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Ernährungsmedizin: Ein Glaubenssystem oder exakte Wissenschaft?

Wenn man sich die widersprüchlichen Aussagen in den Massenmedien zur gesunden Ernährung ansieht, könnte man meinen, dass es eher eine Glaubensfrage, denn eine wissenschaftliche Frage ist, was man für gesund hält.

Was sagen die Experten?

Bei Finanzberatern von Banken oder Gesundheitsexperten, die bei Pharmafirmen angestellt sind und die Bundesämter beraten, ist der Fall klar: Die «Experten» versuchen, für ihre Arbeitgeber möglichst viel Profit zu erwirtschaften.
Dies gilt natürlich auch für die «Ernährungsexperten». Zum Beispiel war die Kommunikationschefin der Fleisch­lobbyorganisation Proviande viele Jahre lang Mitglied in der Eidgenössischen Ernährungskommission (das höchste Schweizer Gremium, das über die gesunde Ernährung befindet). Auch heute gibt es noch viele Vertreter aus der Fleisch- oder Milchwirtschaft, die über die gesunde Ernährung bestimmen.
Dennoch ist die Ernährung im Gegensatz zu anderen Bereichen ein Sonderfall:
Auch die Experten müssen sich ernähren, entweder sind sie Fleischesser oder Vegetarier. So liegt es auf der Hand, dass die entsprechenden Eigeninteressen bei der Interpretation von lückenhaften Informationen eine Rolle spielen. Hier ist viel willkürlicher Spielraum vorhanden.

Grundlagen der Ernährungsmedizin

Auf was stützt sich also die heutige Ernährungsmedizin? Die Basis bilden wissenschaftliche Studien.
Diese werden in angesehenen Fachzeitschriften veröffentlicht. Das System der Medizin hat jedoch gravierende Mängel:

  1. Nicht alle Fachzeitschriften sind neutral. Manche verfolgen ganz bestimmte Ziele, welche von den Geldgebern vorgegeben werden. Marktführer bei den Fachzeitschriften ist der Elsevier-Verlag. Dieser wurde in den USA bereits von einem Gericht verurteilt, weil er zur Finanzierung der Zeitschriften Gelder von Pharma­firmen annahm und Studien dieser Firmen bevorzugt abdruckte.1
  2. Sehr oft werden wissenschaftliche Studien mit Tierversuchen gemacht und veröffentlicht, obwohl erwiesen ist, dass deren Ergebnisseoft nicht auf den Menschen übertragbar sind. Dadurch erhält man (je nach verwendeter Tierart) völlig widersprüchliche Ergebnisse. Ein Hersteller eines Nahrungsmittels kann mit dieser Methode fast jedes Resultat als wissenschaftlich publizieren, wenn er nur genügend Tierarten zu Versuchen missbraucht, um bei einer das gewünschte Ergebnis zu erhalten.
  3. Liefert eine Studie nicht das vom Geldgeber gewünschte Ergebnis, kann diese Studie problemlos zensuriert werden: Die Öffentlicheit erfährt nie davon, da die Studie nicht in einer Fachzeitschrift publiziert wird.2
  4. Der Schlusssatz fast jeder Ernährungsstudie lautet: «Weitere Studien sind nötig, um das Ergebnis zu überprüfen.» Dieser Satz hat gleich mehrere Auswirkungen: Einerseits zeigt er, dass keine Aussage einer einzigen Studie wirklich zuverlässig ist (ausser sie wäre extrem umfangreich und teuer, wie z.B. die China Study), andererseits garantiert der Satz den Wissenschaftlern weitere Aufträge auf dem Gebiet. Eine Studie so anzulegen, dass am Ende eine klare eindeutige Aussage steht, wäre somit für den Wissenschaftler ein Nachteil, da damit seine Arbeit an dem Thema beendet wäre.
  5. Die Wissenschaftler wissen, dass Medienleute meist nur die Zusammenfassungen von Studien lesen. Deshalb können sie diese im Sinne der Geldgeber tendenziös verfassen, sodass die gewünschte Botschaft in den Medien verbreitet wird – unabhängig vom Studienergebnis.
  6. Da die Ernährungsmedizin keine exakte Wissenschaft ist wie die Physik oder Mathematik, wird praktisch ausschliesslich mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet: Wenn ein Resultat mit 95%iger Wahrscheinlichkeit korrekt ist, gilt es als wissenschaftlich korrekt. Solche statistischen Auswertungen bieten viele Fehlerquellen, die absichtlich oder unabsichtlich zu falschen Ergebnissen führen können.

Kaum eine Ernährungsweise wurde mit so vielen Studien erforscht, wie die vegetarische.3 Würde man nur diejenigen Studien berücksichtigen, die nicht in Abhängigkeit von einem bestimmten Geldgeber gemacht wurden, und würde man alle Studien mit Tierversuchen ignorieren und nur die wissenschaftlich seriös durchgeführten Studien lesen, gäbe es schon längst klare Aussagen, dass die vegetarische und – noch mehr – die vegane Ernährung gesund sind.
Leider werden jedoch in der Öffentlichkeit (und in der Politik) die von Wirtschaftskreisen in Auftrag gegebenen Studien und die Resultate der Tierversuche ebenso anerkannt wie neutrale, aussagekräftige Studien. Deshalb lässt sich heute aus den Studien alles herauslesen, was der Leser/ Journalist/Experte darin sucht.

Beispiel: Isoflavone im Soja

Das deutsche «Bundesinstitut für Risikobewertung» schreibt: «Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß ist kein Ersatz für Kuhmilchprodukte».4 Als Grundlage dienen ausschliesslich Tierversuche, welche mit Isolaten aus Soja gemacht wurden. Das BfR bestätigt sogar selbst, dass die Ergebnisse der durchgeführten Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar seien und beim Menschen noch nie die befürchteten negativen gesundheitlichen Auswirkungen festgestellt wurden. Im Gegenteil: Es gibt einige Studien, die beim Menschen positive Auswirkungen eines Sojakonsums vermuten lassen. Dennoch wird vor Sojakonsum gewarnt, weil die Tierversuche höher gewertet werden als die Erfahrungen und Studien mit Menschen.

Beispiel: Stevia

Das natürliche Süssungsmittel aus Stevia (= Süssstoffpflanze) ist in der Schweiz nur beschränkt zugelassen, obwohl es in Japan weit verbreitet ist und in vielen Restaurants als Alternative zum Industriezucker aufgetischt wird.
Begründung? Es fehlen Tierversuche, welche die Unbedenklichkeit von Stevia beweisen. Und es gab Tierversuche, bei denen man eine mögliche Gesundheitsgefahr bei extrem hohen Dosen feststellen konnte.

Beispiel: Schokolade

In den letzten Jahren gab es viele Studien, die belegen, dass Inhaltsstoffe in der Schokolade gesundheitsfördernd sind. Alle Studien haben eine Gemeinsamkeit: Sie wurden mit rein pflanzlicher Schokolade durchgeführt, da man schnell erkannte, dass die Milch in der Schokolade die wertvollen Substanzen blockiert.5 Dieses «Detail» wird jedoch in den Zusammenfassungen der Studien fast nie erwähnt. So bekommen die Konsumenten den Eindruck, dass auch Schokolade mit Milch gesundheitliche Vorteile bietet. Für die Schokoladeproduzenten ist dies natürlich ideal, da zumindest in der Schweiz die allermeisten Schokoladesorten Milch enthalten.

Beispiel: Milch

An der Universität Zürich wurde untersucht, ob Milch vor Knochenbrüchen schützt, also gegen Osteoporose hilft.6 Dazu wurden 9 Studien analysiert, die insgesamt über 270000 Personen untersucht hatten. Das Resultat ergab, dass Kuhmilchkonsum nicht vor Knochenbrüchen schützt.
Dennoch empfehlen auch heute noch praktisch alle Ernährungswissenschaftler der Schweiz den Kuhmilchkonsum, um Knochenbrüchen vorzubeugen, da Milch Kalzium enthält.

Renato Pichler

Die Medizin
Aufgrund der mangelnden Theoriebildung kann die Medizin nur eingeschränkt als Wissenschaft bezeichnet werden. Der Ansatz der Evidenzbasierten Medizin versucht hier Abhilfe zu schaffen, indem die klinische Entscheidungsfindung an wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichtet wird, das heisst, Therapieformen werden nur dann akzeptiert, wenn ihre Wirksamkeit mittels klinischer Studien nachgewiesen wurde. Am grundsätzlichen Versuch-und-Irrtum-Vorgehen der medizinischen Grundlagenforschung änderte dieser Fortschritt bisher nichts.
Wikipedia-Auszug

 

 

Fussnoten:

  1. Werbemassnahmen der Pharmaindustrie, Vegi-Info 2009-2
  2. Sponsoren beeinflussen wissenschaftliche Studien, Vegi-Info 2007-1
  3. Die SVV hat in ihrem Archiv rund 1500 Studien dazu abgelegt. Und da sind diejenigen der letzten 5 Jahre noch nicht einmal eingeschlossen.
  4. Stellungnahme Nr. 043/2007 des BfR vom 21. Mai 2007
  5. Schokolade ohne Milch besser als Medikament, Vegi-Info 2004/4
  6. H. A. Bischoff-Ferrari et. al., Milk intake and risk of hip fracture in men and women: A meta-analysis of prospective cohort studies, Journal of Bone and Mineral Research, April 2011