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Rinderwahnsinn – Menschenwahn

Oder vom Verdrängungsmechanismus bei (Rind-) Fleischkonsumenten

Jahrelang wurde die mögliche Übertragbarkeit des Rinderwahnsinns auf den Menschen heruntergespielt. Seit dies nicht mehr so einfach möglich ist, versucht man noch zu retten, was zu retten ist. Ältere britische Rinder müssen notgeschlachtet werden und dürfen nicht mehr an ihre Artgenossen als Tiermehl verfüttert werden. Dennoch werden sie zu Tiermehl verarbeitet, um sie als Futtermittel in der Schweinezucht und bei anderen sogenannten Nutztieren zu verwenden!
Trotzdem wird weiter Rindfleich gegessen:
SonntagsBlick: Ein Schweizer Metzgermeister: «Trotz allem haben wir Rindfleisch gut verkauft.»

Wie ist es möglich, dass trotz der nunmehr amtlichen Feststellung aus England, dass der Konsum von Rindfleisch die Gefahr einer absolut tödlichen Krankheit birgt, ein Grossteil der Fleischkonsumenten keine Konsequenzen daraus zieht?
Am Informationsstand der Konsumenten kann es kaum liegen. Alle Medien haben unmittelbar nach der Hiobsbotschaft des englischen Gesundheitsministers mindestens einen Bericht über BSE veröffentlicht.
Was also bewegt die Menschen, lieber ihr Leben aufs Spiel zu setzen als auf Rindfleisch zu verzichten?
Die Menschen hängen sehr stark an ihren Gewohnheiten. Beim Fleischessen werden sie zudem durch alle Publikationen der Fleischindustrie unterstützt (Stichwort: Eiweissmythos). Nur so ist es wohl erklärbar, dass alle Argumente, die eigentlich zum Loslassen von ihrer Gewohnheit führen müssten, konsequent verdrängt werden.
Ausserdem fällt es den meisten Menschen leichter, mit der breiten Masse zu gehen, als selbstverantwortlich zu handeln. Denn dazu müssten sie sich auch Gedanken machen, ob anderes in der eigenen Lebensweise auch noch geändert werden müsste (Stichworte: Rauchen, Alkohol, Industriezucker). Fleisch essen und anderes mehr wäre deshalb nicht von vornherein als richtig zu beurteilen, bloss weil es viele andere Menschen auch tun. Für alle Handlungen müsste man selbst Verantwortung übernehmen. Dies wäre ein Schritt zu mehr Selbstverantwortung und Unabhängigkeit.

Übertragbarkeit

Dass BSE auch auf Schweine und viele andere Tierarten übertragbar ist, wurde längst experimentell bestätigt. Dennoch wird auf diese Gefahr von keiner offiziellen Seite (Behörde, Produzenten) eingegangen. Im Gegenteil, obwohl die Rinderkrankheit BSE noch unzulänglich erforscht ist, behauptet das Veterinäramt immer noch, dass Muskelfleisch von Rindern unbedenklich sei. Anders gesagt: Man kennt diese Krankheit zwar kaum (die Wissenschaftler sind sich noch nicht einmal einig ob die Prionen-Theorie als Ursache des BSE zutrifft), man «weiss» aber, dass die Konsumenten weiter ihr Fleisch essen können. Obwohl das Muskelfleisch angeblich frei von Krankheitserregern ist, werden alle an BSE verstorbenen Tiere vollständig verbrannt. Wieso verkauft man nicht das angeblich unbedenkliche Muskelfleisch von solchen Rindern?
Die Wissenschaftler sind sich einig, dass der BSE-Erreger über die Nahrung aufgenommen wird und in Folge das Gehirn zerstört. Der einzige Weg vom Magen ins Gehirn führt über die Blutbahnen. Ist dem so, dann ist er Erreger auch in allen andern Körperstellen (also auch im Muskelfleisch) zu finden.
25. Okt. 95: Südkurier: Prof. R. Lacey, Mikrobiologe an der Universität von Leeds: «Die Krankheit ist fast mit Sicherheit von Rind auf Mensch übertragbar»
16. Nov. 95: In der Ärzte Zeitung: «Wissenschaftler bekennen: Wir essen seit Jahren kein Rindfleisch mehr!» Haben die Behörden das verschlafen?
Die britische Regierung musste bereits im Oktober 95 indirekt zugeben, dass die Creutzfeldt-Jakob Erkrankung (CJK) bei Bauern mit BSE-Rindern überdurchschnittlich hoch sei, nachdem ein automatisch verschickter Fax des Gesundheitsministeriums versehentlich an einen falschen (!) Adressaten ging, der dies publik machte [Ärzte Zeitung 26. 10. 95]
Am 30. Okt. 95 berichtete die Ärzte Zeitung von ersten Fällen, bei denen die Creutzfeldt-Jakob Erkrankung Jugendliche heimsuchte (ein 16jähriges Mädchen und ein 18jähriger Junge). Obwohl der Verlauf der Krankheit sehr viele Parallelen zum Rinderwahnsinn aufweist und die CJK früher nur alte Menschen betroffen hat, wurde dem kaum Beachtung geschenkt.

