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Der eigene Garten

Im Gegensatz zur Ernährung mit tierischen Produkten ist es bei pflanzlicher Ernährung relativ einfach möglich, Nahrungsmittel selbst zu erzeugen. Das Wissen über die bio-vegane Landwirtschaft ist aber gerade in der Schweiz selbst unter Landwirten kaum vorhanden. Ohne Kunstdünger oder tierische Fäkalien können viele Bauern nichts anpflanzen.

In diesem Artikel erhalten Sie auch dazu in Kurzform die wichtigsten Tipps. Am Ende finden Sie Buchempfehlungen, um die angesprochenen Themen zu vertiefen.

Bodenverbesserung

Chemische Düngemittel verhalten sich im Boden wie Vitaminpräparate beim Menschen: Es können damit nur ganz bestimmte Nährstoffmängel korrigiert werden, sind aber als Dauerernährung zu wenig ausgewogen und können sogar schaden (zum Beispiel den wichtigen Mikroorganismen im Boden).
Tierische Fäkalien (Mist und Gülle) stammen oft aus Tierfabriken und können dadurch auch Antibiotikarückstände und andere unerwünschte Stoffe enthalten. Zudem können sie «Schädlinge» anziehen.
Es gibt jedoch genügend gute Alternativen, wie man einen Boden nachhaltig bio-vegan verbessern kann:

Biokohlepulver

Durch die poröse Oberfläche bietet dieses Pulver Behausung für viele nützliche Mikroorganismen. Zudem wird der Boden damit lockerer. Das Kohlepulver hat auch die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und dann langsam wieder abzugeben. Dadurch bleibt der Boden nach dem Regen länger feucht und muss weniger gegossen werden.
Verwendet wird ca. 1 kg pro Quadratmeter Boden. Da das Kohlepulver nicht abgebaut wird, ist es eine gute langjährige Investition in einen gesünderen Boden.

Effektive Mikroorganismen

Vom Geheimtipp schafften es diese Mikroorganismen (EM) bereits in viele Bioläden. Sie lassen sich gebrauchsfertig in einer Flasche kaufen oder auch selbst vermehren.
Diese nützlichen Mikroorganismen sind vielfältig einsetzbar. Ideal auch in Kombination mit dem Kohlepulver.Weitere Infos zu EM finden Sie hier: www.em-schweiz.ch, Tel. 041 260 44 74.
Die EM bilden sich zwar bei einem bio-veganen Gartenbau von alleine, können aber bei der Startphase oder Umstellung des Bodens helfen.

Brennesseljauche

Dieser sehr effektive Dünger lässt sich sehr einfach selbst herstellen:
1 kg Brennesseln sammeln und in einen Behälter mit 10 Liter Wasser geben. Mindestens jeden zweiten Tag umrühren. Nach 1 bis 3 Wochen (je nach Temperatur) haben sich die Blätter aufgelöst und man kann die Brühe verdünnt (mindestens 1:10) als hochwertigen nährstoffreichen Dünger verwenden. Achtung: Der Gestank dieser Brühe ist so stark, dass manche sie zur Vertreibung von Mäusen aus dem Garten verwenden! Etwas Urgesteinsmehl mildert den Geruch jedoch.
Je nach Anwendung kann man auch andere Jauche selbst herstellen. Zum Beispiel mit Holunderblättern für Obstbäume. Die Brennesseljauche eignet sich jedoch gut für den ganzen Garten.

Urgesteinsmehl

Dieses sehr fein gemahlene Pulver gibt dem Boden viele Mineralstoffe.

Mulch/Kompost

Mulch dient zur Bodenabdeckung (verhindert das schnelle Austrocknen des Bodens) und versorgt ihn gleichzeitig mit Nährstoffen. Mulch besteht aus leicht verrotteten, groben pflanzlichen Stoffen (gehäckselte Äste, Blätter, Grasschnitt etc.).
Der Kompost hingegen wird erst verwendet, wenn die Pflanzenabfälle weitgehend verrottet und ein erdähnliches Aussehen angenommen haben. Er ist ein sehr guter Dünger, der alle Nährstoffe enthält, welche die Pflanzen benötigen.

