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Die SVV heisst jetzt: Swissveg
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(Rinder-)Wahnsinn: Vertuschung, Verharmlosung...

Der Umgang mit dem Rinderwahnsinn (BSE) zeigt in aller Deutlichkeit, dass der Fleischwirtschaft und allen daran beteiligten bis hinauf zu den Bundesbehörden die Rendite wichtiger ist als die Gesundheit der Menschen. Da der Rinderwahnsinn erst kurz vor dem Tod des Rindes festgestellt werden kann und dies somit erst bei älteren Rindern feststellbar ist, dürfen evtl. BSE erkrankte Kälber weiterhin vollständig verzehrt werden.

Die kritischten Teile werden zwar nicht direkt als Lebensmittel verkauft, sie werden aber auch nicht aus dem Verkehr genommen! Die Innereien werden also weiterhin zu Tiermehl verarbeitet. Die Verfütterung des Tiermehls an Wiederkäuer wurde erst auf Druck von Konsumentenschutzorganisationen verboten. Dass der Verzehr von Rindfleisch und Kuhmilch ungefährlich sei, konnte die Wissenschaft bis heute noch nicht definitiv bestätigen.

Allen Ernstes wird behauptet, dass die Krankheit nicht von Tier zu Tier übertragen werden kann. (Ausser durch das Futter) Tatsache ist: Die Übertragungswege sind bis heute nicht restlos geklärt. Immer mehr Tiere sterben an BSE, obwohl sie nie Tiermehl bekommen haben. (Ärzte Zeitung, 23.4.96: Ungeklärt: Die Übertragung von der Kuh auf das Kalb, und: Ärzte Zeitung, 23.4.96: Übertragbarkeit durch Milch weiterhin fraglich). Am eindrücklichsten ist das Verhalten derjenigen Personen, die am meisten über die Gefahr des BSE wissen sollten: Zwei Drittel aller Allgemeinärzte in Grossbritannien essen als Konsequenz aus ihren Informationen zu BSE weniger Rindfleisch als früher. Bei einer Kontrollgruppe ohne Ärzte haben nur ein Drittel ihren Rindfleischkonsum eingeschränkt. Diese Umfrage wurde noch vor dem 20. März durchgeführt (erst dann gab die britische Regierung offiziell zu, dass die Übertragung auf den Menschen nicht auszuschliessen ist).

Dass der Zusammenbruch des Rindfleischpreises in der Schweiz nicht (allein) durch BSE erzeugt wurde, sondern auch durch die Überproduktion an Rindfleisch der Schweizer Bauern (bis Oktober 1996 wurden bereits 15% mehr Rinder geschlachtet als 1995) konnte im Blick vom 28. Oktober nachgelesen werden. Trotzdem versuchen natürlich die Bauernverbände möglichst viele Steuergelder unter dem Vorwand BSE für sich zu ergattern.

Am Beispiel BSE lässt sich auch sehr gut aufzeigen, wie viele Wissenschaftler mit Tierversuchen umgehen: Der Rinderwahnsinn wird von vielen Wissenschaftlern als Vorwand genommen um Tiere zu missbrauchen. Sobald jedoch das Ergebnis eines Tierversuches für die (Fleisch-)Wirtschaft nicht von Vorteil ist, wird der Versuch mit dem Argument abgetan, dass Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar seien. Wie sonst ist es zu erklären, dass man Affen, Katzen, Hunde, Hirsche, Antilopen, Mäuse und viele andere Tiere angeblich zum Nutzen des Menschen mit BSE infiziert hat, um anschliessend bei «gelungener» Infizierung zu beschwichtigen, dies sage nichts aus über die Übertragbarkeit von BSE auf den Menschen? (Gripps et al., J. Infect. Dis. 1980 und BAG Bulletin vom 26. Nov. 1990)

Ansteckung durch Blut/Fleisch von infizierten Tieren?

Dies wurde seit Beginn der Seuche abgestritten, obwohl bisher nicht bekannt war, wie der Erreger ins Gehirn der Tiere gelangt. Dass die Blutbahn, die für die Nährstoffversorgung aller Zellen unseres Körpers zuständig ist, auch die Erreger vom Darm ins Gehirn transportieren könnte, scheint so klar, dass die Behauptungen, im Blut hätte es garantiert keine Erreger, nur als taktische Lüge angesehen werden kann. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema laufen erst seit Juni 1996. Ärzte Zeitung, 20.6.96: Wird der BSE-Erreger über das Blut im Körper verbreitet? und: Ärzte Zeitung, 26.4.96: Ist Muskulatur nicht so BSE-sicher wie gedacht?

Seit die Krankheit BSE bekannt wurde, wird von Politikern und Lobbyisten behauptet, dass Kuhmilch ganz sicher keine Ansteckungsgefahr darstellt. Die Wissenschaftler haben sich jedoch erst seit August 1996 intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt! (Ärzte Zeitung, 7.7.96: Bis jetzt liegen noch keine definitiven Ergebnisse vor.)

Glücklicherweise gibt es aber auch immer mehr Wissenschaftler, die in Ihrer Arbeit auch eine Verantwortung für die Menschen beinhaltet sehen, so zum Beispiel Dr. Vincent Carroll, Director for Public Health in Louth (Irland). Er kritisierte es als unverantwortlich, das seine irische Regierung, behauptet, dass der Verzehr von irischem Rindfleisch absolut unbedenklich sei. Er warf dem Dubliner Gesundheitsministerium ausserdem Vorspiegelung falscher Tatsachen vor. Seine Bedenken gründete er auf folgende Argumente: «Seit vier Jahren ist es gesetzlich verboten, Knochenmehl als Tierfutter weiter zu verarbeiten. Wenn wir davon ausgehen, dass infiziertes Knochenmehl die einzige Übertragungsquelle von BSE ist, so dürfte es heute also keine Neu-Infektionen mit dem BSE-Erreger mehr geben. Das ist aber nicht der Fall.»

Was passiert in England, wenn ein Arzt oder Wissenschaftler sich unzensuriert äussern möchte? Folgendes Beispiel erläutert dies eindrücklich:
Der als seriös geltende Arzt und Wissenschaftler, der Neurologe Professor Peter Behan vom Southern General Hospital in Glasgow hatte nach der Untersuchung einer 15jährigen CJK-Patientin gesagt: «Das Mädchen ist krank geworden, weil sie übermässig viele Hamburger gegessen hat», und kündigte eine Pressekonferenz an, wo er genauere Einzelheiten zu diesem Fall bekannt geben wollte. Es kam aber anders: Auf Druck des Londoner Gesundheitsministeriums und der Krankenhausverwaltung in Glasgow zog er seine Aussage zurück und sagte seine Pressekonferenz ab. Das Londoner Gesundheitsministerium verweigert jede öffentliche Stellungnahme zu diesem Fall (Ärzte Zeitung, 30.4.1996).

Was für Informationen von den Fleischwirtschaftsvertretern und Politikern noch unterdrückt werden, können die BSE-Überlebenden vielleicht in 50 Jahren in der Zeitung lesen. Solche Vertuschungsaktionen werden von den Behörden so lange geheim gehalten, bis keiner der Verantwortlichen mehr belangt werden kann. Falls der Rinderwahnsinn auch eingefleischten Fleischessern klarmachen kann, dass jeder Mensch selbst für seine Gesundheit verantwortlich ist, hätte das Ganze immerhin einen Sinn.

Vielleicht werden sich in Zukunft einige Menschen mehr die Frage stellen, was für Interessen eine Person vertritt, die den Fleischkonsum als gesund bezeichnet.

Renato Pichler

Weitere Informationen:



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