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Sind Vegetarier in Schulen für Ernährungsberatung unerwünscht?

Eine Berufslehre als Ernährungsberaterin zu machen ist nicht einfach, besonders nicht, wenn man kein Fleisch konsumiert. Das Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) überwacht die Ausbildung. Da es nur wenige Ausbildungsstätten dafür gibt, hat die SVV deren Verhältnis zur vegetarischen Ernährung abgeklärt.

Die einzig anerkannte Berufsausbildung dauert laut Vorschrift der SRK 3 Jahre und ist nicht berufsbegleitend möglich. Dafür wird wie bei anderen Berufsausbildungen ein kleiner Lohn während der Ausbildung ausbezahlt.
Da mit einer richtigen Ernährung im Gesundheitswesen viel unnötiges Leid verhindert werden kann (bzw. könnte) ist eine fundierte, seriöse Ausbildung der Ernährungsberater/innen zu begrüssen.
Zur Zeit gibt es erst drei Schulen, die von der SRK die Erlaubnis haben «dipl. Ernährungsberater/innen SRK» auszubilden.
Das Universitätsspital in Zürich, das Inselspital in Bern und die Ecole de diètètique in Genf. Alle drei wurden angefragt, ob sie bereit wären, Vegetarier zur Ausbildung zuzulassen.
Die Antworten:

Uni-Spital, Zürich: Im Kochunterricht ist es Pflicht, Fleisch zuzubereiten und zumindest auch zu probieren, «da die Lernenden wissen müssen, was sie in der Praxis empfehlen». Auf eine zweite Anfrage, ob tatsächlich Vegetarier von der Ausbildung prinzipiell ausgeschlossen sind erhielten wir die vielsagende Antwort: «...Es braucht eine klare Berufsmotivation, die jede fundamentalistische Haltung zur Berufsausübung ausschliesst...»
Bei einer erneuten Anfrage vom Juni 2000 wurde uns von derselben Schulleiterin, Frau Elisabeth Pletscher, bestätigt, dass diese Situation sich bis heute nicht geändert hat.

Inselspital, Bern: Hier erhielten wir bei der ersten Anfrage 1997 (allerdings telefonisch) praktisch die gleiche Antwort auf unsere Anfrage wie beim Universitätsspital in Zürich.
Bei der zweiten Umfrage vom Juni/Juli 2000 erhielten wir jedoch eine erfreuliche Nachricht: Vegetarier werden beim Aufnahmeverfahren gleich behandelt wie Fleischesser. Obwohl jährlich nur 16 Ausbildungsplätze zu vergeben sind, werden jedes Jahr auch Vegetarier aufgenommen.
Allerdings werden auch hier Veganer grundsätzlich von der Ausbildung ausgeschlossen. Entgegen dem Uni-Spital in Zürich werden hierfür jedoch sachliche Gründe vorgebracht. Gemäss der Klassenlehrerin Christine Gygli gibt es zwei Gründe, weshalb Veganer strikte abgelehnt werden:
«1. Eine strikt vegane Ernährungsweise führt längerfristig zu relevanten Nährstoffmängeln. Eine Haltung, welche so stark von einer Idee geprägt wird, dass persönlich sogar gesundheitliche Risiken in Kauf genommen werden, ist nicht vereinbar mit den Aufgaben einer Ernährungsberaterin.
2. Sie birgt die Gefahr der eigenen Befangenheit, so dass die Bedürfnisse der Klientinnen / Patientinnen nicht wahr genommen werden können.»

Hierzu ist zu sagen, dass es auch lebenslange Veganer gibt, die keine Mangelerscheinungen entwickeln. Da jedoch die Schulmedizin dieses Phänomen noch nicht erklären kann, und bei anderen Veganern schon Mangelerscheinungen vorgekommen sind (welche übrigens auch bei Fleischessern auftreten), ist obiger erste Grund nachvollziehbar, obwohl er von der SVV nicht geteilt wird. Ebensogut könnte man schliesslich auch argumentieren, dass man Raucher, Konsumenten von Süssigkeiten, Auszugsmehlprodukten etc. von der Ausbildung ausschliessen sollte (dann wäre obige Begründung besser nachvollziehbar). Das der Konsum von tierischen Produkten auch gesundheitliche Risiken mit sich bringt scheint offenbar auch nicht beachtet worden zu sein. Wenn man an Rinderwahnsinn, Salmonellose die e-Coli-Bakterien oder ganz allgemein an den zu hohen Konsum an tierischen Fetten denkt, könnte man mit demselben Argument auch alle Ausbildungskandidaten abweisen, welche zuviel tierische Produkte konsumieren.
Der zweite aufgeführte Grund hat durchaus auch eine gewisse Berechtigung. Jedoch erscheint es unlogisch wegen der Gefahr der Befangenheit jemanden von einer Ausbildung auszuschliessen. Natürlich kann ein Veganer, Befangen sein. Zwingend ist dies jedoch nicht.
Genausogut könnte man Argumentieren: Wenn jemand jeden morgen ein Ei isst und in den Pausen ein Wurstbrot, sei er auch befangen und könne einem Patienten mit Cholesterinproblemen auch keine richtige Behandlung zukommen lassen. Solche Pauschalverurteilungen können den einzelnen Personen nicht gerecht werden.
Kontaktadresse:
Ausbildungszentrum Insel, Schule für ErnährungsberaterInnen SRK, Murtenstr. 10, 3010 Bern.

Ecole de diètètique, Genf: Diese Schule schliesst Vegetarier nicht von vornherein grundsätzlich von der Ausbildung aus. Fleischzubereitung ist zwar auch hier Pflicht. Fleisch anschliessend auch selbst zu essen oder wenigstens zu probieren ist allerdings laut telefonischer Auskunft nicht zwingend. Zur Zeit (1997) befinden sich sogar zwei Vegetarier in der Ausbildung (wovon einer erst während der Ausbildung Vegetarier wurde). Trotzdem wurde auch gleich offen zugegeben, dass Vegetarier eher gemieden werden. Das heisst, dass es sehr schwer (aber nicht unmöglich) ist, als Vegetarier einen Ausbildungsplatz zu bekommen (1996 gab es 60 Anmeldungen für 15 Ausbildungsplätze). Ausserdem ist hier wie bei den beiden anderen Schulen eine Ausbildung für Veganer von vornherein unmöglich.

Fazit:

Da sich auch die Medien in Zukunft immer mehr auf «dipl. Ernährungsberater SRK» als Berater abstützen werden und die Ausbildung durchaus als gute schulmedizinische Grundausbildung bezeichnet werden kann ist es sehr Schade, dass die Schulleitungen von zwei der drei Schulen vegetarisch lebende Personen ablehnen.
Interessant wäre zu wissen, wie die Schulen dem Aspekt gegenüberstehen, dass sie mit der Ablehnung von vegetarisch lebenden Menschen auch alle Hindus, Juden und Moslems (da kein koscheres Fleisch verwendet wird) von der Ausbildung ausschliessen. Dies wäre bestimmt auch für das Anti-Rassismusgesetz ein interessantes Anwendungsgebiet. Gerichtlich würde man bestimmt eine Öffnung der Ausbildung auch für Vegetarier erzwingen können, doch würde dies nicht reichen. Auszug aus der Aufnahmeordnung des Unispitals: «Die Aufnahmeleitung beschliesst über die Aufnahme, die Aufnahme mit Bedingungen oder Ablehnung. Ihr Entscheid ist endgültig.» Da zu den Allgemeinen Voraussetzungen gemäss SRK auch die «charakterliche Eignung» zählt, kann man so natürlich unliebsame Kandidaten problemlos abweisen.
Unter diesen Umständen wird es auch künftig eine Entscheidende Rolle spielen welche Beziehung die entscheidende Person der Schule zum Fleischkonsum hat. Obige Aussagen können deshalb schon durch einen Personalwechsel an einer Schule veraltet sein. Veganer werden jedoch in absehbarer Zeit kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben. Vegetarier sollten jedoch durchaus einen Versuch wagen, wenn Sie diesen Beruf erlernen möchten. Gemäss den Antworten der Schulen auf unsere Umfrage vom Juni 2000 ist die Schule am Inselspital in Bern am ehesten zu empfehlen.

Alternativen für Vegetarier

Was für Ausbildungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet stehen den Vegetariern und insbesondere Veganern sonst noch offen? Alternativen sind z.B. Gesundheitsberater und Gesundheitstrainer. Wir haben uns deshalb auch in diesem Bereich umgesehen:


dipl. Gesundheitsberater/in AAMI

Die Ausbildung umfasst hier sechs Wochenseminare (+ Diplomarbeit und eventuelle Vorbereitungskurse, um Wissenslücken zu schliessen) verteilt auf 2 bis 3 Jahre. Die Seminare sind in sich abgeschlossen und können deshalb in beliebiger Reihenfolge absolviert werden. Sie beinhalten folgende Themen: Gesundheit - Krankheit - Ökonomie; Gesunde Ernährung; Die integrale Medizin (2 Seminare); Baubiologie und Ökologie; Gesundheitsberatung. Mit Literaturstudium und Diplomarbeit muss mit einem Zeitaufwand von total rund 840 Stunden und Kosten von Fr. 10’000.-- gerechnet werden. Anschliessend ist eine jährliche Fortbildung Pflicht, um den Titel behalten zu dürfen.
Die Ausbildung ist berufsbegleitend und richtet sich vor allem an Personen mit einer Ausbildung im (para)medizinischen, gesundheitlichen, pädagogischen oder Reformbereich. Fehlende Diplome/Zeugnisse sind jedoch kein definitiver Ausschlussgrund.
Das Ziel der Ausbildung ist das Verständnis der vielschichtigen Zusammenhänge von Gesundheit und Krankheit sowie die Befähigung zur Beratertätigkeit. Der Mensch wird als Ganzheit von Körper, Seele und Geist verstanden. Vegetarier werden problemlos aufgenommen, wobei es bei der Verpflegung vorkommen kann, dass man sich «wehren» muss.
Auch für dipl. Ernährungsberater SRK ist diese Ausbildung bestimmt eine Bereicherung, da hier Wissen vermittelt wird, dass in einer rein schulmedizinischen Ausbildung eher zu kurz kommt oder gar nicht angesprochen wird.

