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Es ist nie zu spät für eine positive Veränderung!

Im Altersheim Klus Park in Zürich soll der Donnerstag künftig vegetarisch sein.

Menü am ersten Vegi-TagIm Altersheim Klus Park donnerstags jeweils vegetarisch geniessen.
Tischsets vom Altersheim Klus ParkPensionäre im Klus Park kreierten einzigartige, bunte Tischsets zum Thema Vegetarismus.

Es erstaunt mich, dass ausgerechnet in einem Altersheim der Vegi-Tag eingeführt wird. Sind ältere Menschen nicht weniger offen für Neues? Hängen sie nicht noch stärker an ihren Gewohnheiten als wir?

Meine Freundin Lisa und ich kommen zur Mittagszeit in den Klus Park ins Altersheim, um Fotos der Premiere des Vegi-Tages zu schiessen.
Die Stimmung ist fröhlich. Es wird geplaudert und gelacht. Laurent Schönherr, Initiator und Organisator des Vegi-Tages, hält eine kleine Ansprache. Die Bewohner applaudieren herzlich. Man spürt, dass Herr Schönherr sehr geschätzt wird.
Während er uns vom Speisesaal nach draussen führt, treffen wir die Direktorin des Altersheims, Susi Lüssi. Auch sie freut sich über den Vegitag und meint, ein älterer Herr habe ihr erzählt, früher sei bei ihnen der Freitag immer vegetarisch gewesen. In seinem Dorf durfte freitags nicht einmal die Metzgerei geöffnet haben.
Wir sind zum Mittagessen im sonnigen Au

ssenrestaurant eingeladen. Während wir gespannt auf das Essen warten, springen uns die Tischsets ins Auge. Wundervolle Kollagen: Zucchetti, Tomaten, Peperoni, Zwiebeln warten darauf, geschnitten zu werden … Der Wein bereits eingeschenkt, riesige Aprikosen und Erdbeeren verlocken … Jedes Set ist einzigartig! Auf Herrn Schönherrs Anfrage hat eine künstlerische Gruppe von Bewohnern diese eigens für den Vegi-Tag gebastelt.
Damit hat er die Heimbewohner in die Vorbereitungen mit einbezogen und den Vegi-Tag zu etwas Besonderem gemacht. Auch hat er die Pensionäre sehr gut über die Auswirkungen des Fleischkonsums informiert. Ich finde es bewundernswert, wie liebevoll Herr Schönherr den Vegi-Tag im Altersheim eingeführt hat.

Dann wird das Essen serviert: Lisa und ich bekommen einen wunderschön angerichteten, lauwarmen Gemüsesalat an Balsamicosauce. Herr Schönherr hat panierte Pilze mit Bratkartoffeln und gekochten Karotten bestellt. Das Essen sieht nicht nur schön aus, es schmeckt auch ausgezeichnet!

Was mich erstaunt ist, dass Herr Schönherr selbst gar nicht Vegetarier ist. Doch genau dies ist die grosse Chance des Vegi-Tages: Er wird von allen bewusst lebenden Menschen als sinnvoll erachtet, nicht bloss von Vegetariern.
Den Wunsch, einen Beitrag zum Wohle der Umwelt, der Tiere und der Menschheit zu leisten, verspüren Menschen in jeder Lebenssituation und in jedem Alter.

Salome Bechtler


«Die Resonanz war durchwegs positiv!»

Laurent SchönherrLaurent Schönherr: Organisator des Vegi-Tags im Altersheim Klus Park.

Laurent Schönherr arbeitet in der Administration des Altersheims Klus Park. Ihn hat die Idee eines vegetarischen Wochentages überzeugt und auf seine Initiative hin wurde der Vegi-Tag im Altersheim im Juli 2011 eingeführt.

Herr Schönherr, Sie hatten die Idee, einen vegetarischen Wochentag im Altersheim Klus Park einzuführen. Was waren Ihre Beweggründe, eine solche Aktion zu starten?

