Friede den Schäfern – Krieg den Wölfen?
Im konservativen Wallis scheinen andere Gesetze zu gelten als in der übrigen Schweiz! Der Walliser Staatsrat gab jeden Wolf, der die Walliser Grenze überschreiten sollte, zum Abschuss frei!
Meister Isegrim hat es schwer. Er wird verachtet und gehasst, als Bestie bezeichnet, verstossen und ermordet. Doch nirgendwo anders wird er bereits vor seiner Ankunft mit solcher Heftigkeit bekämpft wie im Wallis.
Einmal mehr legte der Walliser Staatsrat die üblich
rückständige Denkweise an den Tag, und gab die
Abschusserlaubnis für jeden Wolf, der die Walliser Grenze
überschreiten sollte. Doch damit nicht genug. Seitens der
Schäferschaft, die sich als Tierfreunde bezeichnet, wurde
gefordert, dass selbst bei nachgewiesener Abwesenheit des Wolfes alle
Schäden diesem angerechnet werden sollten! Auch der Oberwalliser
Bauernverband sowie die Oberwalliser Kleinviehverbände setzen
sich vehement gegen die Rückkehr des Wolfes ein. Sie starteten
eine Petition gegen die Wiederansiedelung des Wolfes in
'einheimischen Wäldern', welche rund 4'000 Unterschriften
zusammenbrachte! Des weiteren wurde der Walliser Staatsrat in einer
Resolution ersucht, sich energisch dafür einzusetzen, dass...
1)... das Eigentums- und Nutzungsrecht der Walliser Alpen und
Voralpen gewahrt bleibe und keine Einschränkungen und Auflagen
zu Lasten der Alp- und Berglandwirtschaft hingenommen würden.
2)... jegliche Aussetzung oder Wiederansiedelung von Wölfen
verhindert wird, und, sollte dies nicht möglich sein, dass
sofort die Abschussbewiligung erteilt werde.
3)... bei Schäden, die von Wölfen oder Hunden verursacht
werden, die Schadenschwelle festgelegt werde, die eine
Abschussbewiligung nötig mache.
Einzuschliessen seien auch Sekundärschäden, zum Beispiel,
wenn Tiere vermutlich bei der Flucht vor einem Wolf über eine
Felswand stürzten.
Hierzu erübrigt sich wohl jeglicher Kommentar. Doch nicht nur
die Schäfer und Kleinviehbauern wollen dem Wolf ans Fell. Auch
den Jägern ist scheinbar sehr viel daran gelegen, eine
Rückkehr des Wolfes zu verhindern. Nach dem erbarmungslosen
Abschlachten des Luchses wittern sie im Wolf einen neuen
Konkurrenten.
Der Wolf wird kommen, daran werden auch menschliche Gesetze und
Grenzen nichts ändern können. Und er verdient es nicht, mit
Pulver und Blei empfangen zu werden.
Noch sind es wenige, die sich für dessen Rechte im Wallis
einsetzen. Doch sie werden nicht tatenlos zusehen, wie jeder Wolf
kaltblütig erschossen wird. Sie werden kämpfen, auf der
Seite des Wolfes, mit ihm. Für seinen Schutz und für seine
elementaren Existenzrechte.
Paul Borter
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 9.12.2008
