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Geld: Die ökonomischen Einflüsse in einer fleischorientierten Gesellschaft

Über Geld spricht man nicht. Das sagen vor allem jene, die sehr viel davon haben oder bekommen. Doch die Geldflüsse beeinflussen in einer Demokratie die Gesellschaft oft mehr als die vom Volk gewählten Politiker. Deshalb wagen wir hier einen «vegetarischen» Blick auf das Geld.

Subventionen

Einen Grossteil der Steuereinnahmen gibt der Staat in Form von Subventionen wieder aus. Mit Subventionen versucht der Staat Dinge zu unterstützen, die der Gesellschaft dienen (z.B. den öffentlichen Verkehr). Dazu gehört natürlich auch die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung.
Früher glaubte man, dass für eine gesunde Ernährung Fleisch- und Milchprodukte unentbehrlich seien. Ausserdem galten die tierischen Produkte als Symbol für Wohlstand.
Da jedoch die Verlängerung der Nahrungskette über das Tier eine riesige Verschwendung an natürlichen Ressourcen darstellt und somit nicht wirtschaftlich sein kann, wurden und werden die Bauern mit Subventionen dazu «motiviert», möglichst viele tierische Produkte zu produzieren.

Weshalb braucht die Fleischproduktion Staatsgelder?

Ressourcenverbrauch für die Produktion von 1 kg:

Rindfleisch:
15500 l Wasser
31,0 m² Land
Kartoffeln:
900 l Wasser
0,5 m² Land
Ähnlich sieht es beim Einsatz von anderen Ressourcen aus (z.B. Energie).

Dies hat für die Politiker gleich mehrere Vorteile:

  1. Der Bauernstand war dankbar über diese Steuergelder, die er einfach so bekam. Heute sind zwar nur noch ein sehr kleiner Teil der Schweizer Bevölkerung Bauern, doch durch die SVP (konventionelle Landwirte) und die Grünen (Bio-Bauern) werden sie weiterhin in der Politik überproportional stark vertreten und können (auch dank der Subventionen) über ihre Lobbyorganisationen (Proviande und Milchproduzentenverband SMP) grossen Einfluss auf die Bevölkerung und Politiker nehmen. Deshalb ist es fast unmöglich, diese ständig gestiegenen Subventionen für die Produktion tierischer Nahrungsmittel abzubauen.
  2. Da Fleisch wegen seiner enorm hohen Herstellungskosten als Symbol für Wohlstand gilt, hat das Volk eher das Gefühl, dass es ihm gut geht, wenn es billiges Fleisch kaufen kann. Der wahre Preis des Fleisches darf deshalb nicht im Supermarktregal erscheinen, weil es dann nicht mehr für einen täglichen Fleischkonsum reichen würde und das Gefühl entstehen könnte, die Regierung sorge sich nicht genügend um den Wohlstand des Volkes.
    Besonders gut sah man dies in Russland: Es ist in Moskau immer möglich, in den Läden günstiges Fleisch zu kaufen. Dafür sorgt(e) der Staat. Gemüse oder Früchte können durchaus mal ausverkauft sein, nicht aber das Fleisch. Dadurch erhielt man die Illusion des Wohlstandes im Volk aufrecht und verhinderte Aufstände.

In der Schweiz wird die Landwirtschaft jährlich mit rund 3,5 Milliarden Franken subventioniert. Ein Grossteil davon dient der «Produktion» von tierischen Nahrungsmitteln.
Die EU gibt pro Jahr rund 55 Milliarden Euro nur für die Subventionierung der Landwirtschaft aus. Der allergrösste Teil davon dient auch zur Aufrechterhaltung der unwirtschaftlichen Produktion tierischer Nahrungsmittel.

Verzerrung des Marktes

Obwohl die Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln viel günstiger ist, sieht man dies beim Preisvergleich zwischen Fleisch und Fleischalternativen kaum. Oft ist sogar das Fleisch günstiger. Dies liegt daran, dass die Produktion tierischer Produkte

stark subventioniert wird.
Würde man die Landwirtschaftssubventionen ganz abschaffen oder fair auf alle Bauern verteilen, gäbe es also keine Marktverzerrung durch die Staatsbeihilfen mehr, wären die Fleischalternativen wesentlich günstiger als das Fleisch.
Wegen der hohen Subventionen werden in der Schweiz viele tierische Nahrungsmittel produziert (hauptsächlich in Talgebieten, wo auch Gemüse und Früchte angebaut werden könnten). Da dies eine grosse Verschwendung der Landflächen darstellt, müssen immer mehr Nahrungsmittel importiert werden. Gewichtsmässig werden heute in der Schweiz mehr importierte Nahrungsmittel konsumiert als im Inland produzierte. Die Förderung der Futtermittelanbaugebiete und Weideflächen bewirkt, dass heute rund drei Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Produktion von Fleisch und Milch verwendet werden (ohne Alpflächen).
Deshalb müssen «nur» rund 100000 Tonnen Fleisch pro Jahr importiert werden gegenüber 1,15 Millionen Tonnen Obst und Gemüse, für deren Anbau in der Schweiz zu wenig Platz übrig bleibt.1

