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Die Schweiz bekommt ihre erste Vegi-Stadt

Als erste Stadt der Schweiz wird Lyss offiziell einen vegetarischen Wochentag einführen. Die Stadt im Berner Seeland wird dieses Ereignis am 12. Mai 2012 bei einem tollen Stadtfest feiern, mit Live-Musik, Kochvorführungen und Marktständen mit gratis Vegi-Degustation!
Denise Strub hat sich für diesen Vegi-Tag in Lyss starkgemacht. Wir haben sie näher zu den Hintergründen für ihr Engagement befragt.

Denise Strub

Denise Strub, Sie haben sich in Lyss dafür eingesetzt, einen vegetarischen Wochentag einzuführen. Wie kam es dazu?

Einerseits durch meine Tätigkeit in der Energiefachgruppe der Energiestadt Lyss. Diese Gruppe wurde im Zuge einer Neuorganisation der Gemeinde vor zwei Jahren neu gegründet. Der Fokus richtet sich stark auf erneuerbare Energien, Gebäudesanierungen nach Minergiestandard sowie auf die Mobilität. Letzten Spätsommer habe ich das Thema «Übermässiger Fleischkonsum und Klima» in die Gruppe getragen und zu meiner eigenen grössten Überraschung war das Echo von Beginn weg überaus positiv.

Andererseits bin ich seit Jahrzehnten Vegetarierin und immer mehr Veganerin. Die Problematik der industriellen Fleischherstellung, die menschliche Gier nach immer noch mehr, die Regenwaldabholzung für Nutztierfutter, die endlosen Hungersnöte in aller Welt und nicht zuletzt die Ethik hinterlassen in mir eine derart grosse Hilflosigkeit, dass ich einfach etwas unternehmen musste. Die Zeit ist reif, das angrenzende Ausland wie auch Grossstädte in aller Welt sind uns Schritte voraus.

Wie sind Sie konkret vorgegangen, um die Verantwortlichen der Stadt Lyss von der Idee zu überzeugen?

Seit Jahren bin ich Mitglied bei der SVV. Von daher bin ich gut informiert, zudem interessiert mich die vielfältige Sachliteratur zum Thema auf dem Markt. Ich bin bestens ausgerüstet und das braucht es, um sachlich informieren zu können. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Bei uns in der Energiefachgruppe geht es ja auch um andere Dinge, z.B. die Mobilität. Ein Tag ohne Fleisch ist für Einsteiger das Gleiche, wie bewusst das geeignete ökologische Verkehrsmittel (Bus, Velo) zu wählen.
Meine eigene Überzeugung zum vollständigen Fleischverzicht darf ich nicht vehement vertreten, ich darf nicht belehrend oder missionierend auftreten, sondern muss sachlich informieren.

Warum, denken Sie, hat Lyss zugestimmt, einen vegetarischen Wochentag bei sich einzuführen?

Als ich meine Freundin Sandra Grossenbacher informierte, den Vorstoss in die Energiefachgruppe zu bringen, rief sie spontan aus: «Potz, du hast Mut!»
Das überaus positive Echo innerhalb der Gruppe bestärkte mich: Die Zeit ist reif dafür! Ich erlebe es so, als hätten die Befürworter nur darauf gewartet, bis eben jemand den Mut aufbrachte, das Projekt umzusetzen.

Gab es Schwierigkeiten, auf die Sie bei der Durchführung des Vegi-Tags gestossen sind?

Zweifler, absolute Gegner des Projektes sehe ich nicht als Schwierigkeit, sondern als eine Herausforderung, weiter sachlich zu informieren. Die Befürworter und Unterstützer sind ganz klar in der Mehrzahl. Ich akzeptiere andere Meinungen und Ansichten, daher kann ich nicht von Hindernissen oder Schwierigkeiten sprechen. Mir geht es klar um die Sache, dafür bin ich auch bereit, mich zu exponieren, mit allen Konsequenzen.

Was erwarten Sie sich von dieser Initiative?

Erwartungen bringen oft Enttäuschungen. Ich gehe vorsichtig damit um. Ich sage es immer so: Wenn ich es schaffe, da und dort ein Bewusstsein für den globalen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Klima zu wecken, sind meine Erwartungen erfüllt. Öffentliche Institutionen in Lyss (Heime, Tagesschule, Schulen usw.) sowie Gastronomiebetriebe besuche ich mit Sandra Grossenbacher persönlich, um unser Anliegen zu erklären. Sie können sich kaum vorstellen, wie positiv die Reaktionen bisher ausgefallen sind. Diese Institutionen tragen eine Vorbildfunktion gegenüber der Bevölkerung, sie geben dem Projekt eine gewisse Verbindlichkeit. Da ruhen meine grössten Erwartungen.

Was raten Sie anderen Einwohnern, die ebenfalls einen Vegi-Tag in ihrer Stadt einführen möchten?

Die Personen sollten von diesem Projekt absolut überzeugt sein. Sehr wichtig ist, absolut pragmatisch vorzugehen und eigene Vorstellungen in den Hintergrund zu rücken. Man muss sich bewusst sein, die Mehrheit der Gesellschaft ansprechen und erreichen zu wollen, die durchaus kritisch und mit x Vorbehalten reagieren kann. Dadurch soll sich niemand entmutigen lassen. Ich bin sehr begeisterungsfähig und viele kleine Schritte zum Erfolg beflügeln mich.
Mitstreiter sind genauso wichtig sowie ein Grundsatz, den man gegen aussen in jedem Fall vertritt. In Lyss möchte ich die Bevölkerung vorerst auf die bei einem wöchentlichen Vegi-Tag jährlich gesparten über 6 Millionen Autokilometer nur für Lyss aufmerksam machen.

Bernadette Raschle