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Organisationen-Porträt
In dieser Serie stellen wir Ihnen Organisationen aus dem Bereich Ernährung, Tierschutz und Umweltschutz vor. Wir zeigen deren Verhältnis zur vegetarischen Lebensweise in Worten und Taten auf.

Politische Parteien: Wie stehen Sie zu den Nachteilen des Fleischkonsums?

Die Politik bestimmt Tierschutz- und Umweltschutzgesetze. Sie bestimmt, wohin die Subventionen in der Landwirtschaft fliessen und welche Massnahmen gegen den Klimawandel unternommen werden. Deshalb ist das Verhältnis der politischen Parteien zur vegetarischen Ernährung besonders interessant.

Da manche Parteien ganz offensichtlich sich weder für Tierschutz noch für Umweltschutz einsetzen und auch Tierfabriken (über den Schweizer Bauernverband und Subventionen) unterstützen, wurden nicht alle Parteien angefragt.
Doch auch die Antworten derjenigen Parteien, von denen man noch am ehesten erwarten könnte, dass sie offen wären für die Berücksichtigung der Nachteile des Fleischkonsums auf Mensch, Tier und Umwelt, konnten auf keine einzige Tat auf diesem Gebiet verweisen.
Interessanterweise hat jedoch jede angefragte Partei zugestimmt, dass der Fleischkonsum bezüglich Klimawandel und Umweltschutz im Allgemeinen ein wesentlicher Aspekt ist, den man eigentlich nicht vernachlässigen kann.

Dass Worte und Taten jedoch in der Politik nicht immer identisch sind, zeigt der Vergleich zwischen Wort und Tat auch auf diesem Gebiet.
Alle Parteien haben das Thema auf ihrer Homepage und meist auch von allen ihren Aktivitäten ausgeklammert.

 

 
Geantwortet
Fakten bekannt
Worte
Taten
Auf Homepage
Grüne (GP)
Ja
++
++
-
o
Junge Grüne
Ja
++
++
+
o
Grünliberale
Nein
o
Sozialdemopkratische Partei (SP)
Ja
++
++
o
o
Evangel. Volkspartei (EVP)
Ja
++
++
o
o
Alternative Liste (AL)
Ja
+
+
o
o
EDU
Ja (nach Red.-Schluss)
+
o
o
o
CVP, FDP, Humanistische Partei
Nein
o

Grüne Partei Schweiz (GP)

Die Antwort auf unsere Frage zum Verhältnis der GP zum Vegetarismus:
«Viele Grüne sind Vegetarier und Vegetarierinnen. Wir erachten die vegetarische Ernährung als positiv. Durch vegetarische Ernährung lassen sich mehr Menschen mit einem geringeren Energieaufwand und einer nachhaltigeren Landwirtschaft ernähren als mit Fleisch. Allerdings kann auch Fleisch nachhaltig produziert werden. Massentierhaltung lehnen wir ab. Wir setzen auf bio – bei allen Lebensmitteln.»
Auf unsere Frage: «Hat sich Ihre Partei schon einmal mit den Folgen des Fleischkonsums auseinandergesetzt?» erhielten wir folgende Antwort: «Natürlich. Es war immer wieder ein Thema. Gerade auch jetzt im Zeitalter des Klimawandels.»
Trotz mehrmaligem Nachfragen konnte aber keine einzige öffentliche Aktion der GP zum Thema Fleischkonsum genannt werden.

Die SVV hat im vergangenen Jahr auch konkrete eigene Erfahrungen mit der GP sammeln können: Wir haben in der Ausgabe Nr. 1-2008 der Zeitung der GP, «Greenfo», unseren Klimaschutzflyer beilegen lassen (gegen Bezahlung), da wir noch nie in einer GP-Publikation das Thema Fleischkonsum angesprochen sahen. Von diesen beigelegten 8000 Flyern erhielten wir nur 11 Reaktionen! Ein besonders grosses Interesse an der vegetarischen Lebensweise scheint also auch unter «Grünen» nicht vorhanden zu sein. Unsere bezahlte Beilage löste aber offensichtlich auf der anderen Seite grössere Reaktionen aus: Im darauf folgenden «Greenfo»-Heft veröffentlichte die GP einen ganzseitigen Artikel, in dem sie zum Zusammenhang von Fleischproduktion und Klimawandel Stellung bezog. Geschrieben von zwei «Grünen» Bauern, die ihre Rinderhaltung verteidigten. Die GP distanzierte sich auf dieser Seite auch ausdrücklich vom Flyer der SVV, der fast ausschliesslich aus Zitaten von international anerkannten Organisationen zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und Fleischkonsum besteht.
Auch die anderen Taten der GP bestätigen diese offizielle Stellungnahme: Auf der Homepage der GP findet man das Dokument «10 Tipps für Ihren Beitrag zum Klimaschutz». Der Fleischkonsum wird darin mit keinem Wort erwähnt.

Grüne Partei, Waisenhausplatz 21, CH-3011 Bern, Tel.: 031 312 66 60
www.gruene.ch


Junge Grüne Schweiz

Die jungen Grünen kennen selbstverständlich auch die vielen Auswirkungen des Fleischkonsums. Sie haben aber auch noch keine Aktion zu diesem Thema gemacht. Ein wesentlicher Unterschied zu den anderen Parteien besteht allerdings: Sie können es sich vorstellen, in Zukunft auch dieses Thema aufzugreifen. Die SVV ist mit ihnen in Kontakt, um eine mögliche Kampagne zu diskutieren. Ob dies tatsächlich stattfinden wird, ist noch nicht entschieden.
Im vergangenen Jahr organisierten die Jungen Grünen ein dreitägiges Seminar über Agrarwirtschaft. Darin war auch der Fleischkonsum ein Thema. Ganz offensichtlich wird also kein Bogen um das Thema Fleischkonsum gemacht.
Die «Junge Grüne» ist zwar keine eigene Partei, wird aber von der Grünen Partei unterstützt. Durch diese Zusammenarbeit könnte sich die Grüne Partei in Zukunft auch positiv wandeln.

