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«So etwas wie Vegetarier sollte es gar nicht geben!»

Sich dafür einzusetzen, dass weniger Tiere als Nahrungsmittel auf dem Teller landen, provoziert von vielen Seiten Widerspruch. Viele Menschen fühlen sich in ihrer Privatsphäre direkt angegriffen. Ab und zu erhält die SVV (anonyme) E-Mails, Briefe und Anrufe von Personen, welche sich nur schon durch die Existenz einer vegetarischen Organisation angegriffen fühlen. Darin werden meist die immer wiederkehrenden Vorurteile gegenüber einer vegetarischen Ernährung aufgeführt. Hier ein Beispiel einer E-Mail, welche an die SVV gerichtet war:

«Vegetarier zu sein, ist der allergrösste Scheiss, den es gibt, vor allem wenn man das nur dafür macht, damit es den Tieren gut geht. Wenn man Vegetarier ist, weil man eine Allergie oder so etwas in der Art hat, dann ist das natürlich okay, aber doch nicht nur, um Tiere zu schützen!»

Egoistische Gründe sind gesellschaftlich akzeptiert. Auch wenn sich heute fast alle als «Tierfreunde» bezeichnen, stösst eine eigene Verhaltensänderung zugunsten der Tiere bei vielen noch auf völliges Unverständnis.

«Die Tiere werden doch extra dafür gezüchtet, um gegessen zu werden!»

Dass ein Tier nur zu dem Zweck gezüchtet wird, um es (meist schon nach wenigen Monaten) umzubringen, um seinen Körper essen zu können, ändert nichts an der Leidensfähigkeit des Tieres. Gerade diese Zucht erhöht sogar das Leiden, weil sie ausschliesslich auf Maximierung des «Ertrages» (Fleisch, Milch, Eier) ausgerichtet ist. Das Tierwohl spielt dabei keine Rolle.

«Der Mensch hat sich schon seit der Steinzeit von Tieren ernährt und es ist noch nie etwas schiefgelaufen.»

In der Steinzeit gab es auch schon Kriege und Vergewaltigungen. Ist dies ein Grund, nichts dagegen zu tun? In der Steinzeit war Fleisch ein sehr seltenes Nahrungsmittel. In den letzten Jahrzehnten wurde es zu einer täglichen Ernährungskomponente. Die Folgen für die menschliche Gesundheit dieses exzessiven Fleischkonsums der letzten Jahrzehnte werden immer deutlicher: Chronische Krankheiten breiten sich epidemieartig aus. Fettleibigkeit ist in manchen Industrienationen schon fast zur Norm geworden. Die Gesundheitskosten schnellen in die Höhe – ohne dass sich die Gesundheit der Bevölkerung in den letzten Jahren stark verbessert hätte. Es läuft heute sehr vieles schief, doch der Zusammenhang mit der Ernährung wird dabei verdrängt.

«Jeder Mensch braucht das Eiweiss und alle anderen Nährstoffe von Fleisch, um gut zu überleben.»

Wenn jeder Mensch Fleisch benötigen würde, gäbe es keine Vegetarier. Alle Nährstoffe können offensichtlich auch durch andere Nahrungsmittel aufgenommen werden.

«Ausserdem ist es doch für die Vegetarier eine Qual, wenn sie ein Steak oder so sehen, nicht rein zu beissen.»

Die meisten Vegetarier waren einmal Fleischesser und können sich deshalb gut in diese Personen hineinversetzen. Als Fleischesser ist es leider kaum möglich, sich vorzustellen, wie sich der Geschmackssinn verfeinert und wie gut eine vegetarische Ernährung schmecken kann.

«Der Mensch ist biologisch so veranlagt, dass er ganz ohne Fleisch niemals leben kann.»

Siehe oben: Jeder einzelne Vegetarier beweist, dass diese Aussage falsch ist.

«Es ist auch nicht logisch zu sagen, dass man keine Lebewesen essen sollte, denn die meisten essen Fisch und jeder isst Pflanzen, und das sind auch Lebewesen!»

Vegetarier essen keine Tiere und somit auch keine Fische. Vegetarier sagen nicht, dass man keine Lebewesen essen soll. Wenn man aber die Möglichkeit hat, das erzeugte Leid zu minimieren, wäre es falsch, dies nicht zu tun, nur weil man es nicht ganz vermeiden kann. Da für die Fleischproduktion über das Futtermittel viel mehr Pflanzen benötigt werden als bei einer vegetarischen Ernährung, wäre selbst aus diesem Grund eine vegetarische Ernährung vorzuziehen.

