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Frau spielt mit Hund und HühnernSelbstliebe, Menschenliebe, Tierliebe

Ethisch motivierte Vegetarier lieben die Tiere als Mitgeschöpf mit einem eigenen Recht auf Leben.
Kann man aber Tiere lieben und Menschen hassen? Und kann man Menschen und Tiere wirklich lieben, ohne sich selbst zu lieben?
Woher kommen die vielen Konflikte innerhalb der Tierschutzorganisationen?

Leo Tolstoi beschrieb den Kreis des Mitgefühls eines Menschen folgendermassen:
«Wenn du keinen Menschen töten kannst – gut; kannst du kein Vieh und keine Vögel töten – noch besser; keine Fische und Insekten – noch besser. Bemüh dich, so weit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht; tu, was du mit deinen Kräften zustande bringst – darauf kommt alles an.»
Es geht also darum, das eigene Mitgefühl so weit wie möglich auszudehnen, damit es schlussendlich nicht nur die nächsten Verwandten oder alle Menschen, sondern alle fühlenden Wesen mit einschliessen kann.
Gautama Buddha hatte dies in seinem Leben umgesetzt:
«Die Wesen mögen alle glücklich leben, und keinen möge ein Übel treffen. Möge unser ganzes Leben Hilfe sein an anderen! Ein jedes Wesen scheuet Qual, und jedem ist sein Leben lieb. Erkenne dich selbst in jedem Sein und quäle nicht und töte nicht.»

Sobald man das eigene Mitgefühl einschränkt, wird es problematisch, da man Liebe nicht einfach teilen kann. Schränkt man das Mitgefühl auf die eigene Rasse/Hautfarbe ein, wird man zum Rassisten, schränkt man es auf das eigene Geschlecht ein, wird man zum Sexisten usw.
Menschen, die ein solch eingeschränktes Mitgefühl haben, sind gesellschaftlich nicht besonders beliebt.
Fast alle Menschen würden den Satz «Ein Mensch ist um so grösser, je grösser der Kreis derer ist, die er in sein Mitgefühl einschliesst» voll unterstützen.
Was oft in solch ethischen Diskussionen jedoch vergessen geht, ist, dass man sein Mitgefühl nur ausdehnen kann, wenn die Quelle dieses Gefühls in einem selbst vorhanden ist.

Quelle: Selbstliebe

Erstaunlicherweise wird die Selbstliebe in unserer Gesellschaft oft sehr negativ in den Kontext von Egoismus gestellt.
Wenn jemand sagt, dass er mit sich zufrieden ist, weil er keine Tiere isst, wird dies schnell als überheblich und arrogant angesehen.
Selbst viele psychologisch Gebildete stehen der Selbstliebe sehr skeptisch gegenüber und haben ihr sogar eine Bezeichnung als Krankheit gegeben: Narzissmus.
Natürlich gibt es auch den Egoismus, der auf Kosten anderer gelebt wird. Doch dieser ist viel seltener als das Unterdrücken der uneigennützigen Selbstliebe.

Von allen Menschen werden Liebe und Mitgefühl gegenüber anderen gefordert, aber wenn man diese Liebe und dieses Mitgefühl auch für sich selbst erkennt, wird dies gesellschaftlich meist abgelehnt: Jeder soll jeden lieben – mit Ausnahme sich selbst.
Dies schwächt das Selbstwertgefühl der Menschen und ermöglicht es, sie einfacher zu manipulieren.

Schwache Menschen

Menschen, die es nicht wagen, sich unvoreingenommen auch selbst zu lieben, suchen die fehlende Liebe von aussen.
Durch ein fehlendes gesundes, starkes Selbstwertgefühl wird es auch schwieriger, sich mit einer Lebenseinstellung, die nicht mit der allgemein üblichen Meinung übereinstimmt, zu behaupten.
Sucht man Anerkennung in der Gesellschaft für all seine Taten, wird es problematisch, wenn man sich nicht so verhält und ernährt, wie es die Mehrheit vorgibt.
Nur mit einem starken Selbstbewusstsein kann man auch für längere Zeit gegen den Strom schwimmen.

