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Organisationen-Porträt
In dieser Serie stellen wir Ihnen Organisationen aus dem Bereich Ernährung, Tierschutz und Umweltschutz vor. Wir zeigen deren Verhältnis zur vegetarischen Lebensweise in Worten und Taten auf.

Hilfsorganisationen:
Erklärung von Bern, Helvetas, Caritas, HEKS

Oft wird den Tierschützern vorgeworfen, dass sie besser den Menschen helfen sollten als den Tieren. Nach dem Motto: «Die Menschen kommen zuerst.»
Sehr beliebt ist diese Ausrede, um selbst nichts für die Tiere zu tun bei Menschen, die auch nichts für ihre Mitmenschen tun. Doch wie steht es mit den Organisationen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, anderen Menschen zu helfen? Sehen diese zumindest den Zusammenhang zwischen der vegetarischen Ernährung und dem Welthunger und die negativen Auswirkungen der Fleischproduktion auf Mensch und Umwelt?
Wir haben deshalb die grössten Schweizer Hilfswerke angefragt, wie sie zur vegetarischen Ernährung stehen.

Erklärung von Bern

Die Erklärung von Bern (EvB) ist eine unabhängige entwicklungspolitische Organisation und wird weitgehend von ihren 16000 Mitgliedern und Spenden getragen. Ihre Tätigkeit beschreibt sie selbst folgendermassen:
«Wir nehmen Einfluss auf entwicklungspolitische Fragen in der Schweiz, informieren die Öffentlichkeit über ungerechte Beziehungen zwischen Süden und Norden und intervenieren bei internationalen Finanz- und Wirtschaftsinstitutionen. Als Teil eines weltweiten Netzwerks von Menschenrechts-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen setzt sich die EvB seit 1968 für eine gerechte und menschenwürdige Globalisierung ein.»

François Meienberg von der EvB zur Beziehung der Organisation zum Vegetarismus: «Die Art und Weise, wie wir konsumieren, steht meist in einem Zusammenhang mit Entwicklungs- und Menschenrechtsfragen. Da macht unser Lebensmittelkonsum keinen Unterschied. […] Es ist korrekt, unseren Fleischkonsum als nicht nachhaltig zu bezeichnen. Die EvB hat bereits mit verschiedenen Aktionen/Publikationen darauf aufmerksam gemacht. Dazu gehören u.a.:
– 1975: Aktion «Fleischverzicht»
– 1992: Publikation des Buches «Unser täglich Fleisch – So essen wir die Welt kaputt» (erschienen im Unionsverlag, vergriffen)
Gut möglich, dass wir die Thematik wieder einmal aufnehmen werden.»

Aus der Homepage der EvB kann man Entsprechendes zum Thema Landwirtschaft und Wasser entnehmen:
«Während für den Weizenanbau nur die Hälfte des Wassers im Vergleich zum Reisanbau nötig ist, wird für jede Kilokalorie Fleisch zehnmal mehr Wasser benötigt im Vergleich zu Getreide.
Für die Produktion rein vegetarischer Nahrung würden durchschnittlich pro Kopf und Jahr rund 260 Kubikmeter Wasser ausreichen. Mit einem Anteil von 20% Fleisch in der Nahrung erhöhe sich der Wasserverbrauch auf 1000–1300 Kubikmeter pro Kopf und Jahr.»1
Die EvB zeigt damit auf, dass echtes Bemühen um das Wohl der Menschen unmöglich ist, wenn man den Fleischkonsum ignoriert. Auch wenn bei der EvB der Fleischkonsum nicht täglich thematisiert wird, wird er auch nicht ignoriert.

Erklärung von Bern
Dienerstrasse 12
8026 Zürich
Tel. 044 277 70 00
www.evb.ch


Helvetas

Helvetas wurde 1955 als erste private Entwicklungsorganisation der Schweiz gegründet. Sie ist ein politisch und konfessionell unabhängiger Verein, der heute von 43000 Mitgliedern, rund 40000 Gönnerinnen und Gönnern und 15 ehrenamtlich tätigen Regionalgruppen getragen wird.

