Kopf SVV-Mitgliedschaft Breite einstellen Hauptseite

Die SVV heisst jetzt: Swissveg
Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch


Die SVV heisst jetzt: Swissveg
Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch

Für Pferdefreunde: Natürliches Reiten nach Fred Rai

Wer von Euch hat sich schon einmal Gedanken gemacht, dass ein Pferd nicht schreien kann, selbst dann, wenn es grösste Schmerzen erleidet? Könnt Ihr Euch eine Fernsehübertragung vom Springreiten oder Military vorstellen, in der die Pferde schreien, wenn sie mit den Beinen am Hindernis anschlagen oder wenn sie stürzen?

Der bekannte Pferdeexperte, Westernsänger und überzeugte Vegetarier Fred Rai hat seit mehr als 25 Jahren Pferde in freier Natur beobachtet und kennt die Verhaltensweise und Psyche der Pferde wie kaum ein anderer. Er hat u.a. festgestellt und an die Oeffentlichkeit gebracht, dass Pferde keinen Schmerzlaut haben. Als Beweis nennt er die «stillen» Unfälle an z.B. Military-Prüfungen, bei denen sich ein Pferd die Beine brechen kann, ohne dass der Zuschauer je einen Schmerzlaut von ihm vernimmt. Es muss aber gar nicht so spektakulär sein, oder hat schon jemand nach einem Peitschenhieb ein Pferd schreien hören?
Weder ein Dressur-, Spring-, Freizeit- oder Westernreiter wird seinen Reitstil «gewalttätig» bezeichnen. Doch viele reiten noch mit Peitsche und Sporen und versuchen so dem Pferd seinen «Ungehorsam» auszutreiben. Wenn ein Pferd etwas gerne macht, wie z.B. Springen, dann braucht es doch keine Sporen dazu – oder? Tatsache ist, dass Pferde in der Natur einen Umweg von 10 km in Kauf nehmen, ehe sie über einen nur einen Meter breiten Graben springen! Von «gerne springen» kann da keine Rede sein. Allerdings ist anzufügen, dass es tatsächlich Pferde gibt, die von alleine über Hindernisse springen, diese sind aber sehr selten.

