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Ist Fleisch oder Milch gesund?

Thomas Siepmann, pixelio.de

Die wissenschaftliche Antwort hängt davon ab, welche finanziellen Abhängigkeiten bei einer Studie bestehen.

Im Vegi-Info 2012/3 wurde bereits eine Studie vorgestellt, die bewiesen hat, dass bei Studien zu Softdrinks, Säften und Milch die Quellen der Finanzierung eine grosse Rolle für das Resultat spielen.
Solche wirtschaftliche Einflussnahme auf medizinische Fachartikel der anerkanntesten medizinischen Fachzeitschriften stellen die Basis der gesamten Schulmedizin in Frage.
Deshalb gab es in letzter Zeit gleich mehrere ähnliche Untersuchungen, die leider das Resultat bestätigten.1
In der Medizinbranche geht es um Milliardenumsätze. Deshalb ist die Versuchung der Manipulation sehr gross. Einerseits geraten die Kosten für die medizinische Versorgung von Jahr zu Jahr immer weiter an die Grenzen des Belastbaren (was zu steigenden Krankenkassenprämien führt). Auf der anderen Seite müssen die Medizinalunternehmungen (Pharma) ihren Gewinn immer weiter steigern. Die Gesundheitskosten müssen also für die einen sinken, für die anderen steigen.
In den letzten Jahrzehnten sah man, dass jeweils die Seite gewonnen hat, die mehr Geld in die Werbung und Finanzierung von Studien stecken konnte: die Pharmaindustrie.

Ein Pharmabeispiel:
Der Nettoumsatz betrug bei Novartis im Jahre 2011 58,6 Milliarden US-Dollar (16% mehr als im Vorjahr), der Reingewinn 13,5 Milliarden US-Dollar (12% mehr als im Vorjahr).

Einflussnahme auf Studien: Beispiel Medtronic

Der Medizintechnik-Gigant Medtronic hat rund 210 Millionen Dollar ausgegeben, um in wissenschaftlichen Studien seine Produkte gegenüber der Konkurrenz zu bevorzugen. Der US-Senat hat in einer eigenen Untersuchung dazu einen 2311-seitigen Bericht verfasst, in dem aufgezeigt wurde, wie das Unternehmen Studien manipuliert hat, die in angesehenen (Peer-Reviewed2) Fachzeitschriften publiziert wurden.3 Der Grossteil des Geldes wurde investiert, um Autoren und Gutachter (= Experten) zu bestechen. Der Bericht stellte auch fest, dass das Vorgehen von Medtronic gängige Praxis in der Medizinbranche ist.
Wie selbstverständlich solches Vorgehen ist, zeigte auch, dass die Aktionäre von Medtronic gar nicht auf die Aufdeckung dieses Skandals reagierten: Der Aktienkurs der Firma blieb stabil.

Peer-Reviewed-Studien

Der Goldstandard in der wissenschaftlichen Publikation gerät ins Wanken: In den angesehenen Fachzeitschriften werden die Studien vor der Veröffentlichung von Experten kontrolliert. Damit soll gewährleistet werden, dass nur wissenschaftlich korrekte und informative Studien veröffentlicht werden. Dennoch müssen immer wieder Studien nach der Veröffentlichung zurückgezogen werden.
Nun hat erstmals eine Studie analysiert, weshalb über 2000 Studien nach ihrem Abdruck zurückgezogen werden mussten, und dabei Folgendes festgestellt: Seit 1975 stieg die Anzahl der gefälschten Studien, die publiziert wurden, um das Zehnfache! Nur rund ein Fünftel der zurückgezogenen Studien enthielten Fehler, die meisten Rückzüge mussten wegen Fälschungen gemacht werden (über 40%), rund 24% wurden zurückgezogen, weil die Erkenntnis bereits früher publiziert wurde oder es sich sogar um ein Plagiat handelte.4

Vom Fachmagazin in die Medien

Selbst wenn eine gute medizinische Studie erstellt wurde, heisst dies noch nicht, dass deren Ergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit korrekt wiedergegeben werden. Wissenschaftler aus Paris haben untersucht, ob medizinische Studienergebnisse in den Presseerklärungen und Medienartikeln korrekt wiedergegeben werden.5 Das Resultat war ernüchternd: Bei rund der Hälfte aller Publikationen fanden sie Verfälschungen oder starke Übertreibungen der Studienergebnisse, sodass die Öffentlichkeit nicht korrekt über das wissenschaftliche Resultat der Studien informiert wurde. Sie stellten weiter fest, dass dies hauptsächlich daran liegt, dass bereits die Zusammenfassungen der Studien (Summarys) nicht korrekt das Ergebnis der Studien wiedergaben.
Ein weiteres Problem ist auch, dass erste positive Meldungen zu einem Medikament oder einer Behandlung von den Medien gerne aufgegriffen werden. Wenn später dann umfangreichere, aussagekräftigere Untersuchungen aufzeigen, dass die zuerst festgestellten Effekte doch nicht zutreffend sind, werden diese Studien kaum noch beachtet.6 Dies erklärt auch, weshalb z.B. Fischkonsum nach wie vor als gesund gilt, obwohl immer zahlreichere Studien die erste Euphorie über den Gesundheitswert des Fischkonsums stark relativierten.7

Renato Pichler


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