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Hilfe für die Ärmsten der Armen − im Einklang mit dem Tierschutz

Tierschutz ist Menschenschutz / Menschenschutz ist Tierschutz – ob Mensch, ob Tier, Achtung vor dem Leben macht keinen Unterschied zwischen den zahlreichen Erscheinungsformen des Lebens.

Netap im Einsatz in Indien

Unter einem Haufen Plastik und Karton versteckt sitzt Padma. Padma lebt auf der Strasse. Padma hat kein Zuhause, kann sich nicht erinnern, je eines gehabt zu haben. Sie ist in ihren physischen und psychischen Fähigkeiten etwas eingeschränkt. Padma lebt am Rande der Gesellschaft und Padma braucht Hilfe. Und Hilfe bekommt die ältere Frau – von Tierschützern.

Visakhapatnam, Indien: Zusammen mit der lokalen Tierschutzorganisation Visakha Society for the Protection and Care of Animals (VSPCA) führt die Schweizer Tierschutzorganisation NetAP – Network for Animal Protection − jedes Jahr Tausende von Kastrationen von Strassentieren durch. Bei der Arbeit auf den Strassen Indiens konnten die Tierschützer aber nicht die Augen vor den vielen Menschen in Not verschliessen. Rasch fiel zudem auf, dass viele Trost bei Tieren suchen. Insbesondere in der Nacht schliessen sich Menschen und Tiere zusammen, um sich gegenseitig Schutz, Wärme und Geborgenheit zu geben. Die Verbundenheit zwischen diesen Menschen mit den auf der Strasse lebenden Tieren beeindruckte die Tierschützer sehr. Mit Unterstützung der Stiftung Winsome Constance Kindness Trust mit Sitz in Australien wurde schliesslich 2010 das Kindness Mobile Restaurant ins Leben gerufen, welches seither veganes Essen an bedürftige Menschen, die in einer Verbundenheit mit bedürftigen Tieren stehen, verteilt.

Zu Beginn profitierten 40 Menschen vom Angebot der Tierschützer. Inzwischen konnte das Projekt auf 80, meist ältere Personen erweitert werden.
Nora, eine Volontärin von NetAP, die VSPCA für einige Monate vor Ort unterstützt, konnte das indische Team mehrmals begleiten und beim Verteilen des Essens helfen. «Diese Arbeit hat mich sehr berührt. Die Menschen sind extrem arm und freuen sich sehr über das Essen. Zu sehen, wie man mit einer einfachen Mahlzeit ein Lächeln in die Gesichter der Menschen, die meist ein zutiefst bewegtes Leben hinter sich haben, zaubern kann, ist wohltuend. Die Armut und das Elend sind hier allgegenwärtig und mit dem Projekt kann den Ärmsten der Armen geholfen werden. Das vegane Essen steht ganz im Einklang mit unseren Tierschutzbemühungen und findet so etwas mehr Verbreitung», berichtet Nora.

Indien ist ein kleines Paradies für Vegetarier. Geschätzte 40% der gesamten Bevölkerung verzichten aufgrund des Hinduismus auf den Fleischkonsum und somit wird überall fleischloses Essen angeboten. Die vegane Lebensweise aber ist noch nicht sehr weit verbreitet.
Die Mahlzeit des Kindness Mobile Restaurant wird auf einem Bananenblatt serviert und besteht aus indischem Curry mit Reis und Linsen, Obst, einer für Indien typischen Gemüse-Linsen-Suppe und einer Packung Trinkwasser. Die Mischung ist sehr nahrhaft. Eingepackt wird alles in Zeitungspapier, um so weit wie möglich auf Plastik zu verzichten. Denn Plastik ist ein grosses und allgegenwärtiges Problem in Indien. Es liegt überall, schadet der Umwelt und den Tieren. NetAP und VSPCA haben schon zahlreiche Notoperationen bei Kühen durchführen lassen müssen, die ansonsten aufgrund des Plastiks im Magen gestorben wären.
Das Essen wird mit einer Autorikscha in der ganzen Stadt verteilt. Manchmal müssen die Betroffenen eine Weile gesucht werden, da sie öfters ihren Platz wechseln oder von anderen vertrieben werden. Denn es besteht ein grosser Konkurrenzkampf um die besten Plätze zum Schlafen und zum Betteln.

Alle vom Projekt profitierenden Menschen leben in einer bestimmten Beziehung mit streunenden Tieren. Sie verbringen meistens den Tag getrennt. Am Abend, wenn es dunkel wird und die Geschäfte langsam schliessen, finden sie sich wieder und verbringen die Nacht zusammen. Dabei teilen die Armen auch das Wenige, das sie noch haben, mit den Tieren. Oft kommt es vor, dass der erste Bissen vom Essen dem Tier gegeben wird. So auch bei Padma. Ihre beiden Katzen bedeuten ihr alles. Sie teilt Lager und Essen, Wärme und Geborgenheit mit den Vierbeinern.
Einige der Menschen sind auch geistig eingeschränkt und benötigen Hilfe beim Essen. Es finden sich immer Leute, die in solchen Fällen helfen. Oft unterstützen die Armen die Ärmsten. Das Kindness Mobile Restaurant verteilt jeweils montags, mittwochs und freitags die Mahlzeiten. Die Tage sind bewusst so gewählt, da an diesen Tagen keine andere gemeinnützige Organisation Essen verteilt.
Gerne würde VSPCA das Projekt ausweiten, um mehr Menschen helfen zu können. Denn der Tierschutz profitiert von diesem Menschenschutz und umgekehrt. Die Betroffenen sind über die ganze Stadt verteilt und durch ihre Verbundenheit mit den Tieren fallen ihnen immer wieder Tiere in Not auf. Diese werden dann den Mitarbeitern von VSPCA gemeldet. Auch Tierquälereien konnten so schon mehrmals aufgedeckt werden. Letztes Jahr wurden den Armen zusätzlich Decken und Kleider für die kalten Winternächte zur Verfügung gestellt. Leider sind die Preise dafür in letzter Zeit extrem angestiegen und somit ist das für dieses Jahr noch nicht abgesichert.

VSPCA fehlen leider die Mittel, um das Programm weiter auszubauen. Mit nur 120 Franken im Jahr kann eine weitere Person ins Programm aufgenommen werden. Spenden für dieses Programm nimmt NetAP gerne entgegen und leitet sie 1:1 an VSPCA weiter. Vielleicht auch eine Idee zu Weihnachten – eine Projektpatenschaft für Menschen in Not, im Einklang mit dem Tierschutz?

Nora Schneider und Esther Geisser

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