Hülsenfrüchte

Entscheidend für den Boden ist auch, was angepflanzt wird. Zum Beispiel können Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Soja etc.) dem Boden wieder Stickstoff zuführen, während andere Pflanzen dem Boden Stickstoff entziehen. Deshalb ist es von Vorteil, bei einjährigen Anpflanzungen darauf zu achten, welche Pflanze nach welcher gepflanzt wird.

Mischkulturen

Um den Boden nicht einseitig zu belasten (jede Pflanze hat eigene Nährstoffansprüche), sollte von Monokulturen abgesehen werden. Pflanzen Sie abwechselnd verschiedene Pflanzen, die sich (im Idealfall) im Nährstoffbedarf gegenseitig ergänzen.

3-Felder-Wirtschaft

Die beliebte Reihenpflanzung kann auch nachhaltig sein, wenn man jedes Jahr etwas anderes in eine Reihe pflanzt, sodass frühestens im dritten Jahr wieder dieselbe Pflanze auf demselben Boden gepflanzt wird. Biobauern können so auch ganze Felder effizient bewirtschaften, indem sie in jedem Folgejahr etwas Passendes am selben Ort anpflanzen.

Torf: Umweltproblem

Im konventionellen Gartenbau wird oft Hochmoortorf zur Verbesserung des Bodens eingesetzt. Obwohl dies recht effektiv sein kann, ist aus ökologischen Gründen davon abzuraten. Torf wird aus den seltenen Hochmoorgebieten abgebaut und ist nicht endlos vorhanden. Den seltenen Hochmoorpflanzen wird so ihre Lebensgrundlage entzogen. Achten Sie deshalb auch beim Einkauf von Erde darauf, dass diese keinen Torf enthält.

Wildpflanzen

Was man sät, wird man ernten. Es geht aber auch ganz ohne aussäen: Viele wild wachsende Pflanzen kann man essen. Löwenzahn, Brennessel, Spitzwegerich, Scharbockskraut, Gänseblume ... sind bekannt für Salate oder als Spinatersatz. Weniger bekannt ist, dass man auch die Blätter der Buche, des Ahorns und vieler anderer einheimischer Bäume essen kann. Als Faustregel gilt: Sind die Früchte essbar, kann man auch die Blätter essen. Dies gilt übrigens auch für die Brombeerblätter (der Brombeerstrauch trägt auch im Winter essbare Blätter) und Erdbeerblätter.
Es lohnt sich, ein Buch über essbare Wildpflanzen und ein Pflanzenbestimmungsbuch zu kaufen, um die vielen essbaren Wildpflanzen kennenzulernen.
Es gibt jedoch auch viele einheimische Sorten, die sich gut für den Garten eignen: Zum Beispiel trägt die Felsenbirne (ein Baum) kleine Früchtchen und ist sehr pflegeleicht und ertragsreich (wenn man den Vögeln zuvorkommt).

Lagerung

Viele Produkte aus dem Garten lassen sich gut tiefkühlen. Für einen Notvorrat ist diese Methode jedoch ungeeignet, da bei einem Stromausfall alles auftaut.
Besser sind getrocknete Produkte: Trockenfrüchte, Samen, Hülsenfrüchte, Getreide etc.
In einem kühlen, nicht zu trockenen Keller lassen sich jedoch auch viele Früchte und Gemüsesorten frisch lagern.
Manches kann man auch im Garten lassen, bis man es braucht. Zum Beispiel werden die Topinamburknollen5 erst ausgegraben, wenn man sie benötigt.Karotten und Ähnliches bleiben in einer Sandkiste im Keller eingegraben lange frisch.

Kein Garten? Kein Problem!

