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Vorurteil: «Biofleisch ist weniger schlimm als konventionelles»

Wem kommt diese Szene nicht bekannt vor: Man ist bei Freunden zu einem netten Abend eingeladen und kommt dabei mit anderen Gästen ins Gespräch. Fleischesser: «Isst du denn kein Fleisch?» Vegetarier: «Nein, ich bin Vegetarier.» − «Ach ja, ich esse selber auch nur wenig Fleisch und wenn, dann nur biologisches aus guter Haltung.» Oftmals ist es in einer solchen Situation schwierig, richtig zu reagieren. Aus eigener Überzeugung kann man sein Gegenüber ja wohl kaum dazu beglückwünschen, dass es nur ab und zu mal ein Tier tötet. Ausserdem schleicht sich oft der Verdacht ein, dass es sich bei dieser Aussage nur um eine Ausrede handelt, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Aber auch wenn es tatsächlich so ist, dass jemand ausschliesslich Biofleisch isst, so gibt es dazu einige Punkte, über die es sich nachzudenken lohnt.

Gibt es den Bioschlachthof?

Für die meisten Vegetarier kommt Fleisch von biologischen Tieren deshalb nicht in Frage, weil das Tier trotzdem für den Konsum getötet werden muss. Der Transport und die Schlachtung erfolgen auf dieselbe Weise wie bei der konventionellen Haltung. Das Tier wird in einen Wagen gehievt und zur nächsten Tötungsstation gebracht, dabei schüttet es vor Angst eine Vielzahl von Stresshormonen aus, die nicht mehr vor seinem Tod abgebaut werden können und im Fleisch zurückbleiben. Man kann sich auch vorstellen, dass je behüteter und schöner ein Tier aufgewachsen ist, desto grösser muss wohl die Angst vor der neuen Situation sein. Untersuchungen bestätigen auch, dass Tiere aus tiergerechter Haltung viel stärker auf diese Belastung reagieren als solche aus konventioneller Haltung.

Belastung für das Klima

Ein anderer Aspekt ist die Klimabelastung durch Freilandhaltung. Auch hier bedeutet biologisch nicht unbedingt besser. Bekanntlich belasten besonders Rinder durch ihre Verdauung die Luft mit sehr viel Methan. Aber auch die anderen «Nutztiere», die bedingt durch diese Art der Haltung ihre Ausscheidungen im Freien absetzen, verstärken die Klimaerwärmung noch mehr. Würde es sich dabei nur um ein paar wenige Tiere handeln – so viele, wie in der freien Natur Platz haben – wäre diese Problematik wohl kaum erwähnenswert. Aber dadurch, dass allein in der Schweiz über 1,6 Millionen Rinder leben, lassen sich die Gase nicht mehr auf natürliche Weise regulieren.

Genügend Essen für alle

In der Schweiz – weltweit sieht es ähnlich aus – leben gerade einmal 4 Prozent aller Nutztiere auf biologische Art. Der grosse Teil wird aus Effizienz- und Kostengründen noch immer in Massenbetrieben gehalten. Denn der Platz für die Tierhaltung ist beschränkt und nur auf diese Weise lassen sich genügend Tiere halten, um den Fleischbedarf decken zu können. Freilandhaltung mit genügend Platz für alle Tiere umzusetzen, ist nur möglich, wenn die Nachfrage nach Fleisch sinkt.
Zudem stellt sich nach wie vor die Frage der Weltnahrungsversorgung. Egal wie die Tiere gehalten werden, durch die Verlängerung der Nahrungskette wird in jedem Fall ein Vielfaches der Menge an Getreide verschwendet, wie wenn es direkt zu den Menschen ginge. Auch für dieses globale Problem ist Bio keine Lösung. In einem Interview mit Peta bringt der Buchautor Jonathan Safran Foer diesen Aspekt auf den Punkt: «Die Erde wird nicht grösser werden. Aber die menschliche Bevölkerung wird grösser. Um Tiere auf eine Art und Weise heranzuziehen, die nicht grausam ist, braucht man sehr viel Platz. Wie sehr wollen wir diese Ausnahme der Fleischerzeugung verherrlichen, wenn sie nicht dafür geeignet ist, alle zu ernähren?» 1
Aus Sicht des Tierschutzes ist es selbstverständlich wünschenswert, dass alle Tiere möglichst so leben können, wie sie es in Freiheit tun würden. Leider ist diese Wunschvorstellung in der Praxis nicht umsetzbar, solange so viele Menschen weiterhin davon überzeugt sind, Fleisch trotz seiner Nachteile für die Tiere, die Umwelt und die eigene Gesundheit essen zu können.

Bernadette Raschle

Weitere Infos:

Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 15.11.2016

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