«Pflanzen haben genauso viel Gefühl wie Tiere und Menschen, auch nur dass sie es nicht zeigen können.»

Sollte dieses Argument (falls es stimmen würde) ein Grund sein, gleich alle Gefühle zu missachten? Wäre es nicht konsequenter, darauf zu achten, möglichst wenig Gefühle zu verletzen und dabei dort zu beginnen, wo die Gefühle durch das zentrale Nervensystem offensichtlich intensiv vorhanden sind? Wenn man Menschen und Tiere gleichsetzt und dennoch Tiere als blosse Nahrungsmittellieferanten sieht, kann dieses Argument nicht ernst genommen werden. Es dient dann offensichtlich nur dazu, die eigene Ernährungsweise nicht ändern zu müssen.

«Pflanzen werden genauso gezüchtet und gemästet mit Kraftfutter und allem, was dazu gehört. Aber bei Pflanzen ist das Ganze noch viel schlimmer, denn bei denen werden die Gene verändert und zwar so, das die Tomaten plötzlich nach Erdnuss schmecken!»

In der Schweiz werden gentechnisch veränderte Pflanzen fast ausschliesslich für Tierfutter verwendet (weil man die daraus entstandenen Produkte wie Fleisch, Milch und Eier nicht als GVO deklarieren muss). Wer gegen Gentechnik ist, sollte deshalb erst recht keine tierischen Produkte konsumieren. Die schlimmsten Auswüchse im Pflanzenanbau (Spritzmittel etc.) findet man bei den Futterpflanzen.

«Haben Sie schon mal ein Schwein gesehen, das nach Kuh schmeckt?»

Nein, es fällt aber auch sehr schwer, einen Geschmack zu sehen …
Tatsache ist, dass die Gentechnik bei der Fleischproduktion ihr momentan grösstes Einsatzgebiet hat.

«Vielen Menschen geht es mit ihrer vegetarischen Ernährung nicht sehr gut, diese sind dann nämlich oft abgemagert oder halt auch oft krank, weil sie ein schlechtes Immunsystem haben dadurch, dass sie sich nicht gesund ernähren.»

Viele Menschen wechseln aus gesundheitlichen Gründen zur vegetarischen Ernährung, weil sie durch die fleischreiche Ernährung krank geworden sind. Die gesundheitlichen Schäden kann man dann jedoch nicht immer sofort ausheilen.
Es ist zu vermuten, dass der Schreiber kaum persönlich Vegetarier kennt (da diese Ernährung ja biologisch «unmöglich» ist). Deshalb beruht obige Aussage vor allem auf Vorurteilen. Gerade unter Ausdauersportlern hat es einen hohen Anteil an Vegetariern. Und das Immunsystem ist bei Vegetariern (mit höherem Früchte- und Gemüsekonsum) sogar eher stärker als bei einem durchschnittlichen Fleischesser.

«Ich kann es ein wenig verstehen, dass man etwas gegen die Massentierhaltung hat. Aber könnte man sich dann nicht einfach von Biofleisch ernähren?»

Auch in der Schweiz gibt es keine «Bioschlachthöfe». Wenn man gegen das Töten leidensfähiger Mitgeschöpfe ist, sollte man dies nicht durch sein Kaufverhalten mitfinanzieren. Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, Fleisch zu konsumieren. Es sprechen jedoch sehr viele Gründe dagegen (Gesundheit von Mensch und Tier, Klimaschutz, Landverbrauch, Ethik etc.).

«Die einzig richtige Lösung wäre, dass es so etwas wie Vegetarier oder Veganer gar nicht geben sollte!»

Lösung wofür? Für das schlechte Gewissen von Fleischessern? Da die Vegetarier durch ihre blosse Existenz schon aufzeigen, dass viele Vorurteile nicht stimmen können?

«Vielen Dank, dass Sie sich das durchlesen. Max»

Bei der SVV werden alle E-Mails gelesen. Meist erhalten wir jedoch solche Zuschriften mit gefälschten Absenderangaben und können deshalb nicht antworten (was in der Regel auch kaum erwünscht ist).

Bemerkungen: Renato Pichler