Kooperatives Gärtnern – Im Einklang mit der Natur
Eike Braunroth, ein Pionier auf dem Gebiet des kooperativen Gärtners beschreibt in der Zeitschrift «Natürlich Gärtnern» 2/96 und 4/96 wie er ohne Bekämpfung der vermeintlichen «Schädlinge» in Kooperation mit der Natur Rekordernten erzielte. Und dies sogar in Jahren, als in umliegenden Gärten von «Schädlingen» alles leer gefressen wurde. In seinen Gärten (900, 1500 und 3000 Quadratmeter gross ) akzeptiert er alles Leben. Der folgende Text ist eine Zusammenfassung seiner Gedanken.
Wohl jeder Biogärtner und Biobauer ist davon überzeugt, im Einklang mit der Natur zu handeln. Dass der biologische Landbau noch weit davon entfernt ist, die ganze Natur als Partner anzusehen, sollte einem jedoch bereits klar werden, wenn man an die unzähligen «biologischen» Methoden denkt um die Schnecken, Wühlmäuse, Blattläuse und andere Tiere aus dem eigenen Land zu vertreiben oder gar zu vernichten. Das Wort Bio (= Leben!) beziehen praktisch alle Gärtner und Bauern nur auf die Nutzpflanzen und Nutztiere.
Doch gibt es überhaupt eine Alternative dazu? Ja, es gibt sie! Sie heisst: Kooperation mit der Natur.
«Die Kooperation mit der Natur vermittelt das Wissen und die Praxis, dass der Mensch durch emotional-mentale Gemütsbewegungen Wirkungen auslöst: Handlungen, Gedanken, Gefühle, Absichten, Einstellungen, kurz: sein Unter- und Wachbewusstsein beeinflusst Zustände bei Kulturpflanzen und Nutztieren.»
Als erstes werden sich die meisten wohl denken, dass die sogenannten «Schädlinge» den ganzen Garten leer fressen würden, wenn man sie nicht bekämpft. Diese Annahme ist durchaus verständlich, da man es noch nie anders versucht hat. Die Natur wird leider immer noch mehrheitlich als Feind angesehen. Diese Grundeinstellung ist das Haupthindernis auf dem Weg zu einer reichen Ernte im Einklang mit der Natur. Solange man Gartenbau mit der Einstellung «Ernten heisst, das zu erhalten, was die «Schädlinge» übrig lassen» betreibt und sich damit nicht in eine grössere Ordnung eingeschlossen fühlt, erzwingt man einen ständigen Konkurrenzkampf zwischen der Natur und dem Menschen. Anstatt Kooperation ergibt sich daraus Konfrontation mit der Natur.
Da man in der heutigen stark materialistisch geprägten Welt
nur noch Wenige mit Worten davon überzeugen kann, dass man auch
mit der Natur und ihren Wesen kommunizieren kann und diese auf eine
angstfreie, liebevolle Atmosphäre positiv reagieren, ist Eike
Braunroth gerne bereit, seine Gärten Interessierten zu zeigen,
um möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass die
Natur uns gerne überreichlich beschenken würde, wenn man
sie nicht ständig mit unseren negativen Gedanken, Absichten und
Taten daran hindern würde. Auszug aus «Natürlich
Gärtnern»:
«... Gärtner können an Ort und Stelle die
saftstrotzenden Kulturen besichtigen, bei Tag und Dämmerung Zahl
und Lebensgewohnheiten der Schnecken (ohne Ablesen) beobachten. Wenn
Schnecken an Leckerbissen und Lieblingspflanzen vorbei kriechen, ist
über die Wahrheit der «Kooperation mit der Natur»
nicht mehr zu diskutieren. Inzwischen vollzieht sich die Verbreitung
auf allen Berufsebenen. Es ist also nicht allein der Anbau. Auch
Probleme mit Ratten in Kanalsystemen und menschlichen
Grossansiedlungen werden zur Zeit untersucht und
bearbeitet.»
«Wenn sich die Umwelt- und Lebensbedingungen für die Tiere verschlechtern, indem der Mensch störend und zerstörend eingreift, nehmen die Vermehrungsraten explosionsartig zu.»
Kaum einem Gärtner ist es wohl bisher in den Sinn gekommen,
die Lebensbedingungen für diejenigen Tiere zu verbessern, von
denen er keinen Nutzen erwartet. Dennoch gehört auch dies dazu,
wenn man die Natur nicht in Freunde und Feinde aufteilt:
«Verbessert der Gärtner die Lebensbedingungen
für die Tiere wie Schnecken, Kartoffelkäfer, Kaninchen und
Wühlmäuse, gehen die Vermehrungsraten auf Minimalzahlen
zurück. Wir wunderten uns dennoch, dass wir im Oktober so vielen
Schnecken im Garten bei unserer Arbeit begegneten. Wir sprachen sie
mit «Herr» und «Frau Schnecke» an, denn es
waren riesige Exemplare dabei. Wir sind immer wieder erstaunt, in
welch grossartiger Weise sie unsere Vereinbarung
einhalten.»
«Die Schnecken wanderten an den Leckerbissen vorbei und nahmen nur vom ausgelegten Mulch. Wir setzten ausserdem versuchsweise Schnecken an gemulchte Buschbohnen und Zucchinipflanzen. Die Tiere wanderten weiter.»
Leider konnte dieser kurze Artikel nur einen Anstoss geben, sich
näher mit diesem wichtigen Thema auseinander zu setzen. Wir
werden uns in Zukunft aber bestimmt weiter damit befassen. Für
weitere Informationen, Kurse, etc. steht Eike Braunroth,
Nikolaus-Molitor-Str. 37, D-97702 Münnerstadt, gerne zur
Verfügung.
Er ist auch Herausgeber der Zeitschrift zum Thema:
EinSicht. Homepage der Kooperation mit der
Natur.
Renato Pichler
Diesen Text gibt es auch in einer italienischen Übersetzung.
Im Vegi-Info 2001/1 erschien ein weiterer Artikel zur Kooperation mit
der Natur: Überleben nur die
Stärkeren?
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