Das Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich führt einmal im Jahr einen Klima-Zmittag durch. Meine Frau und ich empfanden es als einen sehr geringen Beitrag zur Entlastung der Umwelt und so entschied ich mich, bei der Basis zu beginnen und in unserem Haus einen Vegi-Tag einzuführen.

Wie sind Sie konkret vorgegangen, um die Leitung des Altersheims von der Idee zu überzeugen?

An einer Sitzung im April 2011 habe ich das Kader über mein Vorhaben informiert. Sie waren gegenüber der Idee grundsätzlich aufgeschlossen, jedoch wollte unsere Heimleiterin Frau Susi Lüssi als Entscheidungsgrundlage ein schriftliches Dokument zur Thematik und zu meinen Beweggründen. Daraufhin habe ich Informationen über die Auswirkungen von Fleischkonsum auf die Umwelt, das Tier und den Menschen zusammengetragen und ein Schriftstück erstellt, in dem ich Fakten und meine persönliche Motivation darlegte. Ich nannte es «Einführung eines vegetarischen Wochentags im Altersheim Klus Park – Statement».

Wie kam Ihr Vorschlag bei der Heimleitung an?

Sehr positiv. Unsere Heimleiterin war, nachdem sie das Statement gelesen hatte, von der Idee überzeugt und unterstützte mein Vorhaben.

Als Sie das Okay von der Heimleitung hatten, wie ging es weiter?

Als Erstes beriefen wir eine Sitzung mit dem Heimrat ein. Der Heimrat besteht aus sieben Bewohnerinnen und Bewohnern und vertritt die Interessen der 104 Bewohnenden im Altersheim Klus Park. Die Einführung wurde einstimmig gutgeheissen und somit stand dem Vegi-Tag nichts mehr im Weg. In Zusammenarbeit mit unserer Köchin haben wir anschliessend eine Auswahl von Rezepten zusammengestellt, die der Küche als Ideenfundus und Inspiration bei der Menükreation dienen soll. Sechs Wochen vor dem Start wurden die Bewohnenden im Speisesaal über die Einführung informiert und das Statement in ihren Briefkasten gelegt. Am Mittwoch, 6. Juli 2011, einen Tag vor dem ersten «Donnerstag ist Vegi-Tag», informierten wir Fernsehstationen und Zeitungen, jedoch interessierte es sie nicht – noch nicht.
Die SVV unterstützte mich mit Rat, Tat und Infomaterial – hier nochmals einen herzlichen Dank an Bernadette Raschle und Renato Pichler.

Auf welche Schwierigkeiten sind Sie bei der Durchführung des Vegi-Tags gestossen?

Eigentlich auf keine.

Wie reagierten die Bewohner des Altersheims und die Besucher des Restaurants auf den Vegi-Tag?

Das öffentliche Restaurant mit 100 Sitzplätzen war am ersten Vegi-Tag komplett ausgebucht, die Resonanz von Gästen und Bewohnenden war und ist durchwegs positiv. Ende September werden wir eine Umfrage durchführen und so versu

chen, uns weiter zu verbessern.

Sie haben in den letzten Wochen ja nun schon einige Erfahrungen mit dem Vegi-Tag sammeln können. Was würden Sie anderen Betrieben empfehlen, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, einen vegetarischen Wochentag einzuführen?

Es einfach zu tun.

Wie soll es bei Ihnen mit dem Vegi-Tag in Zukunft weitergehen?

Wir werden den Vegi-Tag beibehalten und für Abwechslung sorgen, indem wir uns beispielsweise einen Monat lang einem Thema widmen. Das Thema kann ein Gemüse, ein Land oder auch eine Zubereitungsart sein, den Fantasien sind keine Grenzen gesetzt. Zurzeit bin ich mit anderen städtischen Institutionen in Kontakt und versuche sie für die Idee zu gewinnen. Das Ziel ist: Zürich führt offiziell einen vegetarischen Wochentag ein.

Herzlichen Dank Herr Schönherr für die Zeit, die Sie sich für die Beantwortung unserer Fragen genommen haben.

Bernadette Raschle

Weitere Infos:

www.vegi-tag.ch