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Interview mit Joshua Tyrell

Am 6. Dezember wurde der Veganer Joshua Emanuel Tyrell zum Mister Suisse Romande 2009 gewählt. Renato Pichler von der SVV sprach mit ihm.


Zuerst: Herzliche Gratulation zu Deiner Wahl! Hast Du mit einem Sieg gerechnet oder war er eine grosse Überraschung für Dich?

Es war eine riesige Überraschung für mich! Ich hatte eigentlich an dieser Wahl mehr zum Sammeln von Erfahrungen teilgenommen, ohne an einen Titel zu denken.

Hattest Du einen speziellen Grund für Deine Teilnahme?

Vor ca. einem Jahr hatte ich mein Tanz-Video an die Organisation der «Miss-Schweiz-Wahlen» gesandt, um als Tänzer mitmachen zu können. Ich bekam eine Einladung zu einem Casting, als ich gerade mitten in der Aufnahmeprüfung für die Universität steckte, und liess daher diese Chance sausen. Als meine Mutter dann von dieser «Mister-Suisse-Romande-Wahl» am Radio hörte, hat sie mich motiviert, ein Foto zu schicken. Ja, es gab mehrere Gründe für meine Teilnahme, denn bis jetzt habe ich z.B. viel Erfahrungen bei der Arbeit mit Kindern sammeln können, als Kursleiter bei Pro Natura, in meiner Ausbildung «Jugend und Sport» und auch im Turn-, Tanz- und Schwimmunterricht. Durch diese Wahl bekomme ich nun die Gelegenheit, auch die Erwachsenenwelt besser kennenzulernen.

In der Zeitung konnte man lesen, dass Du vegan lebst. Weshalb?

Zu Hause gibt es nie Milch oder Eier, aber es kam trotzdem vor, dass ich beides bei Kollegen oder unterwegs ass. Nun ist für mich das Bewusstsein ausschlaggebend, dass tierische Eiweisse eigentlich gar nicht zur richtigen Ernährung des Menschen gehören. Auch Leder will ich nicht tragen, weil es ebenfalls Tierleid verursacht. Es gibt genug moderne Technologien, durch die sehr gute Materialien hergestellt werden – wir sollten von den Gewohnheiten der Höhlenbewohner wegkommen. Ich empfinde es als einen grossen Vorteil und ein Glück, dass ich eine Mutter habe, die mich seit meiner Geburt vegetarisch ernährt hat.

Also lebt Deine ganze Familie vegan?

Ja, seit einigen Jahren hat meine Mutter ihren Koch-Stil umgestellt, es war ein stetiges Wachstum und eine Verbesserung für die ganze Familie. Auch als mein Freund Lamsa, der wie ein Bruder zu mir ist, bei uns wohnte, wurde ich von ihm über viele Zusammenhänge aufgeklärt.

Hast Du noch nie in Deinem Leben Fleisch gegessen?

Fleisch habe ich nur einmal in meinem Leben probiert. Ich mag mich an den Geschmack nicht mehr erinnern, aber an mein schlechtes Gewissen sehr wohl! Es ist für mich unmöglich, Tieren in die Augen zu schauen, mit ihnen zu spielen und sie anschliessend auf dem Teller zu haben. Eier hatten wir sehr selten, aber Käse war noch Teil unserer Ernährung. Für mein Getränk am Morgen hatte ich schon immer Sojamilch.

Hattest Du mit Deiner Ernährungsweise nie Probleme in der Schule oder unter Kollegen?

In den ersten Jahren im Gymnasium war es sehr schwierig für mich. Ich denke da an die vielen Male, wo man mir sagte, ich sei komisch, weil ich kein Fleisch esse. Heute kann ich darüber lachen, vor allem, wenn mich jemand fragt: «Aber was isst Du denn?» Heute kann ich solchen Leuten Erbarmen zeigen. Nun respektiert man mich, denn ich weiss, dass der Fleischkonsum barbarisch und abartig ist und dass ich für eine gute und vor allem wichtige «Sache» einstehen muss. Ich war auch sehr sensibel: Auf dem Weg zum Kindergarten zum Beispiel lief ich den andern immer schnell voraus, um die kleinen Insekten auf dem Weg zu entfernen, weil die anderen Jungs sich amüsierten, so viele wie möglich zu zertrampeln. Ich weinte, weil ich dies nicht verstehen konnte. Meine Mutter lud die ganze Klasse zu uns ein und erklärte ihnen vieles über Tiere.

