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«Bitte essen Sie nicht gesund! Ihre Nahrungsmittel-Industrie»

Im Wissenschaftsmagazin «Scientific American» wurde ein Gastbeitrag unter folgendem Titel veröffentlicht: «Lieber amerikanischer Konsument: Bitte beginne nicht, dich gesund zu ernähren. Mit freundlichen Grüssen – die Nahrungsmittel-Industrie.»[1] Was war der Hintergrund?

Am meisten verdienen Nahrungsmittelkonzerne mit stark verarbeiteten, billigen Produkten mit hohem Zucker-, Salz- oder Fettgehalt. Sie nutzen damit die genetische Programmierung der Menschen aus, die noch aus Zeiten stammt, als Nahrung nicht im Überfluss zur Verfügung stand:

  • Natürliche salzige Nahrung zeigt dem Gaumen an, dass das Produkt reich an Mineralstoffen ist. Unser Körper ist nicht darauf vorbereitet, dass man das Salz isoliert und ohne andere Mineralstoffe in hohen Mengen der Nahrung hinzufügt.
  • Natürliche süsse Nahrung zeigt an, dass eine Frucht reif ist und wertvolle Energie in Form von Kohlenhydraten liefern kann. Der isolierte Industriezucker ist eine Erfindung, welche noch vor 100 Jahren kaum bekannt war. Ihm fehlen viele wichtige Begleitstoffe, die in reifen Früchten enthalten sind (z.B. Enzyme und Vitamine).
  • Fettreiche Nahrung gibt viel Energie. Wenn man wenig zu essen hat, versucht man, energiereiche Nahrung zu erhalten. Heute haben wir jedoch das umgekehrte Problem: Unsere Nahrungsmittel sind generell zu energiereich und wir essen meist zu viel davon. Da der Industrienahrung wesentliche Vitalstoffe fehlen, macht sie uns zudem kaum satt, sodass wir mehr davon essen müssen.

Die Nahrungsmittelindustrie versteht es, diese menschlichen Ernährungsvorlieben auszunutzen. Zudem wünschen die meisten Menschen lang haltbare Produkte.

Werbeverbot für ungesunde Nahrung

Eine Arbeitsgruppe des US-Amerikanischen Kongresses hat 2011 Richtlinien für die Werbung von Nahrungsmitteln aufgestellt. Nach deren Definition wären von den 100 meistkonsumierten Nahrungsmitteln in den USA 88 «ungesund». Gemäss dem Gesetz hätte die Nahrungsmittelindustrie also nur noch für 12 dieser beliebtesten Nahrungsmittel werben dürfen.
Das bedeutet: Für fast 90% der Produkte wäre Werbung verboten geworden.
Die Nahrungsmittelindustrie hat daraufhin ihre Wirtschaftsmacht ausgespielt und das Gesetz zu Fall gebracht.

Wäre dies in der Schweiz auch möglich?

Nein, ein solches Vorgehen der Nahrungsmittelindustrie wäre in der Schweiz kaum denkbar. Allerdings nicht, weil sie zu sehr um unsere Gesundheit besorgt ist, sondern weil bei unserem politischen System die Nahrungsmittelindustrie bereits vor Einführung eines solchen Gesetzes befragt würde, ob sie es akzeptieren würde. Die Gesetze, welche von wirtschaftlich zu starken Organisationen abgelehnt werden, würden so gar nicht erst durchkommen. Diese Vernehmlassungen[2] haben durchaus ihren Sinn: Würde es diese nicht geben, gäbe es viele zusätzliche Referenden gegen neue Gesetze, welche die ganze Politik blockieren könnten und immense Steuergelder verbrauchen würden. Natürlich wird das Argument bei einer Gesetzes-Vernehmlassung nicht lauten, dass man der Bevölkerung weiterhin ungesunde Nahrung ver- kaufen will, um damit Profite zu erwirtschaften, sondern es wird argumentiert, dass man nicht per Gesetz vorschreiben solle, was verkauft/konsumiert werden dürfe oder dass eine Definition von «gesund» unmöglich sei. Jeder Konsument solle selbst entscheiden, wie er sich ernähren möchte. Dieses Argument hat jedoch zwei Haken: 1. Es geht hier nur um das Bewerben, es wird keine Wahlfreiheit eingeschränkt, und 2. wird die freie Wahl schon jetzt durch die finanzstarken Werbekampagnen von Grosskonzernen stark beeinflusst.
Übrigens: Wann haben Sie das letzte Mal im TV eine Werbung für Äpfel, Karotten oder andere natürliche, gesunde Produkte gesehen? An solch unverarbeiteten, natürlichen Produkten wird zu wenig verdient. Deshalb wird dafür kaum geworben.

Renato Pichler

1 blogs.scientificamerican.com/ guest-blog/2013/05/19/dear- american-consumers-please-dont- start-eating-healthfully-sincerely- the-food-industry/?WT_mc_id= SA_CAT_ENGYSUS_20130523

2 Alle aktuellen Vernehmlassungen können hier von allen eingesehen werden: www.admin.ch/bundesrecht/pc/