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Korruption oder gutes Lobbying?

Oder: Was Vegetarier und Veganer von der Wirtschaft lernen könnten

Keine andere Lebensstilveränderung hat so grosse positive Auswirkungen auf die Tiere, die Umwelt und die Gesundheit der Menschen wie die Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung. Dennoch empfehlen Politiker und Ernährungsberater weiterhin den täglichen Fleisch- und Milchkonsum. Kein Wunder regt dies zu «Verschwörungstheorien» an. Ist da etwas dran?

Zusammenarbeiten für ein gemeinsames Ziel

Was bringt mehr: eine Vielfalt von Organisationen oder eine geeinte starke Kraft?

Politik

In der Schweizer Landwirtschaftspolitik sind die meistsubventionierten Produkte: Milch, Zucker, Fleisch.
Trotzdem sind sich die unabhängigen Experten einig, dass gerade von diesen Nahrungsmitteln seit Jahren zu viel konsumiert wird und dieser Überkonsum Krankheiten mitverursacht.
Wird dazu jemand bestochen, um den Menschen die Nahrungsmittel zu verbilligen, die sie krank machen? Kaum, denn dies ist gar nicht nötig: Es reicht eine gut organisierte Lobbyarbeit von starken Wirtschaftsverbänden, um dies zu erreichen.

Die Schweizer Fleischwirtschaft hat eine einzige Lobbyorganisation, die Proviande. Auch die Schweizer Milchproduzenten haben genau eine Lobbyorganisation, die SMP (Schweizer Milchproduzenten-Verband). Sie treten jeweils geeint und somit stark auf.
Kleine, neue Interessengruppen würden die ganze Lobbyarbeit nur schwächen. Deshalb sind bei den Verbänden alle an einer starken Lobby interessierten Personen (Bauern, Metzger etc.) dabei. Selbst dann, wenn sie nicht hinter allem stehen, was diese tun. Schliesslich geht es um ihr wirtschaftliches Überleben (die Fleisch- und Milchproduktion ist so ineffizient, dass sie ohne Subventionen/Steuergelder nicht überleben würde).

Was Vegetarier daraus lernen können

Die meisten Vegetarier/Veganer hingegen haben bis heute leider noch nicht eingesehen, wie wichtig ein geeintes Auftreten wäre. Auch kleinste Meinungsverschiedenheiten im «richtigen Vorgehen» reichen hier schon aus, um eine eigene Organisation zu gründen oder sich von allen bestehenden Organisationen abzuwenden. Anscheinend ist der Druck des persönlichen wirtschaftlichen Überlebens ein stärkerer Motivator, um auch Kompromisse einzugehen, als das Leben unzähliger Tiere, der Erhalt der Umwelt und der Gesundheit der Menschen.

«Sich in einer «eigenen» Gruppe einzubringen, ist für viele offenbar mehr wert, als das eigentliche Ziel zu erreichen.»

Angebot der Nahrungsmittelindustrie

Langsam kommen auch in der Schweiz immer mehr pflanzliche Produkte auf den Markt. Auf rein pflanzliche Produkte scheint die Schweizer Nahrungsmittelindustrie jedoch bisher nicht viel Wert gelegt zu haben, deshalb werden die meisten davon aus dem Ausland importiert.
Für viele geht der Trend zur gesünderen, umwelt- und tierfreundlichen Nahrungsmittelauswahl in Supermärkten zu langsam. Auch wird oft von Vegetariern/Veganern bemängelt, dass die Auswahl an geeigneten Gerichten in Restaurants (vor allem auf dem Land) sehr klein ist.
Wird die Nahrungsmittelindustrie, werden die Restaurants von der Fleisch- und Milchindustrie bestochen, damit sie möglichst überall noch «ein bisschen» tierische Zutaten beimischen?
Auch hier können sich diese Wirtschaftskreise die Bestechungsgelder sparen.

Was Vegetarier daraus lernen können

Da die Vegetarier/Veganer eher «Einzelkämpfer» sind und sich nicht gerne einer Organisation anschliessen, verfügen die vielen kleineren Organisationen nicht über genügend Ressourcen, um einen grösseren Einfluss auf die Industriezweige zu nehmen, als sie es heute tun. Die personellen und finanziellen Ressourcen zur Einflussnahme sind bei der fleisch- und milchverarbeitenden Industrie wesentlich grösser, da diese geeint und somit stark auftreten können.
Insbesondere der Einfluss auf die Kunden durch Werbung an Plakatwänden, in Printmedien und am Radio/TV sind durch die viel grösseren finanziellen Mittel der Fleisch- und Milchindustrie sehr einseitig. Die Nahrungsmittelindustrie und die Restaurants bieten nur das an, was eine Mehrheit der Bevölkerung auch konsumiert. Deshalb ist Werbung ein wesentlicher Aspekt, der durch die Nachfrage auch das Angebot indirekt steuert.