Die Antwort von Barbara Strebel von der Helvetas auf unsere Anfrage über deren Sicht des Zusammenhangs zwischen Entwicklungshilfe und vegetarischer Ernährung:
«Als ökologisch orientierte Organisation mit einem Themenschwerpunkt Wasser sind wir uns der Problematik einer unökologischen, transport- und wasserintensiven Fleischwirtschaft bewusst, die von einzelnen Grossfarmen dominiert wird und für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung wenig bringt bzw. sogar negativ ist. Diese Art des Wirtschaftens lehnen wir ab – und anerkennen damit auch, dass die vegetarische Lebensweise, welche die Exzesse der Fleischindustrie meidet, in der Regel ökologischer und nachhaltiger ist. Eine ökologisch verträgliche Viehhaltung (Kleintierzucht), wie sie viele Kleinbauern im Süden betreiben, lehnt unsere Organisation jedoch nicht ab. Sie stellt für Millionen von Familien eine wichtige Überlebensmassnahme dar. Ob Menschen das Fleisch der Tiere verzehren und/oder tierische Produkte nutzen, möchten wir dem Einzelnen überlassen.»
Natürlich ist es einfacher, wenn man Kleinbauern nicht aufzeigen muss, wie sie ökologischer mit ihrer Umwelt umgehen können (insbesondere, wenn man selbst noch Fleisch konsumiert). Doch wenn Millionen Kleinbauern jeweils auch nur wenige Tiere halten, summiert sich dies auf eine so hohe Tierzahl, dass auch diese Tiere negative Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Helvetas hat in ihrer Arbeit viel mit den Folgen von Dürren zu tun. Dabei ignoriert sie aber die Tatsache, dass der Wassermangel durch Viehherden verstärkt wird. Stattdessen beschränkt sie sich auf die Symptombekämpfung und lässt Brunnen und Viehtränken bauen2, anstatt Bäume zu pflanzen, um das lokale Klima und die Ernteerträge zu verbessern.
In ihrem Schwerpunktthema Wasser kommt auf ihrer Homepage konsequenterweise das Thema Fleischkonsum nicht vor. Es wurde gegenüber der SVV jedoch versprochen, diese Lücke auf der Homepage zu schliessen.
Immerhin anerkennt Helvetas die Zusammenhänge in ihrer Mitgliederzeitschrift «Partnerschaft» vom August 2007 auf Seite 26:
«Der zunehmende Verzehr von Fleisch führt zu einem weltweit höheren Wasserverbrauch. […] Bei jedem Einkauf entscheiden wir darüber, wie viel verstecktes Wasser wir verbrauchen wollen.»
Leider kann man bei Helvetas keine Taten erkennen, welche diese Tatsachen berücksichtigen.
Noch nie hat Helvetas eine Aktion zur Reduzierung des Fleischkonsums durchgeführt.

Helvetas
Weinbergstrasse 22a
8021 Zürich
Tel. 044 368 65 00
www.helvetas.ch


Caritas

Der Verein Caritas Schweiz ist ein katholisches Hilfswerk und ist tätig im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz. Er hilft Menschen in Not im Inland und weltweit in über 50 Ländern. Die Ernährungssicherung der Menschen ist für Caritas ein wichtiges Anliegen.
Auf unsere Anfrage erhielten wir folgende Antwort: «Caritas [sieht] in den veränderten Essgewohnheiten einen von verschiedenen Gründen für die aktuelle Ernährungskrise. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten in Schwellenländern wie China oder Indien leisten sich Fleisch und Milchprodukte. Mittlerweile wird gut ein Drittel der weltweiten Getreideernte für die Fütterung von Nutztieren verbraucht. Dabei wird aber nur etwa 10 Prozent des verfütterten Getreides in Fleischmasse umgewandelt, die restlichen 90 Prozent sind für die menschliche Ernährung verloren. Insgesamt wird nicht einmal die Hälfte des weltweit produzierten Getreides direkt als Nahrungsmittel verwendet – über die Hälfte endet als Tierfutter oder Agrotreibstoffe.»
In ihrer Stellungnahme zur Ernährungskrise schreibt Caritas in «Das Recht auf Nahrung muss gestärkt werden»: «Mittlerweile wird gut ein Drittel der weltweiten Getreideernte für die Fütterung von Nutztieren verbraucht. Dabei wird aber nur etwa 10 Prozent des verfütterten Getreides in Fleischmasse umgewandelt, die restlichen 90 Prozent sind für die menschliche Ernährung verloren.»
Trotz dieser Erkenntnis unterstützt Caritas in Hilfsprojekten Bauern mit Hühnern, Vieh und Fischen zur Zucht.3 Hingegen gab es bisher noch keine Aktion von Caritas, welche das Problem des hohen Fleischkonsums angegangen ist.

Caritas Schweiz
Löwenstrasse 3
6002 Luzern
Tel. 041 419 22 22
www.caritas.ch

«Wegen der gestiegenen Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten und wegen der Agrotreibstoffproduktion gelangt nur etwa die Hälfte des weltweit produzierten Getreides auf die Teller.»
Caritas zum Welternährungstag vom 14.10.08


HEKS

Dieses evangelische Hilfswerk ist der Meinung, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Fleischkonsum und seiner Arbeit gibt, und hat es deshalb abgelehnt, unsere Fragen zu beantworten. In seinen Projekten wird der Fleischkonsum grundsätzlich nie thematisiert. HEKS unterstützt aber die Fleischproduktion ganz direkt. Zum Beispiel mit seinem Projekt «Gib e Geis» (www.gibegeiss.ch), bei dem es Spenden sammelt, um die Ziegenwirtschaft zu verbreiten.

HEKS
Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz
Stampfenbachstrasse 123
8021 Zürich
Tel. 044 360 88 00
www.heks.ch