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Vegetarischer Zivildienst

Lehre der FriedensschuleKompetente Lehrer bieten eine fundierte Ausbildung in der Friedensschule.

Immer mehr Menschen erkennen die Vorteile einer vegetarischen/veganen Lebensweise. Aus ethischen, gesundheitlichen und ökologischen Gründen setzen sich von Prominenten über Gastronomiebetriebe bis hin zu ganzen Städten mehr und mehr Leute für das Thema ein. So verbreitet sich das vegetarische Bewusstsein in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft, und vor Kurzem habe ich sogar erlebt, wie der vegetarische Gedanke in den Schweizer Zivildienst Einzug hält.

Was ist Zivildienst?

Für alle Militärdienstpflichtigen, die das Militär nicht mit ihren Überzeugungen vereinbaren können, gibt es die Möglichkeit, einen zivilen Ersatzdienst zu leisten. Für die Zulassung braucht man (seit 1. April 2009) lediglich ein Gesuchsformular auszufüllen.1 Zwar dauert der Zivildienst in Tagen 1,5-mal länger als das Militär, aber das Angebot an Einsätzen ist sehr vielfältig, interessant und alles kann selber gewählt und organisiert werden. (Mehr Infos zum Zivildienst unter www.zivi.admin.ch)

Lernziele des Kurses für gewaltfreie Konfliktlösung:

  • Du kennst die Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation und kannst sie anwenden.
  • Du kennst die Ausdrucksformen verschiedener Gefühle, bist dir deiner eigenen Gefühle in einem Konflikt bewusst und kannst angemessen auf emotionale Äusserungen reagieren.
  • Du erkennst die Interessen und Bedürfnisse der Parteien hinter deren Handlungen.
  • Du kannst einen Konflikt analysieren und erkennst die aktuelle Eskalationsstufe.
  • Du bist dir deiner eigenen Konflikt-Verhaltensmuster bewusst und bist in der Lage, deeskalierend zu intervenieren.
  • Du kennst verschiedene Formen von Diskriminierung und geeignete Reaktionen darauf.

Gewaltfreie Konfliktlösung

Dieses Jahr hat die Gemeinschaft Schweizer Zivildienstleistender (GSZ) ein neues Einsatzprojekt namens «Konfliktprävention im öffentlichen Raum» geschaffen.2 Dafür werden Zivildienstleistende z.B. von Gemeinden eingesetzt, um auf der Strasse und im öffentlichen Raum ein friedliches Zusammenleben zu fördern. Einerseits geht es darum, durch Anwesenheit und Kontaktaufnahme mit Jugendlichen und der allgemeinen Bevölkerung präventiv zu wirken, und andererseits auch, um Konflikte aufzusuchen und deeskalierend und gewaltfrei einzugreifen. Als Vorbereitung dazu absolvieren die Zivildienstleistenden einen Kurs für gewaltfreie Konfliktlösung. Diese sogenannte «Friedensschule»3 zählt als Zivildiensteinsatz und ist ein einwöchiges Lager, in dem theoretische sowie praktische Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation (GfK)4 und Konfliktprävention vermittelt werden.

Vegetarisches Zivildienstlager

Erfreulich an diesem Lager war nicht nur das interessante inhaltliche Angebot, sondern auch die bewusste fleischlose Küche. Diese Entscheidung traf die Kursleitung sehr kurzfristig und die Teilnehmer erfuhren erst vor Ort, dass sie vegetarisch verköstigt werden. Alle waren überrascht und teils sogar leicht aufgebracht. Wie sich später in Diskussionsrunden herausstellte, störte aber nur die Tatsache, dass die fleischlose Verpflegung unangekündigt war. Für die Idee an sich schienen alle Teilnehmer grundsätzlich offen. Nicht zuletzt auch wegen des ausgezeichnet leckeren Essens. Die Lagerköchin führte die Kursteilnehmer auf eine kulinarische Weltreise, von der alle positiv beeindruckt waren. Von den bewusst und mit Liebe zubereiteten Gerichten aus Zentralamerika, Indien, von den Kanarischen Inseln, vom Mittelmeerraum und auch von der Schweiz wurden alle auf genussreiche Weise satt, ohne dass dafür ein Tier sterben musste. Auch für mich als Veganer wurde sehr zuvorkommend gesorgt und wo nötig jeweils eine komplett tierleidfreie Version der Speise zubereitet.

Dieser vielversprechende Kurs für gewaltfreie Konfliktlösung bietet die Gelegenheit, sich mit den Themen Gewalt und Frieden auseinanderzusetzen. Dazu gehört zweifellos auch eine Sensibilisierung bezüglich Ernährung. Für die zukünftige «Friedensschule» möchte ich vorschlagen, die Verpflegung sogar rein pflanzlich zu halten, um das Thema möglichst widerspruchsfrei zu präsentieren. Weder kulinarisch noch finanziell wäre es ein bedeutender Mehraufwand und für die Bewusstseinsförderung wäre es noch eindrücklicher und vor allem konsequenter (denn auch wegen der Eierindustrie werden männliche Küken getötet und in der Milchindustrie die männlichen Kälber der Kühe geschlachtet).

Auf jeden Fall ein herzliches Kompliment an die Lagerleitung und die Köchin für ihre verantwortungsbewusste und mutige Entscheidung, fleischlos zu kochen. Meiner Meinung nach ist es ein bedeutender Fortschritt, der in sonstigen staatlichen Angelegenheiten kaum vorzufinden ist. Es ist also sehr erfreulich zu sehen, wie sich das vegetarische/ vegane Bewusstsein in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft verbreitet und somit einen wesentlichen Beitrag zum Frieden und Wohlergehen der Menschen, Tiere und der ganzen Welt leistet.

Rafael Järmann

Fussnoten:

  1. Zu vermerken ist, dass nur Diensttaugliche in den Zivildienst aufgenommen werden. Da Veganer seit dem 1. April 2009 als «untauglich» für das Militär gelten, werden diese automatisch auch nicht mehr zum Zivildienst zugelassen. Wer Zivildienst leisten möchte, sollte sich dessen an der «Aushebung» also bewusst sein. Für Veganer, die bereits im Zivildienst sind, ändert sich nichts.
  2. «Was got ab?» Filmporträt zum Projekt unter www.civil.ch/Konfliktpraevention -im-oeffentlichen-Raum.164.0.html
  3. Kurzfilm zum Kurs 2008 unter: www.civil.ch/Kurs-fuer-gewaltfreie-Konfliktloesung.162.0.html
  4. Gewaltfreie Kommunikation ist ein Konzept nach Marshall B. Rosenberg, de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_ Kommunikation

Weitere Infos: