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Leder - Schlachtnebenprodukt?

Viele VegetarierInnen empfinden ihre Leder-Schuhe als notwendiges Übel. Sie wären ja gerne bereit, andere Schuhe zu kaufen, wenn diese Kunststoffschuhe nicht so unökologisch wären... Wo doch die Lederschuhe so natürlich sind und nur ein Nebenprodukt der Fleischindustrie darstellen... Sind Lederschuhe das geringere Übel?

Es gibt Tiere, die primär wegen ihrer Haut gejagt und getötet werden (z.B. Zebras, Land- und Wasserbüffel, Elefanten, Tiger, Leoparden, Robben, Walrosse, Alligatoren, Krokodile, Eidechsen und Schlangen).1 Bis zu einem Drittel dieser Tiere wäre eigentlich geschützt durch das Washingtoner Artenschutzabkommen. Einige werden nur ermordet, um als Köder für andere zu «dienen».2 Was das Fehlen einer Art in einem Ökosystem bedeutet, ist ja bekannt (heutzutage kann dies auch den Menschen treffen).3 Die meisten Lederwaren werden jedoch aus der Haut von Rindern (meist Kälbern) hergestellt. Diese stammen bis zu 80% von «Milchkühen».4 MeinesWissen gibt es (noch) keine Lederschuhe, die von «artgerecht» gehaltenen Tieren stammen und auch so gekennzeichnet werden. Lederschuhe von «Nutztieren» stammen also meist aus Tierfabriken!5 D.h. sie erleben z.B. folgendes: Zu wenig Platz, um sich zu bewegen, künstliche Besamung, künstliches Säugen, Embryonentransfers, Antibiotikas, Einzelhaltung, Kastration sowie sofortige Trennung von Mutter und Kalb6 (andernfalls wäre es für beide noch schlimmer, als es ohnehin schon ist). Dazu kommen der Transport zum Schlachthaus und die Schlachtung. Begehrt ist besonders weiches Leder7, welches von jungen Kälbern und Lämmern stammt. Je jünger um so besser: Manchmal werden extra Fehlgeburten eingeleitet. Oder das Leder stammt von geschlachteten trächtigen Muttertieren. Oder von Kälbern, die erst eine Stunde alt sind.8 Zu den ethischen Bedenken gegen Leder kommen die ökologischen gegen die Massentierhaltung hinzu. Die Betriebe haben einen grossen Energie- und Wasserverbrauch. Die Jauche, in den riesigen Mengen wie sie heute anfällt, gefährdet das Grundwasser.9 Sind die Tiere geschlachtet worden, werden deren Häute gegerbt. Bis im letzten Jahrhundert wurde dies meist durch Pflanzen oder durch die Sämischgerbung getan.10 In letzter Zeit ist die pflanzliche Gerbung auf Grund der Ökobewegung wieder langsam im Kommen, da sie die ökologischste Gerbmethode ist. Bei der Sämischgerbung wird Tran oder Fett verwendet (Tran wird aus Fischen hergestellt).11 Bei dieser Verarbeitungsmethode entstehen Aldehyde. Die Abwasser sind alkalisch, fetthaltig und sauerstoffzehrend.12 Heute werden jedoch die meisten Häute durch Chrom gegerbt, dabei kann Chromat ins Abwasser gelangen. Chromat enthält Chrom-VI-Verbindungen, was zu verschiedensten Vergiftungen (0,5g bis 1g sind tödlich), sowie zu Erbgutschäden führen kann.13 Dazu kommen weitere Verarbeitungsprozesse bei denen z.B. Aluminium, Eisen, Zirkon, Phenol, Kresol, Naphtalin sowie Öle und Beschichtungen eingesetzt werden. Dies hat nicht «nur» Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf den Menschen: Höhere Leukämieanfälligkeit in der Nähe von Gerbereien. Gerbereiarbeiter machen mehr als die Hälfte der an Hodenkrebs Erkrankten aus14... Leder wird als Nebenprodukt bezeichnet, weil es 10%15 des «Marktwertes» des Tieres ausmacht. Hingegen wird Kerosin, das aus Rohöl hergestellt wird und ebenfalls etwa 10% Marktwert des Rohöls hat, nicht als Nebenprodukt angesehen!16 Lederprodukte stellen einen wesentlichen Bestandteil der Fleischindustrie dar.17
Pflanzliche Alternativen zu Lederprodukten sind z.B. Baumwolle, Hanf und Leinen (alles möglichst aus kontrolliertem Bio-Anbau).
Synthetische Alternativen können u.a. Recyclingstoffe, Nylon, Vinyl und Alcantara sein.18 Gegenüber Lederprodukten - ausgenommen die wenigen, rein pflanzlich gegerbten Produkte - haben die synthetischen Produkte in etwa die gleiche Umweltverträglichkeit.19

Bezugsquellen für lederfreie Schuhe, aber nicht unbedingt vegetarisch, können Warenhäuser sein. In den Schuhgeschäften gibt es inzwischen einzelne Markenmodelle ohne Leder (z.B. Hanfschuhe von Adidas). Wer vegane Schuhe kaufen möchte, sollte sich jedoch schriftlich bei der Herstellerfirma danach erkundigen.
Sind aber qualitativ hochstehende (Wanderschuhe, Arbeitsschuhe, säurerestitente, ...), vegane Schuhe gefragt, erkundige Dich beim Vegi-Büro nach Adressen. Diese Schuhe sind teurer, aber sie sind mehrere Jahre brauchbar.

Fussnoten:

  • (1) People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) Deutschland (Hg.), Die komplette Arche. In: Leder: Schönheit geht nicht nur unter die Haut (Flugblatt), Nr.7, Stuttgart.
  • (2) Ebd.
  • (3) Siehe auch: Meike Ried , Chemie im Kleiderschrank: Das Öko-Textil-Buch, Reinbek b. Hamburg 1989, S. 270 sowie S.274.
  • (4) Thomsen, L., Tierliche Inhaltsstoffe und ihre Alternativen, 2.überarb. Aufl., (Veganissimo 1), Hg. FACE IT! Menschen fürTierrechte, Kiel 1996, S. 71.
  • (5) PETA, Leder sowie Thomsen, Veganissimo 1, S.74.
  • (6) Thomsen, Veganissimo 1, S.72.
  • (7) Menschen und Tierrecht (MUT) (Hg.), Der Mythos von der alten Kuh.In: Leder ist Mord (Flugblatt), Frankfurt, Übersetzung einesenglischen Textes von David Lane von Campaign against leather and fur(CALF!), London.
  • (8) PETA, Leder sowie Thomsen, Veganissimo 1, S.72 sowie Menschen und Tierrecht (MUT)(Hg.), Für die vegane Revolution (Flugblatt), Frankfurt.
  • (9) Schweizerische Vereinigung für Vegtarismus (SVV) (Hg.),Leder (Flugblatt Nr. 11), 24.9.1995,Sennwald.
  • (10)Ried, Chemie, S.252.
  • (11)Thomsen, Veganissimo 1, S. 57.
  • (12)Ried, Chemie, S. 252f.
  • (13)Ebd., S. 254.
  • (14)PETA, Leder.
  • (15)Thomsen, Veganissimo 1, S. 71 sowie Bundesverband der TierbefreierInnen (Hg.), Mythos Leder. In: Vergast, erschlagen,erschossen: Was Sie über Pelz und Leder wissen sollten(Flugblatt), Bingen.
  • (16)MUT, Leder ist Mord.
  • (17)PETA, Leder.
  • (18)Thomsen, Veganissimo 1, S.36.
  • (19)Cowles-Hamar, D., Das Handbuch der Tierrechte, (Veganissimo 2), Hg. FACE IT! Menschen fürTierrechte, Kiel 1995, S.43.

  • Monika Beetschen



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