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Nena und ihr neues Zuhause - Teil 2

Liebe lässt alles wachsen, aufblühen und gedeihen! In ihrer schönsten, prachtvollsten und kraftvollsten Weise!

Nena im GeburtstagsoutfitMein Geburtstag war ein wahres Highlight! Mein Geschenk die ebenso glückliche Nena!
Es war gegen Mittag, als ich mit meinem Auto beim neuen Hof ankam. Alles war ruhig, als ich die kleine Zufahrt passierte, und dann kamen mir fast die Tränen vor lauter Freude. Zu meiner grossen Überraschung stand Nena auf dem Vorhof und blickte mir friedlich entgegen. Die Tochter der Bäuerin hatte sie mit Fingerfarben angemalt. Zum Geburtstag Glück, stand auf der einen Seite ihres imposanten Körpers, und auf der anderen war ein grosses rotes Herz auf ihren Bauch gemalt. Ich lachte und konnte kaum mehr aufhören. So ein schönes und aussergewöhnliches Geschenk hatte ich noch nie bekommen!
Wenn ich mich daran erinnere, wie sie damals ziemlich verstört aus dem Transporter gestiegen ist, so erkennt man die Nena von heute zum Glück kaum wieder. Und seit damals sind nur ein paar Monate vergangen, nachdem sie über 7 Jahre ihres Lebens mehr oder weniger an den Ketten verbracht hatte.

Das Leben im neuen Stall

Etwas Mühe machte ihr anfangs das neue Stallklima, das im Laufstall natürlich etwas kälter war, aber ziemlich schnell schien ihr Fell sich zu verändern und den neuen Umständen anzupassen. Zudem gab es da auch noch ein anderes grosses Neuland für Nena. Zum ersten Mal durfte sie nämlich eine natürliche Herdenstruktur kennen lernen. Etwas, was in einem Anbindestall von den Kühen nicht aufrechterhalten werden kann, auch nicht, wenn sie ab und zu nach draussen dürfen. Damit sich eine richtige Herdenstruktur überhaupt ordnen kann, ist es bei den Kühen unter anderem wichtig, dass sie immer frei herumlaufen können, dass sie den für ihre Rangordnung richtigen Schlafplatz selbst auswählen oder dass sie mehrheitlich in der Nähe von jenen stehen, die in etwa der gleichen Rangstufe angehören. Eine sehr grosse Bedeutung für eine hohe Rangposition innerhalb der Herde haben auch die Hörner. In einem gemischten Stall hat die Leitkuh auf jeden Fall noch ihre.

Nenas Veränderung

Bei jedem Besuch schaute ich mir Nena an und hatte so ein seltsames Gefühl, dass sie sich langsam komplett veränderte. Irgendwie konnte ich es aber nie richtig herausfinden, was es denn genau war, was sich an ihr änderte. Irgendwie schien sie einfach immer gelassener und ruhiger zu werden. Und dann plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ja, Nena war einfach nur viel entspannter. Ihr ganzer Körperbau streckte sich nach und nach. Jeder einzelne verkorkste Knochen schien sich wieder in eine normale Position zu bewegen und die Muskeln konnten sich neu aufbauen und sich ebenso von ihrer jahrelangen Verkrampfung lösen.
Sofort schaute ich mir zum Vergleich Fotos und Filmaufnahmen von früher an und sah eine Nena, die wie auf Stelzen lief. Bei den Videoaufnahmen, zu denen sie für ihr neues Leben eingeladen wurde, konnte ich erkennen, wie unglaublich steif ihr ganzer Körper damals war und dass sie sich eigentlich nur noch mit sehr viel Mühe fortbewegen konnte. Jetzt sah man diesen Unterschied ganz deutlich, aber damals im alten Stall war mir das nicht bewusst, weil leider alle Kühe diese Haltung hatten.

