Kopf SVV-Mitgliedschaft Breite einstellen

Die SVV heisst seit 2014: Swissveg

Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch


Seite veraltet!
Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert! Unsere aktuellen Infos finden Sie auf unserer neuen Homepage: Swissveg.


Gewaltfaktor Nutztierhaltung?

Wie wir gesehen haben, wurde ein Zusammenhang zwischen Gewalt gegenüber Tieren und späterer Gewalt an Menschen bereits wissenschaftlich festgestellt (siehe Artikel: «Tierquälerei: Ein Indiz für Gewalttaten gegenüber Menschen»). Hat aber die Art, wie man mit Nutztieren umgeht, auch einen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft des Einzelnen? Oder anders gefragt: Würde ein respektvollerer Umgang mit den Nutztieren auch zu einem respektvolleren Miteinander führen?

Kälber in ihren "Iglus"Analyse

Es lassen sich grundsätzlich zwei Arten von Risikofaktoren für Gewaltbereitschaft unterscheiden.
Zum einen gibt es charaktereigene Persönlichkeitsmerkmale wie zum Beispiel Gewaltbereitschaft, Dominanzstreben oder sexuelle Abweichungen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Person eine Straftat begeht.
Andererseits gibt es situative Faktoren, also bestimmte Situationen, die eine Gewalttat auslösen können.
Zwei zusätzliche Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, eine Straftat zu begehen, sind:

  • Grenzverletzendes Verhalten ist erlaubt oder die Wahrscheinlichkeit, entdeckt bzw. bestraft zu werden, ist gering.
  • Es besteht ein sehr grosses Machtgefälle.

Beide Faktoren sind bezeichnend für das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Grenzverletzendes oder auch schwer schädigendes Verhalten gegenüber einem Tier führt nur selten zu einer Bestrafung und es besteht ein sehr starkes Machtgefälle.

Nutztiere

Die entscheidende Frage, die sich stellt, ist: Wie geht die überlegene Person gegenüber der unterlegenen Person mit ihrem «Machtvorteil» um? Gewalttaten gegenüber Haustieren wie Hunde und Katzen werden von der Gesellschaft nicht akzeptiert und rücken deshalb öfters in das Licht der Öffentlichkeit. Die Gewalt, die aber den sogenannten Nutztieren angetan wird, scheint ein Tabuthema zu sein. Viele ignorieren, dass Rinder, Schweine, Schafe und Hühner in dunklen Ställen vor sich hin vegetieren, dass sie in ihrem eigenen Kot leben und ihr Sozialverhalten nicht ausleben können. Dabei muss jeder, der mit Tieren zu tun hat, unzweifelhaft feststellen, dass jedes Tier eine eigenständige Identität und damit eine zu respektierende Würde hat. Es kann Schmerz und Leid empfinden. Damit sollte das Tier auch legitime Rechte haben, die es zu schützen gilt.

Respektvoller Umgang

Niemand kann abstreiten, dass der Umgang mit sogenannten Nutztieren im besten Falle «nicht ganz ideal» ist. Um unsere Zwecke zu befriedigen, verwehren wir den Geschöpfen ihre ureigensten Bedürfnisse, wodurch die Tiere verletzt, ausgebeutet und zum Teil schwer geschädigt werden. Dr. med. Frank Urbaniok1 findet für dieses Verhalten klare Worte:
«Die basalen2 Grenzen eines anderen Individuums zu respektieren, heisst nicht, sich nicht mit eigenen Interessen durchsetzen zu dürfen oder alles und jedes verstehen zu müssen. Aber es bedeutet, dass ein Minimalstandard von Respekt gegenüber einem unterlegenen Individuum eingehalten wird.»

SchweinestallAbstumpfung durch Anschauen

Welchen Einfluss hat nun aber die Gewalt, die hinter den Mauern der Massentierhaltungen geschieht, auf die Gesellschaft? Schliesslich können wir uns entspannt zurücklehnen, während andere sich um das traurige Geschäft kümmern.
Im Zusammenhang mit einem Stierkampfverbot, über das am 28. Juli 2011 in Spanien abgestimmt wird, hat eine internationale Gruppe von über 260 hochkarätigen Psychologen, Wissenschaftlern und für Kriminalitätsverhütung zuständigen Behörden ein Schreiben an das katalanische Parlament verfasst. Darin betonen die Fachleute, dass der Zusammenhang zwischen Tierquälerei und zwischenmenschlicher Gewalt so gross ist, dass man ihn nicht ausser Acht lassen kann. Interessanterweise wird zudem darauf hingewiesen, dass nicht allein die Beteiligung an gewalttätigen Handlungen gegenüber einem Tier Schäden verursacht. «Das einfache Miterleben von Tierquälerei setzt den Teufelskreis der Gewalt fort – durch Desensibilisierung und Nachahmung des Beispiels.»

Wer mit dem Messer die Kehle eines Rindes durchtrennt und beim Brüllen der Angst taub bleibt, wer kaltblütig das schreiende Böcklein abzuschlachten vermag und den Vogel verspeist, dem er selber das Futter gereicht hat – wie weit ist ein solcher noch vom Verbrechen entfernt?
Pythagoras

Fazit

Schon die Philosophen Griechenlands haben erkannt, dass Gewalt gegenüber jedem Lebewesen in der Gesellschaft vermieden werden soll, um den Frieden zu erhalten. Grausamkeit, die zugelassen wird, sorgt für Verrohung und das Abstumpfen von Mitgefühl und Anteilnahme. Dabei spielt es keine Rolle, gegen wen diese Gewalt ausgeübt wird – gegen Mensch oder gegen Tier – gegen Hund oder gegen Rind, jedes Lebewesen sollte ein Recht darauf haben, friedlich leben zu dürfen.

Bernadette Raschle

Fussnoten:

  1. Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich.
  2. Fundamentale, grundlegende Grenzen eines Individuums.

Weitere Infos:

Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 28.9.2011

[nach oben


   
© Swissveg (ehemals: Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV)) | www.swissveg.ch | Impressum