«Auch wenn wir gar nicht hoffen könnten, dass jemals alle Menschen zur vegetarischen Lebensweise übergehen werden, hätte niemand deswegen das Recht, Fleisch zu essen. Ein Unrecht bleibt auch dann ein Unrecht, wenn alle es verüben.»
Magnus Schwantje (1877−1959)

Kind mit Hund in der NaturStarke Menschen

Gerade in der heutigen Zeit ist dies jedoch sehr wichtig: Die Mehrheit der Menschen lässt sich heute durch die enormen Werbeanstrengungen in ihren Handlungen leiten. Die Wirtschaft hat immer mehr Einfluss auch auf die Politik und somit die Gesetzgebung (z.B. bezüglich Umsetzung des Tierschutzgesetzes und im Gesundheitswesen).
Es ist deshalb ganz besonders wichtig, genügend stark zu sein, um sich von diesem Druck nicht allzu sehr manipulieren zu lassen.
Viele Tierschützer sind heute so stark, dass sie sich kaum noch von aussen beeinflussen lassen: Sie gehen ihren Weg unabhängig von Anerkennung.
Dennoch besteht auch hier die Gefahr, dass auf diesem Weg die Liebe zu seinen Mitmenschen und zu sich selbst verloren geht.
Wie sollen wir aber andere Menschen von unserer Lebenseinstellung überzeugen können, wenn wir diese Menschen, die wir erreichen wollen (und sogar uns selbst) nicht wirklich mögen?
Werden die angesprochenen Menschen dann durch unser Verhalten angezogen oder eher abgestossen? Könnte es sein, dass die Tierschutz- und Vegetarierbewegung zuerst sich selbst und ihren Mitmenschen wieder mit Liebe begegnen muss, um auch gegen aussen positiv wahrgenommen zu werden?
Es ist wichtig zu lernen, eine Handlung abzulehnen, ohne den Handelnden zu verurteilen. Magnus Schwantje hat dies schon vor Jahrzehnten so ausgedrückt: «Ich sage ja nicht, dass jeder Mensch, der vegetarisch lebt, gerecht sei, sondern, dass jeder, der nicht vegetarisch lebt, dadurch ungerecht handelt.»
Hilfreich dabei ist, dass die meisten Menschen früher selbst Fleisch gegessen haben und deshalb auch anderen eine solche Entwicklung vom unkritischen Fleischesser zum bewussten Vegetarier (bzw. Veganer) zugestehen sollten.

«Die Sache der Tiere steht höher für mich als die Sorge, mich lächerlich zu machen.»
Émile Zola (1840–1902), französischer Schriftsteller und Kunstkritiker

Bereich des Mitgefühls
Der Mensch hat nur einen beschränkten Bereich, den er in sein Mitgefühl einschliesst. Manche beschränken ihr Mitgefühl auf die eigene Person (Egoisten), manche auf die eigene Rasse (Rassisten), das eigene Geschlecht (Sexisten) oder nur auf menschliche Wesen (Speziesisten). Selbst bei den Tieren gibt es dann noch unterschiedliche Abstufungen: Menschenaffen, Säugetiere, Wirbeltiere, alle Tiere. Es ist ein lebenslanger Prozess, das Mitgefühl immer weiter auszudehnen.

Vergleiche

Ein wesentlicher Aspekt bei der fehlenden Selbstliebe ist, dass man sich selbst mit Personen vergleicht, die bereits wesentlich mehr erreicht haben.
Am offensichtlichsten ist es, wenn sich eine Frau mit den Models vergleicht, die in der Werbung gesehen werden können. Dies führt dazu, dass heute kaum noch eine Frau mit ihrem Körper vollständig zufrieden ist (dies trifft sogar auf die Models selbst zu).
Vegetarierorganisationen können sich aber auch mit den erfolgreicheren Tierschutzorganisationen vergleichen und dies mit anderen noch erfolgreicheren Wirtschaftsorganisationen etc.
Egal wo man steht, es gibt immer andere, die man als Vorbild nehmen kann.
Das selbst Erreichte wird dabei aber meist verdrängt (weil man ja nicht auf sich selbst stolz sein darf).
Dies führt nicht zu einer befruchtenden Konkurrenz unter Tierschützern/Vegetariern, sondern zu einem Konkurrenzdenken, das die ganze Bewegung durch interne Kämpfe blockieren kann.

Vorbilder

Gerade Vegetarier sollten berücksichtigen, dass sie anderen Menschen als Vorbilder dienen: Wenn sie ein positives Bild der Vegetarier abgeben, werden mehr Menschen diese Lebensweise anstreben, als wenn sie Aggressivität und Hass ausstrahlen.
Menschen, die sich selbst nicht lieben, haben es schwer, andere davon zu überzeugen, dass die vegetarische Lebensweise eine friedvolle ist.

Das Mitleid bleibt immer dasselbe Gefühl, ob man es für einen Menschen oder für eine Fliege empfindet. Der dem Mitleid zugängliche Mensch entzieht sich in beiden Fällen dem Egoismus und erweitert dadurch die moralische Befriedigung seines Lebens.
Leo Tolstoi (1828−1910)