Musstest Du dafür kämpfen, in der Schule und an der Uni etwas Veganes zu bekommen?

Ja, ich muss es vor allem erklären, denn die meisten wissen gar nicht, was damit gemeint ist.

Gerade in der Romandie ist die vegane Ernährung kaum verbreitet. Wie reagieren die Leute darauf, wenn Du ihnen sagst, dass Du nie Milchprodukte, Eier und Fleisch konsumierst?

Sie denken, ich sei auf einer speziellen Diät, einer sehr kargen Lebensweise, bei der ich mich sehr kasteien muss. Dann erkläre ich ihnen, dass dies genau umgekehrt ist und dass sie es sind, die eine sehr eingeschränkte Wahl haben und sogar noch den Tieren die Milch stehlen müssen. Ich habe eine Auswahl von mindestens vier Milchsorten wie Soja-, Mandel-, Hafer- und Reismilch und bin ein Gourmet, der sich mit allem, was die Natur für die Menschen wachsen lässt, im reinsten Schlaraffenland fühlt.

Du treibst viel Sport. Siehst Du es als einen Vor- oder Nachteil dabei an, keine tierischen Produkte zu konsumieren?

Auf jeden Fall ist es ein Vorteil, denn ich habe bei weniger Belastung definitiv mehr Energie.

Du siehst sehr fit aus. Musst Du bei der veganen Ernährung auf etwas Spezielles achten, um so leistungsfähig zu bleiben?

Ich habe immer Sonnenblumenkerne und Sultaninen bei mir und je nach Saison auch Früchte, denn man kann nicht erwarten, in Schulkantinen oder Restaurants eine vitaminreiche Nahrung zu bekommen.

Es wird immer wieder behauptet, dass man tierische Nahrung braucht, um leistungsfähig zu sein. Was sind Deine Erfahrungen dazu?

Ich weiss, dass das nicht stimmt, im Gegenteil! Ich konnte immer wieder beobachten, wie ich nach dem Konsum von Milchprodukten oder Eiern nicht nur eine schwere Verdauung hatte, sondern auch am nächsten Tag mit einem Schnupfen aufwachte. Meine Haut war auch immer ein gutes Barometer für mich.

Glaubst Du, dass Dein Beispiel auch andere dazu motiviert hat, selbst vegan zu leben?

Ich war nie eine aufdringliche Person, die versuchte, andere zu ändern. Ich kümmerte mich um meine Gesundheit und war nicht interessiert an irgendwelchen Rechtfertigungen. Ich widmete mich hauptsächlich meinem Studium und dem Break Dance und jobbte in meiner Freizeit für mein Taschengeld. Heute denke ich, dass das auch ein bisschen egoistisch war, denn ich habe erkannt, dass die Leute vor allem Aufklärung benötigen. Die meisten realisieren noch nicht, dass ihre Ernährungsweise in direktem Zusammenhang mit der heutigen schwierigen Situation in der Welt steht, welche die Dringlichkeit von Information mehr als je zeigt. Ich bin entschlossen, mein Bestes zu geben, um zu dieser Aufklärung beizutragen.

Kennst Du viele andere Veganer in Deinem Umfeld?

Neben meiner Familie sind da bis jetzt nur zwei sehr nahe Freunde, welche die gleiche Meinung wie ich teilen und auch vegan leben.

Weisst Du schon, welche Konsequenzen Deine Wahl zum Mister Suisse Romande für Dich hat?

Konkret nicht zu 100%, aber ich mache mir da schon ein paar Gedanken. Ich bin dadurch zu einer öffentlichen Person geworden, was es den Leuten leichter macht, auf mich zuzukommen, und mir erlaubt, meine Ideen mit viel mehr Personen zu teilen. Nun habe ich natürlich auch die Möglichkeit, Interviews zu geben.

Wirst Du auch an PETAs Europe's Sexiest Vegetarian Contest teilnehmen?

[Haha] Ja klar! Wäre natürlich das «Tüpfelchen auf dem i»! Das würde mich freuen, auch um viele andere Vegetarier kennenzulernen!

Joshua, ich danke Dir für das Interview und wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg als neuer Mister Suisse Romande. Dein Beispiel kann sicher viel bewirken.


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