Sogar das Westernreiten braucht in der Ausbildung der Pferde schmerzverursachende Kandaren. Belohnung anstatt Bestrafung sollte in der Reiterei die Devise lauten, aber leider wird meistens das Gegenteil praktiziert.
Es sind die sogenannten «Hilfsmittel», mit denen man Pferden Schmerzen zufügen kann. Ausbindezügel beeinträchtigen das Blickfeld des Pferdes. Dauerndes Einwirken des Reiters mit treibenden Sporen lässt es abstumpfen (und kann sogar zu Verletzungen führen).
Wer mit seinem Pferd gewaltlos umgehen will, muss auf jegliche, möglicherweise schmerzbringenden, Hilfsmittel wie Kandaren, Sporen, Peitschen und sogar Wassertrense verzichten.
Fred Rai zeigt, wie es jedermann besser machen kann.
Wie der Name schon sagt, wird das Natürliche Reiten den Bedürfnissen eines Pferdes in jeder Hinsicht völlig gerecht. Deshalb ist es ein Freizeit- und Wanderreitstil und befriedigt nicht den meist ego-bezogenen sportlichen Ehrgeiz, wie er z.B. beim Springsport oder Militaryreiten vorherrscht.
Fred Rais gesamtes Reiten beruht auf Verständnis, Einfühlung und Belohnung. Es setzt die Kenntnisse der Psyche und Verhaltensweise der Pferde unbedingt voraus, wie es bei jedem Reitstil der Fall sein sollte. Primär muss man im Pferd das Fluchttier sehen, das auf jede drohende Gefahr mit Davonlaufen reagiert. Erst wenn es in die Enge getrieben wird, zeigt es ein Wehrverhalten, also z.B. erst durch den Schmerz, den der Reiter ihm zufügen kann. Jedes Pferd ist berechenbar ungefährlich, weil es sich nur so verhalten kann, wie seine Veranlagungen es von ihm verlangen.
Die zweite wesentliche Eigenschaft des Pferdes ist das Herdenverhalten. Es erkennt immer den Ranghöheren an und ordnet sich ihm widerstandslos unter. Diese beiden Erkenntnisse muss sich jeder bei der Erziehung der Pferde zunutze machen.
Beachte ich nicht, dass ein Pferd von seinen Trieben geleitet wird, kann es schnell einmal gefährlich werden. Kann ein Pferd beispielsweise seinen Bewegungstrieb nicht auf einer Koppel ausleben, so folgt es ihm beim nächsten Ausritt – auch schon mal was von «Durchgehen» gehört?
Natürliches Rai-Reiten zeigt sich in der psychischen Ueberlegenheit eines Menschen dem Pferd gegenüber. Jeder Reiter muss absolut dominant sein, d.h. das Pferd muss mich als Leittier anerkennen, denn diesem folgt es bedingungslos, in der Natur sogar bis in den Tod. Ist der Reiter dominant und konsequent, braucht er keine Trense, Peitsche oder Sporen. Wer sich diese Eigenschaften nicht zu eigen machen will, dürfte nicht aufs Pferd steigen.
Rai-Reiten ist aber viel mehr als ein Reitstil, es ist Bewusst-Sein: Denn in ihm ist die ganze Schöpfung in Harmonie vereint: Natur - Tier - Mensch. Dies setzt eine artgerechte Haltung voraus z.B. täglicher Auslauf auf der Koppel mit anderen Pferden, gesundes Futter, mindestens Boxenhaltung etc.. Erst wenn ich die natürlichen Bedürfnisse eines Pferdes gestillt habe, darf ich mich auf seinen Rücken schwingen. Faire Leistung für Jeden. Auch ich muss meinen Teil dazu beitragen!
Das Auffälligste ist das Reiten mit dem sogenannten «Bändele», ein Halfter aus einem speziellen Kunststoffmaterial, das entsprechend dem Pferdekopf angepasst werden kann. Die Zügel werden einhändig gehalten und sind durchhängend ohne ständiges Einwirken des Reiters in die natürliche Haltung des Pferdes. Jedes Pferd muss seinen toten Blickwinkel ständig verändern können, um sicher aufzufussen.
Zudem versucht jedes Pferd (und jeder Mensch), wenn es erschrickt, den Kopf zur Ursache hinzuwenden. Kann es dies nicht, gerät es in Panik.
Eine der häufigsten Fragen in Bezug auf das Rai-Reiten lautet: «Wie kann man mit dem Bändele ein Durchgehen des Pferdes verhindern?» Würde eine Trense oder Kandare diesen Zweck erfüllen, käme wohl niemand auf die Idee, eine solche Frage zu stellen. Tatsache ist, dass ein Pferd mit einem Bändele, korrekt geritten, niemals durchgeht. Denn ein Durchgänger versucht, dem Schmerz im Maul davon zu laufen, den z.B. eine Trense verursachen kann. Ein Pferd rennt immer in den Schmerz «hinein» wenn es in Panik ist. So hat man also plötzlich anstelle einer «Bremse im Maul» einen «Gashebel». Stellt Euch einmal eine schmerzverursachende Eisenstange im Mund vor und wie Ihr damit umher rennt..!
Um diese wichtigen Erkenntnisse zu verbreiten hat Fred Rai 1994 die Bundesvereinigung für Gewaltfreies Reiten e.V. (heute: BV für Natürliches Reiten) und 1996 den Europäischen Pferdeschutzbund gegründet, denen auch Nicht-Reiter beitreten können.
Rai-Reiten ist eine Reitweise, bei der man alles begründen kann. So kann ich es auch verantworten, dass ich mit meinen Ausführungen einigen auf die Zehen gestanden bin. Es ist Zeit umzudenken.
Schliesslich wollen wir alle nur das Beste für die Pferde.
Wer sich in diese Reitweise vertiefen möchte, dem steht ein Buch von Fred Rai zur Verfügung, die aber einen Kurs nicht ersetzen können: Natürliches Reiten, ISBN-Nummer 3-517-01332-3.

Weitere Infos (Buchbestellungen, Kurse etc.) beim Autor dieses Artikels:
Indianisches Rai-Reiten auf Teneriffa: Markus Eschbach, Vinca Verde.
Er hat seine Ausbildung Ende 1996 bei Fred Rai abgeschlossen.

Anhang der Vegi-Info Redaktion: Dieser Artikel ist keine Antwort auf die unter Vegetariern heftig diskutierte Frage, ob der Mensch das Recht hat zu reiten. Wenn schon reiten, dann aber jedenfalls eine schonenede Methode ohne Gewalt. Es gibt natürlich auch andere für das Pferd schonende Reitweisen. Dies ist nur ein Beispiel davon.

Weitere Infos:


Als Abschluss zur Entspannung einige Bilder von "freien" Pferden:



[nach oben


   
© Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV) | www.vegetarismus.ch | Impressum