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Bauernverband: «Je weniger Tiere, desto weniger landwirtschaftliche Treibhausgase»

Die ETH Zürich ging im Auftrag der Bundesämter für Landwirtschaft (BLW) und für Umwelt (BAFU) sowie des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) der Frage nach, ob und wie sich die Agrarpreise auf die Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft auswirken.

Ergebnis der Untersuchung

Konkret ging es darum festzustellen, welchen Einfluss die Einführung einer landwirtschaftlichen Treibhausgas-Abgabe (z.B. Steuern auf Produkte, die das Klima mehr belasten) einerseits und eine staatliche Förderung explizierter Reduktionstechnologien (z.B. besser verdauliches Tierfutter) andererseits haben.
Um das Ergebnis bereits vorwegzunehmen: «Die Modellergebnisse zeigen, dass die Entwicklung der landwirtschaftlichen Treibhausgas-Emissionen auch in der näheren Zukunft in erster Linie von der Entwicklung der Tierbestände abhängig sein wird. Der Einsatz technischer Reduktionsmassnahmen dürfte angesichts der hohen Vermeidungskosten beim aktuellen Stand der Technik – zumindest kurzfristig – von untergeordneter Bedeutung sein.»1 Will heissen: Technische Massnahmen zur Eindämmung von Treibhausgasen kosten viel, bringen aber nur wenig. Einsparpotenzial liegt ganz klar darin, den Tierbestand zu verkleinern.

Vegetarier? Unmöglich!

Dieses Ergebnis scheint für die Macher der Studie ziemlich überraschend zu sein, denn konkret darauf aufbauen möchten sie nicht. Es wird vermittelt, dass eine Reduktion des Tierbestandes zwar am meisten Einfluss auf das Klima hätte, dies jedoch praktisch nicht umsetzbar sei. Die Schweizer würden ihr Fleisch dann halt einfach im Ausland kaufen, wo im Gegenzug dann wieder die Tierbestände erhöht würden. Bei einem unveränderten Konsumverhalten von Herrn und Frau Schweizer wird dies sicherlich der Fall sein, was jedoch, wenn im Rahmen einer bundesweiten Kampagne die Bevölkerung mehr und mehr für dieses Thema sensibilisiert wird? Was, wenn mit offizieller staatlicher Unterstützung die Leute erkennen, dass der Fleischkonsum weitreichende Konsequenzen für die Umwelt mit sich bringt? In diesem Fall räumen auch die Macher der Studie ein: «Die Reduktion der Tierbestände als Vermeidungsmassnahme müsste ebenfalls anders beurteilt werden, wenn sie das Resultat eines veränderten Konsumverhaltens ist (z.B. weniger Fleischkonsum).»
Dazu ist zu sagen, dass viele Fleischesser anscheinend vergessen, dass Vegetarier genauso essen, bis sie satt sind. Anstelle von Fleisch werden dafür einfach vermehrt Gemüse und Getreide verzehrt. Je mehr sich also vegetarisch ernähren, desto mehr steigt auch der Bedarf an pflanzlichen Lebensmitteln. Diese könnten problemlos auf einem Teil der frei werdenden Landfläche angebaut werden, die zuvor für Futtermittelanbau oder als Weideflächen genutzt worden ist. Dadurch würde sich die Schweiz auch weniger abhängig machen von Futtermittelimporten.
Zusätzlich ist darauf hinzuweisen, dass gemeinsam mit einer Reduktion der Tierbestände auch eine veränderte Subventionspolitik einhergehen muss. Um den Bauern einen Anreiz und eine Existenzgrundlage zu schaffen, sollte der Anbau von pflanzlichen Nahrungsmitteln viel stärker gefördert werden, als es jetzt der Fall ist. So wäre es für viele Landwirte auch wieder attraktiv, pflanzliche Lebensmittel anzubauen.

Ressourcen- und Rohstoffknappheit

Mit einem ähnlichen Thema beschäftigte sich der Bund in einer anderen Studie mit der Überschrift «Nahrungsmittelkrise, Rohstoff- und Ressourcenknappheit». Aufgrund eines Postulats wurden verschiedene Möglichkeiten untersucht, die verdeutlichen sollen, was der Bund tun kann, um auch in Zukunft genügend Nahrungsmittel und Ressourcen wie zum Beispiel Wasser sicherzustellen.
Als Ursache für die immer knapper werdenden Rohstoffe gibt der Bund folgende Erklärung: «… Der gestiegene Wohlstand führt zu einer energiereicheren Ernährung ganz allgemein und zu einem höheren Verbrauch von Milch und Fleisch im Speziellen.» Natürlich, denn durch den Umweg über das Tier wird ein Vielfaches mehr an Wasser und Nahrung verbraucht als über den direkten Weg zum Menschen. So benötigt man für die Erzeugung von 1 kg Fleisch 7–16 kg Getreide oder Sojabohnen.
Noch mehr Ergebnisse bestätigen die Belastung der tierischen Produktion für die Umwelt. So machen zum Beispiel die Treibhausgas-Emissionen aus der Nutztierhaltung mit 2,3 Millionen Tonnen den grössten Teil der gesamten landwirtschaftlichen Produktion aus (siehe Diagramm).

