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Klimaschutz mal anders

Der Klimawandel ist eine der grossen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht. Mittlerweile ist in verschiedenen Studien deutlich belegt, dass der Mensch durch seine verschiedenen Aktivitäten den Klimawandel begünstigt. Technische Innovationen bildeten bislang die Speerspitze im Kampf gegen den Klimawandel. Techniklastige Produkte stehen jedoch immer in Verbindung mit Investitionen und damit Kosten. Die Anschaffung klimaschützender Kühlschränke mag für viele Haushalte noch praktikabel sein, jedoch kann sich nicht jeder Hauseigentümer problemlos eine energetische Haussanierung leisten. Doch effektiver und einfacher Klimaschutz ist auch dort möglich, wo ihn bislang kaum jemand vermutete. Aktiver Klimaschutz für jedermann beginnt bei unseren Essgewohnheiten. Genauer gesagt förderte eine kritische Befassung mit täglich konsumierten Lebensmitteln ein zum Nachdenken anregendes Ergebnis zu Tage. Wenden wir uns daher einmal einem der grössten Klimaschädiger zu: der Fleischproduktion.

Schäden des Fleischkonsums und positive Auswirkungen des Vegetarismus

Bis zum fertigen Schnitzel geht eine Vielzahl unterschiedlicher Produktionsschritte voraus. Betrachten wir diese nun im Folgenden. Die Viehaufzucht bedarf grosser Mengen an Futterpflanzen, welche zum Wachstum unter anderem das wichtige Element Stickstoff benötigen. Da im Boden eine natürliche Begrenzung des Stickstoffvorkommens existiert, verlangt der extensive Futtermittelanbau nach zusätzlichem Einsatz von Stickstoffdünger. Dessen Herstellung verschlingt jedoch grosse Mengen an fossilen Brennstoffen, wodurch eine Freisetzung von 41 Millionen Tonnen CO2 erfolgt.1 Hinzu kommen die Aktivitäten rund um den Futtermittelanbau, darunter die Saatgut- und Pflanzenschutzmittelausbringung, die Feldbestellung und die Ernte der Futterpflanzen, wodurch jährlich 90 Millionen Tonnen CO2 emittiert werden.2
Um ausreichend Weideland für die Tiere, insbesondere Rinder, zu schaffen, werden grossflächig Wälder abgeholzt. Das Blattgrün der Bäume ist jedoch ein grosser CO2-Speicher, wodurch infolge der Abholzung das dort gebundene CO2 freigesetzt wird. Zudem dient auch der Boden als CO2-Speicher. Wenn Waldgebiete in Weideland umgewandelt werden, dann tritt zu den unmittelbaren Emissionen durch die Abholzung ein zweiter Effekt hinzu. Weideland ist viel anfälliger für eine Wüstenbildung (Desertifikation) als Waldgebiet. In der Folge wird das im Boden gebundene CO2 zusätzlich freigesetzt, mit einer verheerenden Bilanz. Waldabholzung, Wüstenbildung und insgesamt extensive Bodenbewirtschaftung führen nochmals zu mehr als 2 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen.3 Zudem produzieren die Tiere selbst das Treibhausgas Methan, welches sie zum einen über die Atmung, als auch über den Dung ausscheiden und so jedes Jahr global 104 Tonnen CH4-Emissionen auf die Viehzucht zurückzuführen sind.4 Hinzukommen jene CO2-Emissionen durch den Viehtransport und den Verarbeitungsprozess von mehreren 10 Millionen Tonnen pro Jahr.

CO2-Emissionen in Tonnen:

Futtermittelproduktion:
41 Mio.
Landwirtschaft:
90 Mio.
Waldabholzung/Brandrodung:
2400 Mio.
Bodenbewirtschaftung:
28 Mio.
Wüstenbildung:
100 Mio.
Methanemissionen der Tiere:
104 Mio.
Viehzuchtbedingter Transport:
0,8 Mio.
Verarbeitungsprozess:
10 Mio.
Quelle: FAO der UN: Livestock´s long shadow, S. 80ff


