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Für Pferdefreunde: Natürliches Reiten nach Fred Rai
Wer von Euch
hat sich schon einmal Gedanken gemacht, dass ein Pferd nicht schreien
kann, selbst dann, wenn es grösste Schmerzen erleidet?
Könnt Ihr Euch eine Fernsehübertragung vom Springreiten
oder Military vorstellen, in der die Pferde schreien, wenn sie mit
den Beinen am Hindernis anschlagen oder wenn sie
stürzen?
Der bekannte Pferdeexperte, Westernsänger und überzeugte
Vegetarier Fred Rai hat seit mehr als 25 Jahren Pferde in freier
Natur beobachtet und kennt die Verhaltensweise und Psyche der Pferde
wie kaum ein anderer. Er hat u.a. festgestellt und an die
Oeffentlichkeit gebracht, dass Pferde keinen Schmerzlaut haben. Als
Beweis nennt er die «stillen» Unfälle an z.B.
Military-Prüfungen, bei denen sich ein Pferd die Beine brechen
kann, ohne dass der Zuschauer je einen Schmerzlaut von ihm vernimmt.
Es muss aber gar nicht so spektakulär sein, oder hat schon
jemand nach einem Peitschenhieb ein Pferd schreien hören?
Weder ein Dressur-, Spring-, Freizeit- oder Westernreiter wird seinen
Reitstil «gewalttätig» bezeichnen. Doch viele reiten
noch mit Peitsche und Sporen und versuchen so dem Pferd seinen
«Ungehorsam» auszutreiben. Wenn ein Pferd etwas gerne
macht, wie z.B. Springen, dann braucht es doch keine Sporen dazu
– oder? Tatsache ist, dass Pferde in der Natur einen Umweg von
10 km in Kauf nehmen, ehe sie über einen nur einen Meter breiten
Graben springen! Von «gerne springen» kann da keine Rede
sein. Allerdings ist anzufügen, dass es tatsächlich Pferde
gibt, die von alleine über Hindernisse springen, diese sind aber
sehr selten.
Sogar das Westernreiten braucht in der Ausbildung der Pferde
schmerzverursachende Kandaren. Belohnung anstatt Bestrafung sollte in
der Reiterei die Devise lauten, aber leider wird meistens das
Gegenteil praktiziert.
Es sind die sogenannten «Hilfsmittel», mit denen man
Pferden Schmerzen zufügen kann. Ausbindezügel
beeinträchtigen das Blickfeld des Pferdes. Dauerndes Einwirken
des Reiters mit treibenden Sporen lässt es abstumpfen (und kann
sogar zu Verletzungen führen).
Wer mit seinem Pferd gewaltlos umgehen will, muss auf jegliche,
möglicherweise schmerzbringenden, Hilfsmittel wie Kandaren,
Sporen, Peitschen und sogar Wassertrense verzichten.
Fred Rai zeigt, wie es jedermann besser machen kann.
Wie der Name schon sagt, wird das Natürliche Reiten den
Bedürfnissen eines Pferdes in jeder Hinsicht völlig
gerecht. Deshalb ist es ein Freizeit- und Wanderreitstil und
befriedigt nicht den meist ego-bezogenen sportlichen Ehrgeiz, wie er
z.B. beim Springsport oder Militaryreiten vorherrscht.
Fred Rais gesamtes Reiten beruht auf Verständnis,
Einfühlung und Belohnung. Es setzt die Kenntnisse der Psyche und
Verhaltensweise der Pferde unbedingt voraus, wie es bei jedem
Reitstil der Fall sein sollte. Primär muss man im Pferd das
Fluchttier sehen, das auf jede drohende Gefahr mit Davonlaufen
reagiert. Erst wenn es in die Enge getrieben wird, zeigt es ein
Wehrverhalten, also z.B. erst durch den Schmerz, den der Reiter ihm
zufügen kann. Jedes Pferd ist berechenbar ungefährlich,
weil es sich nur so verhalten kann, wie seine Veranlagungen es von
ihm verlangen.
Die zweite wesentliche Eigenschaft des Pferdes ist das
Herdenverhalten. Es erkennt immer den Ranghöheren an und ordnet
sich ihm widerstandslos unter. Diese beiden Erkenntnisse muss sich
jeder bei der Erziehung der Pferde zunutze machen.
Beachte ich nicht, dass ein Pferd von seinen Trieben geleitet wird,
kann es schnell einmal gefährlich werden. Kann ein Pferd
beispielsweise seinen Bewegungstrieb nicht auf einer Koppel ausleben,
so folgt es ihm beim nächsten Ausritt – auch schon mal was
von «Durchgehen» gehört?