Erzwungener Kannibalismus

230'000 Tonnen Schlachtnebenprodukte fallen in der Schweiz jährlich an. Die Entsorgung dieser stinkenden Masse aus Innereien, Augen etc. ist wirtschaftlich praktisch unmöglich. Deshalb werden sie zu Tiermehl verarbeitet und den Tieren verfüttert. Obwohl Rinder zweifellos Vegetarier sind, wurden sie so mit ihren Artgenossen gefüttert! Falls gegen den Rinderwahnsinn konsequent vorgegangen würde, müsste man zwangsläufig diesen erzwungenen Kannibalismus verbieten. Doch wohin mit den Abfällen? Der Anteil in den Nahrungsmitteln der Menschen wurde seit Jahren ständig erhöht (Stichworte: Gelatine, Schlachtfette) und kann nicht ins Unendliche gesteigert werden. Einziger Ausweg: Verringerung des Fleischkonsums.
Die Rinderzucht und Milchkuhhaltung gehört zur Haupteinnahmequelle der Bauern. Nicht etwa, weil dies so wirtschaftlich ist, sondern, weil dafür die meisten staatlichen Gelder fliessen. 75 % des Einkommens eines Schweizer Bauern besteht aus Steuergeldern, die er direkt oder indirekt durch den Staat (also indirekt vom Steuerzahler) bekommt. Diese Gelder werden jedoch fast ausschliesslich für die unrentable Tierhaltung ausbezahlt, da sonst ein solcher unökonomischer Wirtschaftszweig nicht am Leben bleiben könnte [siehe dazu auch SVV-Infoblätter 22 und 23]. Ein Grossteil der Landwirtschaftssubventionen gelangt nicht bis zu den Bauern, sondern versickert bei Verbänden und Landwirtschaftsbürokraten. Diese Lobby darf nicht unterschätzt werden. Und wer bezahlt für die Folgen der Auswüchse in der Landwirtschaft? Wie immer der Steuerzahler: 45 Mio. Fr. stellt der Bund zum Aufkauf und zur Verbilligung von Rindfleisch zur Verfügung!

2000 Fr. Busse für Aufklärung

Die Macht der Fleischindustrie zeigt sich an folgendem Urteil vom 25. Januar 1996:
Vom Zürcher Obergericht wurde ein Tierschützer verurteilt, weil er in Flugblättern auf die Gefahr des Rinderwahnsinns hinwies. Im Detail:

  1. Die Bezirksanwaltschaft verurteilte ihn wegen des Verteilens eines Flugblattes, das eine Meinung wiedergibt, die von derjenigen der Gesundheitsbehörden abweicht.
    Vertritt also die Schweizer Gesundheitbehörde die absolute Wahrheit, die niemand anzweifeln darf?
  2. Beim Bezirksgericht wurde die Verurteilung damit begründet, dass das Flugblatt nicht erwähnt, dass es auch andere wissenschaftliche Auffassungen gibt.
    Wenn bei jeder Veröffentlichung auch alle anderen Auffassungen zum Thema berücksichtigt werden müsssten, gäbe es keine Presse und keine Werbung mehr!
  3. Beim Obergericht des Kantons Zürich wurde das Urteil wie folgt begründet: Verteilen eines Flugblattes, das den Rinderwahnsinn als gefährlich für den Menschen darstellt und direkt vor einer Metzgerei aufruft weniger Fleisch zu essen.
    Ist die Aussage des Flugblattes also doch wahr, aber den Metzgereikunden nicht zumutbar?

Gemäss den europäischen Menschenrechtskonventionen verbieten die Garantien des fairen Gerichtsverfahrens, dass der Angeklagte in einem Verfahren mit wechselnden Anschuldigungen überrumpelt wird, wodurch eine wirksame Verteidigung verunmöglicht würde. Dieses Urteil wird deshalb vom Verein gegen Tierfabriken vor das Bundesgericht weiter gezogen, da diese Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit von Tierschützern nicht hingenommen werden darf. Dieses Beispiel zeigt, dass die Verurteilung einer Person in der Schweiz nicht unbedingt von der Tat abhängt, sondern oft davon, welche wirtschaftlichen Kreise hinter den Anklägern stehen. Dies erklärt auch, weshalb noch kaum Bauern verurteilt wurden, die seit Jahren das Tierschutzgesetz offensichtlich missachten.

Renato Pichler