Junge Grüne, Waisenhausplatz 21, 3011 Bern, Tel.: 031 312 67 57
www.jungegruene.ch


Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP)

Die SP konnte uns keine offizielle Stellungnahme zur vegetarischen Ernährung geben, da sie sich noch nie mit diesem Thema beschäftigt hat.
Frau Chantal Gahlinger, die selbst vegetarisch lebt, vermutet zwar, dass überdurchschnittlich viele SP-Mitglieder vegetarisch leben. Berücksichtigt wurde dies in der Politik der SP jedoch noch nie.
Immerhin setzte sich die SP in der Vergangenheit aktiv für einen besseren Tierschutz ein (jedoch ohne den Fleischkonsum zu thematisieren).
Frau Ch. Gahlinger: «Wir sehen den Schutz von Umwelt und Klima in einem Gesamtzusammenhang und der Fleischkonsum spielt darin eine Rolle, so wie auch das Verkehrsverhalten, die Raumplanung und die Energiegewinnung eine Rolle spielen. Anders gesagt, wir wollen, dass ökologischen Kriterien sowie der Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen nachgelebt wird.»
Eine Gesamtsicht auf die Umweltproblematik ist zu begrüssen. Wenn man aber genauer hinsieht, merkt man, dass alle aufgezählten Punkte von der SP schon aktiv bearbeitet wurden, bis auf einen: der Fleischkonsum. Es werden also «alle Lebensbereiche» berücksichtigt, sofern es sich nicht um den Fleischkonsum handelt.

Sozialdemokratische Partei der Schweiz, Spitalgasse 34, Postfach, 3001 Bern, Tel.: 031 329 69 69
www.sp-ps.ch


Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP)

Auch die EVP hat sich noch nie in ihrer Geschichte mit dem Fleischkonsum beschäftigt. Es wurde uns auch bestätigt, dass die EVP auch in Zukunft nicht vorhat, sich jemals damit auseinanderzusetzen.
Gemäss eigenen Angaben engagiert sich die EVP jedoch «seit Urzeiten für den Erhalt der Schöpfung und ist deshalb sehr engagiert im Klima- und Umweltschutz».
Niklaus Hari, Leiter Kommunikation EVP Schweiz, bestätigte uns, dass er die vielen Nachteile des heutigen Fleischkonsums auf die Umwelt und die Welternährungssituation kennt. Leider scheint das Wissen um diese Tatsachen aber nicht genügend Grund zu sein, dies auch in Taten umzusetzen. Begründet wurde dies mit «anderen Prioritäten».

Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP), Josefstrasse 32, 8021 Zürich, Tel.: 044 272 71 00
www.evppev.ch


Alternative Liste

Von dieser Partei antwortete uns der langjährige überzeugte Vegetarier und Zürcher Gemeinderat, Alecs Recher. Zur Frage, ob sich die AL schon einmal mit den Folgen des Fleischkonsums auseinandergesetzt hat: «Als einzelnes Thema einer spezifischen Diskussion nicht in den vergangenen paar Jahren. Innerhalb anderer Diskussionen fliessen aber auch solche Zusammenhänge selbstverständlich ein. Da etliche unserer Mitglieder/Aktiven vegetarisch leben, ist das Bewusstsein und Wissen als Selbstverständlichkeit vorhanden.» Leider kam diese Erkenntnis noch kein einziges Mal über die internen Diskussionen hinaus.

Alternative Liste, Postfach 1005, 8026 Zürich, Tel.: 044 242 19 45
www.al-zh.ch


Von folgenden Parteien erhielten wir auf unsere Anfrage überhaupt keine Reaktion:
CVP, FDP, Grünliberale, Humanistische Partei.

Die politische Situation in der Schweiz ist ernüchternd. Für Vegetarier ist keine der Parteien wirklich zu empfehlen. Die einzige Ausnahme sind die Jungen Grünen, die offen für das Thema sind. Es bleibt zu hoffen, dass der Einfluss der jungen Generation auf die etablierten Parteien und insbesondere auch auf die Grüne Partei künftig so stark wird, dass diese ihre Blockadepolitik gegenüber dem Thema Fleischkonsum aufgeben.
Bis dahin bleibt für politisch aktive Vegetarier nur die Wahl des geringsten Übels oder eine Partei durch Beitritt von innen heraus zu verbessern.
Es gibt zwar Ansätze von positiven Alternativen wie die Ethikpartei (www.ethikpartei.ch), jedoch ist diese Partei noch nirgends wählbar.


Nachträge:

Seit 2010 gibt es die Tierpartei Schweiz (TPS), welche viele Anliegen der SVV teilt. Sie tritt im Oktober 2011 zum ersten Mal zu den Nationalratswahlen an. Allerdings nur in diesen Kantonen: Zürich, Bern, Solothurn, Luzern.

Innerhalb der Jungsozialisten (JUSO) gibt es eine Gruppe, die sich dem Thema Fleischkonsum angenommen hat: VeginossInnen.
Die JUSO fordern sogar klar die Einführung eines vegetarischen Wochentages und einer Fleischsteuer in ihrem Forderungspapier (Punkt 14: Nachhaltige Ernährung).