Natürliches Rai-Reiten zeigt sich in der psychischen
Ueberlegenheit eines Menschen dem Pferd gegenüber. Jeder Reiter
muss absolut dominant sein, d.h. das Pferd muss mich als Leittier
anerkennen, denn diesem folgt es bedingungslos, in der Natur sogar
bis in den Tod. Ist der Reiter dominant und konsequent, braucht er
keine Trense, Peitsche oder Sporen. Wer sich diese Eigenschaften
nicht zu eigen machen will, dürfte nicht aufs Pferd steigen.
Rai-Reiten ist aber viel mehr als ein Reitstil, es ist Bewusst-Sein:
Denn in ihm ist die ganze Schöpfung in Harmonie vereint: Natur -
Tier - Mensch. Dies setzt eine artgerechte Haltung voraus z.B.
täglicher Auslauf auf der Koppel mit anderen Pferden, gesundes
Futter, mindestens Boxenhaltung etc.. Erst wenn ich die
natürlichen Bedürfnisse eines Pferdes gestillt habe, darf
ich mich auf seinen Rücken schwingen. Faire Leistung für
Jeden. Auch ich muss meinen Teil dazu beitragen!
Das Auffälligste ist das Reiten mit dem
sogenannten «Bändele», ein Halfter aus einem
speziellen Kunststoffmaterial, das entsprechend dem Pferdekopf
angepasst werden kann. Die Zügel werden einhändig gehalten
und sind durchhängend ohne ständiges Einwirken des Reiters
in die natürliche Haltung des Pferdes. Jedes Pferd muss seinen
toten Blickwinkel ständig verändern können, um sicher
aufzufussen.
Zudem versucht jedes Pferd (und jeder Mensch), wenn es erschrickt,
den Kopf zur Ursache hinzuwenden. Kann es dies nicht, gerät es
in Panik.
Eine der häufigsten Fragen in Bezug auf das Rai-Reiten lautet:
«Wie kann man mit dem Bändele ein Durchgehen des Pferdes
verhindern?» Würde eine Trense oder Kandare diesen Zweck
erfüllen, käme wohl niemand auf die Idee, eine solche Frage
zu stellen. Tatsache ist, dass ein Pferd mit einem Bändele,
korrekt geritten, niemals durchgeht. Denn ein Durchgänger
versucht, dem Schmerz im Maul davon zu laufen, den z.B. eine Trense
verursachen kann. Ein Pferd rennt immer in den Schmerz
«hinein» wenn es in Panik ist. So hat man also
plötzlich anstelle einer «Bremse im Maul» einen
«Gashebel». Stellt Euch einmal eine schmerzverursachende
Eisenstange im Mund vor und wie Ihr damit umher rennt..!
Um diese wichtigen Erkenntnisse zu verbreiten hat Fred Rai 1994 die
Bundesvereinigung für Gewaltfreies Reiten e.V. (heute: BV
für Natürliches Reiten) und 1996 den Europäischen
Pferdeschutzbund gegründet, denen auch Nicht-Reiter beitreten
können.
Rai-Reiten ist eine Reitweise, bei der man alles begründen kann.
So kann ich es auch verantworten, dass ich mit meinen
Ausführungen einigen auf die Zehen gestanden bin. Es ist Zeit
umzudenken.
Schliesslich wollen wir alle nur das Beste für die Pferde.
Wer sich in diese Reitweise vertiefen möchte, dem
steht ein Buch von Fred Rai zur Verfügung, die aber
einen Kurs nicht ersetzen können: Natürliches Reiten, ISBN-Nummer
3-517-01332-3.
Weitere Infos (Buchbestellungen, Kurse etc.) beim Autor dieses Artikels:
Indianisches Rai-Reiten auf Teneriffa: Markus Eschbach, Vinca Verde.
Er hat seine Ausbildung Ende 1996 bei Fred Rai abgeschlossen.
Anhang der Vegi-Info Redaktion: Dieser Artikel ist keine Antwort auf die unter Vegetariern heftig diskutierte Frage, ob der Mensch das Recht hat zu reiten. Wenn schon reiten, dann aber jedenfalls eine schonenede Methode ohne Gewalt. Es gibt natürlich auch andere für das Pferd schonende Reitweisen. Dies ist nur ein Beispiel davon.
Weitere On-Line Infos zum Rai-Reiten:
- Homepage von Fred Rai
- Pferdeschlachthof: Leider gelten Pferde noch oft als "Sportinstrument", das geschlachtet wird, wenn man es nicht mehr benötigt.
Als Abschluss zur Entspannung einige Bilder von "freien" Pferden:
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