Dies sind zunächst allgemeine Zahlen. Doch was bedeutet das für den Fleischkonsum und die Bedeutung des Vegi-Tags? Schauen wir uns die konkreten klimaschädigenden Folgen des Fleischverzehrs an. Weltweit gibt es laut der Food and Agricultural Organization der UN (FAO) 933 Millionen Schweine, welche allein nur über die Atemluft 590 Millionen Tonnen CO2 ausstossen.5 Ein Schwein emittiert entsprechend 0,632 t bzw. 632 kg CO2. Schweine haben im Durchschnitt ein Schlachtgewicht von 95 kg. Dies bedeutet zunächst einmal, ein Schwein von 95 kg verursacht 632 kg CO2. 120 g Schwein für die Schnitzelherstellung sind somit – allein durch die CO2-Emissionen durch die Atemluft – für eine Emission von 0,798 kg bzw. 798 g CO2 verantwortlich.
Dies ist eine enorme Menge, bedenkt man, dass ein Audi A 8 4.2 TDI dagegen auf einen CO2-Ausstoss von etwa 249 g/km kommt.6 Entsprechend leistet der Verzicht auf Fleisch an einem einzigen Wochentag bereits einen äusserst effizienten Beitrag zum Klimaschutz.

Grosse Wirkung bei kleinem Einsatz: Der Vegi-Tag

Sapere aude. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, forderte bereits Kant. Vom Verstand her dürfte jedem die Bedeutung des Verzichtes auf Fleisch bewusst sein. Und diese bewusste Zuwendung zum Fleischverzicht im Zeichen des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit rückt in Deutschland und darüber hinaus zunehmend in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Es handelt sich hierbei um keine kurzfristigen Trends oder Aktivitäten militanter Tierschützer oder Gruppen, die sich vom Rest der Gesellschaft abheben wollen. Der Fleischverzicht ist bereits vielerorts eine feste Instanz geworden. So richtete die Freie Universität Berlin eine komplett vegetarische Mensa ein. Im Rahmen einer Initiative zur Neuausrichtung der Universitätsmensen Tübingen im Zeichen der Nachhaltigkeit gelten auch dort derzeit die Bemühungen der Etablierung eines Vegi-Tags. In der Mensa der Universität Leipzig fand im Mai 2011 der zweite Vegi-Tag statt. Neben den universitären Einrichtungen schloss sich mit der Stadt Bremen auch eine Kommune diesem Weg zum Schutze der Umwelt an. Hinzukommen die Städte Schweinfurt und Wiesbaden.7 Die Stadt Delmenhorst schloss sich im Mai dieses Jahres an und veranstaltete einen fleischlosen Tag.8 Bereits seit 2006 findet in Dortmund der Veggi Street Day statt und 2010 auch in Stuttgart.9 Ein Blick nach Belgien fördert auch hier Beachtliches zutage. Schon 2009 hielt der fleischfreie Tag Einzug in Restaurants, Kantinen und Schulen.
Niemand kann es vernünftig oder verantwortungsbewusst nennen, wertvolle und zugleich einfache Möglichkeiten zum Klimaschutz unberücksichtigt zu lassen. Es wäre geradezu absurd, sich einer effektiven Methode zum Klimaschutz aus nichtigen Gründen zu verwehren. Denn überlegt man einmal, was wären die persönlichen Kosten hierfür? Die Antwort ist simpel: Wenigstens an einem einziger Tag in der Woche auf Fleisch verzichten. Das schafft jede/jeder.

Dipl.-Soz.-Wiss. Verena Farhadianvera.farhad@gmail.com

Fussnoten:

  1. Vgl. Food and Agricultural Organization (UN): Livestock´s long shadow, S. 86,
    www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00. htm (abgerufen am 2.2.2011)
  2. Vgl. ebd., S. 88ff.
  3. Vgl. ebd., S. 90ff.
  4. Vgl. ebd., S. 95ff.
  5. Vgl. Food and Agricultural Organization (UN): Livestock´s long shadow, S. 96.
  6. Vgl. Rose, Carsten: CO2-Emission. Die Klassenbesten nach Segmenten. In: Auto Motor und Sport, 11.12.2008, www.auto-motor-und-sport.de/eco/co2-emission-nach-fahrzeugklassen-808911.html (abgerufen am 4.3.2011).
  7. Vgl. Grabenströer, Michael: Klimaschutz-Aktion. Donnerstags kein Fleisch. In: Frankfurter Rundschau vom 24.11.2010, www.fr-online.de/rhein-main/wiesbaden/donnerstags-kein-fleisch/-/1472860/4866970/-/ (abgerufen am 2.2.2011).
  8. Vgl. o.A.: Ratsmitglieder brutzeln Fleischloses am Veggi Day. In: NWZ Online vom 17.5.2011, www.nwzonline.de/Region/Stadt/Delmen horst/Artikel/2605681/Ratsmitglieder-brutzeln-Fleischloses-am-Veggi-Day.html (abgerufen am 20.5.2011).
  9. Vgl. www.veggie-street-day.de (abgerufen am 20.5.2011)