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Pferdefleisch

Renato PichlerLiebe Leserinnen und Leser

Heute erreichte mich ein Umfrageergebnis aus Grossbritannien: Durch den Pferdefleischskandal (nicht deklariertes Pferdefleisch in Fleischprodukten) wurden zusätzliche 7% der Briten Vegetarier.
Und rund ein Drittel aller Briten isst keine Fertiggerichte (mit Fleisch) mehr aus Angst, dass diese Pferdefleisch enthalten könnten.
Auch in der Schweiz wurden mehrere Produkte aus den Supermarktregalen entfernt, weil man darin undeklariertes Pferdefleisch entdeckt hat.
Doch was ist der eigentliche Skandal? Viele Pferde werden offenbar mit einem Medikament behandelt, das für den Menschen gefährlich ist: Phenylbutazon. Das Schmerzmittel wird auch bei Rennpferden als Doping eingesetzt. Dies ist der eigentliche Skandal: die Ausnutzung der Pferde als blosse Sportgeräte.
Es ist auch ein Skandal, dass viele Pferde lebend bis nach Rumänien transportiert werden, um sie dort zu schlachten. Und dann das Fleisch wieder (aufwändig gekühlt) zurücktransportiert werden muss. Weshalb regen sich so viele Fleischkonsumenten auf, wenn für ihre Lasagne ein Pferd statt einer Kuh oder einem Schwein getötet wurde? Eine logische Begründung gibt es dafür nicht. Ebenso wenig wie es eine ethisch relevante Begründung gibt, weshalb man Schweine schlechter behandelt als Hunde (beide sind ähnlich intelligent).
Die Tiere wurden in unserer Gesellschaft klar getrennt: Auf der einen Seite hat man die «Nutztiere», welche man lebenslänglich unter so schlechten Bedingungen halten darf, dass sie ohne Antibiotika kaum noch bis zu ihrer Schlachtung überleben (siehe Artikel ab Seite 14). Auf der anderen Seite hat man die Haustiere, welche die Entfremdung der Menschen von ihren Mitgeschöpfen in der freien Natur ausgleichen sollen und verwöhnt werden.
Irgendwo dazwischen stehen die Pferde: Sie werden als Reittiere für das eigene Hobby oder als Rennpferde missbraucht, dennoch haben viele Menschen eine engere direktere Beziehung zu ihnen als zu Schweinen oder Rindern. Sie entsprechen auch eher dem heutigen Schönheitsideal eines eleganten Tieres als die hochgezüchteten heutigen Rinder in unseren Ställen. Dennoch werden sie «nach Gebrauch» geschlachtet und zu Fleisch verarbeitet. Dies kratzt an der praktischen Unterteilung von Schlachttieren und Heimtieren, welche es dem Gewissen erleichtert, den Fleischkonsum zu rechtfertigen. Ob es daran liegt, dass die meisten Fleischesser Pferdefleisch ablehnen und das Fleisch in separaten Pferdemetzgereien verkauft wird?
Die zusätzlichen 7% Vegetarier in Grossbritannien brauchen sich keine Gedanken mehr zu machen, welche Tiere man aufessen darf und welche ein Recht auf Leben haben. Sie haben das Problem für sich auf ethische Weise ein für alle Mal gelöst.

Renato Pichler
Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV)