organisator der Tour, die Studentinnen J. C. (18), Katarina Lindberg (20), Ylva Öhrn (27), der Radioingenieur Ronald Persson (53) und ich aus der Schweiz, Lehrerin (53), einzige Ausländerin.

Zu Hause hatte ich mir die Strecke verschiedene Male auf der Karte angesehen: zuerst einem Flusslauf nach, also abwärts, dann der Ostseeküste nach, also flach. Weit gefehlt! Ich begann zu begreifen, warum in den Reiseprospekten nur Radtouren für den Süden Schwedens angeboten wurden. Die Steigungen waren eine echte Herausforderung! In den ersten zwei Wochen sind wir 80% der Zeit bergauf gefahren, in der zweiten Woche sogar ziemlich steil. Dazu kam die Hitze von oft über 30 Grad Celsius. Das Gepäck von ca. 20 kg führte jeder auf seinem Fahrrad mit.

Ob ich die Strapazen bei einer Kost mit vielen gekochten Speisen oder gar Milchprodukten so gut überstanden hätte? Ich bezweifle es.

Rohkostrunde
Am Ziel vor dem Rohkostmenu. Klicken Sie aufs Bild!


Nur vegane Rohkost

Bedingung für die Teilnahme war, dass während der Reise nur vegane Rohkost (lebendige Nahrung, wie Bircher-Benner schon vor 100 Jahren gefordert hat) gegessen würde. Diese Klausel hatte einige Interessenten abgehalten teilzunehmen. Eine Frau aus den USA hatte im letzten Moment abgesagt, weil der Arzt ihr dringend davon abgeraten hatte. Bei solch einer ‘einseitigen’ Ernährung könne man keine so anstrengende Leistung erbringen und nur Schaden an seiner Gesundheit nehmen, war seine Meinung. Wie sah nun der Speisezettel aus? Morgens ass jeder Früchte nach Belieben. Z. B.: 1 Apfel, 1 Banane, 2 Feigen, 2 Löffel frisch gepresste Weizenflocken und 1 Glas Wasser. Während der Fahrt ass ich z.B. eine Banane, 2 Pfirsiche, 1 Avocado, 5-8 Nüsse, Mandeln oder Sonnenblumenkerne, dazu trank ich zwei Gläser Wasser. Es hat mich erstaunt, wie wenig Wasser wir brauchten, obwohl wir viel schwitzten. Abends gab es dann eine grosse Auswahl an frischen Salaten und Gemüsen (je nach Angebot: Kopfsalat, Eisbergsalat, Chinakohl, Radieschen, Gurken, Tomaten, Blumenkohl, Zucchetti, Fenchel, Weisskohl, Rotkohl, Karotten, Broccoli), angemacht mit wenig kaltgepresstem Olivenöl, Zitronensaft und etwas Kräutersalz. Keinerlei Zusatzpräparate wurden genommen.

Kein Muskelkater

Das Erstaunliche war, dass kein Teilnehmer über Muskelkater oder Krämpfe klagte. Im Gegenteil: Wenn ich nach 90 oder 130 km vom Rad stieg, dann war ich überrascht, wie locker und leicht meine Beine waren. Zumindest in den ersten Tagen hatte ich Schwierigkeiten erwartet, da ich vorher aus Zeitmangel nicht sehr viel hatte trainieren können. Warum kein Muskelkater? Bei reiner Rohkost wird keine Harnsäure gebildet und somit entsteht kein Muskelkater. All den ungläubigen Lesern empfehle ich, es selbst einmal auszuprobieren!

Gewichtsverlust

‘Wieviel Gewicht habt ihr verloren’, war eine oft gehörte Frage nach meiner Rückkehr. Ich habe in der ersten Woche 2 kg in den nächsten Wochen 1,5 kg abgenommen. Wenn man bedenkt, dass berühmte Tennisspieler in einem Endspiel bis zu 4 kg abnehmen, so ist mein Gewichtsverlust sicher im Rahmen, bei solch einer langen sportlichen Aktivität.
Die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben z.T. wesentlich mehr abgenommen. Je mehr Übergewicht vorhanden war, desto mehr wurde abgenommen. Bis zu 10 kg war der Gewichtsverlust, wobei aber gesagt werden muss, dass das gewollt war und ohne grosse Probleme geschah.

Pellkartoffeln und Reis vor Augen

Obwohl mir die frische Kost sehr schmeckte, hatte ich doch die ganze Zeit über einen Gedanken: in Stockholm würde ich, natürlich nach einer grossen Portion Salat, endlich einige Pellkartoffeln und ein wenig Naturreis essen. Als ich mir den Wunsch erfüllt hatte, fühlte ich mich voll, träge und schwer. Meine Hände und Füsse wurden leicht geschwollen. Das leichte Gefühl der letzten Tage war dahin. Auch nun, nahezu 3 Wochen nach der Rückkehr, ergeht es mir nicht anders: rohe Kost wird bestens vertragen, aber schon wenig gekochte oder leicht gedünstete Gemüse rufen die gleichen Reaktionen hervor. Die gleichen Erfahrungen haben auch andere Personen gemacht. Man bedenke, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das seine Nahrung durch Hitze zu verbessern sucht. Die Tiere in der Natur essen roh und kalt!

Auswertung durch Prof. Hebbelinck

Alle Teilnehmer haben über das, was gegessen wurde, genau Buch geführt. Auch die Länge und die Beschaffenheit der gefahrenen Strecke sowie Wetter und Windverhältnisse wurden vermerkt. Zudem wurde von jedem Teilnehmer Blutdruck und Puls zu Beginn und am Ende der Tour gemessen. Alle hatten am Anfang und am Ende der Tour gute Werte. Ein angenehmer Effekt war noch zu verzeichnen. Die jungen Studentinnen hatten zu Beginn etwas Akne, was auf Süssigkeiten oder Käseverzehr zurückgeführt wurde. Nach einer Woche war die Haut rein und glatt, was neben dem Gewichtsverlust sehr geschätzt wurde.

Wunderschönes Land Schweden

Die ausgezeichneten Wetterverhältnisse habe ich schon angedeutet. Liebhaber bewundern die fast unberührte Natur, die unzähligen Seen, Flüsse, die fast salzlose Ostsee, die netten, sehr gastfreundlichen Menschen und das reiche kulturelle Angebot Schwedens. Ich hatte das grosse Glück, mit schwedischen Begleitern zu radeln, die mir alle Sehenswürdigkeiten und historischen Stellen zeigen und erklären konnten.

Ob ich so eine Tour noch einmal machen würde? Eine Tour in Südschweden oder einem anderen Land kann ich mir sehr gut vorstellen. Die Dynamik einer Gruppe Gleichgesinnter ist sehr bereichernd. Mein Fahrrad ist per Flugzeug wieder heil nach Hause gekommen und ist bereit für neue Herausforderungen!

Ein Dank an Arne und die vegetarischen/veganen Vereine, die die Tour vorbildlich organisiert haben!

Sigrid De Leo, Widnau

 

Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 10.1.2012

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