Zuckerindustrie als Teil der Tierindustrie

Wussten Sie, dass die Schweizer Zuckerfabriken aus den Nebenprodukten rund doppelt so viel billiges Tierfutter als Zucker produzieren? Dank den sehr hoch subventionierten Zuckerrüben entsteht so billiges Futter für die Fleisch- und Milchindustrie. Aus diesem Grund unterstützen auch die Schweizer Fleisch- und Milchlobbyisten die Subventionen der Zuckerindustrie.
Da also gleich 3 Lobbyorganisationen dafür sorgen, dass die Zuckerproduktion stark subventioniert wird, kam es dazu, dass der ungesunde Dickmacher mit Steuergeldern finanziert wird.
Dies zeigt auf, dass die Politik sehr stark von Lobbygruppen gesteuert wird. Wo mehrere Lobbys zusammenfallen, ist der Druck auf die Politik auch entsprechend gross.

Ein Beispiel für Vegetarier/Veganer?

Könnten diese Erfolge der Wirtschaftsverbände nicht auch ein Vorbild für die vegetarische Bewegung sein? Weshalb sind die Wirtschaftsverbände so viel erfolgreicher?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

1. Geld

Bei den Wirtschaftsverbänden ist das gemeinsame Ziel klar vorgegeben und wird von niemandem in Frage gestellt: Es geht um die Maximierung des Gewinns.
Für die vegetarische oder vegane Lebensweise gibt es viele verschiedene Gründe: ethische, gesundheitliche, ökologische, tierschützerische usw.
Für manche Personen ist es schwer, über den eigenen Schatten zu springen und zum Beispiel die Verbreitung von gesundheitlichen Argumenten für die tierfreundlichere Ernährungsweise zu unterstützen, da sie aus ethischen Gründen vegetarisch/vegan leben. Anderen wiederum gehen bestimmte Tierrechtsphilosophien zu weit und sie unterstützen deshalb bestimmte ethische Ansätze nicht, obwohl das Ziel dasselbe wäre.
Dies nimmt der ganzen Bewegung die Stosskraft, die sie gemeinsam hätte.

2. Gemeinsam

In den erfolgreichen Wirtschaftsbereichen gibt es jeweils nur einen einzigen Interessenverband, der die ganze Werbung erstellt (z.B. Proviande für Fleisch und SMP für die Milch). Auch wenn nicht alle Mitglieder immer gleicher Meinung sind wie ihre Verbände, so unterstützen dennoch alle die Werbeanstrengungen ihrer Lobbyvertreter, da ein höherer Fleisch- bzw. Milchkonsum allen Mitgliedern dient und eine kleine Dorfmetzgerei oder ein kleiner Milchbauer nicht die nötigen Propagandamittel hätte, um auch nur annähernd etwas Gleichwertiges zu erreichen.

Bei Vegetariern/Veganern ist es zwar auch so, dass jeder Einzelne kaum die Mittel hat, um die Bevölkerung über die Vorteile einer vegetarischen/ veganen Ernährungsweise aufzuklären, jedoch fehlt offenbar eine genügend starke Motivation (wie der wirtschaftliche Druck bei der Fleischindustrie), um sich zu einer Organisation zusammenzuschliessen und damit grösseren Erfolg erzielen zu können.
Die ganze Bewegung ist in viele Splittergruppen aufgeteilt, die alle Spendenaufrufe für ihre kleinen Aktionen machen und möglichst viele der wenigen Aktivisten für sich zu mobilisieren versuchen.
«Teile und herrsche» galt schon bei den alten Römern als wichtiger Grundsatz, um ihr Grossreich zu erhalten. Die Fleischindustrie hatte bisher das Teilen nicht nötig, um weiter zu «herrschen»: Die Tierschützer, Vegetarier/Veganer teilen sich «von selbst» in viele kleine Gruppen auf. Sich in einem «eigenen» Verein einzubringen, ist für viele offenbar mehr wert, als das eigentliche Ziel zu erreichen.

Was heisst das für die SVV?

Die SVV wird auch in Zukunft das Ziel nie aus den Augen verlieren und sich für die Tiere, die Umwelt und die Menschen einsetzen, indem sie in allen Bereichen und mit allen Argumenten die pflanzenbasierte vegetarische Lebensweise einbringt.
Je mehr Menschen die SVV unterstützen, desto schneller können wir unser gemeinsames Ziel erreichen. Es ist Zeit, dass persönliche Animositäten nicht mehr im Wege stehen, wenn es darum geht, das immense Leid der Tiere zu beenden.
Genauso geeint wie die Fleischindustrie, wird aus der vegetarischen Bewegung eine starke wirtschaftliche und politische Macht, welche noch viel mehr in Bewegung bringen kann, als sie es bisher schon getan hat.

Renato Pichler

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