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Vorurteil:

«Ein Kind vegan zu ernähren, ist verantwortungslos»

Für sich selbst zu entscheiden, vegan zu leben, ist das eine. Zwar muss man sich in diesem Fall auf Diskussionen mit seiner Umwelt einstellen, doch grundsätzlich ist es akzeptiert, jedem die persönliche Freiheit zu lassen, sich so zu ernähren, wie er das möchte. Eltern allerdings, die sich für ihre Kinder eine vegane Ernährung wünschen, können kaum auf Verständnis hoffen, denn hier hört die Toleranz auf.

Vegan ernährte Kinder müssen zwangsläufig mangelernährt sein und werden früher oder später ernsthafte Gesundheitsschäden erleiden – so die Meinung von Fleischessern und einigen Ovo-Lakto-Vegetariern. Kein Wunder also, dass viele Eltern möglichst verschweigen, dass ihr Kind keine tierischen Produkte isst. Nicht nur, um lästige Diskussionen zu vermeiden, sondern auch aus der Angst heraus, dass Behörden eingeschaltet werden. Doch was ist wirklich dran an dem Vorurteil?

Grundlegendes

Die Entscheidung über die Ernährung des eigenen Kindes wird in jedem Fall von den Eltern getroffen. In der Regel entscheiden diese sich dafür, dass Fleisch zum Ernährungsplan dazugehört. Doch diese Entscheidung kann genauso als eine Bevormundung betrachtet werden wie diejenige, das Kind vegan zu ernähren. Auf jeden Fall werden die Weichen für das zukünftige Ernährungsverhalten mit den ersten Mahlzeiten gestellt und sollten deshalb wohlüberlegt sein.

Gründe für die Angst vor veganer Ernährung

Die Medien greifen gerne Berichte auf über mangelernährte, angeblich vegane Kinder, die bleibende Schäden erleiden oder sogar sterben. Ein näherer Blick auf diese Fälle zeigt aber häufig, dass diese Kinder zwar ohne tierische Produkte ernährt wurden, von einer ausgewogenen veganen Ernährung aber keine Rede sein kann. So wurde z.B. ein Kind aus den USA nur mit Apfelsaft und Sojamilch aufgezogen. Das hat nichts mit einer verantwortungsvollen veganen Ernährung zu tun.

Die Angst vor der veganen Ernährung kommt oft auch daher, dass vegane Eltern durchschnittlich seltener einen Arzt aufsuchen, wenn ihr Kind gesund ist (z.B. für Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen etc.), als fleischessende Eltern. Deshalb sehen Ärzte kaum je ein gesundes veganes Kind. Dies gibt ein verzerrtes Bild der Realität wieder. Denn ganz im Gegenteil zeigen zahlreiche Beispiele, dass sich Eltern von veganen Kindern mehrheitlich darüber freuen, dass ihre Kinder weniger oft krank sind als ihre gleichaltrigen Spielkameraden. (siehe z.B. Vegi-Info 2005-1, Vegane Kinder)

Offizielle Ernährungsempfehlungen

Das BAG rät in seinen Ernährungsrichtlinien grundsätzlich davon ab, die vegane Ernährung für die breite Bevölkerung zu empfehlen. In Amerika ist man hingegen fortschrittlicher: Die amerikanische Vereinigung der Ernährungsexperten (ADA) sagt deutlich:
«Eine gut geplante vegane oder andere Art der vegetarischen Ernährung ist für jede Lebensphase geeignet, inklusive während der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit, Pubertät und für Sportler.»1
Es gibt nur wenige aussagekräftige Studien über den Gesundheitszustand von vegan ernährten Kindern. Zusammengefasst konnten diese jedoch nicht belegen, dass vegane Kinder im Vergleich zu nicht veganen beeinträchtigt sind. Die Nährstoffversorgung war vergleichbar mit derjenigen von fleischessenden Kindern. Die Empfehlungen lauten grundsätzlich wie auch bei erwachsenen Veganern, mit B12 angereicherte Lebensmittel oder Nahrungszusätze zu sich zu nehmen.

Meinung der Kinderärzte

Aus Amerika stammt der wohl berühmteste Kinderarzt der Welt, Dr. Benjamin Spock. Sein Bestseller «Dr. Spock's Baby and Child Care» ist fast so erfolgreich wie die Bibel und steht in über 50 Millionen amerikanischen Haushalten. In seinem umfassenden Werk gibt Dr. Spock Empfehlungen zum Thema Kindererziehung und spricht sich dabei für eine vegane Ernährung aus:

Fleisch und Fisch:
«Kinder erhalten genügend Protein und Eisen aus Gemüse, Bohnen und anderer pflanzlicher Nahrung, ohne dass dabei Fett und Cholesterin enthalten sind.»

Milchprodukte:
«Die Proteine in Kuhmilch sind ein Grund für Koliken bei Neugeborenen. Wissenschaftler studieren nun auch die Zusammenhänge zwischen Kuhmilcheiweiss und Kinderdiabetes. Einige Kinder reagieren sensibel auf Kuhmilch, was sich in Ohren-, Atem- oder Hautproblemen zeigt.»

Eier:
«Eier enthalten einen hohen Wert von tierischem Protein im Eiweiss und Cholesterin und Fett im Eigelb und sind für Kinder nicht notwendig.»

Was ist gesund?

Das Ernährungsverhalten von Erwachsenen wird im Kindesalter geprägt. Schon im Säuglingsalter profitieren die Kinder von ihren veganen Müttern, da deren Muttermilch weniger Schadstoffe enthält und vegane Mütter eher länger stillen als andere. Dies ermöglicht einen optimalen Start ins Leben. Später kann eine ausgewogene und vollwertige vegetarische Kost helfen, dass sich Kinder auch im Erwachsenenalter vegetarisch ernähren und demnach nachweislich weniger von Übergewicht und Herzkrankheiten betroffen sind.2

Bei der Berücksichtigung der richtigen Ernährung geht es nicht nur darum, lebenswichtige Nährstoffe zu sich zu nehmen, sondern auch darum, schädliche Stoffe zu vermeiden. So lassen sich die gesundheitlichen Vorteile einer vegetarischen Ernährung einerseits darauf zurückführen, dass weniger schädliche Stoffe (gesättigte Fettsäuren, Cholesterin, Antibiotika ...) konsumiert und stattdessen mehr gesundheitsfördernde Stoffe (Ballaststoffe, Antioxidantien, Mineralstoffe ...) aufgenommen werden.

Bernadette Raschle