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Die SVV heisst jetzt: Swissveg
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Ist Fleischessen gewalttätig?

Gewalt gegenüber Tieren ist heute schon so alltäglich, dass sie sogar mit Steuergeldern subventioniert wird. Kaum jemand wird behaupten, dass ein Schlachthof ein Ort des Friedens sei. Doch genauso wenige sind der Ansicht, dass die Gewalt, die den sogenannten Nutztieren angetan wird, Einfluss auf die Gewalt zwischen Menschen hat.

Dass die Fleischproduktion ohne Gewaltanwendung nicht möglich ist, zeigt ein Blick in einen Schlachthof sofort. Das Töten von leidensfähigen Mitgeschöpfen wird dort tagtäglich x-fach praktiziert.
Die meisten Menschen haben diese Tatsache verdrängt («es wird schon nicht so schlimm sein» / «da kann man eben nichts machen» / «man kann nun mal nicht leben, ohne zu töten» etc.).

«Fleischproduktion» als gesellschaftlicher Sonderfall

Obwohl es hier um eine ganz offensichtliche Gewaltanwendung gegenüber fühlenden Mitgeschöpfen geht, nimmt die Fleischproduktion eine Sonderstellung in der Gesellschaft ein: Es ist die einzige völlig legale Gewaltanwendung mit Todesfolge1, welche nicht nur gesellschaftlich akzeptiert wird, sondern auch durch die Gesellschaft gefördert wird (staatlicherseits durch Subventionen und von der Bevölkerung durch finanzielle Unterstützung über den Fleischeinkauf). Ähnlich wie das Töten in einem Krieg wird es als «unvermeidbar» einfach hingenommen.
Das Leid, das durch den Verzicht der systematischen Gewaltanwendung gegenüber den sogenannten Schlachttieren entstehen würde (Verzicht auf den Fleischkonsum), wird gesellschaftlich als schlimmer eingestuft als das Leid, das man den Tieren bei der Fleischerzeugung antut.

«Jeder, der sich daran gewöhnt hat, das Leben von Lebewesen allgemein als wertlos zu betrachten, läuft Gefahr, daraus zu schliessen, dass auch menschliches Leben wertlos ist.»
Dr. Albert Schweitzer

Schweizer Tierschutzgesetz:
«Niemand darf ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten. Das Misshandeln, starke Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren ist verboten.»
Die Befriedigung des Gaumens wird offiziell als gerechtfertigter und notwendiger Grund angesehen, um Tiere in Ställen einzusperren, zu mästen und zu töten.
Kuh mit Kindern
Die Gewalt gegen unsere sogenannten Nutztiere ist so extrem, dass die meisten Eltern es vorziehen, ihre Kinder über den Zweck der Nutztierhaltung zu belügen, weil sie ihnen die Realität nicht zumuten möchten. Dennoch unterstützen sie mit ihrem Fleischeinkauf diese Gewalt.

Expertenmeinungen

Interessanterweise wird unter Psychologen immer wieder diskutiert, ob brutale Computerspiele Kinder verrohen lassen. Obwohl in einem solchen Spiel alles nur fiktiv ist und das Töten von Nutztieren völlig real, wird selten die Gewaltausübung gegenüber den Nutztieren als ein wichtiger Aspekt in der Gewaltprävention mit einbezogen.
Zumindest die Experten, die tagtäglich mit viel menschlicher Gewalt zu tun haben, sehen heute aber einen engen Zusammenhang zwischen Gewalt gegenüber Tieren und Gewalt gegenüber Menschen.2
In Florida gibt es eine eigene Polizeieinheit3, welche speziell gegen Gewalt gegenüber Tieren vorgeht – und zwar mit ähnlicher Härte wie bei zwischenmenschlicher Gewalt. Der Grund: Untersuchungen des FBI ergaben, dass es eine Gemeinsamkeit bei fast allen Serienmördern gab: Sie haben alle (meist schon als Kinder) Tieren Gewalt angetan.
Wenn einmal ein Grundstein der Gewaltbereitschaft gelegt wurde, ist es schwer, diese nur auf bestimmte Lebewesen oder Situationen zu beschränken. Dies gilt für Tierquäler, die später Menschen quälen, ebenso wie für Soldaten, die zum Töten ausgebildet wurden und später ins zivile Leben zurückkehren müssen.
Natürlich wird nicht jeder Soldat, der im Kriegseinsatz viele Menschen getötet hat, zum Massenmörder im zivilen Leben. Doch zumindest psychisch ist dies eine enorme Belastung (die Selbstmordrate von ehemaligen Soldaten aus einem Kriegseinsatz ist sehr hoch: dabei wird die Gewaltbereitschaft gegen sich selbst gerichtet).

Schlussfolgerung

Gewalt sollte in jeder Form vermieden werden, da es schwer ist, Gewalt in einem Bereich zu tolerieren und sie gleichzeitig in anderen Bereichen zu verurteilen.
Nicht umsonst assen die Friedenskämpfer Mahatma Gandhi, Albert Schweitzer, Albert Einstein etc. keine Tiere, um die Gewalt, die bei der Fleischproduktion nötig wäre, zu vermeiden. Wenn man selbst gegen Gewaltausübung ist, darf man selbstverständlich auch keine anderen Menschen (z.B. Metzger) dazu drängen oder gar zwingen, Gewalt auszuüben.
Friedliebende Menschen können deshalb nicht Gewalt zwischen Menschen ablehnen und ihre Augen vor der Gewalt gegenüber den Tieren verschliessen.

«Wir nehmen alle Formen von Gewalt sehr ernst. Wir glauben, dass Gewalt gegen Menschen eine Eskalation von Gewalt gegen Tiere ist. … Tiere können menschliche Opfer repräsentieren. Sie können vor Schmerzen das Gesicht verziehen, leiden, bluten und sterben. Sie können leichter beschafft und kontrolliert werden, und die Strafen für ihre Verletzung sind nicht so streng.»
Alan Brantley, Supervisory Special Agent im Nationalen Zentrum zur Analyse von Gewaltkriminalität beim FBI4

Dieser Artikel ist ein überarbeiteter Auszug aus dem umfangreicheren, noch nicht publizierten Artikel «Pazifismus» von Renato Pichler.

Fussnoten:

  1. Ein Spezialfall davon ist die Jagd, welche früher auch ausschliesslich zur Fleischgewinnung praktiziert wurde.
  2. Juvenile Justice Bulletin: «Animal Abuse and Youth Violence», September 2001, Office of Juvenile Justice and Delinquency Prevention des US-Justizdepartementes.
  3. Vegi-Info 1999/3: Polizeiwachtmeisterin im Dienste der Tiere
  4. Zitiert in: Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei..., Peta, 2007

 

 



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