Viele Obstbäume werden heute auch als «Säulenbäume» angeboten. Sie sind so geschnitten, dass sie nur wenig Platz benötigen und sogar auf einem Balkon in einem grossen Topf gedeihen.
Immer mehr gibt es auch Gemeinschaftsgärten,6 bei denen sich Personen zusammenschliessen, die keinen eigenen Garten haben, oder Städte, die Gartenland zur freien Verfügung stellen. Auch Foodcooperationen werden immer beliebter: Sie kaufen gemeinsam bei einem (oder mehreren) Bauern ihre Nahrungsmittel direkt ein.
Viele weitere Tipps sind in folgendem Buch enthalten: «Jedem sein Grün».
Sehr nahrhaft und gesund sind Keimlinge und Sprossen. Diese lassen sich ganzjährig aus getrockneten Samen selbst ohne viel Platz herstellen.
Im Grasland Schweiz muss übrigens niemand verhungern, solange saftiges, grünes Gras vorhanden ist: Es lässt sich mit einer speziellen Weizengrassaft-Presse8 auspressen. Der Saft ist geschmacklich zwar sehr gewöhnungsbedürftig und bewirkt zu Beginn eine starke Entgiftung des Körpers, enthält aber nahezu alle Nährstoffe, die man benötigt, um eine Krise zu überstehen. Besser geeignet als das Gras von der Wiese ist natürlich junges Weizengras, das man selbst in der Wohnung anpflanzen kann. Es dauert rund zwei Wochen, bis es erntebereit ist.

Renato Pichler

Bezugsquellen:
• Grosses Angebot an robusten alten Obst- und Beerenpflanzen:Glauser's Bio-Baumschule, Limpachmatt 22, 3116 Noflen, Tel. 031 782 07 07, Homepage: www.biobaumschule.ch
• Viele Wildobstsorten: Pavel Beco, Albisbodenhof, 9115 Dicken, Tel. 071 377 19 24. www.albisboden.ch
• Ökologisches Saatgut (Demeterqualität): Sativa Rheinau AG, Klosterplatz 1, 8462 Rheinau, Tel. 052 304 91 60, www.sativa-rheinau.ch
• Biologische Samengärtnerei mit sehr grossem Sortiment und eigener Zucht: C. und R. Zollinger, 1897 Les Evouettes, Tel. 024 481 40 35, www.zollinger-samen.ch
• Grosse Sortenauswahl. Auch eigene Neuzüchtungen, umfangreiche interaktive Homepage mit Videoanleitungen (nicht bio): Lubera AG, Lagerstrasse, 9470 Buchs SG, Tel. 081 740 58 33, www.lubera.com
• Grosse Sortenauswahl an (Wild-)Obstbäumen und Beerenpflanzen: Blumen- und Pflanzencenter Langacker, Langacker 21, 5405 Baden-Dättwil, Tel. 056 493 54 00, www.tonisuter.ch
• Sehr grosse Auswahl an Obst- und Beerenpflanzen (nicht bio, kaum alte Sorten): Häberli Fruchtpflanzen AG, Stocken, 9315 Neukirch-Egnach, Tel. 071 474 70 70, Homepage: www.haeberli-beeren.ch
• Umfangreicher Onlineshop für Pflanzen und Samen aller Art (nicht bio): Baldur-Garten GmbH, Tel. 0840-33 44 55, www.baldur-garten.ch
• Deutscher Versandhandel von biologischem Saatgut (auch alte Sorten); liefert auch in die Schweiz:Dreschflegel GbR, In der Aue 31, D-37213 Witzenhausen, Tel. +49 (5542) 50 27 44, Homepage: www.dreschflegel-shop.de

Literaturtipps:
• Ertragreiche bio-vegane Landwirtschaft: Margarethe Langerhorst: Meine Mischkulturen Praxis – Nach dem Vorbild der Natur, OLV-Verlag
• Umfangreiche Informationen über das Mulchen: Kurt Kretschmann und Rudolf Behm: Mulch total, OLV-Verlag
• Viele konkrete Beispiele, wie man mit einfachen Mitteln seine Nahrung selbst anbauen kann: Jedem sein Grün! Urbane Permakultur – Selbstversorgung ohne Garten, Kneipp Verlag, Wien, 2012
• Mit bereits 25 Auflagen das Standardwerk zu allen Fragen des biologischen Landbaus. Obwohl nicht ganz vegetarisch ausgerichtet, bietet es auf über 400 Seiten viele wertvolle Tipps für jeden, der einen Biogarten anlegen und pflegen will:Marie-Luise Kreuter: Der Biogarten: Das Original, BLV Verlagsgesellschaft mbH, 2012
• Mit Beschreibungen von 175 Wildpflanzen und 300 Farbfotos: Kai Sackmann: Waldläufer-Nahrung – Essbare Wildpflanzen und Wildfrüchte, Books on Demand, 2007

 

Weitere Infos:

  • In Russland ist die (teilweise) Selbstversorgung mit einem eigenen Garten Normalität.