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Landwirtschaftssubventionen abschaffen?

«Wir verdienen heute mehr, den Staat kostet es nichts mehr, und die Steuern sinken.» So schildert ein ausgewanderter Schweizer Bauer die Situation in Neuseeland, nachdem dort 1984 praktisch sämtliche Landwirtschaftssubventionen von einem Tag auf den anderen abgeschafft wurden. Die Erfahrungen aus Neuseeland zeigen, dass die Subventionspolitik in der Landwirtschaft auch für die Bauern gravierende Nachteile hat.

Die unternehmerisch denkenden tüchtigen Bauern werden durch Subventionen nicht gefördert, sondern eher in ihrer Innovation gehemmt. «Wir haben gelernt, uns nach dem erzielbaren Preis zu richten, nicht wie in der Schweiz, wo zuerst produziert wird und daraufhin kostendeckende Preise verlangt werden.»
Nach der Abschaffung der staatlichen Unterstützung ist der Düngemitteleinsatz in Neuseeland auf die Hälfte gesunken! «Es ist doch Wahnsinn, wie in der Schweiz am Markt vorbei produziert wird.»
Die Bauern in Neuseeland sind bekannt dafür, dass sie sehr schnell auf veränderte Marktbedingungen reagieren. Schweizer Bauern hingegen produzieren sogar trotz sinkendem Rindfleischkonsum immer noch viel zuviel Rindfleisch und hoffen auf Steuergelder des Bundes. Als Ausrede auf solche Argumente bringen die Bauernverbände (und Tierfabrikinhaber) immer wieder die Bergbauern. Darauf angesprochen meint der Neuseeländische Bauer:
«Viele Berggebiete sollten gar nicht bewirtschaftet werden. Verganden ist das falsche Wort. Die Natur würde wieder Fuss fassen.»
Bedenkt man, in wie vielen Berggebieten schon Lawinenüberbauungen nötig wurden, weil die Viehweiden in solcher Höhe den langsamen Wuchs der dortigen Fauna immer wieder im Keime ersticken, so kann man dem nur zustimmen. Die heutigen schweren Rinderrassen sind eindeutig nicht für solche Höhen geschaffen. Ihre schweren Hufspuren hinterlassen im Boden nur sehr langsam verheilende Wunden.

Der Fall Neuseeland zeigt auch deutlich, dass die Warnungen der Schweizer Bauernverbände vor der Abschaffung des Sonderstatus der Bauern keine faktische Grundlage haben: Die Bauern in Neuseeland bewirtschaften ihr Land heute extensiver und eindeutig ökologischer als zuvor, weil sie bei jeder Intensivierung (z.B. durch Kunstdünger oder Kraftfutter) zuerst überlegen, ob es sich überhaupt lohnt. In der Schweiz wird hingegen immer noch die Hälfte der gesamten Getreideernte an die Nutztiere verfüttert. Der Futtergetreideanbau wird natürlich ebenfalls subventioniert, damit sich dieser Wahnsinn auch auszahlt...

Neuseeland hat allerdings die Subventionen nicht aus Rücksicht auf die Bauern oder die Umwelt gestrichen (obwohl diese Gründe eigentlich schon ausreichen müssten), sondern weil sich das Land diese Bevorzugung des Bauernstandes nicht mehr leisten konnte. Wenn man sich die finanzielle Lage der Schweiz heute ansieht, müsste man eigentlich auch zum Schluss kommen, dass die Schweiz die Milliardenbeträge, die heute noch in der Landwirtschaft verschwinden, anderswo dringender benötigt würden. Doch die starke Lobby der Bauernverbände im Bundeshaus verunmöglicht leider eine sachliche Diskussion über eine solche Lösung.

(Die Bauernzitate stammen aus: «Subventionen? Nein Danke!» von Oswald Iten, publiziert im Brückenbauer vom 9.10.96)

Renato Pichler

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