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Der ruhmvolle Adolf Hitler?

Die SVV führt auf ihrer Homepage eine Liste von berühmten vegetarischen Persönlichkeiten.
Dass Adolf Hitler dort nicht aufgeführt ist, veranlasst immer wieder Fleischesser dazu, eine E-Mail zu schreiben, um darauf hinzuweisen, dass auch er angeblich Vegetarier gewesen sei und in diese Liste gehöre.

Ruhmreich?

Es zeugt von einem enormen Mangel an Argumenten, wenn man zur Rechtfertigung des eigenen Fleischkonsums Adolf Hitler in der Liste ruhmreicher vegetarischer Persönlichkeiten sehen möchte. Hitler ist selbstverständlich eine bekannte Person der Geschichte, doch womit soll er Ruhm erlangt haben, um in eine Liste berühmter Persönlichkeiten aufgenommen zu werden?

Vegetarier?

Heute weiss man, dass Hitler sich nicht an die vegetarische Ernährung gehalten hat, obwohl es ihm von seinem Leibarzt nahegelegt wurde, um seine Verdauungsbeschwerden zu lindern.
Dies geht aus vielen Berichten hervor (u.a. von Leibwächtern Hitlers und anderen engen Vertrauten, die ihn regelmässig beim Fleischessen sahen).

Göbbels als Informationsquelle

Weshalb wird Hitler dennoch als Vegetarier bezeichnet? Der Kriegspropagandaminister Hitlers, Joseph Göbbels, wollte aus Hitler einen Übermenschen machen, der nur für sein Volk lebt und sich in Askese übt. Dazu gehörte für ihn offenbar auch, dass Hitler Vegetarier sein solle.
Obwohl heute an die meisten Kriegspropagandalügen Göbbels niemand mehr glaubt, ist es erstaunlich, dass an dieser Lüge Göbbels nach wie vor festgehalten wird.

Vegetarier: die besseren Menschen?

Weshalb ist das Gerücht, dass Hitler Vegetarier war, bis heute unausrottbar?
Wenn man sich die Liste berühmter Vegetarier ansieht (z.B. Wilhelm Busch, Albert Einstein, Leonardo da Vinci, Thomas Edison, Mahatma Gandhi, Christian Morgenstern, Isaac Newton, Origenes, Plutarch, Pythagoras, Romain Rolland, Seneca, Isaac Bashevis Singer, Sokrates, Leo Tolstoi und viele weitere) und sich vergegenwärtigt, dass man durch den Fleischkonsum zur Verschlechterung des Weltklimas beiträgt, grosse Mengen an natürlichen Ressourcen verschwendet und den Auftrag gibt, junge Tiere zu töten, dann kann man leicht den Verdacht bekommen, dass Vegetarier «bessere Menschen» sind.
Die beste Methode, um dieser Schlussfolgerung entgegenzuwirken, ist es natürlich, dass man den «schlechtesten» bekannten Menschen auch zu den Vegetariern zählt. Damit braucht man sich als Fleischesser keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob eine Lebensweise ohne Fleischkonsum evtl. doch besser wäre. Denn etwas, was angeblich sogar Hitler unterstützte, kann ja nicht gut sein. Dieses «Argument» ist so beliebt, dass niemand es auch nur für nötig hält nachzugehen, ob es tatsächlich der Wahrheit entspricht. Schliesslich gibt es heute kaum noch Argumente, die gegen eine vegetarische Ernährung sprechen, deshalb klammert man sich an jedes vermeintliche Argument, das man finden kann.
Nur nebenbei sei noch erwähnt, dass Hitler nach seinem Machtantritt die vegetarischen Organisationen in Deutschland verboten hat.

Rauchen Sie!

Es ist historisch belegt, dass Hitler überzeugter Nichtraucher war. Mit obiger Logik von Fleischessern würde man daraus folgern: Hitler war Nichtraucher, also kann das nicht gut sein, deshalb muss ich rauchen. Wie absurd ein solches «Argument» für das Rauchen ist, sieht man sofort ein. Dieselbe Argumentationsweise gegenüber der vegetarischen Ernährung wird jedoch gedankenlos akzeptiert.
Übrigens hatte Hitler auch einen Hund, den er offenbar auch liebte. Kann man deshalb die Persönlichkeit aller Hundebesitzer in die Nähe Hitlers rücken?

Vorbild Hitler

Obige Beispiele zeigen: Hitler als moralische Leitlinie zu verwenden, ist sicher nicht der richtige Weg, um Entscheide für das persönliche Verhalten zu fällen.
Wenn jemand Fleisch essen möchte und damit den Auftrag zum Töten eines Tieres gibt, um seinen Gaumen zu befriedigen, dann kann dies nicht damit begründet werden, dass Hitler kein Fleisch gegessen hat (selbst wenn dies zutreffen würde). Jeder Mensch ist selbst verantwortlich für seine Handlungen. Gerade die Zeit der Nationalsozialisten sollte uns heute zeigen, dass man sich auch nicht hinter der Mehrheit verstecken kann: Nur weil die Mehrheit etwas tut, muss es noch lange nicht richtig sein.

Renato Pichler