THG-Emissionen aus der landwirtschaftlichen Produktion:
Nutztierhaltung: 2,3 Millionen Tonnen Co2eq*
Landwirtschaftliche Böden 2,1 Millionen Tonnen Co2eq*
Hofdüngerbewirtschaftung 0,9 Millionen Tonnen Co2eq*
* Mit CO2-Äquivalenten (CO2eq) können verschiedene Treibhausgase miteinander verglichen werden.
Zum Beispiel hat Methan ein CO2eq von 25, da es einen 25-mal stärkeren Einfluss auf das Klima hat als CO2.
Quelle: «Nahrungsmittelkrise, Rohstoff- und Ressourcenknappheit», Bericht des Bundesrates (19. August 2009)

Zusammen mit der vorherigen Studie über den enormen Einfluss der tierischen Produktion auf das Klima, die ebenfalls vom Bund in Auftrag gegeben wurde, sollte klar sein, welcher Weg der effektivste und tatsächlich nachhaltigste wäre, um die längerfristige Versorgung sicherzustellen. Alle Beweise sprechen ganz klar dafür, dass nur eine Dezimierung der Tierbestände längerfristig das Klima und die natürlichen Ressourcen erhalten kann.
Doch anstatt die eigenen Studien umzusetzen, flüchtet sich der Bund in seinen Schlussfolgerungen in schwammige Strategien. «Die Politiken und Strategien sollen die Produktion und Nutzung der verfügbaren Ressourcen und Rohstoffe rationell, nachhaltig und massvoll gestalten. Sie werden sowohl die negativen Auswirkungen auf die strategischen Ressourcen wie Boden, Wasser und biologische Vielfalt als auch die Beeinträchtigungen der Luftqualität und des Klimas verringern. Unter dem Aspekt der langfristigen Ernährungssicherheit sind zudem weitere Massnahmen notwendig, um den Kulturlandverlust wirksam zu bremsen. Konkrete Massnahmen sind auch in Bezug auf das Recycling von wieder verwertbaren Stoffen und Abfällen zu entwickeln.»

Bundesrat sieht das Problem – und ignoriert die Lösung

Viele dieser Massnahmen werden wohl nur ein Tropfen auf dem heissen Stein sein, denn die wirkliche Ursache für die Probleme wird ignoriert. Dabei ist die unnatürliche Haltung von Millionen sogenannter Nutztiere eine der schwersten Belastungen, die unser Planet zu tragen hat. Gemäss den Untersuchungen der ETH Zürich ist der Methan-Ausstoss von Rindern für 80% des landwirtschaftlichen Methan-Ausstosses verantwortlich.2 Wenn man bedenkt, dass ein Methanmolekül 25-mal mehr zum Treibhauseffekt beiträgt als ein Kohlendioxidmolekül, liegt hier offensichtlich das grösste Potenzial zur Verringerung des Treibhauseffekts.
Noch ist es so, dass die Politiker noch nichts von einer solch einschneidenden Veränderung in der Landwirtschaft wissen wollen. Aber vor 50 Jahren hätte sich zum Beispiel auch noch kein Schweizer vorstellen können, dass Frauen einmal abstimmen dürfen. Von daher ist bereits vieles, was früher einmal unmöglich schien, heutzutage ganz normal. Und wer weiss, ob in Zukunft vielleicht nicht doch einige mutige Menschen eine Veränderung bewirken können.

Bernadette Raschle

«Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.»
Victor Hugo (1802–1885)

Fussnoten:

  1. Die ETH Zürich verweist auch an anderen Stellen in ihrer Studie darauf, dass momentan noch keine befriedigende technische Lösung zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen besteht, evtl. aber in Zukunft durchaus geeignete Lösungen gefunden werden können. Diese Aussage erstaunt nicht, gehört doch zu der ETH auch das Institut für Nutztierwissenschaften. Die ETH will sich mit ihrer Studie natürlich auf keinen Fall zukünftige Fördergelder in diesem Bereich versperren und lässt hoffen, dass in Zukunft durchaus die Möglichkeit für technische Errungenschaften besteht.
  2. Quelle: Studie der ETH Zürich vom März 2009, «THG 2020» – Möglichkeiten und Grenzen zur Vermeidung landwirtschaftlicher Treibhausgase in der Schweiz
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 7.5.2010

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