Sponsoring

Nur 0,8% der Bruttowertschöpfung der Schweizer Wirtschaft macht die Landwirtschaft aus (4 Milliarden Franken). Wobei der Staat 3,7 Milliarden in diesen Sektor zuschiesst. Die eigentliche Wertschöpfung beträgt dadurch nur noch 300 Mio. Franken oder 0,06% der Schweizer Wirtschaftsleistung.Wenn man viel Geld zur Verfügung hat, kann man dieses auch grosszügig einsetzen.
So sind z.B. die Fleisch- und Milchlobbyorganisationen der Schweiz Gönner der Schweizer Gesellschaft für Ernährung (SGE), welche wiederum Aufträge vom Bundesamt für Gesundheit ausführt (z.B. Erstellung von Lehrmitteln). Kein Wunder, findet man bei dieser Verflechtung in der Mitgliederzeitschrift «tabula» der SGE immer nur Rezepte mit Fleisch. Zudem wurde darin nie auch nur ein einziges kritisches Wort zur Kuhmilch veröffentlicht.

Medienzensur

Von den Subventionen profitieren auch die Verarbeiter der Produkte. Schliesslich kommen sie dadurch zu einem Dumpingpreis zu ihren «Rohstoffen». Sie können es sich leisten, viel Werbung zu machen.
Da die meisten Medien sich heute hauptsächlich über ihre Werbeeinnahmen finanzieren (Extrembeispiele sind die Gratiszeitungen), können sie kaum noch auf die hohen Werbeeinnahmen der Fleisch- und Milchindustrie verzichten. Entsprechend selten gibt es auch eine kritische Berichterstattung über tierische Produkte.

Aktion zum Tag der PausenmilchEin Beispiel für die Marketingpropaganda:Zum Tag der Pausenmilch versorgten die Schweizer Milchproduzenten (SMP) rund 364000 Schülerinnen und Schüler in der ganzen Schweiz mit einem Becher Milch.

Kosten für die Allgemeinheit

Obwohl die Fleischproduktion und -vermarktung dank der Subventionen hohe Profite für die Unternehmen abwerfen, werden die Kosten für die Umwelt und Gesellschaft der Allgemeinheit aufgebürdet. Viele heutige chronische Zivilisationskrankheiten sind darauf zurückzuführen, dass zu viel tierische Produkte konsumiert werden. Für die gesundheitlichen Folgekosten kommt natürlich niemand der «Tierindustrie» auf. Genauso wenig wie für die ökologischen Schäden, welche die Fleischproduktion verursacht. Zum Beispiel muss seit vielen Jahren der Sempachersee (und andere) künstlich mit Sauerstoff versorgt werden, da die Massentierhaltungen der Innerschweiz zu viel tierische Fäkalien in die Umwelt entlassen. Ohne diese künstliche Notmassnahme würde sämtliches Leben im See ersticken.

10% der Schweizer Parlamentarier stammen aus dem bäuerlichen Umfeld und sorgen dafür, dass die Subventionen weiter fliessen bzw. weiter erhöht werden. Dies obwohl nur etwas über 2% der Schweizer Bevölkerung Bauern sind.

Steuern

Neben den Subventionen hat der Staat auch ein weiteres Mittel, um finanziell Einfluss zu nehmen: die Steuern. Die Idee für eine Fettsteuer, Klimasteuer oder gar Fleischsteuer (ähnlich der Tabaksteuer) ist nicht neu. Eine CO2-Steuer wurde sogar bereits teilweise umgesetzt. Jedoch hat sich in der Schweiz noch niemand darangewagt, irgendeine Steuer auch auf das umwelt- und gesundheitsschädigende Fleisch anzuwenden. In Dänemark ist man bereits einen Schritt weiter gegangen: Dort wurde eine Fettsteuer eingeführt. Diese belastet besonders fettreiche Nahrungsmittel mit einem Preisaufschlag. Da vor allem tierische Produkte sehr fettreich sind, werden durch diese Massnahme tierische Produkte teurer. Dänemark erhofft sich dadurch, dass seine Bevölkerung sich gesünder ernährt, und leistet damit einen Beitrag gegen das Problem der Adipositas (krankhaftes Übergewicht).

Es gibt also durchaus Möglichkeiten, wie man durch geschickte finanzielle Massnahmen die Gesellschaft zu einer gesünderen, umwelt- und tierfreundlicheren Ernährung motivieren könnte. Bisher wurden leider alle finanziellen Massnahmen für das genaue Gegenteil genutzt.

Renato Pichler

 

 

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