Nena mit ihren JungsDie Geburt

Neben ihren Muskeln wurde auch ihr Bauch immer runder. Was jedoch ihrer neuen Schönheit nur noch das Pünktchen auf dem i verlieh. Es stand ja noch ein grosses Ereignis vor der Tür: ihr Kleines, das sie schon seit dem letzten August in sich trug.
An einem Samstag bekam ich dann den Bericht der Bäuerin, dass sie Nena nun in die separate Box für die Geburt getan habe. Es würde nur noch ein paar Tage dauern. In freier Wildbahn sondern sich die werdenden Mütter auch vor der Geburt für eine Weile von der Herde ab und schliessen sich dann erst nach ein paar Tagen wieder ihrer Gruppe an. Somit entspricht diese Absonderung sicherlich ihren Bedürfnissen.
Ob eine Geburt kurz bevorsteht, merkt man bei den Kühen beim Schwanzansatz. Wird es dort links und rechts weicher, dauert es nicht mehr so lange. Allerdings hat aber jede Geburt auch ein bisschen ihre Eigenheiten und es kann trotzdem nicht ganz genau vorausgesagt werden, wann und wie es kommt.
So wartete ich geduldig und gespannt zu Hause auf das Telefon. Es läutete, drei Tage später, um 1 Uhr in der Nacht. Ich hörte Nena, wie sie laut und tief muuuhhhte. «Pascale, es kommt ganz bald», sagte die Bäuerin, «so in den nächsten paar Minuten.» WAU, ich wartete und hörte sogar das Schnauben von Nena im Hintergrund. «Ja da, ich sehe es schon, es ist ein Bueb!» Oh, mir fehlten irgendwie die Worte. Ich freute mich riesig für Nena und irgendwie fühlte ich mich auch ein bisschen, als wäre ich ebenfalls ein wenig Mami geworden. Na ja, vielleicht besser gesagt, sicherlich habe ich ganz und gar den Part einer frischgebackenen Grossmutter übernommen.
Es ist einfach ein Wunder, jedes neue Leben ist ein Wunder und besonders dann, wenn es noch gerettet wurde. Wenn ich daran denke, wo es geendet hätte, und nun war es da mit Haut und Haaren und Zähnen. Ja wirklich! Kühe kommen sogar schon mit Zähnen zur Welt. Wer hätte das gedacht! «Ich komme morgen ganz früh», sagte ich, denn schliesslich wollte ich der lieben Bäuerin dann auch wieder ihren Schlaf gönnen. Ich stellte meinen Wecker auf 4.30 Uhr, damit ich um 6 Uhr schon im Stall sein konnte, natürlich mit Kamera. Ich kroch wieder unter die Decke, stupste Dani an und erzählte ihm, dass unsere Familie nun grösser geworden sei.
Kurz bevor ich wieder einschlief, läutete das Telefon erneut. Ich sprang wieder aus dem Bett. Ob vielleicht etwas passiert sein könnte? Doch Komplikationen jetzt, wo es schon da war? Die Stimme der Bäuerin klang allerdings wieder fröhlich, so wie schon vorhin: «Du, Pascale, es sind Zwillinge! Sie hatte noch ein zweites im Bauch.»

Eine glückliche Familie

In der Stille dieses freundlichen Morgens fuhr ich mit meinem Auto wieder in die Innerschweiz und bog in die kleine Strasse ein zum Stall hinauf, und ich sah Nena und ihre beiden Söhne! Sie waren alle noch sehr müde, aber Nena stand tapfer neben ihren zwei kleinen wackligen Geschöpfen. Und etwas war ganz wach in ihren Augen. Etwas, was man sofort erkennt, wenn man es sieht. Sie war erschöpft, aber mit dem ganzen Stolz einer Mutter sah sie mich an. Ich lächelte und mein Herz jubelte! Nun durfte sie endlich auch einmal eine normale Mutter sein, die ihre Kleinen behalten kann. Jetzt dürfen diese im Stroh neben ihr liegen und sie kann sie hören, spüren, riechen und schmecken und mit der Zunge ablecken. Ich darf gar nicht daran denken, wie all das sonst geendet hätte. Hätte der Bauer vom alten Ort sich doch dazu entschieden, Nena bis zur Geburt zu behalten, und wenn sie diese auch überstanden hätte, wäre sie ganz wenig später wieder nur mit trüben und leeren Augen an der Kette gehangen, ohne die Kleinen, ganz verkrampft und total entkräftet nach der anstrengenden Geburt von Zwillingen. Und diese zwei süssen Kleinen da wären dann einzeln in einer kleinen Box gelandet, ohne dass sie ihre Mutter je ganz zu Gesicht bekommen hätten. Aber zum Glück ist das nun für die alle hier nur noch ein schrecklicher Alptraum, der seine Zeit und Macht verloren hat. Leider aber nicht so für viele ihrer Artgenossen! Ich stand da und sprach ein paar Worte mit der Bäuerin: «Wie häufig ist es denn eigentlich bei Kühen, dass sie Zwillinge bekommen?», fragte ich sie. «Ja, eigentlich nur so alle 100 Mal.» Meine Gedanken schweiften ab und mein Herz liess ein paar Fragen aufkommen. Mir schien, als ob Gott und auch Nena damals irgendwie schon geahnt hätten, dass genau sie unter so vielen anderen gerettet wird. Und so passt es denn eigentlich auch ganz gut zu Nenas Charaktertyp. Sie ist eine Kämpferin und wenn schon, dann eben grad richtig. Schliesslich lebt man nur einmal zweimal!

Willkommen Nico & Nando!!

Mit einem grossen herzlichen MUUUUUHHHHH!

Pascale & Animals

Wie Nena befreit wurde, kann im ersten Teil nachgelesen werden.