Nachtrag:Die Academia Alpina Medicinae Integralis (AAMI) bietet leider keine Lehrgänge und Weiterbildungen mehr an.

UGB Gesundheits-Trainer/in (Bereich Ernährung)

Im Gegensatz zur Stiftung AAMI, die nur in der Schweiz tätig ist, hat der Verein für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) in verschiedenen europäischen Ländern Mitglieder (Total 1700). Ursprünglich aus Deutschland, bietet die UGB-Schweiz nun auch hier ihre Ausbildungsgänge an.
Die Ausbildung zum Gesundheits-Trainer erfolgt in 4 Wochenseminaren: Grundseminar Ernährung/Theorie; Aufbauseminar Ernährung/Praxis; Trainingsseminar mit Zwischenprüfung; Strategieseminar mit Abschlussprüfung. Total 19 Tage, Kosten rund Fr. 3500.--
Angesprochen werden mit dieser Ausbildung vor allem Personen ohne ernährungswissenschaftliches Studium. Sie stellt aber auch eine gute Ergänzung für Hauswirtschaftslehrer/innen und Diätassistent/innen dar.
Die UGB bietet zu verschiedenen anderen Bereichen sowohl Weiterbildungen für Fachpersonen als auch für Laien an. Zum Beispiel: Fastenleiter, Fachberater für Vollwerternährung, usw.
Im Gegensatz zur Ausbildung bei AAMI wird man bei der Ausbildung der UGB Bachblüten und Kinesiologie vergeblich im Ausbildungsprogramm suchen, dafür wird auf den praktischen Teil (Vollwertküche) grossen Wert gelegt.
Diese Ausbildung kennt keine Zulassungsbeschränkungen (ausser Anzahl Personen) und steht somit allen offen. Da jede Person als selbstbestimmtes Individuum geachtet wird, ist diese Ausbildung auch als Vegetarier problemlos zu absolvieren. Grundsätzlich wird sogar die ganze Verpflegung während der Ausbildung vollwertig und vegetarisch gehandhabt. Veganer werden allerdings auch hier nicht zugelassen, da der praktische Teil mit tierischen Produkten absolviert werden muss.
Nach erfolgreicher Ausbildung ist man verpflichtet, mind. 14 Stunden pro Jahr an einer von der UGB anerkannten Fortbildung teilzunehmen.
Kontaktadresse: UGB-Schweiz
Die UGB-Lehrgänge finden zur Zeit ausschliesslich in Deutschland statt: www.ugb.de.

 

Ärztlich geprüfte/r Gesundheitsberater/in GGB

Die Gesellschaft für Gesundheitsberatung (GGB) e.V. wurde bereits 1978 von Dr. med. Max Otto Bruker gegründet und hat damals den Begriff des Gesundheitsberaters geprägt.
Die Ausbildung dauert hier zwischen 1,5 und 2 Jahren. Es müssen 4 Seminare von jeweils einer Woche in Lahnstein (Deutschland) besucht werden. Hinzu kommt das Fernstudium, das nebst dem verarbeiten des erlernten dem Studium der Pflichtlektüre (meist Bücher von M. O. Bruker) dient. Die 4 Seminare sind aufgeteilt in:
Grundlagen-, Aufbau-, Praxis- und Schlussseminar.
Kosten für die 4 Seminare Total: 3020.-- inkl. vegetarische Vollwertverpflegung. Vegan auf Wunsch problemlos möglich (auf Anmeldung vermerken). Ohne Kosten für Unterkunft.
Das Ausbildungskonzept geht über die reine Ernährungsberatung hinaus. Lebens- und Umweltprobleme werden gleichwertig angesprochen.
Kontaktadresse:
Gesellschaft für Gesundheitsberatung (GGB) e.V., Taunusblick 1, D-56112 Lahnstein/Rhein, Tel. 0049 (0)2621 / 91 70 17, Fax 91 70 33.

Weitere Links:

Ausbildung zum/zur dipl. Gesundheitsberater/in: Ausbildung-GBM (vollständig vegetarisch ausgerichtet)

Berufsbegleitende, nicht vom SRK kontrollierte, Ausbildungen gibt es auch. Diese Ausbildungsgänge sind jedoch wesentlich kürzer und deshalb nicht so umfassend:
QuintaMed: Ganzheitliche ErnährungsberaterIn
Bénédict-Schule: Dipl. Ernährungsberater/Ernährungsberaterin