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Vorurteil: «Man kann Tiere schützen und trotzdem Fleisch essen»

Behauptung: Es ist kein Widerspruch, Fleisch zu essen und trotzdem Tiere zu lieben.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann drückt es in seiner Rede zur 150-Jahr-Feier des Tierschutzes so aus: «Den Menschen in der Schweiz sind ethische Aspekte generell und der Tierschutz im Speziellen wichtig. Die Sorge um das Tierwohl ist gross in unserer Gesellschaft. Es gibt zahlreiche Umfragen, die das belegen. So halten 90% der Schweizer und Schweizerinnen den Tierschutz für wichtig – bei Nutztieren genauso wie bei Heimtieren. Nur 12% achten beim Kauf von Fleisch nie auf den Tierschutz.»

Nur eine kleine Minderheit der Befragten würde demnach sagen, dass ihnen Tierschutz nicht wichtig sei. Diese Meinung trifft man auch in der Öffentlichkeit an. Es ist unsere anerzogene, moralische und kulturelle Pflicht, dass Tiere ebenso wie Menschen empfindungsvolle und deshalb schützenswerte Lebewesen sind. Doch allein aus dieser Einstellung heraus entsteht noch keinerlei Verpflichtung. Dies zeigt sich, wenn wir lesen, was der Bundesrat seiner Rede anfügt: «Dieselben Studien zeigen aber auch, dass das Wissen um die Bedürfnisse der Tiere eher bescheiden ist.»

Mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Tiere und dem richtigen Umgang mit ihnen beschäftigen sich nur die wenigsten Menschen. Sicher, für die Tiere, die unter unserem Dach leben, gibt es so viele Möglichkeiten, ihnen das Leben angenehm zu machen, dass man sich schon wieder fragt, ob es nicht zu weit führt. Es scheint also durchaus ein Bedürfnis im Menschen da zu sein, sich um die Tiere in seiner Umgebung gut kümmern zu wollen. Doch alles, was sich ausserhalb unserer engsten Beziehungen befindet, wird aus diesem Kreis des Mitgefühls ausgeschlossen. Paul McCartney formulierte es treffend: «Wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, würde jeder Vegetarier werden.» Kaum jemanden liesse dann noch das Geschehen, das sich Tag für Tag hinter den Mauern der Schlachthäuser abspielt, kalt. Auch ein Blick hinter die Fassaden von Mastbetrieben, Hühnerfarmen und Versuchslaboren würde die eigene Idealvorstellung eines tiergerechten Umgangs mit grosser Sicherheit ins Wanken bringen.

Menschenschutzgesetze

Noch einmal zurück zu der Rede des Bundesrates, die sehr gut die öffentliche Meinung widerspiegelt: «Der Schweizer Tierschutz steht im internationalen Vergleich gut da.» Ist dies ein Argument, um sich zurückzulehnen und darauf zu vertrauen, dass die Politik das Thema Tierschutz in der Schweiz so prächtig gelöst hat? Keineswegs. Tierschützer, die sich täglich darum bemühen, das Leid von Tieren zu vermindern, wissen aus Erfahrung, dass durch das Gesetz oftmals nur die Menschen geschützt werden, die Bedürfnisse der Tiere stehen noch immer hinten an. Dass die Behörden jedoch der Einhaltung des Tierschutzgesetzes keinen hohen Stellenwert zuschreiben, beweist die Aussage des St. Galler Kantonstierarztes Giger, wonach 50% der Schweinemäster in seinem Gebiet das Tierschutzgesetz nicht einhalten.1

Tierschutz mit Konsequenz

Schlussendlich ist es der Konsument, der einen wesentlichen Einfluss auf die Herstellung von Produkten hat. Würden tatsächlich nur 12% der Schweizer beim Fleischkauf nie auf den Tierschutz achten, so würde wesentlich mehr als gerade 1% des Schweinefleisches aus biologischer Haltung stammen.2
Nicht jeder, der Tiere liebt, geht auch so weit, sie nicht zu töten. Aber wer sich aufrichtig dafür entscheidet, Verantwortung zu übernehmen, kann nicht mehr anders, als auf den Fleischkonsum zu verzichten. Denn konsequenter Tierschutz schützt das Leben auch dann, wenn es persönliche Überwindung braucht.

Bernadette Raschle